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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-12-13 · 50 (13.12.1912) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
50 (13.12.1912)
Date
1912-12-13
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 50 Lerli 65tz leid, aber ich kann es Ihnen nicht verhehlen, mit Ihrem Herrn Chef geht's bald zu Ende." Dem Grotzkaufmann war es ausgefallen, daß der verleugnete Freund mit seinem ersten Buchhalter sprach, und ehe er noch hinaus war, rief er diesen hinein, um ihn zu fragen, was Der polnische Jude von ihm verlangt habe. Erst nach vieler Mühe konnte er aus ihm herausbringen, was der gesagt hatte. Dann lieh er aver den Hirsch sofort zurückrufen, um ihn zu fragen, wie er zu dieser Aeutzerung käme. „Du weißt doch, Chajjim, ich bin a Lhewremann (von der frommen Brüderschaft). Wenn ich zu a Kranken komme, - so lange er mich noch erkennt), ist noch Hoffnung, wenn er aber mich schon nicht mehr erkennt, dann steht der Tod sehr nahe bevor!" (Foa,Ltzung folgt.) Literatur. Der älteste Roman in der Weltliteratur. Unter diesem Titel reproduzierte die „Oesterreichische Wochenschrift" in Nr. 31 einen hochinteressanten! Artikel aus der „Frankfurter Zeitung" von G. Gütz, Berlin.; . Der älteste Roman in der Weltliteratur. Damit ist das Achikar-Buch gemeint. Dem Laien mutz schon die Bekanntschaft mit dem Inhalt dieses Werkes an sich interessant erscheinen: dem Fachmann .aber bietet der genannte Artikel weit mehr, indem er daraus erfährt, datz die Frage über das Alter des Achikar-Buches num mehr gelöst ist und dadurch auch die Tatsache hinsichtlich einer gewissen Abhängigkeit der Griechen vom Orient selbst in literarischer Beziehung nicht mehr bezweifelt werden kann. Was der Artikelschreiber jedoch unberührt lätzt, ist die Frage der Autorschaft des Buches. Gehörte der Verfasser des Achikar-Buches dem jüdischen oder einem anderen semitischen Volke an? Diese Frage ist bekanntlich bis nun noch nicht endgiltig entschieden. Ich will daher hier einige Urteile matzgebender Persönlichkeiten anfüjhren und zum Schlutz meine eigene unmatzgebliche Meinung äutzern. Im Jahre 1904 wurde in Newyork mit der Drucklegung des Achikar-Buches der Grund zur Herausgabe von Volksschriften in hebräischer Sprache gelegt. Der bekannte Gelehrte N. S. Libowitz fatzte nämlich gemeinsam mit A. Eh. Rosenberg den löblichen Enischlutz, unter dem Gesamttitel „Kirjath Sepher" Volksbücher herauszugeben. Es sollten dies entweder Zute, alte Schriften sein, die ob ihrer Seltenheit nicht allgemein zugänglich sind, oder auch Schriften neuerer Autoren, wenn sie auch weiteren Kreisen des Volkes irgendwie von Nutzen sein können. Ein jedes dieser Bücher soll mit Vorwort, Anmerkungen, sowie dem Bilde des Verfassers oder eines anderen Gelehrten, der zu dem betreffenden Werke in irgendwelcher Beziehung steht, versehen werden. Der Reigen dieser geplanten Volksbibliothek wurde nun mit der Veröffentlichung des Achikar-Buches begonnen. An der Herausgabe dieses Merkchens sind Josef Massel, Lektor M. F r i e d m a n n, N. S. L i b o - witz und A. Ch. Rosenberg beteiligt gewesen. Josef Massel hat die hebräische Uebersetzung besorgt. Friedmann das Vorwort und Anmerkungen zum Achikar-Buch geschrieben, Libowitz und Rosenberg haben dieselben ergänzt. Der Nestor der genannten Gelehrten war Friedmann, und so schmückt auch sein Bild das Titelblatt des Buches. Massel hat die hebräische Uebersetzung besorgt, denn der ursprüngliche hebräische Tert existiert nicht mehr. Schade, datz uns der Uebersetzer nicht sagt, aus welcher