Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 52 (27.12.1912)
- Date
- 1912-12-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 5L Dr. Böochs WochenßchrSft Seite 881 Laudi war in Triest als der zweite Sohn eines Sprachlehrers geboren. Obwohl er schon in den Unterschulen eine bedeutende Begabung für die naturwissenschaftlichen Fächer und für die Mathematik zeigte, wäre es bei den bescheidenen Einkünften des Vaters nicht möglich gewesen, ihn den höheren Studien zuzuführen. Ein mütterlicher Onkel fand sich jedoch bereit, die Mittel beizustellen, damit Laudi das Hochschulstudium absolvieren könne. Im Jahre 1859 erlangte Laudi den Doktorgrad aus Mathematik an der Universität zu Padua. Damals trug er sich mit her Absicht, sich dem Berufe eines praktischen Astronomen zuzuwenden, und er bewarb sich deshalb um eine freigewordene Assistentenstelle am Observatorium in Venedig. Diese Stelle wurde ihm vermutlich in Hinblick auf seine Konfession versagt. Mißmutig über die erlittene Zurücksetzung, ließ er von seinem Vorhaben ab und wendete sich der Dersicherungstechnik zu, der er bis zu seinem Lebensende treu blieb. In diesem engeren Gebiete brachte er es zu hohem Ansehen. Wie wenig er auch von seinen geistigen Schöpfungen veröffentlicht hatte, so drang doch der Ruf von seiner Gelehrsamkeit und seiner großen Begabung durch und in ganz Europa wurde sein Name in Ehren genannt. Bezeichnend Kr die Schätzung, die Laudi allüberall genossen hat, waren die Worie, die Professor Legnazzi — Laudis ehemaliger Lehrer an der Universität in Padua — an die Witwe richtete, als er von dem am 21. Januar 1901 erfolgten Tode Vitale Laudi's Kenntnis erhielt. Ich trauere — so schrieb Legnazzi — um Vitale niehr, als um einen Bruder.. Bloß wenige haben erkannt, welch großes Mathematisches Talent, nein, welch verborgenes Genie in diesem Körper wohnte. Seit 48 Jahren bin ich Lehrer an der Universität in Padua, und während dieses langem Zeitraumes war Vitale Kr mich wie Kr die Mutterfakultät der erste Schüler. * -i- * In großen Zügen habe ich Ihnen heute den Lebens¬ und Werdegang dreier bedeutendsten Versicherungstechniker Europas vorgeführt, .dreier Gelehrter, die unserem Glauben und unserem Stamme angehörten. Diesen Männern lag wohl in her ersten Linie die Förderung ihrer Wissenschaft am Herzen, und ihr nächstes und wichtigstes Zi.el war das Streben nach Wahrheit! Aber auf diesem Pfade haben sie das Wohl ihrer Mitbürger gefördert und ein neues, nicht unwertes Reis Kr den Ehrenkranz erobert, der dem Judentum von allen Kulturvölkern Europas schon längst hätte gereicht werden sollen. Hoffen wir, daß uns Gerechtigkeit in diesesm Sinne endlich einmal zuteil werden wird. Kriefe aus Galizien. Der „Jca" zu geeignet. Schon wieder ertönen Klagen, und Entrüstungsrufe dröhnen an unser Ohr, wird vielleicht so mancher Leser beim Anblick des Titels unwillig denken. Was nützt all dieser Jammer, was sollen diese unheimlichen Schilderungen von Druck und Plage, von Mühsal und Qual Euch dort unten nützen? Sind wir denn bis nun über die Lage dieses schönen Landes, das als Galizien cmgesprochen wird, im Unklaren gewesen? Oder sind denn die Erzählungen aus Halbasien und aus dem Burenlande schon ganz in Vergessenheit geraten, daß selbst der Schauplatz dieser Begebenheiten dem Gedächtnis der Zeitgenossen entschwunden wäre? Oder glaubt Ihr etwa, daß wir in der Weihnachtszeit etwas für Euch konservativfromme Juden am Christbaume anbringen werden? Uebrigens hat erst vor kurzem Einer aus Eurer Mitte klar und deutlich geschrieben, daß Ihr Euch selber das gegenwärtige Mißgeschick heraus beschworen hättet, weil Ihr alle „Peies" trüget und ausschließlich Talmud studieret. So durfte so mancher „Westler" einen Brief aus Galizien begleiten. Diese Betrachtungen haben wir deswegen vorweggenommen, weil dieselben für weite Kreise in den westlichen Ländern geradezu typisch geworden sind. Wir wollen ihnen hier kurz begegnen und sie widerlegen. Wir wollen beweisen, daß die hierländische jüdische Bevölkerung weit entfernt ist, verrottet zu sein, daß ihr geholfen werden kann, ja! daß ihr geholfen werden muß. Folgendes sei festgestellt: Gegen 80 Prozent der Juden wohnen in Städten, woselbst sie etwa 30 Prozent der ganzen (städtischen) Bevölkerung ausmachen. Die Mittelschulen mit ihren etwa 24 Prozent an jüdischen Schülern sind zwar — mit Rücksicht auf die verschwindend winzige