Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 51 (20.12.1912)
- Date
- 1912-12-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr öl Geste 865 Dr. Blochs WochenschM oder dieses Material nicht als ausschlaggebend betrachteten. versuchten auf mathematisch-analytischem Wege den Verlauf der menschlichen Absterbeordnung zu ergründen. Gar viele Versuche sind in dieser Richtung von hervorragenden Mathematikern unternommen morden, aber e'ne befriedigende Lösung des Problems wurde erst durch unseren Glaubensgenossen Benjamin' Gömpertz gegeben. Die von Gömpertz gelieferte mathematische Formel für ein biologisches Sterbegesetz überragte die Versuche seiner Vorgänger so sehr, daß sein Biograph mit Recht von ihr sagen konnte: alle anderen analytischen Darstellungen eines Sterbegesetzes stünden hinter ihr so weit zurück, daß sie sich zur Gompertzschen Formel wie die Empirie zur wahren Wissenschaft verhallen. Gömpertz untersuchte mit Hilfe seines Sterbegesetzes verschiedene der besten Mortalitätsbeobachtungen. wie die Sterbetafel von Deparcieur. die NorthaMptonsche Sterbetafel, die Tafel von Carlisle und schwedische Sterbetafeln und fand eine volle Uebereinstimmung aller dieser Beobachtungen mit seinem Sterbegesetze, wenn in der von ihM gegebenen Formel die konstanten entsprechend abgeändert wurden. Gompertz selbst äußerte sich rücksichtlich der von ihm aufgestellten Hypothese in folgender Weise: Auf der einen Seite kongruiert das von wir gefundene Gesetz Mit anderen Naturerscheinungen, wie 3. B. mit der Luftverdünnung, die in dem Rezipienten einer Luftpumpe durch regelmäßige Kolbenhübe in gleichen Zeitintervallen hervorgebracht wird, auf der andeiien Seite läßt sich dieselbe Formel aus verschiedenen Sterbetafeln ableiten und bleibt für die Meisten von ihnen gültig. In der Tat ist die Hypothese erst das Ergebnis einer Analyse der Mortalitätstafeln selbst. Es wird gewiß interessieren, einiges aus dem Leben des Manneszu erfahren, dessen Name noch heute mit höher Achtung unter den Aktuaren Englands genannt wird und der auch außerhalb seines Heimatlandes das größte Ansehen und die Wertschätzung als eines ausgezeichneten Gelehrten genießt. Benjamin Gömpertz ist am 5. März 1779 in London geboren. Er entstammte einer Familie, die durch lange Zeit eine hervorragende Stellung in Holland einnahm. Sein Mütterlicher Großvater, namens Benjamin Cohen, stand zum Prinzen Wilhelm von Oranien in freundschaftlichen Beziehungen, und dieser Ahne Benjamins hat bereits Zeugnis von Mathematischer Begabung dadurch geliefert, daß er eine Uebersetzung des Euklid ins Hebräische verfaßte. Er schrieb auch eine Abhandlung über Sonnenschattenprojektionen, die noch heute in engli'cheh Buchhandlungen ab und zu zu finden ist. Der Vater Benjamins war Diamänthändler und durch die Ehrenhaftigkeit seines Charakters, wie auch durch seinen Kunstsinn hoch angesehen. Benjamin selbst genoß keinen regelrechten Schulunterricht; er war Autodidakt. Allein schon in seinen Knabenjahren zeigte er einen außergewöhnlichen Wissensdrang, und seine Eltern sahen sich oft gezwungen, alle Leuchter zu entfernen, um ihn an der allzu langen Fortsetzung seiner Studien zu hindern. Frühzeitigwar er Mit den Werken der hervorragendsten englischen und französischen Mathematiker vertraut. Sein Lieblingsschriftsteller, dem er sein ganzes Leben lang große Verehrung und Bewunderung zollte, war Isaak Newton. Kaum zwanzigjährig, wurde er als Mitglied in die „Gentlemans Mathematical Companion" aufgenomMen; das war eine private Vereinigung von Gelehrten, die sich die Förderung