Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 1 (3.1.1913)
- Date
- 1913-01-03
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 Dr. Blochs Wochenschrift fiX. 1 Polizei abgesperrt werden. Der Sarg wurde in der neuen Synagoge aufgeste.H, wo der Gemeindekantor Herr Hirsch Weinmann mit seinem Chore iu sehr rührenter We se den Trauerchvra! exekutierte; Hernech hielt der Oberrabbiner Herr Abraham Schnur eine schwungvolle Rede, welche auf die Anwesenden einen ungeheuren Eindruck ausüble. Sodann wurde El-mole gesungen, und der Leichenzug bewegte sich zum Friedhof, wo noch die Advokaten Herr Dr. Offner und Dr. Holländer die Grabrede hielten. Der hiesige Kultusrat, welcher am 24. Dezember l. I. eine Sitzung abhielt, beschloß. der Frau des Dahingeschiedenen durch den Kultusvorsteher Herrn Berisch Mafchler, den Vorsteher-Stellvertreter Herrn Elias Baron, das Vorstandsmitglied Herrn M. D. Vrandstätter und Kultusratmitglied Herrn Dr. Febus Salamon die Kondolenz im Namen der füdischen Kultusgemeinde zu überbringen und zu Ehren des Verstorbenen im neu zu erbauenden jüdischen Spitale eine Gedenktafel anzubringen. Auch die Bankinstitute und viele Wohltätigkeitsvereine beschlossen, den Verschiedenen durch Gründung von Stiftungen wie Stipendien u. dergl. zu ehren. L. Hamburg. Der Direktor der Talmud-Thora-Realschule, Herr Dr. Joseph Eoldschmidt, beging kürzlich seinen siebzigsten Geburtstag. Der Jubilar, der früher an der Realschule in Frankfurt a. M. tätig war, wurde rm Jahre 1889 nach dem Tode des Oberrabbiners A. Stern |. A. zum Direktor gewählt. Unter seiner Leitung hat sich die Schule während der beiden letzten Jahrzehnte ganz bedeutend entwickelt. An seinem Ehrentage wetteiferten weite Kreise der Gemeinde, dem beliebten Pädagogen wohlverdiente Ehrungen zu bereiten. Der Gemeindevorstand hatte ein Glückwunschschreiben übersandt, in dem er die besonderen Verdienste des Herrn Dr. Goldschmidt um das Schulwesen der Gemeinde hervorhob. Der Präses der Schule, Herr Gemeindevorsteher A. Lewandowsky, erschien mit den übrigen Vorstandsmitgliedern in der Wohnung des Jubilars, um persönlich seine Glückwünsche zu überbringen. Herr Oberrabbiner Dr. M. Spitzer hob in seiner Ansprache die große Bedeutung des Herrn Dr. Goldschmidt für die Talmud-Thora-Schule hervor, die sich unter s iner Leitung zu ungeahnter Blüte entwickelt habe. Der Herr Oberrabbiner sprach den Wunsch aus, daß es dem Jubilar vergönnt sein möge, noch recht viele Jahre als Leiter der Schule zu wirken zum Wähle der Hamburger Gemeinde. In kurzen Worten sprach Herr Dr. Eoldschmidt seinen tiefgefühlten Dank aus, auch er sei nur von dem Wunsche beseelt, noch recht lange in ungetrübter Kraft an der ihm ans Herz gewachsenen Anstalt zu arbeiten. Außer dem Ehrengeschenk der Schule, bestehend in einer Reihe wertvoller Werke, waren von den meisten Gemeindeinstitutionen, dem Lehrerkollegium, dem Verein ehemaliger Schüler der Talmud-Thora- Realschule, sowie von Freunden und Verehrern viele Ehrengeschenke und kostbare Blumenspenden eingelausen. Die von nah und fern, namentlich auch aus dem früheren Wirkungskreis Frankfurt a. M. eingetroffenen Glückwunschschreiben und Telegramme legten ein beredtes Zeugnis von der Achtung und Wertschätzung ab, deren sich der Jubilar weit über die Hamburger Gemeinde hinaus erfreut. Feuilleton. (Nachdruck verboten.) Mas sich das jüdische Molk erzählt. Historisches Allerlei vom jüdische» Volkshumor. Von königl. Bibliothekar Dr. Heinrich Loewe. VH. (Schluß.) Der Dub noer Maggid scheint überhaupt ein großer Hundefreund gewesen zu sein, denn er benutzte sehr oft die Hundegleichnisse, um Schlüsse auf die Menschen ziehen zu lassen. Einst war er in einem Städtchen, wo er am Sabbat nachmittag eine Minchah-Drosche (Nachjmittagspredigt) hielt, die sich zur Freude seiner Hörern die sich an seinen Gleichnissen ebenso erbauten wie be-' lustigten, sehr ausdehnte. Dem Parnetz wurde es zu viel. Daher erinnerte er den Baal-Darschan (Prediger), daß es bereits Zeit