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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-12-06 · 49 (6.12.1912) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
49 (6.12.1912)
Date
1912-12-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 49 Dr. Brochs Wochttchchrfft Seite 883 Ordens mit dem Stern verliehen. Baron Worms war mit einer Tochter des Baron Samuel vermählt und hinterläßt einen Sohn. Baron Anthony Maurice Worms. Baron Worms war mit der Wiener Familie Baron Schey und Dr. Josef Unger verwandt. Oberrabbim'r M. Marion bw Im jungen Alter von kaum 48 Jahren ist Herr Oberrabbiner Mar Marion aus Dicsö-S^ent-Mürton vor einigen Wochen aus dem Leben geschieden. Wir brachten in voriger Nummer unseres Blattes nur die kurze Nachricht von seinem Hingange und sind erst jetzt in der Lage, die Verdienste des Dahingeschiedenen näher zu würdigen. Aus einer hervorragenden, streng frommen Familie stammend, wurde Oberrabbiner Mar Marion in „Zehlev/'-Deulsch-Kreutz geboren. Sein Vater, Herr Moses Marion, der jetzt schon seit Jahren als erster Kantor der orthodoxen Gemeinde in Steinamanger wirkt, war damals ein gutsituierter Kaufmann. Später verlor dieser sein Vermögen und sein Sohn war frühzeitig gezwungen, seinen Unterhalt sich selbst zu verdienen, was er durch Privatstunden auch erreichte. In Deutsch-Kreutz besuchte er die Jeschiwah des Oberrabbiners Menachem Katz, jedoch im jugendlichen Alter schon verließ er D.-Kreutz und besuchte die Jeschiwah in Pretzburg, wo er nahezu neun Jahre lang verweilte. Hier wurde er bald als guter Talmudist und zugleich als gebildeter „Bocher" bekannt. Er veroollkommnete sich als guter ungarischer und deutscher Redner und wurde einer der beliebtesten Hörer der Jeschiwah und Schüler des damaligen Oberrabbiner S. B. Schreiber, von dem er auch das Rabbinatsdivlom erhielt. Im Jahre 1891 wurde er zum Rabbiner in Köväzä-Ors am Plattensee gewählt. Seine unerschütterliche Ehrenhaftigkeit, seine wahrhafte, unverfälschte Frömmigkeit und liebevolles, herzgewinnendes Wesen machten ihn bald zum Abgotte seiner Gemeinde und Umgebung. Er heiratete im Januar 1892 Elisabeth, die Tochter des Oberrabbiners B. Duschinsky aus Rämefzlö und als ihm diese nach kaumeinjähriger Ehe entrissen wurde, heiratete er deren jüngere Schwester Minna, mit der er in glücklicher Ehe bis zu seinem Tode lebte. Kurz vor seiner zweiten Hochzeit wurde er (im November 1893) zum Bezirksrabbiner in Dicst>- Szent-Märton, einer der angesehensten Gemeinden in Siebenbürgen, gewählt. Hier wirkte er demnach seit nahezu 20 Jahren. .Er genoß solche Achtung von Juden und Nichtjuden, solche Anerkennung seiner Fähigkeiten und Tätigkeit, wie sie selten einem Menschen zuteil wird. Während seiner Wirksamkeit gelang es ihm, durchzusehen, daß eine prachtvolle Synagoge und ein modern eingerichtetes rituelles Bad erbaut wurden. Der Gottesdienst in der Synagoge, der an Wochentagen vorher nur unregelmäßig stattfand und dann nur spärlich besucht war, wurde durch sein Eifern und Wirken zum regelmäßigen, gut besuchten Gottesdienst, und viele Elaubensbrüder wurden durch den Ruf, den er sich und der Gemeinde in der ganzen Umgegend erwarb, ungezogen und die Gemeinde wuchs von Tag zu Tag. Die nichtjüdische Bevölkerung verehrte ihn gleichfalls in ganz ungewöhnlichem Maße. Als Zeichen der Anerkennung wurde er vor einigen Jahren in den Komitats-Ausschuß gewählt. Er war ein intimer Freund des vormaligen Ministers des Innern Sändor v. Jänos. Besonderes Aufsehen erregte bald nach seinem Amtsantritte, daß er den Mut hatte, in ungarischer Sprache zu predigen, was in den meisten orthodoren Gemeinden noch heute sehr selten geschieht. Seine Reden waren stilvoll und präzise, trotzdem aber ungezwungen und zu Herzen dringend, denn er war ein geborener Redner, der meist unvorbereitet, stets aber fließend und gehaltvoll sprach. Sehr oft wurde er in weite Ferne gerufen, uni bei feierlichen öffentlichen Anlässen zu predigen. Mehr noch aber als mit seinen Predigten, wirkte er durch den Einfluß seiner gewinnenden, stets heiteren Persönlichkeit. Für jeden hatte er das rechte Wort zu rechter Zeit, ohne irgendwie schmeichlerisch zu sein oder seine Stellung zu vergessen. Er war ein Rabbiner, ein Führer seiner Gemeinde, wie sie oft in Idealen