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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-01-03 · 1 (3.1.1913) · p. Seite 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
Seite 1 (sequence 3)
Language
German
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Dr. Bloch’s Jahrgang UX 4 Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums« -- Wien, 3. Jänner 1913 LrsiDetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, ll/i, Aspernbrücker,g. 2 Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wie«. Inhalt: Leitartikel: An die Balkan konferenz der Botschafter. — VomJahrmarktdesLebens: Die Rechtlosigkeit der Juden in Rumänien. Ein Hilferuf jüdischer Kaufleute in Salonichi. Der Antisemitismus in der österreichischen Verwaltung. Antisemitismus in der galizischen Schulverwaltung. Die galizische Wahlreform und die Juden. Körig Georg von England und das Alte Testament. Der Schutz der jüdischen Jmmigrantenmadchen in Amerika. — Betrachtungen xost kesluin. — Prof ffor Dr. David Heinrich Müller. — Korrespondenzen: Generalvetiammlung des israelitischen Tempel-Vereines für Mariahilf und N-ubau. Generalversammlung des Brigittenauer israelitischen Tempelvereines. Ueberwundene Pogromgefahr in Galizien. Bezalel-Ausftellung in Prag. Der Erzbischof hinter dem Sarae des Rabbiners. Dr. Heinrich Brody — Oberrabbiner von Prag. Wie ein Ritualmärcken entsteht. Professor Tschlenow ist kein Jude! Die Judenstämmlinge im russischen Kadettenkoips. Verbot der Sabbatarier-Sekte in Rußland. Em Jude Stipendist für eine militär-medizinische Prosissur in R-ißland. Der zweite Kongreß des jüdischen Jugendbundes in JiaUen. Auszeichnung eines südlichen Gelehrten. Der Nachfolger Henri Poincare's in der französischen Akademie. Die Lösung der Oberrabbinerfrage in London Prosiffor Ignatz Kont. Ein Antisemit Gouverneur von Jerusalem. Trberias. 17. Dezember. Liberias, 20. Dezember. Die erste Synagoae in der Republik Panama. — Vermischtes. - Feuilleton: Was sich das jüdische Volk erzählt. — Literatur. — Brieskaiten. — Notizen. — Inserate. OG o A. K. Postsparksffrnsmk Slearlng-Verkedr «r. 610.976. RedaMon und Administration: Wir« U/i, Aspernbrückengaffe 2 Telefon 14619 vo Q OQd)0 0(j ■ - ■ ^v)0 p Vrsugsvrri« für ©eff rrraid}: C Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Fiir's Bwnlanb: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2nalgesyal» rene Pelttzetle Heller. C nP —D An die Kalkankonferenz der Botschafter. Zoll um Zoll wird in London um die zukünftige Entwicklung des Balkans gekämpft. Schroff stehen einander die Forderungen der Sieger aus den letzten Kämpfen und die Angebote der Türkei entgegen. Zwischendurch laufen die Verhandlungen zwischen Bulgarien und Rumänien über einen Gebietsausgleich, den Rumänien aus strategischen und politischen Gründen haben will, damit Bulgarien nicht übermächtig werde. Beide Verhandlungen werden beherrscht von der Konferenz der Botschafter, welche die Gegensätze auszugleichen und dabei zugleich die Lebensinteressen ihrer Mächte durchzusetzen trachten. Den Schlüssel, das Grundprinzip aller Ent-'- scheidungen, bildet bei allen diesen Abmachungen das nationale Moment. Jeder Staat nimmt für sich jene Gebiete in Anspruch, wo seine Volksgenossen wohnen oder wo er wenigstens Zuneigung und Sympathien besitzt. Die Neuordnung der Dinge soll mit Hinweis auf die Vergangenheit erfolgen, in welcher Unruhe und Aufruhr dadurch dauernd blieben, daß jeder Volksstamm und jede Gruppe eine fremdnationale Herrschaft von sich abzustreifen suchte. Im großen und ganzen dürfte denn, auch dieser Tatsache aus der neueren Geschichte des Balkans Rechnung getragen werden. Bloß über das Schicksal eines bedeutenden Volksstammes auf dem Balkan scheint man bisher zur Tagesordnung übergehen zu wollen. Wenn die eroberten Gebiete aber nicht länger in ihrem Urzustand der Vernachlässigung und Unfruchtbarkeit bleiben, sondern im Interesse ganz Europas wirtschaftlich erschlossen werden sollen, wird man in erster Linie der Mitarbeit der' Juden und ihrer ungehinderten Tätigkeit und Entwicklung bedürfen. Die Inden find kein geringer Faktor in den strittigen Gebieten. Schon durch ihre Zahl bebedeutend — Inan zählt mehr als 150.000 Seelen — mutz man sie nach ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit, ihrem Fleitz, und ihrer Bildung einschätzen. Nach einem solchen Matzstabe gemessen, gehören die Inden an eine erste Stelle der Völkerschaften des Balkans und sind für seine Zukunft von besonders hohem Werte. Die lächerlichen Phrasen der antisemitischen Bewegung werden in diesem historischen Fall von jedem Kenner der Verhältnisse verächtlich zurückgewiesen werden. Ganz abgesehen davon, daß sie allen Juden der Welt gegenüber eine lächerliche Lüge sind, würden sie sich auf dem Balkan an eine spezielle Gruppe und Gemeinschaft heranwagen, welche durch ihre glänzenden Eigenschaften eine hohe Berühmtheit erlangt haben. Die Mehrheit der Juden auf dem Balkan sind Sephardim. spagnolische Juden, welche durch ihre unbedingte Rechtlichkeit in Handel und Wandel, durch ihre Zuverlässigkeit. Kultur und Bildung, durch ihre männliche Würde und die Reinheit ihres Familienlebens die größte Achtung bei allen genießen, die je mit ihnen zu tun gehabt haben. Welcher Wertschätzung sie sichj erfreuen, geht wohl am besten daraus hervor, daß ihr Mutterland Spanien, das sie vor Jahrhunderten vertrieben hat, ihnen jetzt die Staatsbürgerschaft gegen eine einfache Erklärung, ohne jede andere Verpflichtung, antrug. Diese Juden spielen auf dem Balkan eine ähnliche Rolle wie etwa die Deutschen in Oesterreich. Obzwar ziffernmäßig hinter den anderen Rationalitäten zurück, haben sie doch den größten Einfluß und Wert durch ihre wirtschaftliche Rührigkeit, ihre großen Organisationen. ihre hohe Bildungsstufe und Leistungsfähigkeit. Es herrscht kein Zweifel darüber, daß die Bulgaren und Serben, welche den Juden volle Gleichberechtigung einräumen, in den eroberten Gebieten von ihnen großen Nutzen ziehen werden. Ganz anders aber verhält es sich mit den Griechen und Rumänen. Von Seite der Griechen droht die größte Gefahr. In ihre Hände wird vielleicht Saloniki fallen, die Hauptstadt der sephardischen Juden, wo 80.000 von den 150.000 Einwohnern zu ihnen gehören und wo sie einen großen geistigen und materiellen Besitz haben. Was nun hier von den Griechen zu erwarten ist, geht wohl am besten aus dem Pogrom hervor, der bereits stattgefunden hat und der ohne das energische Auftreten der Bulgaren noch viel schrecklicher geworden wäre. Trotz den Versicherungen König Georgs von Griechenland, daß die Inden nichts zu fürchten hätten, daß er selbst sehr geschätzte jüdische Freunde, namentlich in Kopenhagen,

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