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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-12-27 · 52 (27.12.1912) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
52 (27.12.1912)
Date
1912-12-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 884 Dr. Bkochs Wschenschrfft Nr 62 Kultussteuer und ImMatrikulatio n sgebühren Einnahmen im Betrage von 1,550.000 ausweisen, ein Plus von K. 50.000 gegenüber dem Vorjahre. Fonds und Anstalten. Beim Mannheimer Kinderasyl sind Einnahmen und Ausgaben die gleichen: ebenso bei der Heimstätte für jüdische Kinder. Bei der Post Israelitisches Kinderspital erscheinen derzeit nur Einnahmen im Betrage von K. 137.363 68. vornehmlich bestehend aus den Zinsen der David von GutMannschen Stiftung, ausgewiesen, da die Spitzbergersche Verlassenschaft derzeit noch nicht in Betracht gezogen werden kann, weil die Nachlaßabhandlung noch int Zuge ist. Beim Pensionsfonds der israelitischen Kultus gemeinde in Wien Hallen sich Einnahmen und Ausgaben per K. 59.002 30 das Gleichgewicht. Bevor ich meine weiteren Ausführungen fortsete, erachte ich es als meine Pflicht, unserem bewährten Beamtenkörper, der mit anerkennenswertem Fleiß und Eifer seines Amtes waltet, unsere Anerkennung und unseren Dank auszusprechen. Daß ich hiebei noch besonders die Leistungen unseres Liquidators Herrn Emil Katz hervorhebe. werden Sie gewiß begreiflich finden, da ich als Vudgetreferent im heurigen Jahre am besten seine mühevolle Arbeit bei Ausarbeitung der Voranschläge zu würdigen in der Lage bin. Wenn ich mir das Gesamtbild unseres Budgets und dessen Details vor Augen halte, so gelange ich zu folgender Auffassung: Bei normalen Verhältnissen hätten wir allen Anlaß, von dem Voranschläge, in welchem nicht bloß auf allfällig notwendige Erhöhungen der Ausgaben. sondern auch auf eventuelle Ermäßigungen in den Einnahinen durch die Aufnahme der Reserven Bedacht genommen wurde, vollkommen befriedigt zu sein. Die Voranschläge für das Jahr 1913 sind wie in den Vorjahren sorgfältig zusammengestellt und ebenso sorgfältig geprüft und behandelt worden und die Ansätze sowohl in den Einnahmen als auch in den Ausgaben sind vollkommen der Sachlage entsprechend. Und selbst das relativ geringfügige Defizit würde diese meine Auffasiung nicht alterieren können, weil demselben gleichfalls durch die Reserven genügend vorgesorgt erscheint. Allein, wenn mich nichtsdestoweniger ein gewiffes Maß von Besorgnis schon beute wegen unserer wirtschaftlichen Gebabrung im nächstfolgenden Jahre beschleicht, so liegt hiefür in erster Reihe der Grund darin, daß wir in einer sorgenschweren Zeit leben, vielleicht einer noch schwereren entgegensehen und aus dem allgemein befürchteten und vielfach schon jetzt eingetretenen Niedergange im Handel und Verkehr eine schwere Einbuße an den präliminierten Einnahmen entstehen könne. Zwar haben im Jahre 1912, in welchem die Einnahmen als Kultussteuer dank unserem geschulten und äußerst eifriaen Steuerbureau und dem an desien Spitze stehenden Amtsleiter Herrn Popper und nicht minder dank den Vezirkskommissionen und der Schätzungskommission das Erträgnis das Präliminare per 1912 weit überschritten. Allein es hat sich folgende bedenkliche Tatsache gezeigt: Im Laufe des Jahres 1912 ist durch einen Zuwachs von 1137 neuen Steuerträgern eine Mehrbelastung von Kronen 54.300 eingetreten: dagegen fallen bereits heute für das Jahr 1913 weg: infolge Todes 386 Steuerträger mit einer Gesamtsteuerleistung per TC 56.920.—; infolge Verarmung 328 Steuerträger mit einer Steuerleistung von zusammen K 7.950.—; infolge Austrittes aus dem Judentums 60 Steuerträger mit einer Steuerleistung per K 7.690.—; infolge Uebersiedlung 196 Steuerträger mit einer Steuerleistung per K 8.120.—; der voraussichtliche Ausfall beträgt daher 80.680.—. Gegenüber dem Anwüchse von K 44.306.