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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-01-10 · 2 (10.1.1913) · p. Seite 23

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
2 (10.1.1913)
Date
1913-01-10
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2; Dr. 2Mchs halbe Million Kronen testamentarisch gestiftet,- mit Hinzufügung einiger kleinerer Spenden steht derzeit eine Summe von rund fünf Millionen Kronen für das Kmderspital zur Verfügung. Nach der Publikation des Testaments des verstorbenen Großindustriellen David v. Gutmann traten Bezrrksvorsteher Blase! und BezirksvorstehersteNvertreter Ernst Klebinder an die israelitische Kultusgemeinde heran, das Kinderspital im zweiten Bezirke zu errichten. In einer ausführlichen Eingabe setzten sie auseinander, dah das im zweiten Bezirke vorhandene Leopoldstädter Kinderspital dem starken Andrange der kranken Kinder trotz der Opferwilligkeit privater Kreise, namentlich der Ersten österreichischen Sparkasse, nicht mehr genüge. Die verfügbaren Mittel sind knapp bemessen und nur eine verhaltnisMähig geringe Anzahl Belten steht für die zahlreichen kranken Kinder des Bezirkes zur Verfügung, so dah oft und oft gerade im zweiten Bezirke sich jene Szenen abspielten, die das Tagesgespräch gebildet haben: kranke Kinder, die in keinem Spital Aufnahme finden konnten und wegen mangelnder ärztlicher Hilfe und der nötigen Pflege zugrunde gehen muhten. Die Bezirksvertretung Floridsdorf wandte sich gleichfalls an die Kultusgemeinde mit der Bitte, das Spital in diesem Bezirke zu errichten, und so entstand förmlich eine Konkurrenz mehrerer Bezirke, die jeder das Spital für sich in Anspruch nahmen. ' Präsident Dr. Alfred Stern war seit Jahr und Tag bemüht, einen geeigneten Platz für das neue Kinderspital ausfindig zu machen. Fast ein Jahr lang verhandelte Dr. Alfred Stern mit dem Klosterneuburger Stift, dessen ausgedehnter Grundbesitz an der Brigittenauerlände ein gutes Areal für das Spital gegeben hätte. Das Stift war trotz günstiger Angebote und trotz der Verwendung von seiten einfluhreicher Persönlichkeiten zu keiner Grundtransaktion zu bewegen und erklärte, den gewünschten Grund und Boden nicht verkaufen zu wollen. Seit dreiviertel Jahren verhandelte Dr. Stern mit dem Hofärar wegen der Wasserwiese. Durch die Genehmigung des Kaisers konnte die Wasserwiese, die am nordweMchen Rande des Augartens liegt und das entsprechende Ausmaß von 17.000 Quadratmeter besitzt, für den Spitalsbau gewonnen werden. Gegen die Errichtung des neuen Kinderspitales auf der Wasserwiese war von ch r i st l i ch s o z i a l e n Kreisen eine ziemlich lebhafte Agitation inszeniert worden, die aber erfolglos geblieben ist. Bürgermeister Doktor Weiskirchner hat in seiner Audienz beim Kaiser die Mitteilung erhallen, dah durch die Verwendung der Wasserwiese für Spitalszwecke der Charakter des Augartens als eines öffentlichen Erholungsortes nicht tangiert werde. Das neue Kinderspital, welches sich derart am nördlichen Rande des Augartens erheben wird, dürfte in einem bis anderthalb Jahren fertig gestellt und seiner Bestimmung übergeben werden. Ein Teil des Augartenareals, welches von Kaiser Joseph II. „allen Menschen" als „Erlustigungsort" gewidmet wurde, erhält durch die Genehmigung des Kaisers eine besondere Bedeutung für das Kind. Das neue Kinderspital, dessen Errichtung nunmehr gesichert ist, wird unter der Oberaufsicht der Kultus^ gemeinde stehen. Nach den Stiftsbriefen werden aber auch Kinder anderer Konfessionen in dem Spital be-' handelt, respektive ausgenommen werden. Das Spital wird aus einzelnen getrennten Abteilungen bestehen, und zwar aus einer internen, einer Säuglingsabteilung, einer kleinen chirurgischen Station, sowie einem eigenen Pavillon für Scharlach und Diphtherie. Der ganze Kompler wird durch eine Mauer vom Augarten getrennt werden, die einzelnen Gebäude werden sich in einer Gartenan- Wochenschrift. Seite 23 läge erheben. Neben den Spitalsabteilungen mit einem Belag von hundert Betten ist Raum für ein Ambula-- ton'umsgebäude und für Laboratorien vorgesehen. Auch die Errichtung einer Mllchküche könnte, wenn hiefür spezielle Mittel einlaufen. im Rahmen des Kinderspitals durchgeführt werden. Als Direktor des neuen Kinderspitals wird Dozent Dr. Julius Zapp ert fungieren,- für die einzelnen Spezialfächer werden Ordinarii bestimmt werden.