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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-01-10 · 2 (10.1.1913) · p. Seite 24

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
2 (10.1.1913)
Date
1913-01-10
Page
Seite 24 (sequence 8)
Language
German
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Seite 94 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 2 Breslau. Ain Montag, dem 30. Dez., fand im Sitzungssaals der Repräsentanten-Versammlung die Wintersitzung des Ausschusses der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete der Vorsitzende Herr Prof. Dr. M. Philippson den Heimgegangenen, um die Wisseaschast des Judentums hochverdienten Professoren David Heinrich Müller (Wien) und Nikolaus Müller (Berlin) warm empfundene Worte des Nachrufes, welche die Mitglieder des Ausschusses stehend anhörten. Sodann begrüßte Herr Rabbiner Prof. Dr. G u t t m a n n namens der Breslauer Mitglieder den Ausschuß zu seiner ersten Tagung in Breslau, indem er auf die vielfachen, zu historischer Bedeutung gelangten Beziehungen Breslaus zur Wissenschaft des Judentums hinwies. Professor Philippson erwiderte dankend, indem er der Hoffnung Ausdruck gab, daß das freundschaftliche Zusammenarbeiten und die vertraulichen Beziehungen der Ausschußmitglieder zu einander auch fernerhin der' Gesellschaft zum Segen gereichen und sie befähigen möchten, das Vertrauen der jüdischen Oefsentlichkeit in dem gleichen Maße wie bisher zu rechtfertigen. Der Vorsitzende legte sodann nach Erstattung des Jahresberichtes die von der Ge-- sellschaft Mit reichen Mitteln subventionierte, von Herrn Dozent Dr. A. Pahuda (Berlin) besorgte Ausgabe des arabischen Originals der „Herzenspflichten" von Vachia, sowie den ersten Teil der Elbogenschen Arbeit über den jüdischen Gottesdienst vor. Herr Professor Guttmann berichtete, daß die Gesellschaft im Laufe des Jahres 1913 mit Bestimmtheit den ersten Seder der von Rabb Dr. Krengel (B.-Leipa) besorgten Ausgabe der Tosefta sowie den zweiten Band des Maimonideswerkes werde dem Druck übergeben können. Herr Prof. Dr. W. Bacher (Budapest) legte den Plan zu seinem neuesten Werke „Tradition und Tradenten" vor, dessen Ausnahme in die Schriften der Gesellschaft vom Ausschuß beschlossen wurde. Der Ausschuß bewilligte ferner eine Reihe von Subventionen und beschloß, aus den Mitteln der Ludwig-Philippson-Gedächtnis-Stiftung jüdischen Lehrern Beihilfen zum Ankauf der „Neuesten Geschichte des jüdischen Volkes" von M. Philippson zu gewähren. Nach der Sitzung folgte der Ausschuß einer Einladung des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde zu einem Frühstück, bei welchem er von den Herren S a ch s, Professor Dr. L. Cohn und Dr. Löwenthal begrüßt wurde. An die Sitzung des Ausschusses schloß sich abends nn Festsaale der Lessing-Loge die Mitgliederversammlung an. welcher als Vertreter des Gemeindevorstandes die Herren Handelsrichter Mu g d an und'Rittergutsbesitzer Dr. Paul Schottland er, als Vertreter der Repräsentanten-.Versammlung die Herren Prof. Dr. W o h l - au er und Georg Sachs teilnahmen. Nach Erledigung des geschäftlichen Teiles, in welchem der Jahresbericht erstattet und der bisherige Ausschuß wiedergewählt wurde, hielt vor einem überfüllten Saale Herr Prof. Dr. Blau (Budapest) einen Vortrag über: „Aegyptische Papyri und Talmud in gegenseitiger Beleuchtung." Der Redner gab einleitend einen lleberblick über den augenblicklichen Stand der Papyrusforschung, die sich, dank dem reichhaltigen Material, das sich täglich noch vermehre, einen ungeahnten Einblick in das Mltagsleben der alten Völker gestatte und dadurch sich völlig abhebe von den Literaturdenkmälern des Altertums. Zwischen beiden — Papyri und Literatur — stehe der Talmud, dessen vielfache Diskussionen ja auch das Alltagsleben in seiner mannigfachen Gestalt erfassen wollten. Schon daraus ergebe sich, daß zwischen den Papyri und dem Talmud Beziehungen bestehen müßten, die aufzufinden Aufgabe der Wissenschaft sei und die für das Verständnis der Papyri und des Talmuds vielfach beitragen könnten. Der Redner erläuterte dies an verschiedenen Beispielen kulturgeschichtlicher, sprachgeschichtlicher und rechtsgeschichtlicher Art. So stimme die Art, wie