Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 3 (17.1.1913)
- Date
- 1913-01-17
- Page
- Seite 39 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Dr. Vkochs Wochenschrift. Seite 39 ftaifetMe Belobung eines jüdischen Majors. Der Kaiser von Oesterreich hat anbefohlen, daß dem Major Wilhelm Wachtel des Generalstabskorps beim Armeeinspektor in Sarajevo in Anerkennung vorzüglicher Leistungen bei Verfassung eines Dienstbuches der Ausdruck der allerhöchsten Zufriedenheit bekanntgegeben werde. Major Wachtel gehört einer angesehenen Czernowitzer jüdischen Familie an. Antisemitischer Aufstand m einem ungarischprumanischen Dorfe. Mitten im Walde liegt die ungarisch-rumänische Gemeinde Lunkas im Byharer Komitate. Das Dorf wird ausschließlich! von Rumänen und einigen Juden bewohnt. Hier wohnt auch der Unternehmer Hermann Weih, der im Sommer eine Kalkbrennerei betreibt und dabei ausschließlich diese rumänischen Dorfbewohner beschäftigt. Weih hatte, um feine Arbeiter auch im Winter beschäftigen zu können, diesmal die Holzeinfuhr aus dem Lunkaser Walde übernommen. Trotzdem fast das ganze Dorf von Weih lebt, herrscht unter den Dorfbe-i wohnern seit längerer Zeit eine gereizte, antisemitisch!: Stimmung, die von dem Dorfrichter Johann Tripp geschürt und ständig genährt wurde. Als Weih letzten Montag früh in den Wald kam, um die Arbeit einzuteilen, überfiel die anwesende Bauernschaft den wehrlosen Menschen unter den Zurufen: „Jetzt endlich werden wir Judenblut genießen!" Im Walde befindet sich eine Hütte, welche auch Bureauzwecken dient und die Weiß durch ein Telephon mit dem Städtchen verbinden lieh, da er sich im Walde niemals recht sicher fühlte. In diese Hütte flüchtete sich Weih und telephonierte um Gendarmerie. Doch die zwei Gendarmen, die gekommen waren, machten, als sie die Erregung der Bauern sahen, kehrt. Weih schleppte sich in Begleitung der Gendarmen mühsam bis zur Verladestation einer Jndustrieschmalspurbahn, doch die Menge verfolgte ihn, sowie die anderen dort anwesenden jüdischen Beamten mit Steinwürfen, und als die Lokomotive mit zwei Waggons sich in Bewegung fetzte, brachte die wütende Menge den Zug zum Entgleisen und Weih sowie noch zwei andere Juden gerieten unter den Zug. Trotzdem die Verletzung der Verunglückten eine so schwere war, dah sie fast kein Lebenszeichen mehr von sich gaben, woll-e! die aufgehetzte Menge mit den Steinwürfen nicht aushören. Erst, als es beinahe zu spät war, erschien ein größeres Aufgebot von Gendarmerie, welches jetzt das aufrührerische Dorf besetzt hält. Der antisemitische Ortsrichter wurde in Haft genommen. Mevmi. Am 7. Januar, abends, fand im hiesigen Kurhause eine von den Herren Dr. Wassermann und Dr. Gold stein einberufene, sehr zahlreich besuchte Versammlung jüdischer Steuerträger Merans statt, in welcher zunächst Herr Dr. Wassermann referierte, was in der brennend gewordenen Frage, die Regelung der Kultusverhältnisse der Juden Südtirols betreffend, bisher geschehen sei. Redner führte aus, dah der An-- stoß zu dieser Bewegung von der politischen Behörde ausgehe, welche angesichts des bevorstehenden Jnslebentretens -einer jüdischen Kultusgemeinde in Innsbruck vor der Frage stehe, ob die südlich vom Brenner wohnenden Juden der künftigen Gemeinde in Innsbruck ein-> gepfarrt öder aber eine selbständige Institution für sich billren sollen. Da die von der am Weiterbestehen der bisherigen Verhältnisse bedeutend interessierten „Königswarter Stiftung" an die politische Behörde erstattete Entschliehung, wonach die Juden Südtirols der Kultusgemeinde Innsbruck unter der Bedingung zugewiesen werden sollen, dah