der Mathematischen Studien zum Zfele gesetzt hat und welcher viele Gelehrte von Ansehen und' Ruf angehörten. Schon in dieser Vereinigung gelang es IHM, seine hohe Mathematische Begabung zur Geltung zu bringen. Es bestand daselbst die Gepflogenheit, alljährlich Ehrenpreise für die beste Lösung ein,es bestimmten Problems zu verleihen. Fast allemal wurde GdMpertz mit dem Ehrenpreise ausgezeichnet wenn er sich am Wettbewerbe betelligte, was in den Jahren 1812 -1822 beinahe regelmäßig geschah. Sein Ruf als hervorragender Mathematiker war schon weit über den Kreis der Mitglieder der ..Gentleman's Mathematical Companion" hinaus verbreitet. Als er bei der „Royal- Society of London" eine Arbeit über die Theorie der imaginären Größen einreichte, um deren Veröffentlichung in den Publikationen dieser in ganz Europa hochangesehenen Akademie der Wissenschaften anzustreben, wurde ihm die Aufnahme seiner Arbeit allerdings versagt; allein ehrend für seine Person und bezeichnend für die ihm allseits zuteil werdende Anerkennung war die Art der Ablehnung. Der damalige Sekretär der Royal-Society. Dr. Wollaston, gab ihm nämlich als Grund der Nichtannahme seiner Schrift an: „Tatsache ist. daß Ihre Arbeit zu tief für uns ist: nicht einer von uns wäre imstande, sie zu verstehen." Gömpertz ließ sich dadurch nicht abschrecken und veröffentlichte sie auf eigene Kosten. Diese Abhandlung erregte viel Aufsehen, und er selbst betrachtete sie nach seinen Arbeiten über das Sterblichkeitsgesetz für die erfolgreichste seiner Schriftei. Vielleicht gerade auf Grund dieser abgelehnten Abhandlung, vielleicht auch auf Grund seiner anderen inzwischen veröffentlichten Schriften wurde Gömpertz im Jahre 1819 zum wirklichen Mitglieds der „Royal-Society of London" erwählt, welcher hervorragenden Körperschaft er bis zu seinem Tode durch 46 Jahre angehört hat und deren Vorstand er später zugezogen worden ist. (Schluß folgt.) INorrespondenzen. Salo Cohn. (Zu seinem siebzigsten Geburtstage.) Geehrter Herr Redakteur! Bei dem stets freundlichen Entgegenkommen, dessen ich mich Ihrerseits zu erfreuen habe und bei der Wertschätzung, die auch Sie dem verehrten Jubilar Herrn Salo Cohn entgegenbringen, hoffe ich. daß Sie diesen Zeilen dankbarer Erinnerung noch ein Plätzchen in Ihrem gesch. Blatte gewähren werden. Seit nahezu 40 Jabren kenne ich Herrn Salo Cohn und hatte häufig Gelegenheit, zu beobachten, in welch' wahrhaft vornehmer Weise er in aller Stille wohltätig wirkt. Es gibt eine Reihe ganz guter Menschen, die durch Geldspenden alles zu tun vermeinen; aber nur wenige Menschen, die, wie Herr Salo Cohn, mit Verstand und weitreichendem Blick es verstehen, durch ihre werktätige Hilfe Existenzen aufbauen zu helfen. Sein ausgezeichneter Rat. sein lebhaftes, nicht aufhSrendes Jntereffe für seine Schützlinge, seine warmen, nicht lediglich zugesagten Empfehlungen find oft viel wertvoller als Geldspenden; was er an letzteren opfert, ist nur zum lleinsten Teile der Oeffentlichkeit bekannt. Er versteht es aber auch und namentlich bei Menschen, die einst beffere, sorglose Tage kannten, durch seine moralische Unterstützung ihren Mut zur Arbeit zu hebe», sie aufzurichten durch seine reine Menschlichkeit, und dieses die Lage des Anderen begreifen, dieses warmherzige Jntereffe find es, welche mir anläßlich seines siebzigsten Geburtstages hervorzuheben ein besonderes Herzensbedürfnis ist und gleichzeitig im eigenen und zahlreicher Freunde und Verehrer Namen die innigsten Glückwünsche für sein und seiner Familie Wohl öffentlich auszusprechen. Wien, im Dezember 1912. L. W.