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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-12-20 · 51 (20.12.1912) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
51 (20.12.1912)
Date
1912-12-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 868 Nr. 61 Dr. Blochs Wochenschrfft Constantini, sowie der Unterzeichnete sind entschlossen, in diesem Sinne mit aller Energie weiter zu arbeiten. Seit sehr langer Zeit hat zwischen den verschiedenen jüdischen Gemeinden Griechenlands e'm Ideenaustausch zu dem Zwecke stattgefunden, um einen Kongreh einzuberufen, der sich mit den Interessen der Iudenschaft zu beschäftigen hatte. Aber die Eröffnung der Feindseligkeiten des Balkans gegen die Türkei haben uns gezwungen, die Ausführung dieses Planes, der für die griechische Iudenschaft und in weiterer Folge für das gesamte Judentum nur segensreich sein könnte, auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Vielleicht werden auch die Juden von Saloniki nach Abschluß des Krieges sich an diesem ^Versuche einer Regenerierung des orientalischen Judentums beteiligen. Ich für meinen Teil hege die lleberzeugung, daß unseren Glaubensbrüdern im Orient noch sehr schöne Tage bevorstehen. Starke JudMauswanderung aus Saloniki Wie aus Saloniki berichtet wird, zeigt sich unter den dortigen Juden trotz der inzwischen eingetretenen verhältnismäßigen Ruhe eine überaus große Auswanderungslust. In den letzten zwei Wochen haben mehrere hundert jüdische Familien Saloniki verlassen. Der größte Teil von ihnen ist nach Rewyork ausgewandert. Die Auswanderer erklären, daß sie kein Vertrauen zu den Griechen haben und hegen die Befürchtung, daß die Juden in Saloniki von den Griechen stets beunruhigt werden und diese Unsicherheit anhalten werde, welches immer das künftige Schicksal Salonikis sein möge. Ein Jude, Wender Choleraarzt in Konstantinopel. Wie wir erfahren, ist über Beschluß des ottomanischen Ministerrates der bekannte Wiener Arzt Dr. Otto Ludwig Pollak nach Konstantinopel berufen worden, um die gegen die Cholera zu ergreifenden Maßnahmen zu leiten. Dr. Pollak ist bereits in Konstantinopel eingetroffen und wurde bei seiner Ankunft vom türkischen Minister des Aeußern in Audienz empfangen. Geboren zu Bistritz in Böhmen, absolvierte er in Prag das Gymnasium und promovierte daselbst im Jahre 1896. Rach mehrfachen Studienreisen ließ sich Dr. Pollak als Badearzt in Meran nieder, leitete dann eine bekannte Kuranstalt in Graz, und praktizierte seit längerer Zeit in Wien.; [ L ' ■ i[_| ‘ 1 |"'| Freilassung jüdischer Kriegsgefangener. Aus Saloniki wird uns geschrieben: Dieser Tage wurde ein Trupp türkischer Kriegsgefangener in unsere Stadt gebracht, in welchem sich auch 40 jüdische Soldaten befanden. Diese Kriegsgefangenen hätten auf Anordnung des Kronprinzen von Griechenland nach dem Piräus gebracht werden sollen. Ueber Intervention des Grand- Rabbins Jacob Meir, welche auch vom Metropoliten von Saloniki unterstützt wurde, wurden die jüdischen Kriegsgefangenen gegen eine persönliche Haftung des Eroßrabbiners und des jüdischen Gemeindevorstandes in Saloniki gelassen. Die Haftpflicht erstreckt sich darauf, daß die Gefangenen bis auf weiteres Saloniki nicht verlassen und sich an Muer antigriechischen politischen Aktion beteiligen dürfen. Lucken Wolf über Angola und allgemeine jüdische Frag en. Vorige Woche fand in London unter Vorsitz des bekannten jüdischen Schriftstellers Lucien Wolf die Generalversammlung des Londoner territorialistischen Zentralvereines statt. Der Präsident, Lucien Wolf, erstattete zunächst den Bericht über die