geschildert, sehr selten aber in Wirklichkeit zu finden sind. Einige Wochen vor Rosch-Haschono wurde er krank und am 16. Oktober hauchte er seine Seele aus. Der Jammer in der Gemeinde war unbeschreiblich. Zum Leichenbegängnis hatten sich die ganze jüdische Bevölkerung der Umgebung und verschiedene Deputationen von ferner liegenden Gemeinden versammelt. Die ganze Stadt war in Trauer gehüllt, und von christlichen Notabeln waren unter anderem der Ober- und Vizegespan des Komitates, die Beamten der Gerichte und anderer Aemter, Graf Haller, Barone Bornemissa und Bänsfy erschienen. Im Tempel wurde die. Bahre 7 mal um den Almemor geführt, nachher hielt Oberrabbiner Michael Duschinsky — ein Schwager des Dahingeschiedenen — einen Nachruf, und am Grabe sprachen Oberrabbiner Reich-Medgyes — ein Cousin des Verstorbenen — im Namen der Familie, Dr. Erlös im Namen der Gemeinde, und die Rabbiner von Sznszrögen, Marosvnsürhely und Maros-Lüdas. na"SHn Die mt'de Duma und die Juden. Der neugewählte Dumadeputierte Friedmann, der in der dritten Duma wiederholt gegen ‘ bie Angriffe der Antisemiten Stellung genommen und für die Rechie der Juden oft unter den schwierigsten Verhältnissen das Wort ergriff, hat sich einem Journalisten gegenüber bezüglich des Verhältnisses der vierten Duma zu den Juden sehr pessimistisch geäußert. Die Zusammensetzung der vierten Reichsduma schließt Initiativanträge zu Gunsten der Juden von vornherein aus. Die zur Zeit der dritten Reichsduma bestandene Absicht durch die Kadetten, einen Antrag auf Aufhebung des Ansiedlungsgebietes einzubringen, wird in der vierten Duma von vornherein fallen gelassen werden müssen. Ein solcher Antrag wäre seiner Meinung nach nicht nur zwecklos, sondern ein Fehler, da er der überwiegenden antisemitischen Majorität nur einen willkommenen Anlaß bieten würde, von der Tribüne der Duma die russische Bevölkerung' gegen die Juden aufzuhetzen. Hingegen werde man alle Mittel in Bewegung setzen müssen, um den angeblich schon fertigen Gesetzentwurf der Regierung, welcher die Ausschließung der Juden vom Militärdienste bezweckt, zu inhibieren. Ein solcher Gesetzentwurf würde nicht nur die Zustimmung der äußersten Rechten, sondern auch der Oktobristen finden. Mit der Annahme eines solchen Gesetzes würden die russischen Juden mit einemmale als Fremde im Staate gesetzlich dekretiert werden, was für die Juden von den schrecklichsten Folgen wäre. Gegenwärtig haben die russischen Juden wenigstens noch die Möglichkeit, sich als Soldaten zu bewähren und darauf ihre Rechtsansprüche zu basieren. Die Antisemiten haben es aber gerade darauf abgesehen, den Juden diese Rechtsbasis zu entziehen, und welchen Einfluß die antisemitische Strömung dermalen auf die Regierung hat, geht eben daraus hervor, daß die Regierung angeblich der Rechten bereits die Zusage gemacht habe, eine solche Regierungsvorlage der vierten Duma zu unterbreiten. Vermischtes. Bortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Donnerstag den 12. Dezember 1912, ^8 Uhr abends, findet im FesUaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines, I., Eschenbachgasie 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Doktor Max Grunwald statt. Thema: „Das neue Palästina." Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. (Verlobung.) Herr Oskar T o n e l l o hat sich mit Fräulein Jo Löwenbein verlobt. Wien. (Trauung.) Sonntag, den 8. Dezember 1912 um halb 3 Uhr nachmittags findet im Tempel XV., Turnergasse 22, die Trauung des Fräuleins Charlotte Fuchs, Tochter des Herrn Jakob Fuchs, mit Herrn Max Kraus statt. Wien. (Kinderbekleidung.) Gleichwie in den Vorjahren hat auch heuer der israelitische Frauen-Wohlt ä t i g k e i t s - V e r e in für die Bezirke Wieden und Margareten in Wien, V., Siebenbrunnengaffe ln. 70 arme Schulkinder mit vollständiger Winterbekleidung ausgestattet. Wien. Der „Hietzinger Frauen-Wohltätigkeits Verein" veranstaltet Dienstag den 10. Dezember 1912, im Prachtsaale des „Parkhotel Schönbrunn", XIII., Hietzinger Hauptstraße 12—14, 4 Uhr nachmittags, eine Chanuka- Feier mit nachstehendem Programm: 1. Entzünden der Chanukalichter durch Herrn Oberkantor Gottlieb Friedländer. 2. Ansprache Sr. Ehrwürden des Herrn Dr. Mox Grunwald. 3. Festjause.

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