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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-01-03 · 1 (3.1.1913) · p. Seite 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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Seite B m:i DK Mvchs gesprochen habe, -er bei der Besetzung der Stellen im Staatsdienste geübt werde/ niemals die Gelegenheit benützt, dazu Stellung zu nehmen. Die Regierung habe vielmehr nur die Ablehnung seiner- Anträge kategorisch verlangt. Es sei beschämend, daß solche Tendenzen in den -höchsten Kreisen der Verwaltung des Staates und von dort auch auf das Denken der breiten Massen wirken können.- Wir halten, sagte Redner, den Antisemitismus, möge er in noch so vorsichtiger Form auftreten, für eine eines modernen Staates, eines mo-' dornen Menschen, einer modernen Gesellschaft unwürdige Erscheinung, für uns ist der Antisemitismus identisch mit Reaktion. Im weiteren Verlaufe seiner Rede führte Dr. Smeral aus, daß seine Partei, welche das kapitalistische Ausbeutertüm in allen seinen Erscheinungen bekämpfe, auch den Antisemitismus als eine gegen die natürliche Entwicklung der Gesellschaft gerichtete Bewegung bekämpfen müsse. Redner habe es für potwendig erachtet, dieser Anschauung anläßlich der Beratung über die DienstpragMatik Ausdruck zu geben, weil auf sehr vielen Gebieten des Staates antisemitische Ten-? denzen innerhalb der politisch und sozial nicht reifen Bevölkerungsschichten noch ziemliche scharf auftreten und die Grundlage für die reaktionärste dem Adel und dem Klerikalismus in die Hand arbeitende politische Agitation bilden. Bei der Abstimmung wurde der Antrag Smerals mit 188 gegen 142 Stimmen abgelehnt. Antisemitismus in der galizischen Schulverwaltung. Aus Lemberg wird uns geschrieben: Der Landesschulrat für Galizien hat in den letzten Tagen eine große Anzahl von Lehrpersonen für die galizischen Landesschulen ernannt. Wie seit vielen Jahren, so wurde auch diesmal kein einziger jüdischer Lehrer oder jüdische Lehrerin ernannt, trotzdem eine große Anzahl männlicher und weiblicher Lehrpersonen jüdischer Konfession, die ihre Studien an galizischen Landesanstalten absolviert haben, seit Fahren vergeblich auf eine Ernennung warten. Die gastrische Wahlreform und die Juden. Laut dem zwischen den Ruthenen und Polen in Verhandlung stehenden Kompromißantrag über die galizische Wahlreform dürften die Juden kn dem künftigen galizischen Landtage 15 Mandate inne haben, und zwar 2 in Lemberg, 2 in Krakau, 2 in der allgemeinen Wählerkurie, 6 in den Städten mit Doppelmandaten und in den Handelskammern 3. Würden die Mandate int Verhältnisse zur Bevölkerungszahl der einzelnen in Betracht kommenden Gruppen in Betracht kommen, so müßten den Iuden 28 Mandate zugebilligt werden. Die Juden haben auch diese Forderung aufgestellt, doch wurde ihnen bedeutet, daß auch die Ruthenen, welche 40 Prozent der Gesamtbevölkerung bilden, sich gleichfalls mit höchstens 27 Prozent der Gesamtmandate werden begnügen müssen. König Georg von England und das Alte Testament. Das in London erscheinende christliche Familienblatt veröffentlicht in seiner jüngsten Nummer einen interessanten Brief des Hofsekretärs König Georgs von England. Das genannte Blatt richtete nämlich an den König die Anfrage, ob es wahr fei, was der Volksmund sich erzählt, daß der König täglich eine stunde dem Studium des „Akten Testaments" sich widme. Hierauf erhielt die Redaktion vom Hofsekretariate die Bestätigung, daß König Georg noch im Jahre 1831 seiner Mütter, der Königin Alerandra, das Versprechen gab, täglich eine bestimmte Zeit dem Studium des Alten Testamentes zu widmen, und