Zahl der Bauernsöhne — als Schulen für die Städler eigentlich noch immer nicht besonders „verödet", allein tatsächlich wird ein gewisser Numerus clausus in einzelnen Anstalten schon jetzt eingehalten oder die absolute Zahl hinabgedrückt. Ein prüfender Blick in diversen Jahresberichten wird von der Richtigkeit dieser Wahrnehmung überzeugen. Die Volksschulen hingegen werden trotz ihres ausgesprochen klerikalen Charakters von den jüdischen Knaben gerade in den letzten Jahren progressiv zahlreicher besucht, bis zur vo.lkommenen Lückenlosigkeit in den kleineren Ortschaften infolge des dort strenge ausgeübten Schulzwanges — von den Mädchen zu schweigen, welche fast ausnahmslos die öffentliche Schule besuchen, seit beinahe zwei Geschlechtern. Eher könnte man, und zwar mit Recht, über eine heranbrechende Entjudung klagen, wie sie nicht einmal in den westlichen Provinzen noch tatsächlich eingetroffen ist. Infolge Mangels an judaistischer Literatur in der polnischen Sprache ist oem nur Polnisch verstehenden und geläufig lesenden jüngeren Geschlechts selbst die Möglichkeit benommen, über das magere Schulbuch hinaus in Judüicis etwas zu erfahren. Ueberdies wird jeder derartige Versuch verpönt als Separatismus, geeignet, das jüd. Bewußtsein zu wecken oder gar zu stärken. Die Gefahr ist nun allerdings nicht vorhanden. Was der jüdischen Bevölkerung nottut, ist also nicht: mehr Bildung schlechthin. Heute, wo auch hierzulande „Alles" studiert und westlich Alles die öffentliche (christliche) Volksschule mit Sabbatarbeit und Sonntagsruhe besucht, kann man das Rezept von anno dazumal der alleinseligmachenden Bildung nicht mehr anwenden. Die jüdische Intelligenz ist vorwiegend aus die liberalen Berufe angewiesen und sieht geradezu einer Krise entgegen. Handel und Gewerbe sind diejenigen Felder, denen unser Augenmerk unverwandt zugekehrt sein muß. Es müsse,« Fachschulen in solchen Städten und Städtchen entstehen, woselbst die Juden en müsse wohnen. Die wenigen staatlichen Fachschulen erschweren durch die obligate Sabbatarbeit den jüdischen Lehrlingen den Eintritt, wenn dieselben endlich in einem judenreichen Orte entstehen. Soll dem Judenelend tatkräftig geholfen werden, dann müssen die Quellen der Unbeholfenheit und der Ratlosigkeit der Heranwachsenden jüdischen Jünglinge um das 13. und 14. Lebensjahr verstopft werden. Gebet ihnen die Möglichkeit und die Kunst, die angeborene und eingedrillte Intelligenz zu verwerten. Gescheit und „gebildet" sind sie genug. Anderseits muß hier der im Kampfe des Lebens stehenden und nur allzu oft schwankenden Kausleute und Handwerker gedacht werden. Die „Jca" hat die bestehenden Uebel erkannt, deren Ursachen in chronischem Geldmangel — bei den obwaltenden Verhältnissen - in weiten Kreisen gefunden und ihnen Abhilfe durch Geldplazierungen versprochen, zum Teil — in etwa fünfzehn Ortschaften -- auch schon tatsächlich geleistet. Jedoch wie winzig sind diese Summen. Städte mit über 10.000 Juden bekommen ein mit 4 Prozent verzinsliches Darlehen in der Höhe von ungefähr 10.000 bis 20.000 Kronen, wobei diese Summen eigens gebildeten Komitees von unbescholtenen Bürgern anvertraut werden — mit der Verpflichtung, in der Form einer Genossenschaft sich zu konstituieren und weitere Beträge von den Mitgliedern zu sammeln. Dadurch bleibt diese ganze Aktton eine Z w e rg i n st i t u t i o n. Will die „Jca" helfen, dann müßte sie mit ganz anderen Beträgen kommen, um auch nur fühlbar die Lage zu bessern. Der jüdische kleine Mann, dem hiermit geholfen werden soll, ist bekanntlich genügsam und ehrlich. Fürwahr, es ist die höchste Stunde und die Zeit drängt, daß endlich was geschehe. Die „Jca" möge, wie bis nun, kein Almosen, sondern ein Darlehen in der Höhe von eini'gen Mitlioven den galizischvn Juden zuführen — und sie wird ein nützliches uizd notwendiges Werk vollbracht haben. Me Keteiligung der Jude« am Keristhe« Welthandel im Altertum. (Fortsetzung.) Als eine der wichtigsten Spuren einer ehemaligen Verbindung zwischen den alten Hebräern und den Griechen dürfte wohl entschieden das Vorhandensein des alten Digamma (Bau) in den verschiedenen Schriften der Bibel anzusehen sein. Schon der Umstand an sich, daß bei den alten Hebräern durch Vermittlung der Griechen oder griechisch sprechender Inden rezipierte griechische Eigen- und Sachnamen oder andere griechische Worte den aus dem Griechischen Sprachverkehre