Sprache er ins Hebräische übersetzt hat. Aus dem Zusammenhang jedoch möchte man annehmen, datz die hebräische Uebersetzung aus der Dillon'schen englischen Uebersetzung erfolgt ist. Hinsichtlich der Autorschaft des Buches schreibt Massel: „Das Achikar-Buch, das ich nun der Öffentlichkeit in hebräischer Uebersetzung übergebe, ist allgemein als uralt bekannt. Bis jetzt waren Handschriften von demselben in syrischer, aramäischer, griechischer und arabischer Sprache in verschiedenen Bibliotheken aufbewahrt. Aus diesen Sprachen ist auch das Werk ins Deutsche und Slavische übertragen worden. Gegenwärtig hat der bekannte Gelehrte E. I. Dillon, nachdem er verschiedene Handschriften in den Bibliotheken zu London und Cambridge verglichen hatte, eine Uebersetzung des Achikar-Buches ins Englische besorgt. Dieser Gelehrte ist der Ansicht, datz das Buch von einem im! Eril lebenden Juden in hebräischer Sprache oerfatzt wurde. E. I. Dillon hat nämlich die verschiedenen Handschriften, alte wie neue, einer sorgfältigen Prüfung unterzogen und führt für seine Behauptung folgende Gründe an: a) der Stil im Achikar-Buche gleicht vollkommen «.dem in den biblischen Schriften: b) die Sprüche, Sentenzen und Gleichnisse in diesem Werke gleichen nicht minder und decken sich zuweilen ganz mit denen in den Schriften „Sprüche Salomos", „.Koheleth" und „Sirach", ja, sie weisen sogar mit den Sprüchen im Talmud eine grotze Ähnlichkeit auf: c) manche Redewendungen und Bilder haben nur dann einen Sinn und können nur dann verstanden werden, wenn man annimmt, datz die Ursprache des Werkes die hebräische war, denn in einer anderen semitischen Sprache sind solche Redewendungen und Bilder nicht gebräuchlich : cl) als das wichtigste Argument für diese Annahme aber spricht der Umstand, datz dem Buche Tobiath zufolge die Persönlichkeit des Achikar sowohl wie sein Schicksal und seine Erlebnisse vom jüdischen Volke allgemein gekannt war. Soweit Dillon. Nun gesellt sich zu den Argumenten dieses Gelehrten ein neues, sehr wichtiges hinzu. Der Umstand, datz ein alter jüdischer Veteran in Elephantine diese schlichte Novelle mit ihren Sprüchen zu seinem Gebrauche und zur Erbauung mühsam niederschreibt, beweist, glaube ich. datz die Weisheit des Achikar ein jüdisches Volksbuch war und sohin ein jüdisches Buch, d. h. Geist von unserem Geiste. Das Produkt eines fremden Volkes könnte wohl auch beim jüdischen Volke Eingang finden, nicht aber ein jüdisches Volksbuch werden. Massel bekennt sich zur Ansicht Dillons: ebenso meint Friedmann mit Bestimmtheit, datz das Buch des Achikar ein Produkt unseres Volkes ist, und verweist äuch dieser Gelehrte aus,einige Aussprüche im Talmud, die dem Achikar-Buche entnommen sind. Libowitz glaubt hingegen, datz dies Werk einen heidnischen Dichter zum Vater hatte, denn es kommen darin Aussprüche vor, die gegen den Geist des Judentums verstotzen. Rosenberg entscheidet diese Frage dahin, datz das Buch des Achikar ursprünglich zweifelsohne in hebräischer Sprache versäht war und darum auch von einem Juden sein müsse, denn in dem syrischen Texte sind viele hebräische Wörter und Ausdrücke, was doch nur dadurch erklärt werden kann, datz der syrische Text eine Uebersetzung aus dem Hebräischen ist. Bezüglich der nichtjüdischen Aussprüche im Buche, meint Rosenberg, lätzt sich diese Erscheinung auch so erklären, datz bei dem Umstande, datz das Werk häufig in mehrere Sprachen übersetzt wurde und so gleichsam durch mehrere Hände gegangen ist, fremde Zusätze sich eingeschlichen haben.

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