Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 52 (27.12.1912)
- Date
- 1912-12-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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(©eite 882 Nr. 52 Dr. Blocks schon frühzeitig geschwundenen Digamma.(Vau-)Laut noch unverändert enthalten, weist auf einen zwischen diesen Völkern in frühester Zeit bestandenen Kontakt hin. Ja, es können selbst die diesen Laut enthaltenden hebräischen Worte auf Spuren zurückführen, die eine mehr als oberflächliche Berührung erkennen lassen. Bekanntlich hat das alte Griechenland seinen eigenen Ueberlieferungen zufolge in ältester Zeit die sogenannte phönizische oder semitische Schrift übernommen, in dem das sogenannte Digamma, richtiger Vau oder Bau, wie das Waw im hebräischen Alphabet der sechste Buchstabe war. Die Aussprache dieses Lautes scheint aber den Griechen schwer gefallen zu sein, weshalb er — in den verschiedenen Dialekten zu verschiedenen Zeiten, je nach j>eit Umständen, namentlich je nach dem Verkehre mit Orientalen — allmählich ausgeschaltet und später gänzlich außer Gebrauch gesetzt worden ist. Wir können diesen Laut in den ältesten erhaltenen griechischen Schriftdenkmälern wahrnehmen, so in den Gesängen Homers, die auf . kleinasiatischem Boden entstanden, der von äolischen und jonischen Griechen besiedelt war. Das Vau wurde auch später noch als lebendiger Laut im Munde der diese Gesänge Vortragenden Rhapsoden deutlich gehört, ist aber im östlichen asiatischen und uesiotischen Jonien so wie in Atiika früh aus dem Gebrauche geschwunden, so daß es bei der Mederschrift der Homerischen Gesänge im 8. oder 7. Jahrhunderte v Chr. nicht mehr in den Text ausgenommen wurde. Es zeigen aber die zuweilen vorkommenden Lücken im Versmaße Homers, vokalische Dehnungen rc. noch sein früheres Vorhandensein im Texte au. Im Aeolischen Dialekte behauptete sich dieser Laut noch bis 600 v. Chr., während er sich in Argos, Lafonien und einigen Kolonien noch länger erhielt, um dann allmählich im 5., in manchen Gegenden im 4. Jahrhundert v. Chr. gänzlich zu verschwinden. In mehreren Dialekten trat an seine Stelle schon früher ein fl, später ein <p und noch später ein e. Wegen lückenhafter Kenntnis des alten einschlägigen Materiales lasten sich aber jetzt diesbezügliche genaue Daten schwer feststellen. (Vergl. Kirchhof, Studien zur Geschichte des griechischen Alphabets, Gütersloh 1887). Dieses Vau erscheint also, wie erwähnt, auch in verschiedenen Schriften der Bibel sowohl bei manchen griechischen Eigennamen als auch bei über Griechenland zu den Hebräern gelangten oder von griechisch sprechenden Juden angenommenen Worten, in ihrer unveränderten Originalfassung gebraucht, u. zw. in verschiedenen Formen, je nach Zeit und Ort. Die älteste Form dürfte wohl die des Waw sein, weil das Digamma ursprünglich, als die Griechen es aus dem Semitischen übernahmen, auch nur ein Waw war, während es in den in der Bibel erhaltenen Schriften der Juden des Nordens als 2 (Weth ohne Dagesch), also als ein etwas verhärtetes Waw erscheint. Dagegen finden wir es bei den Propheten um 7—600 v. Chr. mit v (Phe) und in noch jüngeren Schriften mit n wiedergegeben. Diese abstufenden Variationen in der Wiedergabe des fraglichen Lautes dürsten daher nicht nur für die Geschichte und Textkritik ein wohlberechtigtes Interesse haben, sondern sind auch in anderer Richtung von Bedeutung, da sie einigermaßen richtige Fingerzeige bieten können, die auf den Zeitpunkt der Uebernahme dieser Worte Schlüsse gestatten. Wir versuchen also im Folgenden kurzgefaßt für die obangeführten stufenweisen Metamorphosen dieses Lautes nur einige Beispiele aus der Bibel anzugeben. Die altgriechische Schreibart des Namens „Javan" mit Digamma für Jonien (wie aus dem Versmaße bei Homer, Ilias XI3X 685 noch ersichtlich, schrieb er ursprünglich auch '18. £. oveg) zeigt, daß die alten Hebräer den Namen in dieser Form von den Griechen übernommen hatten, denn die Orientalen schrieben denselben, wie z. B. auf dem in Bisutum aufgefundeneu bekannten dreisprachigen Denkmale