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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-01-10 · 2 (10.1.1913) · p. Seite 21

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
2 (10.1.1913)
Date
1913-01-10
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2 Dr. BLvchr Wochenschrift. Seite 31 die Paragraphen des Gemeindestatutes, betreffend die Präsidentenwahlen, zur Verlesung, ernannte zwei Vorstandsmitglieder zu Scrutatoren und lieh die Wahl des Präsidenten durch Stimmzettel vornehmen. Kais. Rat Kauders verlas das Resultat: Von 28 anwesenden Vorstandsmitgliedern haben 27 gestimmt. Davon entfielen 25 Stimmen aus Dr. Alfred Stern (lebhafter- Beifall), zwei Stimmzettel waren leer. Der Präsident dankte für die auf ihn gefallene Wahl und versicherte, daß er den Angelegenheiten, die ihm als Präsidenten der Kultusgemeinde anvertraut werden, dieselbe Sorgfalt wie bisher zuwenden werde, und setzte dann fort: „Eine Reihe großer und wichtiger Aufgaben steht uns für dir nächste Zukunft bevor, deren Behandlung unsere ganze Arbeit in Anspruch nehmen wird. Ein Blick in diesen Saal, in dessen beschränkten Raum, lenkt unsere Aufmerksamkeit sofort auf eine dieser wich-> tigen und dringend gewordenen Aufgaben. Die Errich-i tung eines neuen, den gesteigerten Anforderungen und Bedürfnissen entsprechenden Amts Hauses ist bereits eine unaufschiebbare Notwendigkeit geworden. Hierin weiß ich mich eins mit allen Kollegen des Vorstandes. Wichtiger als das Amtshaus erscheint mir jedoch die Schaft sung eines der größten Kultusgemeinde Mitteleuropas würdigen Repräsentationshauses. MeinerUeberzeugung nach kann ein solches Reprä'entationshaus der jüdischen Kultusgemeinde nur eine große monumentale Zentralsynagoge sein. Seit mehr als 50 Jahren, also seit einem Zeiträume, in welchem die Zahl der Mitglieder unserer Gemeinde um mehr als das Drei- und Vierfache gestiegen ist, hat die Wiener Kultusgemeinde, abgesehen von den mit den Vororten übernommenen Synagogen, keine neue Synagoge erhalten, keinen neuen Tempel erbaut. Eine zweite Angelegenheit, die gleichfalls äußerst wichtig ist und uns schon in allernächster Zeit wird beschäftigen müssen, ist die R a b b i n e r f r a g e. Wir werden dieser Frage die größte Aufmerksamkeit zuwenden müssen, denn auch darin stimmen Sie mit mir überein, die Leopoldstadt muß sobald wie tunlich einen Rabbiner erhalten und wir müssen alles aufbieten, daß in diesem größten Gemeindetempel bis spätestens zum kommenden Pess-achfeste der zu wählende Rabbiner sein Amt antrete. Bei der Auswahl der für diesen Posten zu berufenden Persönlichkeit werden wir mit der größten Peinlichkeit darauf bedacht sein müssen, daß durch diese Wahl nicht Streit und Zwist in die Reihen unserer Gemeindemitglieder getragen werden, denn es ist unsere erste und oberste Pflicht, von unserer Gemeinde jene Zwistigkeiten fern zu halten, wie sie anderwärts, namentlich jetzt in Deutschland, bedauerlicherweise bestehen. Die Ausgestaltung des neuerworbenen Friedhofes ist eine weitere Aufgabe, die uns dringlich beschäftigen wird. Diese Ausgestaltung wird voraussichtlich zweieinhalb Jahre in Anspruch nehmen, und es ist daher mit Rücksicht auf den geringen, noch zur Verfügung stehenden Belegraum in unserem Friedhofe schon die höchste Zeit, daß die Arbeiten schon in allernächster Zeit in intensivster Weise in Angriff genommen werden. Es sind Arbeiten, die hauptsächlich die Tätigkeit unserer Juristen und Techniker beanspruchen. Auch dessen gärtnerische Ausgestaltung, sowie die weitere gärtnerische Ausgestaltung des Währing er Friedhofes wird durchgeführt werden müssen. Es ist Ihnen ja bekannt, daß die Kommune Wien vor ungefähr 25 Jahren schon an die Kultusgemeinde