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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-01-17 · 3 (17.1.1913) · p. Seite 41

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
3 (17.1.1913)
Date
1913-01-17
Page
Seite 41 (sequence 9)
Language
German
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!r 3 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 41 euerer Gleichgültigkeit und euch nicht länger frozzeln lassen sollt von Männern, die ihr in den Gemeinderat. wählt und die euch immer und immer wieder bei Gelegenheiten, wie es beim Balle der Deutsch völkischen der Fall war, zeigen, daß sie es als eine Ehre betrachten, bei den Antisemiten anwesend zu sein,- aber bei eine?n jüdischen Unterhaltung nicht anwesend sind, weil sie dies vielleicht als unzukömmlich fühlen würden. Frankfurt a. M. (Ein christIicher Pfarrer über den Antisemitismus.) Der Pfarrer an der hiesigen französisch-reformierten Gemeinde, Herr Ch. Correvon, hat folgendes Schreiben an den Verein zur Abwehr des Antisemitismus gerichtet: ..Würden Sie die Liebenswürdigkeit haben, mir die Statuten Ihres Vereins zuzusenden, da ich gerne demselben beitreten möchte. Meine Mittel sind freilich beschränkt, und ich kann keinen hohen Betrag zeichnen, aber ich denke, der moralische Zweck wiegt auf diesem" Gebiete mehr als die finanzielle Frage, und mir ist besonders darum zu tun, öffentlich festzustellen, daß ich im Namen der Freiheit und der Menschlichkeit das unwürdige Treiben der Antimiten verabscheue, noch mehr aber als evangelischer Pfarrer und Christ. Hochachtungsvoll Ch. Correvon, Pfarrer an der französischresormierten Gemeinde." OberrabbMer Dr. Margulies über seine Studienreise in Tripolis. Der Oberrabbiner von Florenz und der Direktor der dortigen Rabbinerschule, Professor Dr. Margulies, ist von seiner Studienreise aus Tripolis heimgekehrt und hat über seine dortigen Erfahrungen interessante Mitteilungen gemacht. In Lybien gibt es jetzt, abgesehen von den in jüngster Zeit hinzugekommenen jüdischen Familien, mehr als 20.000 Juden. Dis meisten von ihnen wohnen in Tripolis, Benghasi unb Derna. Sie gehören zum größten Teile der streng orthodvren Richtung an und widmen sich, ehe sie eine ständige Beschäftigung ausnehmen, fast ausschließlich dem Bibel- und Talmudstudium. Dann aber wenden sie sich allen möglichen Berufen und Gewerben, auch den schwierigsten, zu. Tatsächlich findet man unter ihnen sehr viele Schlosser, Tischler, Schuster, Schneider. Uhrmacher. Rutscher usw. Der Ritus ist wohl ein spaniolischer, aber ihre Gesänge weichen von den sephardischen ab und klingen mehr den russischen und galizischen Gesängen ähnlich. Sie haben von den Arabern viel zu leiden, und es ist bezeichnend, daß die Araber, die noch immer im Aufstande sind, sich bei den italienischen Militärbehörden damit zu salvieren suchen, daß sie angeblich von den Juden zu Aufständen verleitet wurden. Die eingeleitete Untersuchung hat jedoch das Gegenteil von denk ergeben, daß nämlich die Araber die Juden für einen Widerstand gegen die Italiener zu verleiten suchten, was die Juden jedoch ablehnten. Demnächst wird für ganz Lybien ein Großrabbiner bestellt werden, der wichtige Aufgaben zu erfüllen haben wird. Es sei noch erwähnt, daß der größte Teil der tripolitanischen Juden die italienische Sprache beherrscht, die sie sich in den schon vor langer Zeit in Tripolis gegründeten italienischen Schulen angeeignet haben. Sie sind mit der italienischen Herrschaft zufrieden, da sie ihnen die volle Gleichberechtigung und auch die weiteste Entwicklungsfrekheit gewährleistet. Die rumänische Antisemiten predigen Judenheß eu. Es war eine zeitlang still im rumänisch-antisemitischen Blätterwalde. und da die Blätter schweigen, schwieg auch das Volk, ein neuer Beweis, daß, wie überall, auch in Rumänien das Volk nur barm eine judenfeindliche Haltung einnimmt, wenn es