Darius I. (550—485 v. Chr.) „Iuüa". Die Schreibweise der Syrer und Araber beweist nichts, weil sie ohnehin nur die Schreibart der Bibel akzeptierten. Aehnlich ist die Wort- Wochenßchrtft bildung n*rin als Bezeichnung für Kolchis (nbn oder bin s. o. II, 1) "ln Genesis 2, 11 entstanden, denn auch aus Homer (Od. XXII, 385) geht hervor, daß man xoiXov (bw, Paß) in ältester Zeit mit Vau, also xoFtXov schrieb. Einen noch deutlicheren Beweis liefert das bis nun unerklärt gebliebene Wort pn« (II, Chr. 6) oder, wie in den orientalischen Sprachen durch Verwechslung der Labiale üblich svnn. Man hat nämlich im Altertume aus dem Safte einer Conchylie (gewiß janthina), einer Art Schildkröte, einen dunkelblauen Farbstoff gewonnen, der gleich der damit gefärbten Wolle hebräisch rbsn, aramäisch pibn (na-n pY?n bto"*?). und gewiß danach auch griechisch XsXoug heißt. Hingegen wird der rote Purpur aus ^derD Purpurschnecke Hopcpupa (Aristoteles Hz,N. 4, 4, 1; bei Plinius IX, 41, Purpura oder Pelagia) gewonnen und wird genannt^ die Purpurschnecke wurde sowohl in Lakonien^als auch in Tyrus gefunden (Plin. idiä. 40). In Griechenland wurde der Purpur seit undenklicher Zeit als Farbstoff verwendet. So bezeichnet Homer Jl. XVII 361, danach sogar das Lebensblut mit iropcpdpeov ai|ia und erwähnt (ibid. IV, 141) gleichfalls die „rot"färbenden Frauen Mäoniens (Phrygien und Lydien); diese von hier stammenden Farbstoffe werden von Ezechiel (27, 7) "Nv jan« auch in späterer Zeit angeführt. Der Name der Purpurschnecke bei Plinius „Pelagia" berechtigt zur Annahme, daß diese Meermuschel von Lakonien nach Tyrus erst später verpflanzt wurde. Noch Horaz (Ode XVTCI, 7—8 singt: „Nec Laconicas mihi trahunt honestae purpuras clientae“, weil der Lakonische Purpur der bekannteste war. Nun sehen wir, daß Homer auch den ganzen Peloponnes und Siidgriechenland Argos nennt (Od. I, 344, III, 251 rc. auch Strabo,VIII, 6) und wird „’Apy&os“ bei Homer Jl. II, 159 rc. mit Digamma ApysFcos geschrieben, in welcher Form dieses Wort auch noch im Lateinischen „Argivus“ aus dem Altertume erhalten blieb. Daraus erklärt es sich, warum die alten Hebräer die von dort kommende Purpurfarbe auch nannten. Etwaige Bedenken, daß diese Worte vielleicht erst durch Vermittlung der Phönizier den Hebräern zugekommen seien und die Hebräer mit den Griechen nicht in direkter Verbindung gestanden seien, dürste unbegründet sein, da solche Einwürfe sich von selbst entkräften, sobald man der Sache auf den Grund geht. Schon Josephus (Ant. VIII, 5, 2) erwähnt, daß König Salomo seinen Palast ,itt „Korinthischem Stile" erbaute. Es darf wohl dem griechisch schreibenden Josephus noch so viel Kenntnis des Altertumes zugemutet werden, daß er den Anachronismus hätte begehen können, daß Salomo sich einen Palast in dem erst viel später entstandenen sogenannten Korinthischen Baustile im heutigen Sinne habe erbauen lassen. Vielmehr dürste mit aller Bestimmtheit angenommen werden, daß er damit den in Korinth in der vordorischen Zeit zur Blüte gelangten pelasgischen oder richtiger semitischen Stil meint. Die Frage, aus welchen Quellen Josephus diese Mitteilung geschöpft» haben mochte, dürfte allerdings nicht so leicht zu beantworten sein, da Josephus gewiß noch andere Quellen als die auf uns gekommenen zur Verfügung standen. Man kann aber dies bei einiger Umschau in der Bibel angedeutet finden. In Reg. V, 32, heißt es von den Bauleuten,- die unter Salomo die Bauten des Tempels rc. aufführten: Die Bauleute Salomos und Hirams und die mit letzteren können wohl nicht die Bauleute aus Phönizien gemeint sein, weil Phönizier schon unter denen Hirmas inbegriffen sind. Es dürften also darunter vielmehr die Korinthischen Arbeiter verstanden sein; denn das alte Korinth lag . auf einer Höhe von zirka 30 Stadien und hieß darum auch A k r 0 korinthos, was mit *£>52 (Bergort) gleichbedeutend ist. Oder sollten die Gablim vielleicht aus der ältesten bautenreichen Hauptstadt Argoliens, Tiryns (aram. niD, Berg), die auch auf einer Anhöhe lag, gewesen sein, wie denn auch die Worte n->D und synonym sind?