Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 50 (13.12.1912)
- Date
- 1912-12-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 50 De. Blochs WocheMrfft Seite 847 Begrüßungsansprache an die Gäste und an die Pflegerinnen. Präsident Dr. Stern gedachte in warmen Worten des Munifizenten Stifters des Heims. Nach der Fest-» rede des Doktor Feuchtwang nahm Prof. Fleischmann die Verleihung von drei Armbinden an Pflegerinnen vor, die bereits vier Jahre im Dienste der Krankenpflege wirken. Ferner wurden sieben absolvierten Schülerinnen die Brosche und das Pflegerdiplom verliehen. Nach der Feier lud die Oberin des Pflegerinneninstituts Fräulein Emma Levy die Gäste zu einem kleinen Imbiß ein. Kaiserin Elisabcth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnen-Heim. Am 8. Dezember wurde im Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnen-Heim, II., Malzgasse 7, das Chanuka-Fest in feierlichster Weise begangen. Demselben wohnte nebst dem Vereinsvorstande eine große Anzahl von Gästen bei, darunter Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Grunwald und Gemahlin, Herr Oberkantor Don Fuchs, die Herren GemeinderäteKodicek undNeustadtl, Herr Bezirksvorsteher- Stellvertreter K l e b i n d e r, die Herren Bezirksräte Hessenberger und HofMann, der Herausgeber der „Oesterr. Wochenschrift" Herr Dr. Josef Bloch, die Herren KomMerzialräte Rosenzweig und Wiener. Herr Heinrich Mandl, Herr Börsenrat Beer und Gemahlin, viele Delegierte der verschiedenen Wohltätigkeitsvereine wie Frau Dozent Grünfeld, Präsidentin des „Kaiser Franz Josef-Ferienheim", Frau Nathansohn für den „Verein zur Bekleidung alter Frauen", Frau Ruziekafür den „Kaiser Franz Josefs- Kinderhort". und viele andere. Nach Begrüßung der Erschienenen seitens des Vereinspräsidenten kais. Rat Dr. S. Krüger, brachte Herr Oberkantor Don Fuchs in gewohnter, künstlerischer Weise den gesanglichen Teil der Fe'er zum Vorträge, worauf Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dri G r u n w a l d in schwungvoller Rede die Bedeutung des Chanukafestes besprach. Redner hob sodann rühmend die Arbeitsfreudigkeit, den sittlichen Ernst der jugendlichen Arbeiterinnen, ihre Ausdauer zur Erreichung des angestrebten Zieles hervor und gedachte hiebei in anerkennendster Weise der großen Verdienste, welche das Kaiserin Elisabeth- Lehrmädchen- und Arbeiterinnen-Heim auf dem Gebiete der Jugendfürsorge sich erworben hat und schloß hierauf seine mit großem Veifalle aufgenommene Ansprache mit einer patriotischen Kundgebung für seine Majestät, unseren geliebten Kaiser, in welche alle Anwesenden begeistert einstimMten. Nach dem' Vortrage eines auf die Chanukafeier bezughabenden, von einem Heim-Schützling ausdrucksvoll gesprochenen Gedichtes und daranschließender sinniger Dankesworte desselben gelangte ein allerliebstes kleines Theaterstück durch einige Schützlinge des -Heimes in gelungener Weise zur Aufführung. Mit einer reichlichen Festjause, Tombola und allerlei kleineren und größeren Freuden schloß der schöne Tag. in den Herzen der jugendlichen, arbeitsfreudigen Welt ein Gefühl des Glückes und der Zufriedenheit zurücklassend.! Die erhebende Feier hat auf groß und Nein einen tiefen Eindruck gemacht und neuerlich bewiesen, von welch' hohem Ernste die Leitung des Vereines bei Verfolgung ihrer wahrhaft segensreichen Tätigkeit erfüllt ist. Kurialrichter Dr. Desider Markus. Der tragische Tod' des Kurialrichters Dr. Markus in Budapest erregte in Ungarn allgemeine Teilnahme. Der Heimgegangene war einer der größten Gesetzeskenner des Landes, hatte iM Zivilsenate eme ausschlaggebende Stellung. Er war der Verfasser nahezu einer ganzen Bibliothek