wegen Ueberlassung, d. h. also Räumung des Währinger Friedhofes herangetre^en ist. Die Kultusgemeinede hat schon damals diesem Ansinnen ein unabänderliches guock non entgegengesetzt. Die Kultusgemeinde hat es auf das Entschiedenste abgelehnt, in die Veräußerung des jüdischen Friedhofes einzugehen. Hingegen sehen wir uns schon mit Rücksicht auf die Anrainer und aus hygienischen Gründen veranlaßt die gärtnerische Ausgestaltung dieses Friedhofes vorzunehmen. Diese gärtnerischen Anlagen werden nun. nachdem der an der Westseite bestandene Gasometer aufgelassen ist. eine größere Ausdehnung erfahren müssen. Das endgültige Verhältnis des Verbandes der Türken, der Sephardim. zur Kultusgemeinde wird gleichfalls in der nächsten Zeit festgelegt werden müssen. Dem Vorstande liegt das neue Statut der sephardischen Türkengemeinde zur Begutachtung vor und wir werden bedacht sein müssen, daß durch dieses Statut die Einheit unserer Kultusgemeinde in keiner Weise beeinträchtigt werde. Unsere Hauptaufmerksamkeit gilt naturgemäß der Verbesserung des Religionsunterrichtes. Unser Kollega, Herr Dr. Marimilian Steiner, hat in dankenswerter Weise verschiedene Plane zur Verbesserung des Religionsunterrichtes vorgeschlagen, die jetzt an einzelnen Mittelschulen erprobt werden, und wir wollen hoffen, daß sie sich auch bewähren werden. Namentlich aber ist es der I u g e n d g o t t e s d i e n st. für dessen Verbesserung und Hebung wir Sorge tragen müssen, damit der Jugendgottesdienst, besonders für die Mittelschüler, wenigstens teilweise den von ihm erhofften Erfolg aufweise. Ich will hierbei erwähnen, daß in letzter Zeit die Kultusgemeinde die Bibelschule in der Brigittenau. die von weit mehr als 400 Schülern besucht' wird, in eigene Verwaltung übernommen hat. Einen großen Raum in dem Budget der Kultusgemeinde nimmt die Wohltätigkeit in Anspruch. Ich möchte fast sagen, einen zu großen Raum, so daß wir an Hyperthrophie der Wohltätigkeit leiden und daran denken müssen, daß hierdurch nicht die eigentlichen Zwecke der Kultusgemeinde, der Kultus und der Unterricht, in Mitleidenschaft gezogen werden. Namentlich sind es zwei Angelegenheiten, die auf diesem Gebiete, die derzeit eine rasche Lösung fordern. Die eine ist die Errichtung des K i n d e r s v i t a l e s. mit deren Vorarbeiten wir uns schon seit dreiviertel Jahren intensiv beschästigen, und ich kann Ihnen heute nur so viel sagen, daß wir vielleicht schon in allernächster Zeit in der Lage sein werden, die Verhandlungen bezüglich der Erwerbung eines für den Bau dieses Spitales geeigneten Grundes zu einem gedeihlichen Abschlüsse zu bringen. Auch bei der Lösung dieser Frage harrt der Techniker in unserer Mitte eine große, verantwortliche und! und dankenswerte Aufgabe. Wenn es nun gelingen wird, den kranken Kindern eine Heilstätte zu errichten, so dürfen wir darüber nicht die Fürsorge für unsere Greise und Siechen vergessen. Die Zustände in unserem A l t e r s v e r s o rgungs - und Siechen hause sind nachgerade unhaltbar geworden. 300 Pfleglinge sind in dieser Anstalt untergebracht, eine geringe Zahl, wenn man bedenkt, daß ununterbrochen zumindest genau soviel, ebenfalls durchaus zu berücksichtigende Petenten in Vormerkung genommen sind und der Ausnahme harren. Hier Wandel zu schaffen, müssen wir als unsere vornehmste Pflicht ansehen. Aus einer uns in letzter Zeit zugekommenen Zuwendung hoffen wir, rür diesen Zweck einen größeren Betrag verwenden zu können. Hiermit habe ich Ihnen sozusagen die innere Tätigkeit, die uns für die nächste Zeit bevorsteht, in kurzen Umrissen skizziert. Aber die Kultusgemeinde hat auch noch eine andere Pflicht, die ich mit dem am letzten

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