Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 2 (10.1.1913)
- Date
- 1913-01-10
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 22 Dr. Wachs Wochenschrift. Sabbat vernommenen Vibelworte „Ich will hinausgehen, sehen, was meine Brüder inMizrajim machen, und sehen, ob sie noch leben, d. h. wie ich ihnen helfen kann,", kennzeichnen möchte. Wir haben auch bisher.so gehandelt, aber gerade in der gegenwärtigen Zeit erwächst für die Wiener Kultusgemeinde, die bedeutendste Mitteleuropas, die Pflicht, ihrer Brüder im Osten, ihrer Bedrängnisse, ihrer poli-' tisch unhaltbaren Lage zu gedenken und ihnen in jeder. Richtung, nicht, nur materiell, hilfreich zur Seite zu stehen. Und wir werden vielleicht schon in den nächsten Tagen in die Lage versetzt sein, diese unsere Pflicht zu erfüllen. Das sind, um ein in jüngster Zeit beliebt gewordenes Wort zu gebrauchen, die „Richtlinien", in denen sich die Tätigkeit des Kultusvorstandes bewegt hat und die ich auch in Zukunft in der Führung des Präsidiums! einzuhalten gedenke. Ich danke Ihnen nochmals für das mir abermals geschenkte Vertrauen und bitte Sie, mich bei der Erfüllung der Aufgaben zu unterstützen." (Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Es wurde zur Wahl des ersten Vizepräsidenten geschritten, mit 25 gegen zwei leere Stimmzettel erschien der k. k. Landesschulrat Dr. G. Kohn gewählt. Dr. Kohn dankte in kurzen Worten für das erneute Vertrauen und für die in der Wahl gelegene Anerkennung seines bisherigen Verhaltens, erklärte, die bisherigen „Richtlinien" nicht verändern zu wollen und den Präsidenten, der nach jeder Richtung selber das Bedeutendste leistet, gegebenenfalls zu unterstützen. (Lebhafter Beifall.) Zum zweiten Vizepräsidenten wurde mit 25 Stimmen Hofrat Dr. Rappaport gewählt. In einer kurzen Ansprache bemerkte er, es sei ihm ein Herzensbedürfnis, an die Versammlung einige Worte zu richten. Als man ihn zum ersten Male gewählt, habe er kein Programm entworfen, sondern bloß versprochen, sein bestes Wissen in den Dienst der Gemeinde zu stellen. Dieses Versprechen war er bemüht zu erfüllen. (Lebh. Beifall.) Es war sein Bemühen, die Administration zu verbessern, was auch in vielerlei Belangen geschehen ist: sie muh indes von Grund Es reformiert werden. Die Zustände in dem Versorgungshaus sind unhaltbar, der Wiener Iudenschast unwürdig. Redner bemerkte, man müsse konstatieren, daß die lleberfüllung des Versorgungshauses keineswegs etwa die Folge einer Invasion aus dem Osten sei. Von den im Jahre 1911 aufgenommenen Pfleglingen waren 12 aus Galizien, 34 aus Ungarn,' von den AufgenomMenen vom Jahre 1912 waren 17 aus Galizien und 31 von anderwärts. Und man darf nicht vergessen, daß die größtenteils notleidende jüdische Bevölkerung Galiziens über 800.000 Seelen zählt. Redner besprach ferner die Dringlichkeit eines neuen Amtshauses, betonte die Notwendigkeit einer größeren Zentralisierung des Armenwesens und schloß, indem er versprach, in der angedeuteten Richtung sein Bestes in den Dienst der Gemeinde einsetzen zu wollen. (Lebh. Beifall.) In das Vertreter-Kollegium wurden gewählt: Salo Cohn, Dr. Katzau, Dr. Leop. Kohn, W. Kuffner, kais. Rat Sigm. Kanders, Professor Dr. Joseph Pollak, Dr. Markus Spitzer, Dr. Maximilian Steiner. Zu der Wahl der Vertrauensmänner verlangten die zwei zionistischen Mitglieder Dr. Ehrlich und Ingenieur Sticker das Wort. Der Vorsitzende erklärte, über Peifonenfragen in einer öffentlichen Sitzung keine Diskussion zulassen zu können. Wenn die Herren dabei verbleiben und unbedingt