die Schreiber der Papyri Zeilenabstände und Zwischenräume statt der modernen Interpunktion gebrauchten, oder ihre Art, in den Schriftstücken Korrekturen zu kennzeichnen, völlig mit der Art, in der heute noch die Thorarollen geschrieben werden, überein. Eine ganze Reihe von griechischen Lehnworten im Talmud fanden ihre Erklärung durch gleichlautende Worte in den Papyri; ja, manche befremdende Wortsorm, die man bisher als verderbt habe bezeichnen wollen, werde durch den Gebrauch in den Papyri als Sprachgut des Voltes und des Alltags erwiesen. Ferner seien die Bezeichnungen für eine größere Anzahl von Rechlsurkunden in den Papyri die gleichen wie im Talmud, und was noch viel bedeutsamer sei, die llrkundenformulare seien in beiden Gattungen von Urkunden gleich. Der fesselnde Vortrag bot auch sonst eine Reihe von interessanten Einzelheiten, so besonders, als der Redner sich über die vermeintlichen Ghetti und den angeblichen Antisemitismus des Altertums verbreitete und diese mit triftigen Argumenten in das Reich der Fabel verwies. Der Redner schloß mit dem Hinweis, daß die Papyrusforschung vermöge ihrer Eigenart hinleite in alle Gebiete menschlicher Tätigkeit und menschlicher Wissenschaft, also insbesondere auch der Wissenschaft des Judentums, deren Pflege Zweck und Ziel der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums sei; sie empfahl er dem verständnisvollen Interesse der Versammlung. Reicher Beifall lohnte den Redner, dem sodann noch der Vorsitzende den Dank der Gesellschaft aussprach. IlMen. Signor Ernesto Nathan wurde zum sechfieninai zum Bürgermeister von Rom gewählt. Auf ihn fielen 59 von 70 abgegebenen Stimmen. Oberrabbmrr Dr. MargMes in Tripolis. Aus Florenz schreibt man, daß der dortige Oberrabbiner Dr. Margulies, Ritter des hohen Mauritius-Ordens, sich nach Tripolis begab, um im hohen Auftrag die Organisation der Jsraelitengemeinde in Tripolis und der Cyrenaika zu studieren, Anträge zu stellen und ein Landes-Rabbinat zu organisieren. Cavaliero Dr. Margulies fuhr bis zur Rhede von Tripolis und, da es Freitag nachmittag war, blieb der Regierungsdampfer bis Samstag abend stehen; nach Ausgang des Sabbathss fuhr er erst in den Hafen ein! Cavaliere Dr. Margulies wurde mit den höchsten Ehren empfangen. Der Kommandant von Lybien, die Spitzen der Behörden begrüßten ihn. Das ist der Geist. des freien Italien, so beginnt es in Tripolis seine ethische Kulturarbeit. König Victor Emanue! besuchte auch schon den Tempel in Florenz, wurde von dem Rabbinate und Vorstande feierlich empfangen. Als die heilige Bundeslade geöffnet wurde und der Oberrabbiner die Thora in die Hand nahm und das Gebet für den König und die königliche Familie sowohl hebräisch wie italienisch sprach, kamen dem König die Tränen in die Augen, er ließ sich die Thora aufrollen und erklären, verlangte ein Schofar zu sehen und zeigte sich merkwürdig orientiert, sprach über Jerusalem, welches er als Kronprinz bereiste, Im Sommer, wo die königliche Familie oft in Florenz weilt, ist Cavaliero Dr. Margulies wiederholt zum König berufen worden. Der illustrierte Fremdenführer der Stadt Florenz bringt unter den Sehenswürdigkeiten den Monumentalbau des israelitischen Tempels. Der hochgeachtete 82 jährige Advokat und Rechtslehrer der Hochschule, Dr. Frnzi in Florenz, ist schwer erkrankt, im Tempel wurde ein öffentlicher Gottesdienst für seine Genesung abgehalten. Das ganze Haus war voller Christen, die andächtig dem Simut für ihren alten Freund beiwohnten. vermischtes. Vortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Donnerstag den 16. Jänner 1913, Va8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und ArchiUkten-Vereines, I, Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Doktor Max Gruurvald statt. Thema: „Das heutige Jerus a l e'm." Mit Vorführung von Lichtbildern. (Zyklus von 3 Vorträgen, II. Teil.) Wien. (Vortrag im „Verein zur Abwehr des Antisemitismus.) „Aus den Ahnensaal der Juden freunde" wird Herr Rabbiner Dr. Leopold Goldschmied aus Proßnitz am Dienstag den 14. Jänner 1913, abends halb 8 Uhr, km Lokale des „W ss nschastlichen Klub", VI., Dreihufeisengasse 1, sprechen. Gäste willkommen: ‘

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