rechtswissenschaftlicher Werke und genoß auch iM Auslande eme solche Autorität, daß die ungarische Regierung ihn, obgleich er Jude blieb, zum Mitglied des Obersten Gerichtshofes ernannt hat. In seinem Familienleben war er leider unglücklich. Seine Gattin hat sich vor etwa drei Jahren ohne sein Wissen im Vereine mit den Kindern taufeM lassen. Als er die Tatsache erfuhr, verließ er Frau und Kinder, da er mit Täuflingen nichts zu tun haben wollte. Auf das lange Drängen der Kinder nahm er nach einiger Zeit der Form nach den gemeinsamen Haushalt wieder auf, uM ein öffentliches Aergernis zu ver-- meiden.; Als der unglückliche Mann vor kurzem in das Spital sich begeben müßte, befürchtete er nicht mit Unrecht, seine Frau werde ihn, im Falle er stirbt, auf einem christlichen Friedhof beerdigen lasten. Er setzte sich hin undschrieb an den Sekretär der Budapester Chewra-Kadischa einen Brief, betonend, daß er Jude geblieben sei und auf deM jüdischen Friedhof beerdigt sein will. Er; bittet die Chewra-Kadischa, nach seinem Tode für ein jüdisches Leichenbegängnis Sorge tragen zu wollen. Diese seine Vorsicht war nicht überflüssig. Denn kaum hatte er die Augen geschlossen, traf seine Gattin Anstalten zu einem katholischen Begräbnis. Allein sofort erschien die Vertretung der Chewra-Kadischa mit dem eigenhändigen Brief des Verstorbenen und die getaufte Frau mußte sich in das Unabänderliche fügen. Die Pc'ster Juden Dr die ungarische Kultur. In der vom Generalsekretär der Pester israelitischen Kultusgemeinde. Dr. Julius Weißburg, redigierten Zeitschrift „Hitközsegi Szemle" (Kultusgemeinde-Rundschau) veröffentlicht Dr. Julius Gabor einen interessanten Artikel über den Antell der Pester Iudengemeinde an der Förderung der ungarischen Kultur. Als die Idee der Gründung des Nationalmuseums greifbare Formen angenommen hatte, richtete der Hermannstädler Bibliothekar Jakob Ferdinand Miller im Aufträge des Paladin auch an die Pester israelitische Gemeinde eine Zuschrift^ zu den Baukosten des Nationalmuseums beizutragen. Die Aufforderung blieb nicht ohne Erfolg. Die Pester Iüdengemeinde sammelte 4005 Gulden und führte sie dem Fond des Nationalmuseums zu. verpflichtete sich gleichzeitig, das Institut alljährlich mit 200 Gulden zu unterstützen. Der Paladin drüMe der Gemeinde hiefür im Wege des Stadtmagistrats seine besondere Anerkennung aus. Jakob Ferdinand Miller war jedoch besonders bezüglich der 200 Gulden anderer Ansicht, und er richtete an die Gemeinde eine geharnischte Note, in welcher es von verletzenden Ausdrücken wimmelt. „Ich habe bei seiner k. k. Hoheit dem Erzherzog Paladin", heißt es daselbst. ..die Anfrage gemacht, ob ich befugt sei. von einer Gemeinde, die keinen beständigen Wohnsitz hat, keine Grundstücke besitzt, keine Sicherheit ihres Versprechens leisten kann, und keine Rücksicht nimmt auf ihren Produktenhandel, den sie sich in Ungarn ganz zugeeignet hat und dennnoch sich erkühnet. Mit einem sehr schmutzigen Betrag auftreten zu wollen, die jährlich angebotenen 200 Gulden» und diese Mar auf die Zeit, als ihre Gemeinde in Pest bestehen wird, annehmen dürfe? Seine k. k. Hoheit haben hierüber ernstlich entschieden und mir gnädigst zu befehlen geruht, daß ich von Menschen, die nichts anderes als die Vorteile des Wuchers kennen, keinen Kreuzer annehmen soll, welches zur Nachricht und Richtschnur hiermit erteile." Die Gemeinde ist wegen dieser Note beim Paladin vorstellig geworden und Herr Jakob Ferdinand Miller bekam eme tüchtige Nase. Es wurde ihm angedeutet, sich derartiger scharfer Ausdrücke zu enthalten. Als dann im Jahre 1846 das fünfzigjährige Jubiläum des Paladins gefeiert wurde, beschloß die Iudengemeinde.