Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 50 (13.12.1912)
- Date
- 1912-12-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Tr. 60 Dr. Mocks Wochenschrift Seite 9ä9 Dieser Versuch könnte wirklich sehr günstige Folgen haben für Tausende verarmter jüdischer Familien in den armseligen Nestern Podoliens und Wolhyniens, in der Nähe von den Zuckerfabriken, wo sie jetzt mit Vkühe und Not kaum ihr kärgliches, halbhungriges Dasein erkämpfen. Es wäre sehr empfehlenswert, daß auch andere jüdische Zuckerfabrikanten bieTeTn1 humanen Beispiele des Komürerzienrates Halperin folgen und sein Werk fortsetzen wollten. Dr. Nistar. Iu-enfrMndliche Stimmung in Rumänien. Aus Bukarest schreibt uns unser Korrespondent: Der Balkankrieg und seine eventuellen Folgen für die Nachbarländer hat natürlich auch Rumänien aus seiner Ruhe gerüttelt. Es trifft alle Vorbereitungen, um für den Fall, daß es in die Krise hineingezogen werden Tollte, in jeder Beziehung vorbereitet zu sein. Dazu gehört vor allem Geld und dann eine schlagfertige, begeisterte Armee. Diese Prämissen erklären es zur Genüge, daß in der letzten Zeit die gesamte rumänische Presse Töne anschlägt. welche zu hören man seit Menschengedenken überhaupt nicht mehr gewöhnt war. Die rumänischen Juden, die wohl in Rumänien als Fremde behandelt werden und keine Rechte genießen, werden bekanntlich trotz alledem zum Militärdienste herangezogen. And es gilt nun diese rumänischen Juden für einen eventuellen Krieg Rumäniens zu begeistern. Anderseits braucht Rumänien Geld- und so oft dieses Land in solche Lage kommt, beginnt ihre Presse sich mit der Iudenfrage zu beschäftigen. So ist es auch jetzt der Fall. Sämtliche Blätter — selbst diejenigen, die sich bisher in Hetzartikeln gegen die Juden gar nicht erschöpfen konnten. — weisen in langen Artikeln darauf hin, daß ..eine neue Aera anbreche. die nur dann für das rumänische Volk von Segen sein kann, wenn das ganze Voll, ohne Unterschied des Glaubens einmütig sein wird". Manche Blätter gehen sogar weiter und sagen ganz offen heraus, daß Rumänien aus seiner Vergangenheit heraustreten und seine Zukunft auf ganz neue, moderne Grmrdlagen stellen müsse, die vor allem die Unterschiede zwischen Konfession und Rasse ausmerzen. Denn nur dann werde sich Rumänien seinen fortgeschrittenen Verbündeten Oesterreich-Ungarn, Deutschland und Italien gleichhalten können. Es fehlt auch nicht an Andeutungen, daß diegenannten drei Großmächte es wohl als ihre Pflicht ansehen würden. Rumänien daran zu erinnern, daß die Zeit der Aufhebung der barbarischen Gesetze gegen die Juden bereits gekommen sei. Auch andere Symptome sprechen dafür, daß die rumänische Regierung Gewicht darauf legt, im Auslande die Meinung zu erwecken, daß sie bereit sei. nach Beendigung des Ballankrieaes im Innern des Landes mit der Iudenfrage endlich aufzuräumen. Aus wiederholten Anlässen bat. wie ich auf Grund authentischer Informationen berichten kann, die rumänische Regierung dem Vukarester Oberrabbiner Dr. Beck, der jetzt in Regierungskreisen großes Ansehen genießt. veranlaßt, gegen die Regierung im' Auslande verbreitete ungünstige Mitteilungen zu dementieren und zu , bestätigen, daß die Regierung sich bemühe, den Wünschen der Juden nach Tunlichkeit gerecht zu werden. Beachtenswert ist auch der Hinweis eines Vukarester Blattes auf den Umstand, daß die Großmächte wohl kaum ihre Zustimmung geben könnten, daß die Juden desjenigen Landstriches, durch welchen das Gebiet Rumäniens bei der endgültigen Liguidierung der Valkanfrage eventuell erweitert werden soll, durch