- den permanenten ärztlichen Dienst werden Assistenten und Sekundarärzte versehen. Ritualmordhetze in einer österreichischen Volksschule. Der „N. I. K." wird "aus Prag geschrieben: In der hiesigen Josefstädter Volksschule, einer interkonfessionellen Anstalt mit jüdischer Schülermajorität und jüdischem Direktor, hat der katholische Katechet zu Weihnachten ein Büchlein an die christlichen Schüler verteilt: ein Bändchen der Kinderbibliothek „Nimm und ließ" (Nr. 35 der ersten Serie „Tiroler Bildchen" von A. Alfa, Verlag Eberle u. Rickenbach, Einfiedeln). Gleich die erste Geschichte dieses Büchleins e^ählt in den grellsten Farben eine Geschichte, wie die Juden einen Christen durch Geld bestochen haben, fein Kind ihnen anzuvertraueu; wie sie dann dieses Kind in den Wald führen, anbinden und wie dann der grausame Rabbiner das Kind tötet, zersticht und ihm daS Blut abzapft. . . . In jüdischen Kreisen Prags herrscht über diese niederträchtige unverantwortliche Tat eines JugenderzieherS und Priesters der „Religion der Liebe" die größte Empörung. Zur Gründung einer Takmud-Thora-Schuke in Mähr.-Ostran. Von dem Präses der Kultusgemeinde, Herrn Dr. Alois Hilf, und dem Obmanne des Beth-hamidrasch-Vereines, Herrn Dr. Mar Beer, erging ein eindringlicher, warmherziger Aufruf an die Gemeindemitglieder von Mähr.-Ostrau behufs Gründung einer Talmud-Thora-Fortbildungsschule. Die vorberatende Versammlung, welche für den 4. Jänner cr. angesetzt war, hatte einen sehr guten Besuch. Der Vorstand der Gemeinde war zahlreich vertreten. Gegen halb 9 Uhr abends begrüßte Herr Dr. Beer die Erschienenen und eröffnete die Beratung. Er erklärte kurz und prägnant den Zweck der Einberufung und erteilte dem Referenten, Herrn Rabbiner-Stellvertreter Dr. Faerber, das Wort, welcher in einer längeren Ansprache die Notwendigkeit der Gründung der erwähnten Lehranstalt in meisterhafter Weise darlegte. An der sich anschließenden Diskussion beteiligte sich zunächst Präses Dr. Hilf. In seiner ruhigen und lachlichen Art unterstützte er das Projekt, indem er die weitgehendste Förderung durch die Gemeinde und die Beihilfe des Beth-hamidrafch-Vereines in Aussicht stellte. Die Ausführungen Dr. Hilfs wurden lebhaft akklamiert. Herr Läufer, ein beiahrter, fachkundiger Mann, sagte, es sei ihm beim Lesen des Aufrufes so ergangen, wie einst dem Patriarchen, als man ihm von seinem Sohne Josef berichtete: „Da erwachte der Geist Jakobs zu neuem Leben." Herr k. k. Schulrat Direktor Schwarz erörterte die Frage dieser Schulgründung vom pädagogisch-didaktischen Gesichtspunkte und löste mit seinen klaren überzeugenden Erklärungen großen Beifall aus. Sehr schlagfertig ergänzte Herr Dr. Katzer die durch Dr. Faerber gegebene Anregung betreffend die Wiederaufnahme des Talmudstudiums durch Erinnerung an den gigantischen Kampf, den Dr. Bloch in der Trsza Eszuiier Affäre gegen den antisemitischen Universitätsprofessor Rohling mit talmudischen Waffen führte. Wenn es Herrn Dr. Bloch damals nicht gelungen wäre, die Bosheit und Unwissenheit Rohlings „zur Strecke zu bringen", wäre großes Unheil entstanden. Herr Präses-Stellvertreter Moritz Krasny legte das Hauptgewicht auf fließendes, ausdrucksvolles Hebräisch-Lesen und Zurechtfindung im Gebetbuche. Herr Dr. Klein stellte die optimistischen Erfolge einer solchen Schule in der Gegenwart als einigermaßen utopistisch hin, obwohl auch er als Talmudkenner freundlich der Sache gegenüber stehe. Es sprachen noch die Herren Sekretär Kläger, David Grün u. a. Referent Dr. Faerber beleuchtete in einer kräftig akzentuierten Schlußrede die Zustimmungen, sowie die Einwendungen in der Debatte und schloß mit einem warmen Appell an die glaubenstreuen, opferwilligen Eltern. (Langanhaltender Beifall.) Der Vorsitzende, Herr Dr. B«r, resümierte den Gang der Verhandlung und versprach die baldige Einberufung einer zweiten Versammlung, in der er konkrete Vorschläge und einen geschlossenen Lehrplan vorzulegen gesonnen ist. Herr Dr. Beer schloß die Versammlung gegen tl Uyr. —d.

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