Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 52 (27.12.1912)
- Date
- 1912-12-27
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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LMH52 Dr. Biochs Wochenschrift Leue 893 juden duellieren. Dieser erklärt vor Beginn des Zweif/M Am andern Tage war Sabbat und er sprach sehr tampfes: „Einer von uns mutz auf dem Platze»»erbaulich. Dann erzählte er im Verlaufe dieser Rede bleiben" und erhält die Antwort vom' Juden: „DannZ bleiben, bitte. Sie! Ich gehe schon!" Einem anderem Juden, der nicht zu fechten versteht und wild auf den^ Gegner losschlägt, ruft dieser zu: „Schlagen Sie dochnach Regeln!", erhält aber die trostreiche Antwort : „Ich schlage nicht nach Regel ( ^n, hebräisch Fufe), ich schlage nach Rosch hebräisch Kopf)." Aber m allen diesen Erzählungen, ob von dem Schalk Efrajim oder-von wem immer, liegt die Ablehnung der Duellsitte als eines groben Unfugs. Mordechai Rackewer und Reb Berke. Reb Berke war ein reicher Mann in Warschau, und Reb Mordche Rackewer war Hausfreund und Faktotum bei ihm. Einst fuhren sie bei grofeer Kälte über Land, Reb Berke in einem kostbaren Pelz und mit warmem . Fufesack. Auch hatte er wohl gespeist. Mordche war noch fast nüchtern und fror in seinem dünnen Kaftan wie ein Schneider. Als sie auf ein polnisches Dorf Zufuhren, dessen jüdische Kretschme (Wirtshaus) sie in einer Stunde erreichen mutzten, redete Mordche dem Reb Berke zu, dort ein Glas Tee zu trinken, in der sicheren Hoffnung, dort bei dieser Gelegenheit auf Berkes Rechnung speisen 311 können. Reb Berte meinte: „Geh', geh', wie soll ich bei diesem grotzen Schnee und der Kälte aus meinem Pelz und Fufesack herauskriechen, wo mir so schön warm' ist, und durch den Schnee stapfen?" Rackewer schwieg eine Weile. Als sie aber der Kretschme näher kamen, erinnerte er, „Ihr seid doch gewöhnt, um diese Zeit Tee zu trinken. Ein Glas Tee wird Euch gut tun!" Berke . liefe sich überreden und sagte: Geh' voran und sieh, wie. es dort aussieht und ob man dort wirklich hineingehen kann." Mordche liefe sich das nicht zweimal-sagen, lief hin und kam eiligst zum Schlitten zurück. Auf. die Frage: „Nu?" — antwortete er: „Was soll ich Euch sagen: Wie in der Heim (zu: Hause) sieht es aus." Reb Berke kroch aus seinem Pelz und Fufesack mühsam heraus und folgte seinem Faktotum in die Schenke. 1 \ Aber 0 Schreck! In der Kretschme ist es kalt wie auf der Strafee. Das Zimmer ist voll Rauch, und kleine Kinder kriechen in der Gaststube auf dem Fufeboden herum, so dafe Reb Berke beinahe darüber gefallen wäre. „Ra-Mordche (Unglücks-Mordechai)," schrie er, „so. sieht es bei mir in der Heim (zu Hause) aus?" Mit der unschuldigsten Miene von der Welt erwidert Mordche: „Hob' ich denn gefügt, „bei Eich in der Heim"? Ich hob gemeint, bei mir in der Heim!"^) Der Dubnoer Maggid. Der Dubnoer Maggid kam' zu der Zeit, wo Nikolai I. die Juden bedrückte und sie unter schweren Strafen Mang, sich Bart und Schläfenlocken abschneiden zu laffen. in ein Städtchen, um dort zu predigen. Cs war bereits bekannt, dafe er dagegen eiferte, dafe sich die vielfach durch die Regierungsbedrückungen bereits mürbe gemachten Juden dazu herb.eiliefeen, das Verbot der Bibel zu übertreten und Bart und Schläfenlocken abschneiden liefeen. Man war es hier schon müde, gegen die Plackereien der Regierung Widerstand zu leisten. Als er nun sich beim' Vorstände dazu meldete, am Sabbat eine Predigt zu Hallen, machte man ihm zur strengen Pflicht, nicht gegen das Abschneiden des Bartes zu eifern und ein für allemäle mit keinem Worte davon zu sprechen. Er sagte das zu, um überhaupt auf die Kanzel gelassen zu werden. 