ihnen eine Reihe von'selbständigen Rechten, insbesondere in der Finanzgebarung eingeräumt werde, unmöglich als allerseits befriedigende Lösung angesprochen werden könne, eine solche Schaffung eines „Staates im Staate" unzählige Schwierigkeiten biete und kaum Aussicht habe, in absehbarer Zeit Gesetzeskraft zu erlangen, legte hierauf Herr Rabbiner Dr. Kurrein in Beantwortung der aus der Mitte der Vei> sammlung an ihn gerichteten Fragen den Rechtsstandpunkt dar. Rach einer sehr regen Debatte, an der sich die Herren Dr. Bermann. Spitzer, Dr. Stein, Dr. Wass i n g u. a. beteiligten, beantragte Herr Dr. Goldstei n. eine legale Basis in der Form zu schaffen, dah ein. Komitee gewählt und damit betraut werde, die Wahl eines „Kultus-Komitees" auf Grund des derzeit für die Juden Tirols geltenden Statuts der Kultusgemeinde Hohenems in Vorarlberg vorzubereiten und zu leiten und welches weiterhin den von der Versammlung aus Antrag des Redners mit allen gegen eine Stimme gefaßten Beschluß, sich sofort im Prinzip für die Schaffung einer autonomen Kultusgemeinde für Südtirol mit dem Sitze in Meran auszusprechen, den nicht anwesenden, für diese künftige Gemeinde Wahlberechtigten mitzuteilen und deren nachträgliche Zustimmung durch Unterschrift einzuholen hätte. Rach Annahme dieser Artträge schloß der Vorsitzende. Herr Dr. Wassermann, in vorgerückter Stunde diese für die künftige Gestaltung der Kultusverhältnisse der Juden Südtirols bedeutsame Kundgebung. Die Bestattung des Korps-Sanitätschefs, k. u. k. Generalstabsarzt Dr. Maximilian Schneider in Sarajevo. Gestern nachmittag wurde aus der Leichenkapelle des k. u. k. Garnisonsspitales in Sarajevo der bis-' herige Sanitätschef des 15. Korps. Generalstabsarzt Dr. Maximilian Schneider, auf dem Friedhofe der österr.-ungar. israelitischen Kultusgemeinde in Kosevo beerdigt. Bescheiden über alle Maßen trotz einer Unsumme von Vorzügen als Mensch, Arzt und Offizier, hatte sich der Höchste k. u. k. Militärarzt des 15. undi 16. Korps jedwede Prunkentfaltung letziwillig verbeten. So kam es, dah der, dem ein großer militärischer Kon-» dukt und Militärmusik gebührt hätte, „klang- und sanglos" der Mutter Erde übergeben wurde. Nämlich das, was an ihm sterblich war. Seine Persönlichkeit, tief verehrt von Vielen, das Unsterbliche dieser ehrlichen, schlichten, biederen Mannesnatur. dies ging gewissermaßen neu belebt mit hinter dem Sarge, den kein Kranz schmückte, — weil auch diesbezüglich Doktor Schneider seine Bestimmungen getroffen hatte. Es ging mit der großen Anzahl aller Leidtragenden aus den Militär- und Zivilkreifen. die dem Leichenwagen bis zum KoZevofriedhofe das Geleite gaben. Dem Sarge folgten auher den zwei Töchtern eine grohe Anzahl von k. und k. Generälen, Stabs- und Oberoffizieren, darunter der Sekretär des Militärwisfenschaftlichen und Kasinovereines, die Militärgeistlichkeit, k. u. k. Militär- und k. u. k. Militärpostbeamten unter der Führung Seiner Exzellenz des Herrn Korpskommandanten und kommandierenden Generals FML. Edl. von Appel. Aus der Beamtenschaft feien genannt die Herren Senatspräsident Ritter v. Hordynski, Oberstaatsanwalt Holländer. Regierungsrat Strauß. Oberfinanzrat Wolfs, die Obersanitätsräte Dr. Seidenfeld und Dr. Fronius. ferner Kämmerer v. Barczay usw. Ihre Exzellenz Frau von Appel und die Präsidentin des Saraievoer Frauenvereines, Frau Therese Wolfs, die Schriftstellerin Frau Milena Preindelsberger-Mrazoviö. gaben mit zahlreichen Damen des k. u. k. Offizierskorps und der hiesigen Gesellschaft ebenfalls das Grabgeleile. Die österr.-ungar. Kultusgemeinde verttaten die Herren Dr. Roihkopf, Dr.