Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 52 (27.12.1912)
- Date
- 1912-12-27
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 892 Dr. Bloch« Der Prüfungs-Nachmittag im Mädchen-Pensionat R. und C. Mtschni, der am vergangenen' Sonntag im Saal des „Hotel de l'Europe" abgehalten wurde, nahm in Anwesenheit überaus zahlreicher . Gäste den schönsten Verlauf. Tatsächlich waren auch alle Darbietungen gelungen, einige über das Matz des Dilettantismus geradezu hinausragend. Das Fest wurde durch einen Prolog eröffnet, dem verschiedene musikalische und deklamatorische Vorträge in bunter Reihe folgten. Es gab einige bemerkenswerte klassische und moderne Gedichte, zwei Klavierstücke, die mit guter Geläufigkeit und ebensolcher Auffassung zu Gehör gebracht wurden, eine sehr gut gesungene Arie aus dem „Waffenschmied" u. a. In einem Lustspiel zeigten die jungen Mädchen hübsches Talent und ließen auch den Humor zur Geltung kommen. Großen Beifall erntete das reizende Singspiel „Die Soloaten kommen"; die Sängerinnen, Ehor und Solistinnen sprühten geradezu von Munterkeit, und man bekam sehr hübsche Stimmen zu hören. Den Beschluß des Programmes bildete ein sehr niedlicher Schirmreigen, in dem die Vortänzerin besonders auffiel. Frl. Toni Wittel und Frau Alscher vom Stadttheater können nicht über .Ungelehrigkeit ihrer Elevinnen klagen. Diesen beiden Damen, der Gesangsmeisterin Frau H. Felsmann und dem gesamten Lehrkörper und nicht zuletzt der Vorsteherin, Frl. Carla Altschul, gebührt Dank und Anerkennung für die in so kurzer Zeit erzielten erfreulichen Erfolge, ebenso den Zöglingen Frl. Elsa Fleischer, Frieda Glaser, Aranka Herzog, Hilda Graetz, Trude Steckler, Maria Stein, Grete Cohn, Hede Hansel, Vilma Roubitschek, Irma Oppenheimer, Maria Ledee, Anny Fried, Grete Fischer, Änny Neumann, Trude Singer, Elsa Herschmann, Trude Hahn, Etel Neuwirth, Irene Rudinger, Friedl Herzog, Zda Kohner, Irma Heller und Trude Fröschl für den aufgewendeten Fleiß. Es gab viel Beifall, eine Menge Blumen und hernach einen fröhlichen Tanz. NMGo-rk. Jacob H. Schiff hat her Bibliothek des amerikanischen Kongresses die' sehr Wertvolle Sammlung hebräischer Literaturdenkmüler, die von Ephraim Deinerd aus Arkington (Neu-Jersey) zusammengebracht war, geschenkt. Der Katalog weist 9936 Nummern auf. Die SanÄnlung ist nanhentlich reich an Bibel- und Talmud-Ausgaben; unfer letzteren befindet sich der Erstdruck von Banberg in Venedig (1520 bis 23) und die vollständige Frankfurter Ausgabe (1720 bis 22). Newqork. In djer Ausstellung der amerikanischen Kunst-Galerien ist ein hervorragendes jüdisches Kunstwerk zu sehen, dessen Wert auf 25.000 Dollars geschätzt wird. Es handelt sich um ein hebräisches Gebetbuch, eingewirkt in Stoff; der Stoff hat ein Format von 6 Fuß 2 Zoll Mül 5 Fuß 2 Zoll. Das Wunderwerk ist von vier Brüder Josephus vor 500 Jahren in Spanien in einem Zeitraum von 23 Jahren angefertigt worden. Jeder Quadratzoll enthält Tausende von Stichen. Juden in b&t Gymnasien Niederösterreichs. . Im Schuljahre 1910/11 gab es in Niederösterreich 22 Gymnasien mit 8560 Schülern. Der Konfession nach waren die Schüler: römisch-katholisch 7160 °/o, evangelisch 6 95 o/o, jüdisch 20 68 % (im Vorjahre 19 51 %) andere Konfessionen 0 73 %, konfessionslos 0 04 °/o. Feuilleton. (Nachdruck verboten.) Was sich das Wische Molk erzählt. Historisches Allerlei vom jüdischen Bolkshumor. Von köaigl. Bibliothekar Dr. Heinrich Loewe. _ VII. Am meisten wandern bekanntlich die Narren- und Schelmenstreiche von einem Volk zum andern. Aber auch eigene Nach- und Neudichtungen auf diesem Gebiete gibt es bei allen Nationen und in allen Sprachen. Die Streiche des Pfaffen Ameis und die Echelmenstücke des Eulenspiegel sind nicht bloß direkt Mit den Juden in das Ghetto