3) Nach mündlicher Ueberlieferung aus Krummelvw bei Sosnovice (Polen). Zweiter, dafe er einmal auch zum Himmelstor gekommen '»wäre. Als er sich als Dubnoer Maggid legitimierte, wurde er ohne weiteres eingelassen, um sich den Gan ' Eiden (Paradies) anzusehen. \ „Dann aber," fuhr er nach einer Schilderung des . Paradieses fort, „hatte ich auch den Wunsch, das Geinem (Hölle) mir anzusehen. Mein Wunsch wurde vom. Oberaufseher dem himmlischen Besdin (rabbinischer Gerichtshof) gemeldet, das allein über solche besonderen Wünsche .zu entscheiden hat, vorgetragen. Das entschied: Es ist der Dubnoer Maggid,- nun er darf sogar das Geinem ansehen: nur mufe er vorher fest versprechen, dafe eil zu allem, was er sieht, absolut schweigen will. Kein Wort darf er reden. Ich habe es versprochen und wursdo zum Geinem geführt. Als ich eintrat, sah ich da allerlei seltsame Vorgänge und Strafen. Da stand ein ^Rosche (Bösewicht), der mutzte ein Fafe voll giefeen, und diesle seine Strafe hört erst auf, wenn das Fafe voll ist. Er schöpft und schöpft. Aber der Sinn ist ihm verwirft, und er bemerkt nicht, dafe der Zapfen am Boden liegt, und so viel er eingiefet, mindestens ebenso viel lauft jum offenen Spundloch wieder heraus. Mir schwebte auf der Zunge: „Narr, heb' doch den Zapfen aus und steck' ihn hinein!" aber man darf nicht reden, ich nahmmich also in acht und hielt mein Versprechen. Der Rosche mag da nun schon an hundert Jahre am Fasse stehen und schöpfen, und er steht nun weiter da und gjefet ein. Dann sah ich einen Rosche, der verurteilt ist, einen Klotz mit einem Beile zu zerkleinern. Er hackt und hackt. Aber der Sinn ist ihm verwirrt, und er merkt nicht, dafe er immer mit der Breitseite des Beiles hackt. So mag er schon hundert Jahre stehen und Hachen, und sieht den Fehler nicht. Mir schwebt wieder auf der Zunge: „Du Schäute (Torf, dreh das Beil um!" Aber man darf nicht reden. — Da steht ein dritter und ist verurteilt, auf einer Lonke (Wiese) das Gras abzuschneiden, bis es ganz abgeschnitten ist. und er schneidet, und schneidet sicher schon über hundert Jahr und er merkt nicht, dafe hinter ihm, wo er geschnitten hat, das Gras wieder wächst. Und er schneidet und schneidet, und es wächst wieder.. Da konnte ich nicht länger den Mund Hallen, und trotz des strengen Verbotes kam es unwillig über meine Lippen: „Du Narr, wenn es doch wieder wächst, warum schneidest du?'") In vielen Geschichtchen wird die Gegnerschaft des Dubnoer Maggid gegen die damals entstandene und in mächtigem Vordringen begriffene Partei der Chafeidim beleuchtet. Aus Wirballen wurde mir folgende Geschichte erzählt: Eines Tages wäre her Maggid mitten unter eine Schar erregter Chafeidim getreten, und als sie ihn erkannten, entstand ein grofeer Lärm. Man wollte ihn schlagen, und einer gab den mit Beifall aufgenommenen Rat, ihn nach Schul zu schleppen, wo der Rebbe wäre^ der die „Kowed" haben sollen ihn zuerst zu schlagen. Es gab keine Möglichkeit, den Wütenden zu entrinnen, und so oft er zu sprechen anfing, Mang man ihn zu schweigen. Endlich aber wollten sie ihn laufen laffen. wenn er auf der Stelle ein Moschet (Gleichniserzählung) sagen wolle, das hier paffe und in dem kein Pofeek (Bibelvers) vorkäme. Dem widersetzte er sich, da man zu einem Moschel doch etwas haben müsse, um damit ein anderes zu vergleichen, und das sei doch eben der Pofeek. Aber nichts half ihm, er mutzte ohne Pofeek feine Geschichte beginnen. Und er Hub an: „Es war einmal ein Rebbch der mit seinen Chafeidim' über Feld ging und ihnen dabei 4) Nach mündlicher Ueberlieferung aus Krummelow bei Sosnovice, Polen.