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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-12-20 · 51 (20.12.1912) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
51 (20.12.1912)
Date
1912-12-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nl. 51 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 887 die Anzahl der christlichen Gutsbesitzer um 293 vermindert, die der jüdischen um' 114 zugenommen. Ein großer Teil der Eutspächter in Galizien sind ebenfalls Juden. Straß enbmennung nach einem jüdischen Staatssekretär. Aus Budapest wird uns geschrieben: Der Gemeinderat der Stadt Budapest hat beschlossen, anläßlich des hundertsten Geburtstages des einstigen, im Jahre 1875 verstorbenen Staatssekretärs im Ackerbau-, Gewerbe- und Handelsministerium und hervorragenden Publizisten Eduard Horn, eine Straße im sechsten Bezirke Eduard Hornstraße zu benennen. Aus dem gleichen Anlasse findet in der Geburtsstadt des Verstorbenen in Waag-Neustadtl eine große Gedenkfeier statt. Der fromme! Mönch Jliodor und seine Abbitte an die Juden. Ueber die wunderbare Wandlung des einst so fanatisch frommen Judenfeindes Jliodor berichten russische Tagesblätter: Mönch Jliodor hat bereits vor Wochen an den Heiligen Synod das Ersuchen Um Ausschließung aus der orthodoren Kirche gestellt mit der Begründung, daß er von der Orthodoxie tatsächlich bereits abgefallen sei. Man gab ihm eine Frist zur Besinnung, die vor wenigen Tagen ablief. Da richtete Jliodor an den Heiligen Synod ein Schreiben, in welchem er die russische Intelligenz, das Andenken Tolstois und das jüdische Volk um Verzeihung bat und seinen Abfall von der Orthodoxie ankündigte. Das Schreiben lautet: „Millionenreiches orthodoxes Rußland! Verzeihe mir, daß ich. Dein früherer eifriger Diener, mich von Deinem Glauben lossage, von Deiner Kirche und von Deinen Erzbischöfen abfalle. Verzeihe mir, es geschieht deshalb, weil das, an was ich früher glaubte, in meinem Herzen erstorben ist. Sogenanntes ungläubiges, nichtorthodoxes, andersgläubiges und fremdstämmiges Rußland! Verzeihe mir, ich habe Dir viel, viel Böses zugefügt. Man hat mich gelehrt, daß nur das russische Volk in Rußland das Recht hat, sich zu nähren- und nach seiner Fasson selig zu sein% den Nichtrussen aber kann man Schläge ins Gesicht versetzen. Die sogenannte russische "Wahrheit befahl mir, laut zu rufen, daß alle ihre Gegner zum Galgen geschleppt werden müssen. Volk Israel! Leuchte der Welt! Du verzeihe mir ganz besonders. Dich halte ich am meisten angegriffen; ich habe niemals nach Deinem Blut gelechzt, aber ich wurde gegen Dich aufgesta^helt. Die Asche der während der Pogrome getöteten Säuglinge quält mein Gewissen. Verzeihe mir, Du begabtestes und glänzendstes Volk der Welt! Aufrichtig habe ich mich über Dich geirrt, aufrichtig bekenne ich meine Schuld. Du bist deshalb unter der ganzen Menschheit verstreut, damit Du die ganze Menschheit zur Wahrheit führst. Führe nun! Dir ist viel gegeben worden, viel mußt Du leisten. Auch Du, heilige Asche des großen Greises, cles prächtigen und glänzenden Leo, verzeihe mir! Maßlos habe ich mich über Dich lustig gemacht, ich gab mir Mühe, Dich in den Augen meiner Umgebung zu erniedrigen und Deine Lehre lächerlich zu machen. Meine geheime Vernunft war mit Deiner Lehre völlig einverstanden, aber mein offener Verstand, der ein Gemisch von Wahrheit und Lüge bildete, zwang mich, Dich zu beleidigen. Und obwohl meine Schläge Deine Majestät nicht verwunden konnten, fühle ich mich doch darin schuldig, daß ich durch meine Angriffe auf Dich das Volk der heiligen .Wahrheit immer mehr entfremdete . . . Verzeihe, verzeihe mir. Mitglieder des Synods! Alles, was hier in meiner „Lossagung“ steht, ist bewußt und unwiderruflich niedergeschrieben. Als Zeugnis dessen zerschneide ich meine Hand, entnehme der Wunde Blut und unterschreibe meinen Namen. 11 i o d o r.