Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 2 (10.1.1913)
- Date
- 1913-01-10
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Se tc 20 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 2 danke ist vollständig irrig und widerspricht dem gesunden Menschenverstände. Solche Bestrebungen stehen in direktem Widerspruche zu den Elementargesetzen der Staatsraison. Wir anerkennen wohl, daß Palästina eine heilige Stätte der Juden ist, aber das begründete noch immer nicht die autonomistischen Bestrebungen. Mit demselben Rechte könnten dann auch die Christen ähnliche Ansprüche stellen, denen Palästina gleichfalls eine heilige Stätte ist, und schließlich ist ja Palästina auch uns Mohammedanern heilig. Im Endergebnisse also können wir die Einwanderung der ausländischen Juden nach Palästina nicht als eine ideale Volksbewegung ansehen, umsoweniger, als unsere Konstantinopler Regierung gerade durch die inländischen Juden über die separatistischen Absichten dieser eingewanderten Juden genau informiert ist. Von diesen separatistischen Tendenzen ist auch die jüdische Bevölkerung des ottomanischen Reiches überzeugt, die unausgesetzt sich dagegen verwahrt, irgend einen Anteil an dieser Bewegung zu haben. Tatsache ist, daß diese ausländischen Juden auch die Lage der ottomanischen Juden verschlechtern, da die öffentliche Meinung gerne verallgemeinert und sicher keinen Unterschied kennen wird zwischen Juden und Juden." Nachschrift der Redaktion: Jud.m Wir diesem uns zugehcnden Gericht Raum geben, können wir unseren Vorbehalt betreffend die recht befremdliche Mitteilung des Budapester türkischen Konsuls nicht unterdrücken. Daß ..türkische Juden Beichwerdeschriften nach Konstantinopel" senden, um jüdische Einwanderungen zu erschweren, wäre ungeheuerlich und scheint uns unglaublich „Zoologischer Antisemitismus." (Eine scharfe Rcde Miljukoffs gegen den Antisemitismus.) In der Debatte über die vom Minister Kokowzew abgegebene Regierungserklärung in der Duma führte der Führer der Kadettenpartei in einer längeren Rede über den ruff. Nationalismus und über die Drohungen-, welche Kokowzew in seiner Rede gegen die Fremden ausstieß, unter anderem folgendes aus: „Die Haltung gegenüber den Juden in Rußland ist eine viel schlimmere,, wie di? Haltung gegenüber den Negern in Amerika." Er zitiert einige krasse Fälle der Willkür der russischen Verwaltungsbehörden. So habe der kurländische Gouverneur die bekannte Dreihundert-Rubel-Strafe wegen Nichteinhaltung des Militärdienstes von den Juden in geradezu bestialischer Weise eingetrieben. Er ließ den ärmsten jüdischen Handwerkern das Werkzeug und die Arbeitsutensilien pfänden und sie hierauf aus ihren Wohnorten vertreiben unter dem Vorwände, daß sie ohne Werkzeug und Rohmaterial nicht in der Lage sein werden, ihr Gewerbe auszuüben, wodurch sie ihr Wohnrecht verlieren. Das ist nicht mehr Huliganismus, ruft Miljukoff aus, das ist die Wildheit der Bestie und ein solches Vorgehen ist nichts anderes, als zoologischer Antisemitismus. Der Erbauer der pyrenäischen Bahnen. Aus Paris wird berichtet: Der Generalinspektor des Brücken- und Straßenwefens in Frankreich, Jules Lar, der Erbauer der Eisenbahn über die Pyrenäen, wurde zum Großoffizier der Ehrenlegion ernannt. Der Präsident der französischen Republik hat hierbei den Wunsch geäußert. Lar die Auszeichnung persönlich zu überreichen und bei der