Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 3 (17.1.1913)
- Date
- 1913-01-17
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022039--21794-3046907- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Homer 1× ep/1025156
OCR text
Nr. 3 «eite 86 Dk. Vlochs die wilden Tiere, deren Felle sie trugen, und überragten diese an kulturellen Gütern nur um ein Geringes. Frankreichwar damals für Rom, dem führenden zivilisierten Staate, das etwa, was „La Nouvelle Calödonie" für unser Frankreich jetzt bedeutet: eine Art „Sibirien", so eine „Teufelsinsel", wohin die Römer ihre Verbann-- ten schickten. Palästina bildete zu jener Zeit eine autonome, Provinz mit eigenem König und selbständiger Verwaltung, trotzdem die Juden bereits dem römischen Staate unterworfen waren. Herodes, jener König unseligen Angedenkens, hatte gerade ein Testament hinterlassen, wonach Archilaos König werden sollte mit der Herrschaft über Juda und Schomron: seine anderen zwei Söhne bestimmte er als Tetrarchen mit der Regentschaft über die übrigen Provinzen. Diese saubere „prinzliche Familie", die von jüdischem Familiensinn und königlicher Ehre so viel wußte, wie der würdige Vater, verstand es, das arme Land durch Jntriguen und Machenschaften genügend in Be-; wegung zu halten, und schließlich brachten ihre unaus-! hörlichen Zänkereien und endlosen Angebereien Augustus, den römischen Kaiser, dazu. Archilaos seiner Regentschaft zu entsetzen und ihn nach, dem damaligen Sibirien, unserem heutigen Frankreich, zu verbannen. Das war im Jahre 6 nach gewöhnlicher Zeitrechnung, also etwa 65 Jahre vor dem „Churban". Den jüdischen Erkönig Archilaos kann also die Geschichte als den ersten französischen Juden bezeichnen. Er kam nach Vienne, Departement Isere, wo eine Garnison römischer Soldaten stand. Bekanntlich hat die ganze herodesianische Familie sich! in ihrem Privatleben stets nach den Prinzipien der „Peruschim" geführt. Es ist also sehr wahrscheinlich, daß Archilaos mehrere Juden zur Begleitung mitgeführt hat, um den jüdischen Pflichten wie „Minjanbeten". usw., nachzukommen. Wir befinden uns hier jedenfalls vor der eigentlichen Ansiedelung der Juden in Frank-, reich, da die Begleiter Archilaos' viele andere mit der Zeit nach sich zogen. Die französische Provinz, welche im Mittelalter den Namen „Dauphine" trägt und in der sich „Vienne", wohin Archilaos verschickt wurde, befindet, ist nun in der Tat diejenige Provinz Frankreichs, die bereits im ersten Jahrhundert des entstehenden Christentums Juden beherbergt. Das französische Judentum hat sich nun nicht begnügt, nur einen König im Stammbaum zu haben: es hatte deren zweie. Als Agrippa der Erste bei dem römischen Kaiser und Idioten Kaligula sehr in Gunst stand und mit Gunstbezeugungen überhäuft wurde, erfüllt dies seinen Schwager und Vetter Herodes Antipas mit Neid. Herodes Antipas, Tetrarch von Galiläa und Eber Hajacden, der Bruder des Archilaos, buhlte auch um die Gunst des römischen Imperators, von dessen Schwachsinn er den Titel seines Vaters Herodes zu erlangen hoffte. Aber Agrippa wußte Kaligula ein so reizendes Lied von seinem lieben Vetter und Schwager Herodes Antipas zu singen, daß der römische Kaiser den Tetrarchen Staate pede verhaften und nach Roms Teufelsinsel — unserem heutigen Frankreich — deportieren ließ. Seine Frau, die Prinzessin Herodias, Agrippas Schwester und Herodes Enkelin, folgte ihm mit ihren Kindern in die Verbannung nach der Stadt Lyon, wo sie beide starben. Dies war etwa 45 Jahre, nachdem sein Bruder Archilaos nach Frankreich verbannt wurde. Wenn auch nach obigen historischen Untersuchungen das französische Judentum stolz auf seine Abstammung sein kann, so weiß, jedoch die Volkstradition