— durch Neueinschätzungen im Laufe des Jahres 1912 ergibt sich bereits heute für das Jahr 1913 ein Ausfall von K 36.380.—. Diese Tatsache gibt um so mehr zu denken, als wir, wenn die Verhältnisse sich nicht ändern, was jedoch leider für die nächste Zeit nicht zu erwarten ist, im kommenden Jahre vielfache Ansuchen um Steuerermäßigungen zu erwarten haben. Wohl ist es richtig, daß wir bisher aus Neueinschätzungen von bisher noch nicht zustande gebrachten Steuerpflichtigen auf Mehreingänge Rechnen können; allein es darf nicht übersehen werden, daß der diesjährige Ausfall dadurch, daß durch vier Todesfälle allein an Steuern K 26.000 wegfallen, der Ausfall durch Neueinschätzungen nicht so leicht gut gemacht werden kann. Zudem ist noch folgendes zu erwägen: Unser Wohltätigkeits-Budget und unsere Wohlfahrtsanstalten nehmen von Jahr zu Jahr immer größere Mittel der Gemeinde in Anspruch und wenn auch die Zuwendungen zu den Wohlfahrtsanstalten ständig einen Zuwachs erfahren, so genügt dies durchaus nicht, um allen Anforderungen auf diesem Gebiete zu entsprechen, Ob diesmal ein mehr ökonomischer Standpunkt als er bis heute bestanden hat, wird eingenommen werden können, fast möchte ich dies bezweifeln. Das Bewußtsein, daß wir zum Wohltun verpflichtet sind, ist in uns so lebhaft und so mächtig eingewurzelt, daß wir uns schwer entschließen, „nein" zu sagen. Und diese Schwäche bildet einen Teil unserer Kraft, sie ist gewissermaßen das Bindemittel, das zum Aneinanderhalten führt. Und so dürfen wir hoffen, daß wir, festhaltend an der von Jeremias ausgesprochenen Devise: job* vb, die sich durch mehr als zwei Jahrtausende zu unserem Wohle bewährt hat, auch fürderhin den Wohltätigkeitspflichten, welche uns obliegen, nachzukommen in der Lage sein werden. Ob schließlich nicht durch eine Reorganisation unseres Verwaltungswesens eine nicht unwesentliche Ersparung herbeigeführt werden könnte, das möchte ich nur der Erwägung nahelegen, enthalte mich jedoch, da dieses Thema zu weit führen würde, einer weiteren Erörterung. Ich verlasse nun dieses Thema und gestatte mir, zu anderen Gegenständen überzugehen. Im nächsten und beziehungsweise in den nächstfolgenden Jahren wird der Gemeinde die Erfüllung großer Aufgaben von weittragender Bedeutung obliegen. In erster Reihe wird sich der Vorstand mit der Errichtung des Kinderspitales zu befassen haben, und wenn wir auch heute, obwohl wir schon seit längerer Zeit wegen des zu diesem Zwecke bestgeeigneten Platzes in Verhandlung stehen und uns der Hoffnung hingeben, daß uns die Erwerbung dieses Platzes gelingen wird, an einen Vau noch nicht denken können, weil wir, wie bereits erwähnt, den Bauplatz noch nicht haben, so steht doch zweifellos fest, daß wir unter allen Umständen im kommenden Jahre an den Vau des Kinderspitales schreiten werden, um der Erfüllung der uns durch die edlen Spender übertragenen Aufgabe ehestens gerecht zu werden. Allein es wird für die Zukunft daran festgehalten werdeu müsien. das Kinderspital in einem solchen Umfange 'herzustellen und einzurichten, daß der Betrieb durch die Erträgnisse des nach Bestreitung der Bau- und Einrichtungskosten erübrigenden Kapitals^eirag es gedeckt wird, damit wir nicht wieder in den Fehler verfallen, der bisher leider in anderen Fällen begangen wurde, wonach aus Wohltaten uns dauernde Lasten erwachsen sind. Wir werden von vornherein bezüglich des Betriebes darauf bedacht sein müssen, daß das Hauptaugenmerk auf das Ambulatorium und nicht auf eine im eigentlichen Spitale unterzubringende größte Zahl von kranken Kindern gerichtet sein muß. Dies wird um so m!ehr notwendig sein, als wir nicht übersehen dürfen, daß bei den derzeitigen Kursen der von den Spendern diesem Zwecke zugeiwendeten Wertpapiere bei dem Ankäufe des Bauplatzes, der Errichtung, dem Baue und

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