die Einverleibung ihrer bisherigen Rechte beraubt werden. Schon dieser Umstand allein, so wird nun gefolgert, müßte die rumänische Regierung veranlassen, schon jetzt im eigenen Hause mit der Iudenfrage Ordnung zu machen. Es bleibt nun abzuwarten, ob diese judenfreundliche Stimmung in der rumänischen öffentlichen Meinung von Dcnwr sein wird, oder ob sie bloß eines der Lockmittel ist. deren sich Rumänien in Zeiten der Not schon so oft bedient hat. EmrgffEör Kampf der russischen Grochindustriikl'M gegen die Regierung. Wie seinerzeit berichtet wurde, hat der Verband der Moskauer Eroßkauflente und Großindustriellen der russischen Regierung ein Memorandum überreicht, in welchem die Abschaffung der in beeng auf die Inden T'C* stehenden Rechtsbegrenmnaen gefordert wurdw da Mn? dem Lande großen wirtschaftlichen Schaden bringen. Ww nun aus Petersburg aemeldet wird, hat die Regierung die Forderungen des Moskauer Verbandes ohne weiter- Begründung abgelehnt. Verbandspräsident Gustban klärte jedoch dem. Redakteur der ..Rjetsch" geaenüb.w. daß diese Ablehnung die Energie der russssch-'N Großindustriellen und Großkaufleute nur noch steigern werde, und daß sie nunmchr nicht eher ruhen wollm bis das Iudenassetz in Rußland einer modernen Regelung unterzogen sein wird. Die StEunnugbMe der md's^ n Wie uns aus Petersburg berichtet wird. ha"lw die drei gewählten mdsschen Dumadeputierten nti+ mehreren führenden Persönlichkeiten in Kowna eine Beratung, in welcher die künftige Haltung de'' drei n'-duchen D""i,t'e"- ten in der Duma besprochen wurde Cs wurde McMMsen daß die indischen Vertreter die "M+e S-st^eenheit ergreifen werden, um den Heße^eien u.nd VerS"md''naeu des rechten Flügels in der Duma mit Energie entaegemutreten und insbesondere sich mit der Peawrüna weaen deren Machinationen umbr^nd ^Nghl. durch welche zahllose Juden ihres Wahlrechtes beraubt wurden. auseinanderzuseben. Die iüdsschen Dumad"n)-t'ert n werden auch alles aufbieten. um in die ^ommnfwnen für Volksbildung und für städtische ^"lbstverwnlt^ug. in denen indische Interessen hauptsächlich m vertreten swn w-wd-m. gewählt zu werden Schließlich wurde schlossen, den Kongreß der nidstchen Wahlmänner, für welchen die Vorarbeiten bereits sehr weit gediehen und. so rasch als möglich einzubernfen Ein Jude Mitallöd des neuen amerikanischen .Kabinetts. Wie die Rewporker ..Times" Berichten, steht President Wllion mit dem indischen Advokaten Louis be Brandeis in Boston in Unt"rhandlung. um ibn mr Ueöernobme einer Stelle in seinem Kabinett m hemeaea Wilson hat die Absicht. Brandeis das Portefeuille st'ir Handel und Arbät. das bekanntlich schon einmal van einem Juden. O. Slrnuß. aeseitet wurde, m übertragen.. Sollte R randäs hiekür nicht zu haben sein, w mied er wahrscheinlich Generalvrokuratar der Pereiniaten Staaten werden, für welch' letzteren Posten Brandeis größer" Neiaung zeigt Advokat Brandeis genießt als Inrgt großes Ameben und ist ein langiäbriaer. treuer Anhänger d"r demokratischen Richtung, aus welcher auch Wilson hervorgegangen ist. Senator Isidor Raynör. Ans Newyork wird uns geschrieben: Porige Wach" starb Senator Isidor Rayner im 62. Lebensiahre. R. wurde in Baltimore aeboren. und wurde bald nachdem er seine juristischen Studien absolviert hatte, als Demokrat in die Legislative des Staates Marnland und einige Jahre snäter in den Senat dieses Staates entsendet. Im Jahre 1886 wurde er in den Kongreß gewählt, den er bis zum Jahre 1896 angehörte. Im Jahre 1905 wurde er zum Senator der Vereinigten Staaten gewählt und behielt diese Ehrenstelle bis an