mitgewandert, sondern haben auch hn1 polnischen Judenstädtchen lebendige Nachahmer gefunden, unter denen die Wander-Rebbes Efrajim G rei dH g e r und M o r d ch e R a ck e w e r die Palme davongetragen haben. Efrajim' Greidiger lebte ungefähr in der Wochenschrift ^r. 52 Mitte des achtzehnten Jahrhunderts, sein Kollege von der Schelmenzunft, Reb Mordche Rackewer, um die Wende des achtzehnten Md neunzehnten Jahrhunderts. Letzterer war ein Zeitgenosse des berühmten Dubnoer M a g g i d, der ebenfalls in vielen hundert Anekdoten im jüdischen Volksmunde fortlebt und zum Träger vieler jüdischer Erzählungen, vor allem des allerfeinsten talmudischen Witzes geworden ist. Nur wurzelt sein Humor so sehr im talmudischen Schrifttum, und setzt so sehr die intime Kenntnis der jüdischen Gesetzesdiskussion und des rituellen Lehens voraus, daß es nur möglich ist, solche seiner Gleichnisse in hochdeutscher Sprache wiederzugeben, die mehr allgemeiner Natur sind. Ehe wir aber zu ihm kommen, müssen wir uns daran machen, den König der jüdischen Schelme, den nicht minder berühmten oder doch schon mehr berüchtigten Reb Efrajim ganz kurz bei seinen Streichen zu belauschen. Wie Efrajim Greidiger den Bauern in die Mikweh führte. Daß ein polnischer Bauer nicht badet, ist selbstverständlich, aber am allerwenigsten hat er etwas in der Mikweh, dem rituellen Quell- und Tauchbade, zu suchen. Eines Tages machte sich Efrajim Greidiger in einer Wette anheischig, er wolle den Bauern Kuba in die Mikweh!, und zwar direkt in das Wasser, führen. Man lachte ihn aus und wettete mit ihm. Niemand glaubte es. Bald darauf handelte Efrajim mit Kuba und kaufte bei ihm ein Fuder Stroh, das er ihm in die Scheune liefern solle. Kuba bekam sein Geld. Efrajim wies ihm den Weg zur Scheune, in Wahrheit zur Mikweh, und befahl ihMi das Stroh hinein zu schütten. Natürlich schwamm es auf dem Wasser. „Sieh Mal, Kuba, das Stroh liegt so locker, geh hinein und tritt es fest," sagte der Schalk. Das leuchtete Kuba ein, und er trat in .dievermemtliche Scheune hinein. Als er aber' das Stroh festtreten wollte, sank er sofort in das darunter befindliche Wasser, das er nicht bemerkt hatte, und das, da niemand baden wollte, nicht geheizt war. Laut fluchend rief er um Hilfe und schrie so laut, daß die Juden es hörten und ihn eilends heraus hollen. Efrajim hatte seine Wette gewonnen und überließ als Entschädigung für die widerwillige Reinigung in der Mikweh dem abgekühlten Kuba das noch nicht abgeladene Stroh. So führte Efrajim Greidiger den polnischen Bauern in die Mikweh?) Efrajim Greidiger als Sekundant. Ein polnischer Schlachziz hatte einen Bauern zum Duell gefordert Md ihm die Wahl der Waffen übzer-i lassen. Der Bauer will gern die Beleidigung zurücknehmen, jedoch der Edelmann besteht auf seiner Forderung. Die Wahl, der Waffen stünde deM Geforderten zu. In großer Furcht und Verzweiflung bittet er Efrajim Greidiger um Rat und Hilfe. Dieser sagt ihm, er solle dem Edelmann nur mitteiken, daß er das Duell annehMe und die Waffen, die gut und gleich seien, mit zur Stelle bringen würde. Am festgesetzten Tage stellt er sich ein und bringt auf EfrajrmÄ Rat, der den UM arteiischen markiert, zwei Dreschflegel mit zur Stelle. Als der Edelmann diese sieht, ruft er aus: ...Meine Ahnen kannten alle Waffen. Deren eingedenk, habe ich Florett, Rapier, Säbel und alle anderen Waffen aufs beste erlernt, aber auf das Fechten Mit anderthalb Stock verstehe ich mich nicht." Es blieb ihm nichts anderes übrig, als beschämt auf den Zweikamhf zu verzichten?) Ueber das Duell gibt es überhaupt sehr viele launige Erzählungen. Ein Jude soll sich mit einem' Nicht- 0 Aus mündlicher Ueberliefenmg.; P k o ck in Polen. 2) Aus mündlicher Ueberlieferung. K r u m e l o w bei Sosnov'.ce in Polen.