dieses Versprechen halte der' König seit 32 Jahren pünktlich ein. König Georg Wocheichhrift ist Überhaupt ein Bewunderer der Bibel der Juden. Als vor einigen Jahren die Dreihundertjahrseier der ersten Uebersetzung der Bibel ins Englische stattfand, hielt König Georg eine Rede, in welcher er betonte, daß Englands Macht und Kultur hauptsächlich der Bibel, dem Alten Testamjente sowohl als dem neuen, die im englischen Reiche stets hochgeschätzt waren, zu danken sei. Der Schutz der jüdischen Immigrantenmädchen m Amerika. Zu den bedeutendsten und angesehensten jüdischen Organisationen von Amerika gehört die „Jewish Women Association" (Verband der jüdischen Frauen), dessen Zentralrat kürzlich seine Jahresversammlung in Newyorv abhielt. Aus dem Berichte der auch in Europa bekannten Präsidentin der Newyorker Sektion, Miß Sadie American, einer der fähigsten und rührigsten Arbeiterinnen auf sozialpolitischem Gebiete ist zu entnehmen, daß der Verband in den Vereinigten Staaten über 10.000 Mitglieder zählt und 251 Korrespondenten in den verschiedensten Städten hat, und überdies auch mit seinen Vertrauenspersonen in Europa in ständiger Korrespondenz steht. Der Zentralrat des Verbandes hat im abgelaufenen Jahre allein 6300 jüdische Mädchen unter seinem Schutze gehabt, die ohne Eltern nach Amerika kamen und ohne den Schutz des Verbandes den größten moralischen Gefahren ausgesetzt gewesen wären. Seit dem Jahre 1904 hat der Verband 70.000 jüdische Einwanderermädchen unter seinem Schutze gehabt. Besonderes Interesse erregte der Vortrag der Miß Marcy Antin, die als elfjähriges Mädchen nach Rewyork kam und sich später mit ihrem Roman „Das Land der Verheißung" berühmt gemacht hat. In dieser Erzählung schildert Miß Marry die vielfachen Versuchungen, denen ein alleinstehendes Mädchen, das unerfahren nach Rewyork kommt, begegnet. Fräulein Antin, die seinerzeit gleichfalls sich dem Schutze des Verbandes anoertraut hatte, gehört heute zu den werktätigsten Mitarbeiterinnen des Zentralrates. Betrachtungen post festurn. Das heilige Christfest nahte und die Juden rüsteten sich. In Rußland, um Pogromen zu entgehen, im Westen, um den Weihnachtsbaum zu schmücken. Auch in Wien hatten wir Gelegenheit, wenn wir durch die stillen Gassen der Leopoldstadt wandelten, hellerleuchted Fenster zu sehen, der Christbaum strahlte sein Licht aus Zimmern, deren Eingang die traditionelle Mesusa schützt. Wahrhaftig, es ist eine rätselhafte Zusammenstellung und fast mutet es einen wie eine geistige Epidemie an. die alljährlich um die Zeit der Weihnachtsfeiertage, bei vielen, leider allzu vielen „vorurteilslosen" Glaubensgenossen plötzlich ausbricht. — Ich kenne einen Fabrikanten, einen deutsch-jüdischen Freiheitsmann, der es für unmodern hält, die Weihnachtsbäume nicht mit Glühbirnen zu beleuchten, unter meinen Bekannten ist ein Advvkat. der hingegen nur Kerzenlicht für poetisch genug hält. Es graust einem vor diesen Nachkommen der Makkabäer. Auch ich möchte einmal gerne diese bis zum Ueberdrutz gerügte Erscheinung lächerlichen Renegatentums elektrisch beleuchten, so grell, daß sie in ihrer ganzen unästhetischen Ekelhaftigkeit zu sehen wäre. Denn die Zeichen innerer Haltlosigkeit bei den Iuden mehren sich in erschreckender Weise. Wer sich davon überzeugen will, besuche einmal den Christkindl- und Tannenbaummarkt, und er wird unter den Konsumenten manchen Bekannten finden, der sich dm Jom-Kippur gläubig an die Brust schlägt — am heiligen Abend aber feiert er mit dem symbolischen Zeichen des Christentums die Geburt des Heilandes, in dessen Namen dem Judentums

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