Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 51 (20.12.1912)
- Date
- 1912-12-20
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seile 874 Dr. Bkochs Wochenschrift Nr. 51 Literatur. Line Ranähemerkung zu Prof- Berliners »Randbemerkungen zum täglichen Gebetbuche (Siddur)«. 2. Ruch. Bei der interessanten wie lehrreichen Lektüre von Berliners »Randbemerkungen« kommt einem unwillkürlich der Spruch unserer Weisen in den Sinn: ‘nnb nb'Esn |tm “pnb mm Jtt! »Die Wissenschaft hat ihre bestimmte Zeit und das Beten hat eine bestimmte Zeit.« Mit anderen Worten: Gegenstand und Inhalt des Gebetes dürfen und sollen nie von der wissenschaftlichen Kritik bedingt sein. — Beten oder das Gebet ist eine individuelle Gefühlssache, ist eine “3VO, eine Gebetsstimmung, die am allerwenigsten eine kritische Untersuchung erfordert und verträgt. »Sterne begehrt man nicht«, fromme Gefühlsregungen kritisiert man nicht! Diesen Grundsatz hat auch meines Erachtens Professor Berliner im vorliegenden zweiten Teile seiner »Randbemerkungen« befolgt, bis auf seine Bemerkungen über die kabbalistisch-asketische Richtung im Gebete. Warum, fragen wir, sollten denn die mtrps »irjvo keine berechtigte und vollwertige Form sein, durch die der Mensch sein tägliches Gehet, seine Gebetsstimmung zum Ausdruck bringen könne. Wie beißt es doch im 2. Buche Mos. 20, 21. .-j-ro-ei -pVx «iss vstrmn tstb "iipk aipen-bas. »In jeder Art und Weise, in der du meinen göttlichen Namen anrufst, werde ich kommen, um dich zu segnen.« Abgesehen von dieser kleinen Bemerkung, die ich schon in meiner Kritik zum ersten Teile der »Randbemerkungen« bei einer ähnlichen Stelle machte, ist vorliegendes Buch eine schöne und würdige Fortsetzung und Ergänzung zu Znnz’ »Sj nagogale Poesie« und »Ritus«. Es ist interessant zu verfolgen, wie Prof. Berliner in die kleinsten Einzelheiten der täglichen und feiertäglichen Gebetordnung mit seinem Forschergeiste hineinleuchtet; wie er sie auf ihren richtigen religiösen Wert oder Unwert prüft, sondert und einigen Gebetstücken sogar den ererbten heiligen Nimbus nimmt. So z. B. findet das Ka d d i s c h-Gebet, wie es jetzt allenthalben üblich iszu sprechen, keine große Gnade vor dem Forschergeiste Berliners. Man muß es in seinem Buche selbst Lesen, um ihn nicht mißzuverstehen. (S. S. 4 u. f.) Zu dem vielumstrittenen Worte j'ttta erklärt Prof. Berliner daß es ursprünglich aus »psalma« entstanden ist. Es gilt als Antistrophe, als das öfter Wiederholte, als das Refrainstück. In »Tanchum Jeruschalmi« editio Bacher findet sich eine sehr interessante und vielleicht die einzig richtige Erklärung und Bedeutung des Wortes jeta, die Berliner nicht berücksichtigt zu haben scheint. »Tanchum sagt: ]öts wird bei den Gürtelgedichten am Ende jeder Strophe geschrieben, ohne daß bekannt wäre, was dies bedeutet, und ohne daß Jemand danach geforscht hätte. Darum halte ich es für nötig, darauf aufmerksam zu machen. Das Targum von Jjn H i o b 3, 2 und 32, 6 lautet D'lSl. — jm aber bedeutet hier »rezitieren«. Nun kann das Rezitieren (von Versen) Trauer erregen oder Freude und Heiterkeit hervorruten. Beim Gürtelgedicht (muwassal) respondieren die