“ Nach einer stürmischen Sitzung des Heiligen Synod wurde beschlossen, Jliodor.aus dem geistlichen Stande auszuschließen. Das geistliche Konsistorium von Wladimir, in deren Eparchie Jliodor sich befindet, wurde beauftragt, das gegen Jliodor erflossene Urteil sofort auszuführen. Aufruf an die jüdische Bevölkerung Wiens. Die Volksliederabende, die in den beiden letzten Jahren in Wien veranstaltet wurden, haben weite Kreise darauf aufmerksam gemacht, welche noch unbekannten Schätze in der jüdischen Volksmusik liegen und in wie eigenartiger Weise das jüdische Volk im Osten das Leid und die Freuden seines Lebens künstlerisch gestaltet hat. Während im Osten diese Lieder als Ausdruck des Volksempfindens entstanden sind und überall, daheim und draußen, gesungen werden, während zahlreiche Gesangsve,-eine aller Stände zum Wahrer und Pfleger dieses großen nationalen Gutes geworden sind, liegen diese Bestrebungen in Wien ganz darnieder. Freche Gassenhauer und zweideutige Operettenlieder sind an die Stelle unserer eigenen Weisen getreten. Wohl hat es nicht an Bestrebungen gefehlt, diesem Uebel abzuhelfen, wohl hat der Verein Hasomir, trotz der kurzen Zeit seines Lebens, Rühmliches geleistet und damit bewiesen, daß es in Wien nicht nur an geeigneten Kräften nicht fehlt, sondern daß auch das nötige Interesse bei der großen jüdischen Bevölkerung dieser Stadt vorhanden ist. Aber es zeigte sich, daß nicht bloß der erste Rausch der Begeisterung, sondern auch Ausdauer, zielbewußte und fleißige Arbeit und vor allem eine feste Organisation vorhanden sein müssen, um eine ersprießliche Tätigkeit zu entfalten. An manchen Voraussetzungen, wie einem tüchtigen Dirigenten, der auch über die nötige Zeit verfügt, um sich der Sache ganz zu widmen, hatte es von Anfang an gefehlt, so daß diese Vereine wieder eingingen. Bei der enormen kulturellen Bedeutung, die dieser Frage innewohnt, gestützt ferner auf den Umstand, daß die besprochenen Anforderungen heute teils vorhanden sind, teils leicht geschaffen werden können, wenn man die Erfahrung vergangener Jahre entsprechend verwendet, richten wir demnach an alle früheren Mitglieder des Vereins Hasomir, ferner an alle denjenigen Damen und Herren, die bei Gründung eines bürgerlich jüdischen Gesangvereines mittun undfleißig mitarbeiten wollen, die Bitte, ihre Adressen dem unten genannten Vereine einsenden zu wollen, damit bei genügender Anzahl von Meldungen eine konstituierende Versammlung einberufen werde. Wir richten ferner an alle jüdischen Vereine die Bitte, die besondere Wichtigkeit und den großen Nutzen eines solchen Vereines in Erwägung zu ziehen und durch Entsendung einer entsprechenden Zahl von Mitgliedern, sowie durch lebhafte Propaganda die Sache energisch zu unterstützen. Das Präsidium des akademischen Vereines „Jüdische Kultur“ IX., Garnisongasse 24. Eine interessante Kundgebung der Juden von Athen an die Judcka von SaionM. Der Sekretär der Athener Iudengemeinde, Jesus Samuelidi. richtete an das jüdische Blatt in Saloniki „L'Jndependant" unter dem 23. November 1912 ein Schreiben, dessen Wortlaut die weiteste Verbreitung verdient. Das Schreiben lautet: Die ungerechten und unbegründeten Anschuldigungen, deren Opfer unsere Glaubensgenossen in den ersten Tagen der Besetzung Salonikis durch die Griechen waren, haben uns nicht gleichgültig gelassen. Mit Freude hat uns die Nachricht erfüllt. daß die jüdischen Journalisten bei den Behörden vorstellig wurden, um die Gesamtheit der jüdischen Bevölkerung von Saloniki gegen eine entehrende Verleumdung in Schutz zu nehmen vor den griechischen Behörden, welche diese Verleumdungen sicherlich nicht einen Augenblick geglaubt haben, da sie selbst liberal sind und die Ergebenheits- und Anhänglichkeitsgefühle der Juden gegen diejenigen, die ihnen den größten Schutz und die größte Gerechtigkeit zuteil werden lassen, genau kennen. Seien Sie. meine Herren, überzeugt, daß die Juden dieses Landes, indem sie Griechenland eine kindliche Liebe entgegenbringen, für alle ihre jüdischen Brüder ein Gefühl großer Anhänglichkeit und Zugehörigkeit hegen. Noch vor der Einnahme Salonikis durch die griechische Armee habe ich in dem Organe der Intellektuellen von Athen, „Athinai", einen Artikel darüber geschrieben. Wir sind hier bemüht, die öffentliche Meinung Griechenlands für die Sache der Juden in Saloniki zu gewinnen. Der Präsident der hiesigen Iudengemeinde, Abraham

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