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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-01-03 · 1 (3.1.1913) · p. Seite 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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Seile 2 Dr. Bwchs Wochenßchrfft Ar. 1 besäße, und trotz der Beschwichtigung durch griechische Generäle Hut sich der Juden in Saloniki die größte Bestürzung und Angst vor der Zukunft bemächtigt, wenn die Stadt in griechischen Händen bleiben sollte. Selbe Kaufleute vom übelsten Rufe, hassen die Griechen die Juden als die weitaus beliebteren, weil ehrlichen Konkurrenten tötlich, und es ist fast als sicher zu betrachten, datz sie das blühende Zentrum der Sephardim, daß sie Saloniki vernichten werden. Aehnliche Schrecken der Zukunft warten auf die Juden in den bulgarischen Grenzgegenden, wenn wirklich Rumänien dieses bisher bulgarische Gebiet erhalten sollte. Bisher im Besitz aller Rechte der Freiheit, werden hier die Juden unter eine Verwaltung gelangen, welche sich den praktischen Staatsantisemitismus zur Hauptaufgabe gemacht hat. Es hieße oft gehörte Klagen eines gequälten Volksstammes wiederholen, wenn man die Knechtung der rumänischen Juden ausführlich beschreiben wollte. Vom Ackerbau und Landbesitz und vom Gewerbe ausgeschlossen, zum Militärdienst verpflichtet, ohne datz sin auch nur den kleinsten Grad erreichen können, behandelt man sie als Fremde, ohne das Recht der Staatsbürger und gibt sie blutigen Verfolgungen preis. Das wartet auch auf alle Juden, welche unter die Herrschaft der Rumänen gelangen werden. Jetzt entsteht die Frage, ob das Schicksal dieser Juden und der in Saloniki unabänderlich ist. Die Konferenz der Botschafter in London hat durch diese Fragen einen Punkt des Berliner Vertrages auf der Tagesordnung und ist durch die besonderen Umstände imstande, dem internationalen Recht und der moralischen Macht Europas zu einem Sieg zu verhelfen, welcher ein Sieg der Gesittung wäre. Auf dem Berliner Kongreß hat Rumänien als eine Bedingung seiner Existenz die Verpflichtung übernommen, seine Juden zu emanzipieren. Statt dessen hat es Europa verhöhnt, indem es die Juden möglichst tief herabgedrückt hat. Soll man sich nun dafür noch dankbar erweisen, indem man dem wortbrüchigen Reiche durch den bloßen Druck der Macht einen bedeutenden Gebietszuwachs verschafft, oder sollen die Botschafter nicht vielmehr streng verlangen, daß internationale ^Verträge auch eingehalten werden, und die Vergewaltigung keinen Freibrief erlange? Wenn die Frage in diesem Sinne erledigt wird, kann auch Griechenland keine Gelegenheit zu Barbareien erlangen. Denn der Krieg wurde ja angeblich zu dem Zwecke geführt, um dem Balkan der christlichen, tätigen Kultur zu erschlietzen. Die Schaffung von einem Ghetto darf wohl kein Teil dieser Kultur werden, über deren Einführung und Einrichtung die Großmächte in London jetzt wachen. Main kann an die Menschlichkeit ihrer Vertreter appellieren/ damit sie nicht auf Jahrzehnte hinaus die Sklaverei für bisher freie und glückliche Einwohner des Balkans entstehen lasten. -Man kann ihre politische Einsicht anrufen, damit die Frage der Einwanderung verarmter Elemente nicht verschärft statt erleichtert werde. Auf alle Fälle, sind die gewichtigsten Gründe vorhanden, daß sich die Londoner Balkankonferenz der Botschafter mit der Judenfrage beschäftige. Wir wollen hoffen, datz unsere jüdischen Organisationen den großen Moment nicht versäumen, sondern alle Macht auftoenden werden, um einen großen Teil der Judenheit nicht abgleiten zu lasten. vom Aabrmarkt des Lebens. Die Rechtlosigkeit der Juden in Rumänien. Die Vereinigung der bodenständigen Israeliten Rumäniens hat den gesetzgebenden Körperschaften eine Petition behufs Erlangung der staatsbürgerlichen Rechte für ihre Mitglieder überreicht. (Bekanntlich haben, wie in einer erst kürzlich von uns veröffentlichten Zuschrift aus Rumänien dargelegt wurde, die