Zuhörer, wenn der Vortragende eine Strophe beendigt bat, mit dem M a 11 a, d. i. der Eingangsstrophe des Gedichtes, deren Reime auch die Endreime jeder Strophe des Gedichtes sind. Diese Eingangs Strophe nun heißt jöis, weil sie nach der Beendigung der einzelnen Strophen rezitiert und mit ihr respondiert wird. In Südarabien singt die Zuhörerschaft nach jeder Strophe nicht die Eingangsstrophe, sondern die Worte: lä, TB, und fö, jo, die nach Tanchum die Eingangsstrophe bedeuten.« Prof. Berliner hat wiederum die jüdische Wissenschaft mit einem lehrreichen Buche beschenkt, das in keiner jüdischen Bibliothek fehlen dürfte. S i s s e k. Dr. Benno H e i s z, Bezirks-Rabbiner. Max Brod, Die Höhe des Gefühls. 'Szenen, Verse, Tröstungen. Geheftet Mark 3.—, gebunden Mark 4.50, 25 Exemplare auf Bütten abgezogen und vom Autor signiert, in Ganzleder gebunden Mark 15.—. Inhalt: Die Höhe des Gefühls. Szene im Dorf. Winterliche Landstraße. Die Arche Noahs. Wohl wenige Dichter der letzten Jahre haben sielt mit einer solchen Schnelligkeit Anerkennung zu schaffen gewußt, wie der in Prag wohnende Schriftsteller Dr. Max B r o d, dessen soeben im Verlage Ernst Rowohlt in Leipzig erschienenes neue Werk hier angezeigt werden soll. — Ein merkwürdiges, ein originelles Buch, welches uns der Autor da beschert hat, ein echtes Max Brod-Buch, das sich den früheren beifällig aufgenommenen Geistesprodukten dieses Dichters würdig anschließt. — Eine bunte Fülle von Bildern zieht an uns vorüber, ein selten guter Beobachter führt uns. Auch dieses Werk beweist die starke, eigenartige Begabung und schöpferische Kraft Max Brod’s, auch in diesem Buche tritt uns seine Sprachmeisterschaft entgegen, alles in allem: wiederum eine respektable literarische Leistung Max Brod’s, »die gewiß Anklang finden und dem Dichter neue Freunde erwerben wird. Dr. M. Ost: und West. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum. Organ der Alliance Israelite Universelle. XII. Jahrgang. Heft 12. Dezember 1912. Inhalt: Benjamin Segel: Der „Propheten“ zweiter Teil. — Rabbiner Dr. M. Ginsburger: Jüdische Altertümer in Elsaß-Lothringen (mit 23 Illustrationen). — Rabl). Dr. M. L. Bamberger: Zur Geschichte der Juden in den Balkanländern. — Max Hochdorf: Stimmungen aus Saloniki. — Prof. Dr. Ermano Lövinson: Die Juden Italiens (II), mit 11 Illustrationen. — Dr. Arthur Landsberger: Der Prophet. (Eine Entgegnung.) — Felix Stössinger: Theater. — Abraham Zewi Idelsohn: Jerusalem: Reste althebräischer Musik (IV). (Noten.) — Mitteilungen des Zentralkomitees der Alliance Israelite Universelle: Aufruf. — Friede in der Alliance. — An die Vorsitzenden der Lokalkomitees der Alliance Israelite Universelle. — Siegmund Adler, Königshütte: Die Israeliten in Marokko. ,— Notizen. — Inserate. — Verlag Ost und West Leo Winz, Berlin-Charlottenburg, Knesebeckstraße 32. S. Schachnowitz. Luftmenschen. Roman aus der Gegenwart. Frankfurt am Main. 5672 — 1912. Verlag des „Israelit“, G. m. b. H. Briefkasten, Ä. F. In seiner Geschichte Andreas Hofers, Sandwirths ans Passeyr nsw. (Leipzig 1845 bei Brockhaus, zweite Auflage) schreibt Hormayr, Hofers bekannter Zeitgenosse und Biograph, dag derselbe