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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-12-13 · 50 (13.12.1912) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
50 (13.12.1912)
Date
1912-12-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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eetu 848 Dr. Blochs Wochenschrift 4ir. 50 die Luczenbacherische numismatische Sammlung anzukaufen und di^e Sammlung am Jubiläumstage des Paladins der Akademie der Wissenschaften als Geschenk zu überreichen. Diese Sammlung befindet sich gegenwärtig im Nationalmuseum und trägt seltsamerweise die Aufschrift: „Spende der Akademie". Enthaftung des jüdischM Kammerdeputierten Carasso. Wie aus den Tagesblättern bekannt ist, hat die türkische Regierung, in Konsequenz ihrer Verfolgung der jungtürkischen Führer, auch den jüdischen Deputierten aus Saloniki, Emanuel Carasso Effendi, der zu den einflußreichsten Mitgliedern und Begründern der jungtürkischen Partei gehört, verhaften und vor ein Kriegsgericht stellen lassen. Wie nun aus Konstantinopel gemeldet wird, wurde Carasso nach kurzem Verhör wieder in Freiheit gesetzt. Larasso war so wenig auf seine Verhaftung gefaßt, daß er noch wenige Stunden vor der-, selben mit dem Finanzminister und dem Minister des Innern wichtige Unterredungen hatte. Die Regierung erklärte, daß seine Verhaftung bloß als Vorsichtsmaß r regel aufzufassen sei. Wie sich jetzt herausgestellt, wurde auch gegen die andern drei jüdischen Deputierten, die bekanntlich gleichfalls der jungtürkischen Partei angehören, ein Haftbefehl erlassen, doch konnte derselbe bisher nicht ausgeführt werden, weil sie sich im Auslande befinden. Lionel de Rothschild vor seinen jüdischen Wählern. In Leeds fand dieser Tage eine jüdische Wähler- Versammlung statt, in welcher Lionel de Rothschild, der einen Wahlkreis von Leeds im englischen Unierhauss vertritt, seinen Rechenschaftsbericht hielt. Lionel de Rothschild beschäftigte sich hauptsächlich mit derjenigen gesetzgeberischen Tätigkeit des englischen Unterhauses, die die Juden besonders berührt. So rechtfertigte er auch seine Haltung in der Frage des allgemeinen Versicherungsgesetzes, welche gerade die weniger bemittelte jüdische Bevölkerung schwer treffe. Rothschild gab das Versprechen, auch in Zukunft für die Interessen seiner jüdischen Wähler — so weit sie nicht mit den allgemeinen Interessen kollidieren und gesetzliche Berechtigung haben, — mit aller Kraft einzutreten. _ Spanien für dein Schutz der Juden. Wie die Tagesblätter melden, hat der spanische bevollmächtigte Minister für die Türkei und Griechenland, Marquis de Prat de Nantouillet. energische Proteste sowohl an die hellenische Regierung in Athen, wie an den in Saloniki weilenden griechischen Prinzen Nikolas gerichtet wegen der in dieser Stadt an den Juden begangenen Ausschreitungen. Dieser Protest stützt sich formell darauf, daß sämtliche spanisch sprechenden Juden des Orients 60 ipso und von altersher Schutzbefohlene Seiner katholischen Majestät von Spanien seien, und besteht mit großer Energie darauf, daß Spanien eine Schädigung und Gefährdung dieser seiner Angehörigen nicht zulassen werde. Der spanische Gesandte hat bei einem Besuche, den er dieser Tage dem' Chachambaschi der Türkei, Haim Nahoum Effendi, als Erwiderung auf den seinen abgestattet hat, von den von ihm für die Saloniker Juden unternommenen Schritte Mitteilung gemacht und hinzugefügt. daß Spanien bei einer etwaigen Weigerung, den Protest in Betracht zu ziehen, Griechenland es dazu zu bringen wissen werde. In gleichem