sei, das Abendgebet mit „Borchu" zu beginnen. „Schon gut," erwiderte der Maggid, und redete weiter. Zum zweitenmale erinnerte der Parnetz: „Es ist nacht; es ist Zeit, „Borchu" zu sagen!" Ohne Erfolg. Zum drittenmale wies der Parnetz auf die Zeit von „Borchu" hin, mit dem gleichen Ergebnis. Als er nach einiger Zeit zum viertenmale erinnerte: „Rebbe. man mutz aufhören, es ist Zeit, „Borchu" zu sagen," da sagte der Maggid: „Zum Schluß will ich nur ein Moschel erzählen, das hier hingehört: Ihr wißt, alle Tiere loben Gott den Herrn. Das hat seinen Grund tm Eilgut Nefesch (Seelenwanderung). Alle Tiere sind einmal Menschen gewesen, und werden auch wieder als Menschen geboren. Und alle Menschenseelen haben schon einmal in Tierleibern gesteckt, und werden vielleicht auch einmäl wieder in Tierleibern leben. Und alle Tiere haben ihr besonderes Gebet, mit dem sie Gott, den Herrn, loben. Der Hund zuM Beispiel bellt, wie unsere Altvordern berichten: -rnn« »n- Kommt, wir wollen uns bücken und beugen." Was für ein Gebet, sagt man, bei dem man sich bücken und beugen soll? Doch eben „Borchu". Was also bellt der Hund? Der Hund bellt: „Es ist Zeit, „Borchu" zu sagen." Und dann schloß er. wie bis auf den heutigen Tag allgemein üblich, seine Predigt: „.Und Gott bringe für Zion den Erlöser, und wir sagen darauf AMen!" Der Hund lud ebenso wie den Dubnoer Maggid stets die Träger des jüdischen Volkswitzes dazu ein, sich seiner zu bedienen. In Deutschland wird ein alter Witz erzählt, der nicht ohne einen historischen pikanten Beigeschmack ist: „Wissen Sie!," sagte ein Adeliger in einem Streite mit einem Juden, „.daß man tm Mittelalter keinen Juden hing, ohne einen Hund daneben zu hängen!" — „Wie gutz," erwiderte schlagfertig der Jude, „daß wir beide damals nicht lebten. Es hätte uns beim Hängen sonst passieren können, daß wir nebeneinander zu hängen gekommen wären." Das erinnert in einer leichten Weise an jenen Rabbi, der in der fremden Synagoge ununterbrochen von einem Nachbar damit angeödet wird, daß dieser allerlei närrische Fragen an ihn richtet. Beim Minchah-Gebet fragte er ihn denn auch: „Rebbe, hier steht doch o“tx ** Wie kommt der Mensch neben das Vieh, neben die Geheime?" „Wie weiß ich den Grunh," sagt der Rebbe, „der SchamMes (Synagogendiener) hat muh dahin gestellt." Ein Jude, der in Verlegenheit ist, leiht sich 10.000 Mark zu einem Unternehmen von einem nichtjüdischen Nachbarn, der aber unter allen Umständen einen Schuldschein in hebräischer Sprache und Schrift verlangt. Der Jude schreibt ihn regelrecht aus, und es heißt in dem Papier, daß er dem Inhaber dieses j?">ö '' schulde. Der Gläubiger, der natürlich hebräisch nicht lesen kann, läßt sich zeigen, wo die 10.000 Mark geschrieben sind. Er kommt nach einigen Tagen mit dem Scheine zu einem jüdischen Winkeladvokaten mit dem Ersuchen, er möchte ihm doch die 10, für die ein „Iud" (M) geschrieben sei, vergrößern. Der tut das, so daß der Buchstabe Iud (" ) nach unten verlängert (o) wird. Aber der ist ihm noch zu klein, und' er ersucht den Winkeladvokaten, den „Iud" noch einmäl zu vergröbern und besonders breiter zu machen, so daß der Buchstabe nunmehr so n aussieht. Als er noch einmal um die Vergröberung nachsucht, und der Winkeladvokat gegen die gewöhnliche Gebühr auch diesem Wunsche nachgekommen ist, sieht der Buchi-- stabe, der „Iud" ursprünglich war, also '2 aus. Der Zahlungstermin kommt. Er weist dem Schuldner den Schein vor und empfängt vom Juden anstatt 10.000 Mark nur deren 2000, so daß er auf seinen Schuldschein pocht. Der Jude zeigt den Zeugen, daß hier nur von 2000 Mark die Rede ist. Jener läuft zu dem Verbesserer und der eröffnet ihm nun: Zuerst war, es ein Iud (") im Wert von 10. dann habe ich es auf deinen Wunsch verlängert, wodurch es n wurde und nur noch 6 blieb, dann verbreitert ("i), wodurch der Wert auf 4 sank, und da es immer noch zu klein war, so gab ich ihm auf deinen Wunsch einen breiten Futz, blieben also nur noch ('ü) zwei. Die hat der Schuldner dir bezahlt."