von zwei Tiroler Landsleuten, dem Priester Donay und dem verkommenen Raffel, dem Feinde verraten, gefesselt nach Mantua gebracht und dort kriegsgerichtlich zum Tode verurteilt wurde. Die interessante und mutige Aufgabe seiner Verteidigung hatte Baseva, ein, junger, talentvoller Advokat, ein Jude, übernommen. Die Stimmen des Kriegsgerichts im Palazzo d'arco waren sehr geteilt: zwei hatten sogar den Mut, sich für gänzliche Freisprechung zu erklären. Mehrere waren für Festungshaft, Detention, überhaupt gar keine Majorität für den Tod. Aber aus Mailand wurde der Tod binnen vierundzwanzig Stunden ausgesprochen, damit Oesterreichs Interzession — die Hochzeit Napoleons mit der Tochter Franz- II., Marie Luise, stand unmittelbar bevor — ja gewiß zu spät kommen müsse.. Uns ist leider nicht bekannt, ob dieser Tat eines Juden bei den zahlreichen hohen Feiern im Zentenarjahr 1909 gedacht worden ist. Vielleicht können die Herren Pustertaler Auskunft geben? Auf mehrere Anfragen. Die Erzählung von dem Wiener Huifabrikunlen und dem Herrn Baron Springer ist selbstverständlich die Erfindung eines müßigen Kopfes. Weder der Hutfabrikant Habig noch der Hutfabrikant Jta wohnt in einem Hause, welches Herrn Baron Springer gebört. A. B. in Vaguyhely. Wiener Geschichten, die nicht wahr sind, brauchen wir nicht von Auswärts zu beziehen. Jakob Morgeuthal, Chicago. Die Verwandtschaft der Familie Heine m Wien ist gänzlich au-gestorben. Jede Publikation wäre zwecklos und wir können nur dringend davon abraten. Notizen. Jüdische Bühne. Direktion: M. Siegler. „Hotel Stefanie", II.. Tavorst.aße 12. Freitag den 20. Dezember: Gistipiel des Charakterschauspielers Herrn B. P a 1 e p a d e, „Die Sch'chitt:", Drama in 4 Aufzügen von I. G o r d i n. — Samstag den sl. und Sonntag den 22. Dezember: Gastspiel des Herrn B. Palepade, „Bar Kochba", Operette in 4 Aufzügen und Prolog von Goldfaden — Sonntag den 22. Dezeutber, 7,4 Uhr nachmittags: „Ko! Nidre", Operette in 4 Aufmaen von Scharkansky. — Montag den 23. Dezember: „Schimschen Hagibor", Operette in 4 Aufzügen von Oberkantor Baruch Scharr. — Dienstag den 24. Dezember geschlossen. — Mittwoch den 25. Dezember: 2 Vorstellungen. Reue Verkehrswege. Nach Newyork sowohl wie nach Südamerika kann man jetzt von Triest aus mit den Prachtdampfern der „Austro-Americana" fahren, von denen besonders der „Kaiser Franz Joseph I." und die „Martha Washington" sich bereits einen internationalen Ruf erworben haben. Die Schiffe siird in jeder Beziehung erstklassig, bieten jeden modernen .Romfort, aber auch die dritte Klasse kann jetzt in eigenen Kabinen reisen und die Zwischendeckpassagiere haben geräumige Speisesäle, in welchen ihnen das Essen serviert wird und wo sie, an Tischen sitzend, in Ruhe ihre Mahlzeit verzehren können. Der Weg über Triest dauert zwar etwas länger als über die nördlichen Häfen, aber das hängt davon ab, daß man das Adriatische und Mittelländische Meer durchfahren muß. Diese Reise ist jedoch eine wahre Vergnügungsreise, auf der man schöne und seltsame Länder kennen lernt und die man ganz umsonst macht, weil der Preis für die gesamte Fahrt so billig istz als sonst für die Uebersahrt allein.