Sinne äußerte sich Marquis von Prat de Nantouillet zum' Redakteur der hiesigen jüdischen Zeitung „Aurvre", der gestern von ihm empfangen wurde. Er fügte hinzu, daß das Königreich Spanien bereit sei, die gesamte Judenschaft der Stadt Saloniki offiziell als seine Untertanen anzu er kennen, ohne daß eine Naturalisation derselbeNnot wendig sei. Es handle sich hier um die formelle Bekräftigung eines historisch, also äe facto bestehenden Zustandes. Sollte bei einer etwaigen dauernden Einverleibung Salonikis in das griechische Königreich die hellenische Regierung dazu zwingen wollen, zwischen der osManischen und der griechischen Untertanenschaft zu optieren und die türkisch gebliebenen Juden ausweisen wollen, so sei für die Gemeinde der Moment gekommen, das Anerbieten Spaniens anzunehmen. Seine Regierung verlange jedoch als Bedingung für die Erfüllung ihrer Zusage, daß die Gemeinde von Saloniki als Gesamtheit und für alle ihre Mitglieder ein entsprechendes Gesuch an die spanische Regierung richte. Dieses Verhalten Spaniens den Juden gegenüber ist höchst interessant und merkwürdig. Es mutet an, wie eine Ironie der Geschichte. Ob die spaniolischen Juden sich nun auch beeilen werden, das plötzliche heiße Lieveswerben des Landes der klassischen Inquisition und der Massen-Judenaustreibung zu erhören, bleibt eine offene Frage. i Zum Vodenvt'rtaufsverbot in Palästina. Bekanntlich ist vor kurzem ein neues Verbot des Bodenverkaufs an Juden von den palästinensischen Behörden erlassen worden. Es scheint aber, daß im Gegensatz zu früher diesmal die Zentralregierung in Konstantinopel weder von dieser Maßregel gewußt hat, noch sie gutheißt. Die auf Beschwerde des Großrabbiners der Türkei von der Regierung angeordnete Untersuchung hat nämlich ergeben, daß aus keinem der Regierungsressorts eine entsprechende Order ausgegangen war, sondern daß es sich um eine lokale Willkürmaßnahme handelt. Der Großwesir versprach eine Untersuchung über die Verantwortlichkeiten in dieser Sache in Palästina selbst und die Maßregelung des Schuldigen. Ein guter Anfang. In Nr. 44 der „Ojesterreichischen Wochenschrift" wurde die Mitteilung gebracht, daß es in Rußland nicht weniger als rund 80.000 unserer Glaubensgenossen gibt, die sich ausschließlich mit Bearbeitung des Bodens als Lebensberuf beschäftigen. In Ergänzung dieser Notiz möchte ich einen neuen Versuch in dieser Richtung erwähnen, der das allerwärmste Interesse verdient. Der bekannte Philanthrop und Millionär, Kommerzienrat M. B. Halperin aus Kiew, hat in dieser Kampagne den ersten Versuch gemacht, die Juden bei den Feldarbeiten an den Zuckerfabriken, bei Aufrodung und Reinigung der Rüben u. dgl., zu beschäftigen. In einer seiner Zuckerfabriken im Gouvernement Kiew wurden mehrere Hunderte jüdische Arbeiter zu dieser ungewöhnlichen Arbeit zugelassen. Schon der erste Versuch ergab recht erfreuliche Resultate. Wacker, tüchtig und lebenslustig griffen unsere Brüder in dieses neue Gebiet der schaffenden Arbeit ein, das bis jetzt infolge unbegründeter Vorurteile der Fabriksbesitzer ihnen verschlossen blieb. Ein erfreuliches Bild boten die bunten- Gruppen der jüdischen Arbeiter, eine farbenreiiche Mischung von Alt und Jung, rosajugendlichen und ernst gebräunten Gesichtern in dieser malerischen Gegend unter dem blauen Himmel, vergoldet von den heißen Sonnenstrahlen. Es lag wie etwas Symbolisches auf diesem' ungewöhnlichen Bilde: ein romantischer Hauch der historischen Vergangenheit und ein hoffnungsvoller Hinweis auf eine bessere Zukunft.

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