Feierlichkeit sein Pate zu sein.. Generalinspektor Lar ist das Mitglied einer sehr angesehenen und weitverzweigten jüdischen Familie, die auch in London angesehene Mitglieder hat. Die HMMtat emes jüdischen Fremdenlegronars. Pariser Blätter erzählen folgende Begebenheit: Moses Picciotto, der Sohn eines jüdischen Kaufmannes aus Alerandrien in Egypten, ließ sich vor einigen Jahren in die französische Fremdenlegion anwerben. Letzthin wurde er nach Marokko kommandiert, wo er mit einer geringen Anzahl Soldaten einen Rekognoszierungsmarsch zu unternehmen hatte. Auf diesem Marsche stieß er auf einen ziemlich starken arabischen Vorposten, der ihn und seine Handvoll Leute attackierte. Picciotto wurde verwundet, doch trotz seiner Verwundung eiferte er seine Leute so lange zum Kampfe an, bis die französischen Truppen herankämen und die inzwischen verstärkten arabischen Truppen zurückwarfen. Picciotto wurde für sein heldenmütiges Verhalten mit dem Verdienstkreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet und auf dem Kampfplatze zum Leutnant befördert. Das Londoner MibanimkomitLr für die Rechte der Valkanjudm. In der vorwöchentlichen Sitzung des Albanienkomitees in London, dem unter anderem auch der Chacham der Portugiesengemeinde Dr. Gaster und Herr S. L. Vensusan als Mitglieder angehören, wurde eine Resolution angenommen, in welcher die Gleichberechtigung der Juden in allen Valkänstaaten gefördert wird. Amerika. Die jüngste Ausgabe des „American Jewrsh Bear Book" enthält einige interessante Daien. Im Jahre 1818 gab es in den Vereinigten Staaten 3000 Juden. Jrü Jahre 1880 230.257 und 1912 2,044.762. 82 neue Synagogen und Heime wurden im Jahre 1912 in Amerika eröffnet. Es gibt dort 112 jüdische Zeitungen. Konferenz grrechrschrr KiEuspriist deuten in Saloniki. In Saloniki fand eine Konferenz von Präsidenten jüdischer Kultusgemeinden aus griechischen Städten statt An der Konferenz haben außer den Delegierten der Iudengemeinde von Saloniki teilgenommen: Abraham Constantinis, Präsident der Gemeinden von Athen, Büreaus ünd Laurium: ferner Advokat I. Samuelidis und Alberto Levy aus Athen, Präsident der jüdischen Gemeinde von Volo, spanischer Vizekonsul Gani, der Präsident der jüdischen Gemeinde von Larissa, Albert Cohen, und der Präsident der jüdischen Gemeinde von Trikala, M. Heimäki. In den Beratungen, wurden alle Maßnahmen getroffen, welche durch die neugeschaffene Situation notwendig geworden sind. Die Mitglieder der Konferenz wurden vom König Georg in längerer Privataudienz empfangen, in welcher sich der König über alle Wünsche der durch die Konferenzmitgneder vertretenen Gemeinden sowie über die Lage der Juden in Saloniki eingehend informieren ließ. König Georg hat wieder Anlaß genommen, die Juden zu versichern, daß zu ihrem Schütze die weitestgehenden Vorkehrungen getroffen wurden. Korrespondenzen. A«§ der konstituierenden Plenarsitzung des Wiener isr. Kultusoorstandes vom Sonntag, den 5. Jänner 1913. Sonntag, den 5. d. M., V-11 Uhr vormittags, erfolgte die Konstituierung des Kultusvorstandes in öffentlicher Plenarsitzung. Der Präsident Dr. Alfred Stern eröffnete die Sitzung, konstatierte ihre Beschlußfähigkeit, richtete Worte der Begrüßung speziell an die neu eintretenden Kollegen und gab der Hoffnung Ausdruck, baß. dis Gemeindeverwaltung tüchtige und nützliche Mitarbeiter in ihnen gewonnen habe. Der Vorsitzende brachte sodann