Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-12-06 · 49 (6.12.1912) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
49 (6.12.1912)
Date
1912-12-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021981-3022031--21681-3046788
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 882 Dr. Vlochs Wochenschrift Nr. 49 ZentLatv^rein zur Pflege Mischer Angelegenheiten in Prag. Bei der <mt 1. ds. unter Vorsitz des Obmannes Herrn Liebers stattgehabten Generalversammlung entrollte zunächst der Geschäftsleiter Dr. W e l t sch ein Bild der Vereinstätigkeit im Innern und nach aussen hin, erwähnte der verschiedenen Interventionen und mannigfachen Einschreitens bei gegebenen Anlässen, verzeichnete die gedeihliche Entwicklung der Handwerker- und Stu-l dierenden-Sektion und gedachte der verstorbenen Gönner und Freunde des Vereines. Dieser sowie der von der Schriftführerin der Krankenpflegesektion. Frau Wahl e, erstattete Sektionsbericht, desgleichen der in Verhinderung des Kassiers!, Herrn k. R. Troller von Schriftführer Herrn Dr. Oppenheimer vorgetragene Kassa-, sowie der anschliessend verlesene Revisionsbericht des Herrn Wien wurden unter allgemeiner Zustimmung genehmigt. Nach einer mit Dankesworten an den Ausschuss verbundenen Anregung des Herrn Rabbiners Abeles bezüglich des Religionsunterrichtes auf dem' Lande fanden die Ergänzungswahlen in den Ausschuss statt, bei denen neu gewählt wurden die Herren: Samuel Berger, Dir. Ernst Berka. Dir. Fried', Dir. Rudolf Iutkowitz, Dr. Georg Pick und Hugo Lowositz, sämtlich in Prag, sowie die Herren Julius Fifchmänn in Teplitz und Ferdinand Rettl in Arnau. Der BodcUairkauf durch Juden in Palästina neuerlich verbot^. Aus Konstantinopel wird uns berichtet: Aufsehen und Bestürzung hat in hiesigen Kreisen eine an das Grohrabbinat eingelangte Depesche des Oberrabbiners von Jaffa hervorgerufen. Die Depesche hat folgenden Wortlaut: «Dieser Tage wurde vier die bebördlicke Dersüflun« zur Kenntnis gebrackt, durch welche den Inden ohne Rücklicht darauf, ob sie ottomansiche Untertanen oder' Ausländer sind, der Bodenankauf in Palästina verboten ist, obgleich die Gleichberechtigung doch schon längst proklamiert ist. Diele Verfügung. welche den StaatSarundgeletzen widerspricht, stürzt die jüdische Bevölkerung in die größte Verzweiflung und bedeutet den Verlust bereits erworbener Rechte. Die Juden haben zu ollen Zeiten ihre Treue zum Vaterlande bekundet und gerade in der jetzigen Situation mehr als einmal den Beweis ihrer moralischen und materiellen Opferw Mokeit bewiesen. Aus diesem Grunde protestiere ich im Namen der jüdischen Bevölkerung von Jaffa auf das Energischeste aegen eine solche Maßnahme und fordere die Achtung der Gesetze, welche für uns die gleichen sein wüff-n. wie für die übrige Bevölkerung. Ich bitte Sie au kompetenter Stelle die Beseitigung dieser und ähnlicher Verfügungen, die gegen das Gleichheitsprinzip und gegen die Gesetze des Landes vnstoßen, dnrchzusetzen." Der Grossrabbiner Rabbi Chaim RahuM erklärte über Befragen, dass der gegenwärtige kritische Moment nicht geeignet sei. mit solchen Reklamationen hervorzutreten. da seiner Meinung nach jetzt die gewünschten Erfolge eines solchen Schrittes ausbleiben mussten. Große AusirvandÄnmg der Juden aus Ungarn. In einem Vortrage, den der ungarische Ministerialrat Dr. Alois Kovacs vergangene Woche in der Gesellschaft der Nationalökonomie hielt, wies er unter anderem darauf hin, dass auf Grund der amtlichen Statistik festgestellt wurde, dass die Juden in Ungarn in den letzten 10 Jahren einen merkwürdigen Stillstand, man kann fast sagen einen Rückgang in der Vermehrung aufweisen. Es fällt geradezu auf. dass unter allen Konfessionen