den Ursprung eines Teils der Judenheit Frankreichs vom weniger Wochenschrift. großen „Jichus" abzuleiten. Die Ueberlieferung erzählt, daß mehrere römische Legionäre, die unter den Mauern Jerusalems kämpften, jüdische Mädchen mit sich schleppten und diese ehelichten. Als „Militäranwärter" erhielten sie dann Wohnsitz in den Provinzen des Rheins, das ist Elsaß-Lothringen und Südsrankreich, angewiesen. Die Kinder der jüdischen Frauen wurden als Juden erzogen, und von ihnen stammt ein Teil der Juden des Elsaß und Südfrankreichs. In der Tat findet man, daß die elsässischen Juden Namen trugen, die! keineswegs jüdischen, vielmehr römischen Ursprungs sind, wie z. B. Armentarus, Freskus, Pharagorus usw. Jene französischen Ueberpatrioten Cohön, Cohn, Cahn, Canne-, Cahine. Levy und wie sie alle heißen mögen, speziell jene, die aus dem Elsaß eingewandert sind, sind daher vollkommen im Unrecht, wenn sie bei; allen Gelegenheiten vom historischen Schnurrbart ihres Anherrn Vercingetorir schwärmen: sie könnten mit weit größerer Berechtigung den Donnerkeil Jupiters in ihrem Stammbaum führen. Die Beteiligung der Anden am Kreischen Welthandel im Altertnm. (Fortsetzung aus Nr. 52) Diese Annahme gewinnt an Sicherheit, wenn man nach Prüfung der darauf bezughabenden Stellen in dem Buche der Könige und der Chronik zur Ansicht gelangt, daß König Salomo nach Korinth Seefahrten unternommen haben muß. Die Quellen erzählen, daß Salomo in Cypern (Eziongeber usw.) Schiffe zu Seefahrten nach Ophir, die von kurzer Dauer gewesen sein dürften, ausrüstete, von wo er Gold, Edelsteine und -sw brachte. Dann wird erzählt (ibid), daß die nach Tharschlsch unternommenen Fahrten hin und zurück drei Jahre in Anspruch nahmen-und daßvondortlauterexotische Produkte importirt wurden. Die Lage von Tharschisch haben wir bereits nachgewiesen und werden weiter unten feststellen, daß Ophir gewöhnlich die Gegend des Nordens bedeutete. Hier handelt es sich aber nicht um das Ophir des Nordens, sondern um eine gleichnamige Stadt Griechenlands, der wie den meisten, von nordöstlichen Volksstämmen gegründeten oder besiedelten Städten Südgriechenlands der aramälsche Name ihres Ur prungsortes beigelegt worden war, so z. B. Tayns k*vm; Mykenä, die Residenz Agamemnons, von^) mit Ausstoßung des „m" im Sinne von „Schatzhaus", wie alle aramäischen Städte Mittelasiens im Altertume hießen (Schliemann hat daselbst auch das Schatzhaus des Abtreus, des Vaters Agamemnons, aufgefunden und aufgedeckt). Der Name des alten Korinth war auch Ophir oder 'Ecptipr}, wie Homer (Jl. VI. 21 und 152) schreibt. Die DM-öb>K mögen einfache gute Eichenstämme aus der Bucht von Korinth gewesen sein, denn Plinius (IV, 9) überliefert eine alte Notiz, dieser Meerbusen sei deshalb „Linus Larouieus" genannt worden, weil er einst mit Eichenwald umgeben war und die alten Griechen die Eiche oapwvn; nannten, v-vi bx wäre demnach nur eine Synizese und bedeute wörtlich, wie der griechische Name „Bucht der Eichen" im Plural wie das Vorhergehende B'sy gebraucht. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß damit andere wertvolle Hölzer, wie zum Beispiel die Zeder aus Arkadien i) Im Aramäischen hießen die meisten Hauptstädte deS einstmaligen aramäischen Landstriches, von K^ttl km „Schotzdaus deS Königs" abgeleitet. KM (danach griechisch Ta£a Schatzkammer) oder KM» und durch Buchstabenversetzung KUv- So z. B. die Hauptstadt Cappadoziens Mazacca (Jerus. Jeb. IX, 4 K'^N'LP bm HM3\ die Mediens Gazacca (Ab. Sara 39 a 'irr bv pMJ, wie im Armenischen Gandsak), die der LeSgier Äharchzakhi (ibiä. 14 a einfach pMJ), die Armeniens im Armenischen „Gandsak Schahastan" (Moed. Kat. 26.a wörtlich übersetzt: — jnop lM'iv „König!. Gandsak").