sprechen wollten, so müßte er vorerst die Oeffentlichkeit der Sitzung unterbrechen. Da die Herren auf ihrem Verlangen beharrten, so wurde die Sitzung zunächst für vertraulich erklärt. Nach etwa einer Halben; Stunde wutde die cffentliche Sitzung wieder ausgenommen,' und esersolgte die Wahl der Vertrauensmänner und der Fachkommissionen. Enlanf: An Spenden sind eingelaufen : Von Herrn kaisi Rai Leopold Sachs Edlen v. Sachfenhall, zum Andenken an jeine Ettern Jacob und Anna Sachs, jowie an seine Schwestern Sophie Prager und Regine Pollack Edle von Parnau : für die Verjorgungsanstalt der israelitischen Kultusgemeinde. K. 1000.— für den Verein z. unentgelt. Verpflegung Brustkranker auf dem Lande K. 1000.— K. 2000.— Von F. Ernst: für arme Kranke K. 20.— für Ausjpeijung armer ijrael. Schulkinder K. 10.— „ 30.— Von Frau Ella Zirner-Zwieback für 90 arme Schulmädchen Winterkleider, Wäschestücke, Obst und Gebäck. Durch die Intervention des Leiters des Wohltätigkeitsamtes wurden dieje 90 Mädchen ' auch mit Schuhen verborgt. Ferner ein Dankschreiben des Herrn Direktor Dozent Dr. Julius Zappert für die Teilnahme des Vorstandes anläßlich des Ablebens seiner Mutter Frau Marie Zappert. Einlauf aus der Plenarsitzung vom 29. Dezember 1912. Spenden: Von Herrn Mar Stern, durch Herrn Vertreter Salo Cohn, als Ergänzung zu den bereits für das Verjorgungshaus gewidmeten Kr. 10.000.— behufs Errichtung einer auf den Namen der Frau Emmy Stern, geb. Weiß de Szurda^, j.M., lautenden Bettstiftung in der Versorgungsanstalt einen weiteren Betrag von K. 2000.— Von einem Anonymus zur Verteilung an jüdische Arme „ 20.— Weiters befindet sich im Einlaufe ein Dankschreiben des Herrn Vertreters Salo Cohn für die Glückwünsche des Vorstandes anläßlich seines 70. - - .- Geburtstages -mit- - der gleichzeitigen - Mitteilung^ * y,-» i i daß er aus diesem. Anläße der Chewra-Kadischa in Wien und, dem L. D, Königsbergschen Mädchen-Erziehungs-Institute \i K. 50.000— Rente zuwenden werde. Ferner Dankschreiben des k. k. Ministers für Kultus und Unterricht, Dr. Ritter v. Husjarek, für die Anteilnahme des Vorstandes anläßlich seines Unfalles. Ferner ein Dankschreiben der Familie des verstorbenen' Hofrates David Heinrich von Müller für die Widmung eines Ehrengrabes seitens der Kultusgemeinde und für die Teilnahme des. Vorstandes anläßlich seines Ablebens. Zuschrift der Frau Martha Stiaßny betreffend die Annahme ihrer Berufung in das Ehrendämen-Komitee der Versorgungsanstalt. Die Errichtung des israelitischen Kinderspitales. (Die Genehmigung des Kaisers.) Wien, 6. Januar. Der Kaiser teilte in der Audienz, in der Bürgermeister Dr. Weiskirchner den Dank für seine. Bestätigung aussprach, dem' Bürgermeister mit, daß er die Errichtung eines Kinderspitales auf der an den AugarlenkompleX sich anschließenden, dem Hofärar zugehörigen Wasserwiese genehmigt habe. Hiemit erscheint die Erbauung eines neuen Kinderspitals, die insbesondere den sehr stark bevölkerten Gemeindebezirken Leopoldsladt und Brigittenau zugute kommen wird, schon für die nächste Zukunft gesichert. Der Großindustrielle David Ritter v. Gutmann hatte noch zu seinen Lebzeiten einen Betrag von zirka drei Millionen Kronen der israelitischen Kultusgemeinde in Wien zuM Zwecke d!er Erbauung eines Kinderspitals zur Verfügung gestellt: mit derselben Bestimmung hatte der Wiener Privatier S p i tz b e t g e r testamentarisch einen Betrag, gewidmet, der sich derzeit ungefähr auf anderthalb Millionen.Kronen beUuft. Müch , der. Industrielle Bela Haas hatte für Spitalszwecke etwa eine