Ergebnisse der Galveston- Emigration der Jto und konstatierte auf Grund des Berichtes Dr. Jochelmänns, der mehrere Wochen lapg das von den Jto-Emigranten bewohnte Gebiet in Teras bereiste, daß die Erfolge dieser EMigratiönstätigkeit ausgezeichnete gewesen sind'. Diese Erfolge und die nunmehr festgestellte Tatsache, daß in Teras noch nahezu für eine Million jüdischer Auswanderer aus Rußland Platz und auch Arbeitsgelegenheit vorhanden sei, ermutigen dfe Jto^-Organisation, unterstützt von einer kleinen Zahl jüdischer Financiers, die Emigration via Galveston in Zukunft noch mehr zu forcieren, als es bisher der Fall war. Was Angola betrifft, könne er jetzt schon erklären, daß der Bericht der nach Angola entsendeten wissenschaftlichen Expedition sehr günstig lautet. Angola ist herrlich gelegen, ist frei von allen den Krankheiten und Epidemien, die in anderen Teilen dieses Kontinents anzutreffen sind. Die Jto besitzt die Sympathien der portugiesijschen Regierung und er kenne keinen besseren Weg zur Erfüllung der Hoffnungen der Jto-Organisation, als wenn es gelänge, Angola zum erhofften Jtoland zu machen. Di,e Lage Angolas macht es bei kommender moderner Kultivierung geeignet, ein wichtiges Handelszentrum zwischen Südamerika und Transvaal zu werden, da beide Länder in kurzer Zeit erreichbar sind. Wohl hat das Angolaprojekt schon scharfe Kritiker gefunden, obgleich über dasselbe noch nichts Authentisches bekannt war. Aber auch die britischen Inseln würden noch heute leer und unbevölkert sein, wenn ihre Kolonisierung seinerzeit so kritisiert worden wäre, wie das Angolaprojekt der Jto. Lucien Wolf besprach dann die Vorgänge auf dem Balkan und die Zukunft von Saloniki und gab her Meinung Ausdruck, daß, falls die Mächte sich entschließen sollten, Saloniki zur autonomen Freistadt zu erheben, diese autonome Verwaltung naturgemäß den Juden zufallen müßte, weil sie sowohl mit ihrer Zahl als auch mit ihrem' geistigen und ~ materiellen' Kapital ' präponderierend sind. In derselben Sitzung referierte Mayer A. Spielmann über den vorliegenden Entwurf zur Schaffung einer itoistischen Agrikultur- und Agrarbank mit dem Zwecke der Kolonisierung der russischen Juden in den von der Jto in Aussicht genommenen Gebieten. Diese Bank, die nach den englischen Gesetzen zu gründen ist, wird, falls das Angolaprojekt zur Durchführung koMmt, besonders große Dienste leisten. Frau Zangwill referierte über die großen Erfolge, welche die Jto in Ungarn gemacht hat, was die Anwesenden Mit besonderer Begeisterung zur Kenntnis nahmen. Schließlich wurde der Lei'.ung des Zentralvereines sowohl, wie deM Führer Israel Zangwill das Vertrauen ausgesprochen. Der Chachamvaschi vor Türkei im Palast des Sultans. Am 10. Dezember, aus Anlaß des ersten Moharrem, begab sich der Chächambaschi gleich allen anderen Würdenträgern des Reiches in den Sultanspalast, uM dem Herrscher die Glückwünsche der jüdischen Ration zu übermitteln. Vor einigen Tagen gab der neue Botschafter Italiens auf dem Großrabbinate seine Karte ab. Auch der Kommandant des tm1 Bosporus ankernden spanischen Kriegsschiffes machte Rabbi Rahüm einen Besuch.. Ferner erschienen auf dem Großrabbinate der neugewählte stellvertretende ökumenische Patriarch und der Präsident des griechischen Konsistoriums, uM Rabbi Rahum für seine Teilnahme an dem Begräbnisse des jüngst verstorbenen Patriarchen, sowie der jüdischen Nation für die Zeichen von Mitgeftihl an der Trauer des griechischen Elementes anläßlich des Hinscheidens des Patriarchen den Dank ihres Volkes auszusprechen.

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