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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-01-17 · 3 (17.1.1913) · p. Seite 35

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
3 (17.1.1913)
Date
1913-01-17
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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£>r. Blochs Wochenschrift. Sette « 9a. tz Allerdings, wenn über die Tatsache, daß die von den zionistischen Organisationen bezahlten Beamten und „nationalen" Repräsentanten ihre Kinder durch Jesuiten erziehen lassen, nur mit einer leisen Andeutung Hinwegs gegangen wird, dann entbehrt der Tadel gegenüber dem Verhalten anderer Kreise jeglicher Wirkung. Eine HMe Million Kronen für Jerusalemer Lehranstalten. Aus Budapest wird uns geschrieben: In Steinamanger starb dieser Tage der Großhändler Karl Stadler i,m 85. Lebensjahre. Stadler hat vor längerer Zeit aus eigene Kosten ein großes Beth-Hamidrasch und Bethaus erbauen lassen, welches er in seinem Testamente dem Rabbiner dieses Beth-Hamidrasch vermachte. Ebenso auch ein großes Wohnhaus, das Stadler in Jerusalem besaß. Für wohltätige Zwecke testierte er dreiviertel Millionen. wovon nahezu eine halbe Million für Lehran-j stalten in Jerusalem entfallen. Das Ableben Stadlers, der auch im öffentlichen Leben der Stadt Steinamanger eine angesehene Rolle spielte, hat in den weite-' sten Kreisen aufrichtige Teilnahme hervorgerufen. Uebertritt eines Konsuls zum Judentum in Jerusalem. Anläßlich der Ernennung des Juden Samuel Edelmann zum amerikanischen Vizekonsul in Jerusalem frischt ein englisches Blatt die Erinnerung an einen interessanten Fall, der sich in der Mitte des vorigen Jahrhunderts in Jerusalem zugetragen und damals großes Aufsehen erregte, auf. In der Zeit von 1844 bis 1848 war Michael Boaz Israel amerikanischer Konsul in Jerusalem. Israel war nicht Jude von Geburt, er. gehörte einer Quäkerfamilie an, die seit langem in den nördlichen Staaten der Union gelebt hatte. Sein ursprünglicher Name war Warder Cresson und er nahm seinen obenerwähnten Namen erst an, als er zum Iudentume übergetreten war. Warder Cresson war von überaus religiöser Natur und nahm das Judentum, das er durch den Verkehr mit dem damaligen Philadelphiaer Rabbiner Isaac Lesser genau kennen lernte, aus Ueberzeugung an. Als Cresson als Konsul nach Jerusalem kam, war er bereits innerlich Jude, wenngleich er noch nicht formell den jüdischen Glauben angenommen hatte. In Jerusalem schloß er sich den Sephardim an, und da reifte in ihm der Gedanke, auch rite Jude zu werden, was er jedoch erst nach langen Bemühungen erreichen konnte, da der Chächam Bafchi sowie die sephardischen Gemeindeführer sich, solange es nur ging, weigerten. Cresson in den Bund Abrahams auszunehmen. Schließlich überwand Cresson alle Schwierigkeiten und .im März 1848 wurde Warder Cresson unter Beobachtung der jüdischen Vorschriften vom Chacham Bafchi in Jerusalem in das Judentum aufgenommen und erhielt den Namen Michael Boaz Israel. Israel war von da ab ein überzeugter, gesetzestreuer Jude, siedelte sich dann ständig in Palästina an und wurde bald eine führende Persönlichkeit in der sephardischen Gemeinde, von Jerusalem. Auch feine Frau nahm er aus einer sephardischen Familie. In Palästina widmete sich Israel dem Ackerbau, und es ist interessant, daß er schon damals durch Agitation jeher Art in Europa sowohl wie in Amerika die Propaganda für jüdische Kolonisation in Palästina betrieb. Er starb hochangesehen im Jahre 1860 in Jerusalem, woselbst am Fuße des Olivenberges sich auch seine letzte Ruhestätte befindet. Ein Jude Präsident des südafrikanischen Städteverbandes. Der Bürgermeister