rumänischen Juden auf die Rechte nach dem Artikel 44 des Berliner Vertrags vollen Anspruch. Es heißt dort ausdrücklich: „In Rumänim darf der Unterschied der Religionen und Bekenntnisse niemand als Grund der Ausschließung oder der Unfähigkeit entgegengestellt werden in bezug auf den Genuß der bürgerlichen und politischen Rechte, die Zulassung zu den öffentlichen Aemtern, Funktionen und Ehrenstellen, oder die Ausübung der verschiedenen Gewerbe und Industrien, an welchem Orte es auch sei." Rumänien hat sich bis zum heutigen Tage über die den Mächten gegenüber eingegangene Verpflichtung hinweggesetzt. Es ist nur zu wünschen, daß gegenwärtig wo Rumänien wieder mit Europa über seine Interessen in Verhandlungen steht, die Signatarmächte ihm die Ausführung jener Zusagen in Erinnerung bringen. D. Red.) Ein Hilferuf jüdischer Kaufleute in Salonichi. Klagen über neue Greueltaten griechischer Soldaten. Eine Deputation jüdischer Kaufleute aus Salonichi publizieren in der „Reuen Freien Presse" nachstehenden Hilferuf: „,In unserer Not wenden wir uns ah die Presse, damit Europa erfahre, daß die Juden in Salonichi noch immer ihres Lebens nicht sicher sind und daß ihr Hab und Gut fortgesetzt bedroht ist. Als am 24. d. um' 5 Uhr nachmittags zwei jüdische Geldwechsler, Pranses und Ammin, heimgingen, wurden sie im Zentrum der Stadt, auf dem Platz Meydan-deloubeni, von griechischen Soldaten unter Assistenz einheimischer Griechen in grausamster Weise ermordet und ihres Geldes beraubt. Wer seines Lebens und Eigentums sicher sein will, muß spätestens um 5 Uhr nachmittags seine Wohnung versperren, da bei Einbruch der Dunkelheit die griechischen Soldaten ihr Unwesen treiben, in die Häuser eindringen und alles, was in ihre Hände kommt}, ist verloren. Es vergeht nicht eine Nacht, in der nicht türkische oder israelitische Geschäfte geplündert werden, so daß viele Geschäftsleute um ihr letztes Hab und Gut gebracht werden. Im Geschäft'sviertel Sibi, wo sich Kolonialwarenniederlagen befinden, haben die Geschäftsleute türkische Nachtwächter zu ihrem Schutze engagiert, es ist aber schon mehrmals vor gekommen;,) daß diese Wächter von griechischen Soldaten weggelockt wurden, worauf deren Genossen ungestört plünderten und raubten. Ein in französischer Sprache erscheinendes Blatt, das über solche Vorfälle berichtete, wurde gemaßregelt und konnte erst nach einigen Tagen wieder erscheinen. Das alles geschieht unter den Augen der griechischen Behörden, und auch die Diplomaten sehen ruhig zu. Noch vor wenigen Wochen waren die Diplomaten bereit, wenn türkische Behörden sich eine Inkorrektheit zuschulden kommen ließen, Kriegsschiffe in irgend einen türkischen Hafen zu senden. Dies geschah, um europäische Interessen zu schützen. Auch in Salonichi sind jetzt europäische Interessen bedroht, denn der dortigen Handelswelt wird enormer Schaden zugefügt, und wenn dem räuberischen Treiben nicht Einhalt geboten wird, werden auch Österreichischei, deutsche, französische und englische Fabrikanten geschädigt werden. Im Namen der Humanität sind die Griechen in den Krieg gezogen; wir wenden uns nun an die Humanität Europas mit der flehentlichen Bitte, uns zu Hilfe zu kommen.“ Der Antisemitismus in der österreichischen Vermattung. In der ersten Sitzung nach den Weihnachtsferien begründete der Reichsratsabgeordnete Dr. onterat im österreichischen Reichs rate seinen Zusatzantrag zu der in Verhandlung stehenden Dienstpragmatik der Staatsbeamten. Dr. Smeral verlangte zu Paragraph 1 die Aufnahme des folgenden Zusatzes: „Politische, konfessionelle oder nationale Gründe dürfen bei der Anstellung! eines Beamtzen keinen Einfluß üben." Dr. Smeral, der der sozialdemokratischen Partei angehört und die Frage auch von diesem G^ichtspunkte aus beleuchtete, führte u. a. aus, die Regierung habe, obzwar er im Ausschuß sowohl wie im Plenum von dem latenten Antisemitismus

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