in Ungarn die Juden durch die Auswanderung am'meisten verloren haben. Viel zu denken gäbe es sucht, dass die natürliche Vermehrung der Juden nur in den westlichen und den mittelungarischen Teilen des Landes!, also dort, wo die Assimilation der Juden am meisten fortgeschritten ist, ein Manko aufweist, während in den östlichen und nordöstlichen Teilen, wo die Assimilation sich noch nicht so fühlbar macht, die natürliche Vermehrung durch die Geburten eine normale geblieben ist. Die Mische! VeoöWerung in Lydien. Aus Rom wird uns geschrieben: Durch die Besitznahme von Tripolis und der Cyrenaica wurde dis Zahl der italienischen Juden um 19.000 vermehrt. Nach einer von der türkischen Regierung im Jahre 1911 vorgenommenen Volkszählung befinden sich die Juden in grösserer Zahl in folgenden Städten des annektierten Gebietes und zwar: Tripolis 8600, Zavia 500, Navahi Arba 1050, Garian 450, Homs 520, Msellata 550, Zliten 650, Gebe! 800 und Misrata 700. In der Cyrenaica gibt es nur in Bengali eine grössere jüdische Bevölkerung, deren genaue Zahl jedoch nicht angegeben ist. Der zsv'Lte Kongreß des jüdischen Jugendbundes in Italien. Der zweite Kongress des jüdischen Jugendbundes in Italien wird in nächster Zeit in Turin stattfinden. Das Programm, das dieser Tage festgesetzt wurde, enthält folgende Punkte: 1. Palästina und seine Zukunft. 2. Die Organisation der jüdischen Jugend in Italien. 3. Religiöse Hebungen. 4. Die Juden in Lybien. 5. Hebung des Niveaus der jüdischen Schulen. 6. Die Geschichte der Juden in Italien. Basel. Prof. Karl Joel, der jüngste Nachfolger Nietzsches auf dem philosophischen Lehrstuhl der Universität Basel, ist für das neue Studienjahr zum Rector magnificus der Baseler Universität gewählt worden. Ueber die engeren Kreise der philosophischen Fachwissenschaft hinaus, die er durch seine Studien zur griechischen Philosophie gefördert hat, ist der Gelohrte dMch fesselnde Essays („Philosophenwege") und durch sein Buch über Nietzsche und die Romantik bekannt geworden. Baron Georg Worms gestorben. Aus London kommt die Nachricht, dass Baron Georg Worms gestorben ist. Baron Worms, aus dem österreichischen Geschlochte der Freiherren v. Worms stammend, war eine starke Persönlichkeit. Seine an AleXander v. Humboldt erinnernde, vielseitige Interessensphäre hat Baron Worms in seinem' 83 Jahre währenden Leben in den verschiedensten Richtungen tätig gesehen. Er war nicht nur ein hervorragender Handelspolitiker, er war ein ebenso geschätzter Gelehrter und fand daneben auch noch Zeit, in der englischen Sportwelt seinen NaMen bekannt zu machen. Er wurde im Jahre 1829 in London als Sohn des Baron Worms und feiner Frau Henrietta, Tochter des Sir M. Samuel geboren. Er besuchte die Universitäten von London und Brüssel und trat dann in die kommerzielle Tätigkeit ein: in den Jahren 1856 bis 1879 war er Chef der Firma G. und A. Worms. Fast zur gleichen Zeit war er österreichisch-ungarisches Honorarkonsul in Edinburg und Leith. Nach dem Rücktritt vom Konsulat wandte er sich der politischen Tätigkeit zu: in den Jahren 1884 bis 1898 wurde er als Vertreter der Urban District Council gewählt. Wähirend seines ganzen Lebens hat sich Baron Worms mit vielen wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt. Neben interessanten geographischen Werken sind namentlich seine historischen Studien von Bedeutung. Im Jahre 1876 erregte eine Arbeit: „The Currency of India" grosse Aufmerksamkeit. Baron Worms war Vizepräsident der Königlichen literarischen Gesellschaft und Ehrenmitglied einer Reihe von wissenschaftlichen Vereinigungen. Der Kaiser hat ihm das Komturkreuz des Franz.Joseph-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.