der südafrikanischen Stadt Durban, königlicher Rat Holländer, wurde für das laufende Jahr zum Präsidenten des Städteverbandes von Südafrika gewählt. Diese Ehrenstelle gilt in Südafrika als die Geheimratswürde von Südafrika, und es ist ein Beweis für die großen Verdienste, die sich Bürgermeister Holländer um das Aufblühen von Südafrika erworben hat, daß er einmütig am letzten südafrikanischen Städtetag zu dieser hohen Vertrauensstellr erhoben wurde. Dir spanische Regierung und die maroUarnschrn Juden. Der spanische Botschafter in Konstantinopel stattete dieser Tage dem Großrabbiner einen Besuch ab, um ihm milzuteilen, daß die spanische Regierung das Verlangen habe, die Lage derjenigen Juden in Marokko, die zu Spanien gehören, zu verbessern, und den Beschluß gefaßt habe, die jüdische Gemeinde in Laraiche, die sich in äußerst prekärer Lage befindet, zu reorganisieren. Die spanische Regierung hat dieser jüdischen Gemeinde ein ausgedehntes Terrain zur Errichtung einer Synagoge und einer Schule, deren Erbauungskosten die Regierung tragen will, zur Verfügung gestellt. Der Botschafter sprach den Wunsch aus, an der Spitze der Iudengemeinde von Laraiche einen kompetenten türkischen Rabbiner zu sehen, den seine Regierung offiziell anerkenne und für dessen Bezahlung sie eine größere Subvention bewilligen würde. Spanien sei ernstlich entschlossen, die jüdische Religion offiziell anzuerkennen, so daß sie in diesem Lande genau so betätigt werden kann, wie die christliche- Religion. SpamMsche Juden feiern den Geburtstag der Königin von Spanien. Aus Konstantinopel wird uns geschrieben: Die Bemühungen des spanischen Botschafters in Konstantinopel. Marquis de Prat de Nantouillet, mit den spaniolischen Juden des Orients freundschaftliche Beziehungen anzuknüpfen, scheinen nicht ohne Erfolg geblieben zu sein. Anläßlich des Geburtsfestes der Königin von Spanien lud der Botschafter auch die Notabeln der Konstantinopier Spaniolen zur Festsoiree an Bord des spanischen Kreuzers „Reyna Regente" ein, die der Einladung auch in großer Zahl Folge leisteten. Die spaniolischen Juden, die mit ihren Familien gekommen sind, waren bei der Soiree der Gegenstand besonderer Aufmerksamkeiten seitens der Herren und Damen der französischen Botschaft. In spaniolischen Kreisen wird diesen erfolgreichen Annäherungsschritten, die fast die Form einer Verbrüderung angenommen haben, für die künftige Geschichte der spaniolischen Juden große Bedeutung beigemessen. Der Ursprung der französischen Juden. Historische Studie von Rabbiner Härm Stourdza-Paris. Als man Lord Beaconsfeld D'Israeli einmal im Parlament seine jüdische Abstammung vorwars, sprang er zornerfüllt auf die Tribüne, um seinen Gegnern hohnlachend die Worte zuzuschleudern: „Welche Schande, von Juden abzustammen! Wißt Ihr, daß zu einer Zeit, da meine Ahnen Könige in Jerusalem waren, EureVorfahren mit wilden Auerochsen in den Urwäldern um die Wette brüllten?" Auch auf die französischen Juden treffen diese Worte zu. Nicht nur waren die ersten Juden, die sich in Frankreich ansiedelten, wirkliche Könige in Jerusalem: sie trafen auch die Bewohner des Landes in einem Zustande an, der dem etwas drastischen Vergleiche des englischen Premierministers fast aufs Haar entsprach. Frankreich war nicht immer das Land des Lichts, das „Herz Europas", als welches es heute bezeichnet wird. Zu der Zeit, von der wir sprechen wollen, war es nicht nur rein geographisch ein „wildes Land". Weite Sümpfe, undurchdringliche Wälder bedeckten es auf große Strecken, aber auch. die Bewohner, die Väter unserer heute so stolzen Franzosen, waren Höhlenbewohner wie

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