Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 3 (17.1.1913)
- Date
- 1913-01-17
- Page
- Seite 42 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 42 Dr. Bkvchs Wochenschrift. Nr. 3 Kischenew erscheinenden „Bessarabskija Schiznj" wurde wegen Veröffentlichung eines Artikels „Die Rechtlosigkeit der Juden" zu zwei Monaten Gefängnis und der Redakteur der großen Petersburger Zeitung „Rjetsch" wegen des Artikel „Jüdische Tränen" zu einer Geldstrafe von 500 Rubel verurteilt. Jüdische Abgeordnete in den Dumakommisfislien. Bei den in der Duma vorgenommenen Wahlen in die einzelnen Kommissionen und Ausschüsse des russischen Parlamentes wurde der jüdische Abgeordnete Dr. Bomasch in den Ausschuß zur Vorbereitung von Gesetzesvorlagen sowie in den Ausschuß für Handel und Jn-s dustrie und Dr. Gurewitsch in den Ausschuß für Bildungs- und Kultüsangelegenheiten gewählt. Dir russifihru Bauern wehren sich, gegen die Jndenanstreibnngen. Aus Odessa wird berichtet: Täglich kommen jetzt zahlreiche jüdische Familien nach Odessa, die aus den Wolhynier, Kiewer und Podolier Gouvernements vertrieben . wurden. Das Verbrechen dieser vertriebenen Juden bestand darin, daß sie in den einzelnen Dörfern Gutsverwaltungen innehatten oder sich selbst mit Gemüsegärtnerei befaßten. Wie begründet jedoch diese Maßregel war, mag aus dem Umstande ersehen werden, daß die Gutsherren ganz spontan sich bei den Lokalbehörden, einige von ihnen sogar in Petersburg dafür einsetzten, daß die Juden nicht vertrieben werden, da sie dadurch großen Schaden erleiden würden. Zum Teile war diese Intervention auch erfolgreich. Viele von den Vertriebenen wohnen schon seit Jahrzehnten in diesen Dörfern und leben mit den Bauern in dem allerbesten Einvernehmen. Ein Beweis hierfür ist die Tatsache, daß die Bauern die proskribierten Juden in ihren Wohnungen verborgen hielten, damit die Polizei den Ausweisungsbefehl nicht durchführen könne. In vielen Dörfern haben die Bauern GeldsamMlungen veranstaltet, um die vertriebenen jüdischen Familien zu unterstützen. In anderen Dörfern wieder haben die Bauern die Familien der vertriebenen Juden bei sich behalten und sich bereit erklärt, diese solange selbstlos auszuhallen, bis das ausgewiesene Familienoberhaupt in der Stadt, die er nun aufsuchen mußte, eine Existenz gesunden hat, oder dem von dem Bauern überreichten Bittgesuch eventuell Folge gegeben werden wird. Bezeichnend ist auch die Tatsache, daß das eindruckvollste Gesuch zugunsten der Juden aus dem Wolhynier Gouvernement abgesandt wurde, in welchem sich auch das berüchtigte Potschajewer Kloster befindet, in welchem die blutrünstigste Pogromliteratur fabriziert und über ganz Rußland verbreitet wird. Hallen die Taufe der Juden sei. Das geklagte Mäd-> chen, die siebzehnjährige Pauline Nothberg, erklärte zunächst, daß es Mitglied der Antimissionsliga sei und be? ihrem Verhalten den Gesichtspunkt vertreten habe, daß die Freiheit der Religionsübung vor allem die Offenheit voraussetze, daß jeder Kultus sich als solcher deklariere, der er sein will. Die Missionshallen bedienen sich aber der unlautersten Verführungsmittel, die Aufschriften über der Eingangspforte feien durchwegs hebräisch und jüdisch, wodurch viele Juden der Meinung sind, daß es sich um eine jüdische Synagoge oder ein jüdisches Lehrhaus handle. Sie habe bloß ihre Gewissenspflicht erfüllt, ihre Glaubensgenossen auf diese Irreführung aufmerksam zu machen, und daß es eine Irre-* führung war, gehe schon daraus hervor, daß die meisten als sie die Aufklärüng vernahmen, das Missionshaus überhaupt nicht betreten haben. Der Richter teilte den Standpunkt des geklagten Mädchens, wies den Kläger energisch zurecht und sprach Fräulein Nothberg frei. Eine Million Dollar für wissmschaftliche und wohltätige Zwecke. Aus Newyork wird berichtet: Der jüngst verstorbene Professor Morris Loebl hat fein Gesamtvermögen von mehr als einer Million Dollar wissenschaftlichen und wohltätigen Zwecken testiert. Von der genannten- Summe erhält die Harvard-Universität 500.000 Dollar zur Förderung der Chemie und Physik. Das jüdische- Rekonvaleszentenheim einer Solomon und Betti Löw- Stiftung erhält 250.000 Dollar. Die amerikanische Chemikergesellschaft ist mit 25.000 Dollar zum Zwecke der Errichtung eines naturwissenschaftlichen Museums bedacht. Das jüdische technische Institut, dessen Präsident der Verstorbene war, erhält 50.000 Dollar. Der Rest wird auf verschiedene andere Lehranstalten und humanitäre Organisationen verteilt. Juden aus dm Philippinen. Solange die philippinischen Inseln spanischer Besitz waren, gab es in der Hauptstadt Manila im ganzen drei Juden,' die das Bankgeschäft betrieben. Seitdem diese Inseln in den Besitz der Vereinigten Staaten von Amerika übergingen, haben sich in Manila sukzessive 3000 jüdische Familien angesiedelt. Der größte Teil kam direkt aus Rußland, ein Teil aber auch aus Japan. Rach dem russisch-japanischen Krieg ist ein großer Teil russischer Juden nach Japan ausgewandert, und es ist erwähnenswert, daß die meisten von ihnen der Konkurrenz der japanischen Kaufleute nicht standzuhalten vermochten und dann nach den philippinischen Inseln weiterwanderten. Sie haben jetzt in Manila acht Synagogen, auch eigene Schulen, eine Anzahl kleinerer Vethäuser und mehrere Wohltätigkeitsvereine. Der Prozeß des Missionärs. Aus Newyork wird uns geschrieben: Vor einem Richter des East End fand dieser Tage die Verhandlung eines Prozesses statt, dessen Ergebnis für die Bestrebungen der Antimissionsliga von großer Bedeutung ist.' Der Missionär Natan Friedmann, ein getaufter Jude, verlangte die Verhaftung eines jüdischen Mädchens, weil es ununterbrochen vor dem Missionshause stehe und das Publikum an dem Besuch der Missionshalle hindere. Friedmann plädierte, daß Amerika e'n freies Land sei, in welches jeder seinen Gottesdienst nach eigenem Geschmack abhalten kann. Schlagfertig erwiderte der Richter hierauf, daß gerade, weil Amerika ein freies Land fei, das geklagte Mädchen das Recht hatte, die Besucher der Missionshalle vor dem Eingänge darauf aufmerksam zu.machen, daß der Zweck dieser Missions- Vermischtes. Bortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Donnerstag, den 23. Jänner 1913, halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekt en-Bereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Salomon Funk aus Boskowitz statt. Thema: „Die Juden in der europäischen Türkei". Eintritt frei, ohne Karten. Wien. Montag, den 27. Jänner 1913, nachmittags 5 Uhr, findet die Generalversammlung des Israelitischen Frauenwohltätigkeits«Vereines in Floridsdorf, Holzmeistergasse 12, statt.