dazu gehetzt wird. Run meldet sich abermals eine bekannte antisemitische Stimme, und zwar der berüchtigte antisemitische Agitator Joan BursUk, der dieser Tage mit seinem Artikel ..Rumänien, die Botschafterreunion und die Juden" die Leidenschaften wieder aufzuwühlen versucht. In dem Artikel wird das rumänische Volk darüber aufgeklärt. daß die Regierung angeblich im Begriffe sei. das Land an die Juden zu verraten, indem sie in der Botschafterkonferenz die Bereitwilligkeit, im Falle einer Gebietserweiterung Rumäniens den Juden Gleichberechtigung zu sichern, erklären wolle. Die erste Folge dieses Hetzartikels war eine Protestversammlung der Bukarester Studenten, in welcher die Anwürfe Bursuks wiederholt wurden und der Sturz der Regierung gefordert wurde. Für uns ist diese Erscheinung nur insofern interessant, als man bei der gewohnten rumänischen Spitzfindigkeit nicht recht weiß, ob ^tzie Regierung ihren Delegierten in London wirklich eine solche Vollmacht erteilt hat, oder, was wahrscheinlicher ist, daß die Regierung sich diesen aufrührerischen Artikel und diese Protestversammlung bestellt hat, um vor der Botschafterkonferenz den Nach? weis zu erbringen, daß sie die Gleichberechtigung der Juden in Rumänien, ohne sich einer Revolutionsgefahr auszusetzen, nicht vornehmen könne. Die Epistel des griechischen Dichters Mazukas an die Juden. Der bekannte griechische Lyriker Mazukas richtete an die Juden von Saloniki einen schwungvollen 'poetischen Brief, in dem er sie einlädt, mit den Griechen wie Brüder mit Brüdern gemeinsam zu leben und unter dem griechischen Banner an der weiteren geistigen und wirtschaftlichen Entwicklung Salonikis milzuarbeiten. „Was wollen wir eigentlich? Welchem Ziele widmen wir denn jetzt unsere Kräfte? deinem anderen, als Euch die reelle und trostreiche Zukunft einer wirklichen gemeinsamen Arbeit zu bieten. Habet Vertrauen, und wenn Ihr morgens erwachet, so werdet Ihr unter dem hellenischen Banner die glücklichsten und zufriedensten Bürger sein. Ich wende mich an Euch, weil ich Euch kenne, weil ich weiß, daß Ihr ein Herz habt und zu den geistig Auserlesenen gehört. Ich habe gesprochen," so schließt der Dichter, „und nun umarme ich Euch, mit der ganzen Herzlichkeit und zeichne: Einer, der glücklich wäre, die Mitarbeit intelligenter Menschen zu besitzen, um mit Ihnen die schwere Aufgabe der Erneuerung des hellenischen Vaterlandes durchzuführen." Dir arme jüdische Jugend den Missionären preisgegeben. Odessa. Anläßlich der Generalversammlung eines der größten Wohltätigkeitsvereine von Odessa machte ein Redner traurige Enthüllungen darüber, wie die Kinder der ärmeren jüdischen Bevölkerung der Stadt vollständig den Missionären ausgeliefert feien. Er wirs: nach, daß es in den Odessaer jüdischen Vorstädten fast keine jüdische Familie gebe, deren Kinder nicht die Missionsschulen besuchen würden. Auf seine Frage, wes-' halb die Eltern dies täten, erhielt er fast überall die aufrichtige Antwort, daß sie und ihre Kinder sich in der größten Not befinden und fast Hungers sterben, weshalb sie gezwungen sind, ihre Kinder in die Missionsschulen zu schicken, wo die Kinder unentgeltlich zü essen bekommen und selbst die Ellern unterstützt werden. Es ist selbstredend, daß die Kinder in diesen Schulen sür die Taufe vorbereitet werden. Die Ausführungen des Redners haben in der Versammlung einen niederschmetternden Eindruck hervorgerufen. Arrest und Geldstrafen für Verteidigung jüdischer Rechte. Die russische Regierung setzt ihre Taktik fort, auf der einen Seite die Juden zu verfolgen und auf der anderen Seite jeden Versuch, die Rechte der Juden zu verteidigen, mit Gewalt zu unterdrücken. In der vergangenen Woche wurden abermals zwei angesehene russische Blätter wegen eines solchen „Verbrechens" mit empfindlichen Strafen belegt. Der Redakteur des in

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