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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-12-06 · 49 (6.12.1912) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
49 (6.12.1912)
Date
1912-12-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 830 Dr. Mochs Wochenfchrfft Nr. 49 Lauer. Kleinbürger und' Schriftgelehrten. nicht so ausgeschen haben, möchten wir Mhn bebauvten. Auch die unschönen Bewegungen, die einzelne Maler der Ausstellung mit photographischer Treue ihren polnisch-jüdischen Modellen abgelauscht haben, waren den Juden, die damals zwischen ästhetisch so hoch entwickelten Völkern, wie die hellenisierten Aegyvter, Syrer und Römer lebten, um so weniger eigentümlich, als z. B. noch von den mittelalterlichen spanischen Juden ausdrücklich erwähnt wird, wie sphr sie wegen Nachlässigkeit in Sprache, Ton und Gebärde über ihre Glaubensgenossen in Deutschland spöttelten. So möchte ich mir vorstellen, dass die berühmt schönen grauen von BetleheM und Namreth, obwohl heute christlichen Glaubens, in ihrer arabischen Grazialität eher den Typus der Mutter des Schöpfers der christlichen Reliaion vorstellen, als die rotblonde, snrgendurchfurchte polnische Jüdin auf dem Andachtsbild Nr. 57, so sehr auch dieses Gesicht Reiz für den Kenner Galisipns haben mag. Die Welt hat wahrlich in den letzten dreißig Jahren mehr Wandlungen mitgemacht, als in Jahrhunderten; wenn ich mich des unliebsamen Aufsehens erinnere, welche die Bilder W"r-stschaains und dann später noch eines Wiener Malers jüdischer Herkunft machten, w-il sie zuerst waaten, als Naturalisten den jungen Christus Mit seinen Eltern mit iüd'schem Typus darmstpllen, wie selbst gebildete Juden ü^er di"se ungewohnte Darstellung ibr lautes Missfallen und Unbehaa-n ausdrückten, so wird künftig auf dem' Hochaltar der Winzer Domkirche, in der Kuvvel der armenischen Ka^b»drale in Lemberg ein Gottvater thronen, der ganz eMschi»den jüdische Züge trägt (Nr. 34). In letzterem Altarbild ist es übrigens von besonderem mit welcher Reinheit Magdalena, Nmilus. und König David d"n jüdischen Gelehrten, eine jüdische Hyvers-nsi^ive. einen jüdischen König v-ranschaulichen. Namentlich N"i,lus scheint mir ein würdiger Repräsentant, eines jüdischen G-l-hrten. Dulders und Forschers zu sein, wie z. B auch Maimonid»s ausa-fehen haben könnte, während D"vid trotz der Harfe in der Hand mehr Staatsmann als Sänger und Krieger geworden ist. Auf dem schönen Bilde von Krattner (37) sind hingegen die Gestalt-n, treu nach den Vorbildern der groben Italiener, Deutschen, Vlamen, Blut vom Blute des Malers, d. h. schöne Tschechenkönke. nur eine orientalische Figur in outrier^er Haltung soll wohl den jüdischen Hobenvriester darst-llen, der gpwib nicht im Ornat in Jerusalem berumsvazierte und bei k»iner Hinrichtung zugeaen war. Auf dem voetischen Bild von August Roth tragt der als Knabe dargestellte Stifter der christlichen Reliaion unverkennbar den Tnvus eines Leovoldstädter Mehr mit varz-itiaer Jntelliaen^r als leiblicher Nahrung gesättigten Schulkindes, wie ich sie beim MassnehMen unserer Kinderbekleidung jed»«; Jahr mit webeM Herren sehe, und was mir gleich auffiel, bevor ich wubtk. dass das Bild für einen Schulaltar in der Leovoldstadt bestimmt ist. In dem nach dem Urteil aller Fachmänner wertvollsten Ausstellungsobjekt, Jettmars Karton für Trient, tritt die iudaisierende Mode besonders stark hervor. Nicht einer der Zwölf Mannerfjauren, oder besonders die Magdalena, könnte als Nichtiuden gedacht werden, sie sind Jud-»n. deren Ahnen Jahrhunderte im Gbetto schmachteten. Ich aestebe, dass hier, an der italienischen Grenze, die zwölf LoMbard-n Leonardo da Vincis mich wohltätiger vom rein ästhetischen Standpunkte berühren würden, als die Meisterhaft aufaekassten Negeisterunaszustände von zwölf im Innersten erregten Juden aus dem Kaufmanns- und Gelehrtenstand. Kehren wir zum' Eingang zurück, ZU dem wobl unter einer munifj^enten Datronanz entstandenen Hochaltar des kleinen Ebelsberg, so muss es wohltuend berühren, dass hier quasi unter vier Säulenträgern der Kirche zwei Figuren des Alten Testaments dar gestellt sind, Aron und Melchisedek. Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft, Archäologie und Ethnographie, scheinen mir diese zwei überlebensgrossen Figuren in Gestalt und Kostüm' besonders geglückt, und mutz diese würdige Darstellung des Hohenpriesters, die auf assyrische Modelle zurückgeht, und sich anthropologisch auf Darstellungen der Juden auf ägyptischen Denkmälern stützt., als besonders originell und wahrscheinlich angesprochen werden. Auch die darunter geschriebenen Zeilen des 2. Buches Moses werden einer ländlichen oberösterreichischen Bevölkerung den Ursprung des Christentums aus dem Judentum greifbar vor Augen führen. Und dass ungebildeten und weiten Schichten unserer Bevölkerung in den Alpen- und Karpatenländern und an der Nordostgrenze, die mit dem heutigen Juden vielfach nur in der Eigenschaft als Hausierer oder Branntweinschenker Zusammentreffen, dieser Zusammenhang so sehr, so übertrieben veranschaulicht wird, dafür möchten wir einen Gewinn für das Judentum erblicken, an den der Realismus gewiss nicht dachte, als der moderne Maler — der Bildhauer in weit vereinzelteren Fällen — von der jahrbundertelangen Uebung abging, sich die Groben seines Glaubens als die körverliche und geistige Elite seines eigenen jeweiligen VolksstamM es darzust^llen und nicht als Angehörige des Volkes, deM sie wirklich entstammten. Wien. Clotilde Benedikt. Korrespondenzen. Wien. Bei der am Mittwoch den 4. Dezember d. I. stattqehabten Wahl von 5 Vorstandsmitgliedern der israelitischen Kultusgemeinde Wien durch die höherbesteuerten Gemeindemitglieder wurden wiedergewählt: Für eine sechsjährige Mandatsdauer: Moritz B. E i ß l e r; Dr. Leopold Kohn; Dr. Artur Kuranda; Max Z i r n e r. 'Neugewählt: Für eine vierjährige Mandatsdauer: Eduard Schwarz. Emigrantenfürsorgö der Israelitischen Allianz zu Wien. Während des Monates November 1912 wurden von der Zentrale der Israelitischen Allianz in Wien insgesamt 136 Emigranten, davon 105 russische und 31 rumänische Weiterbefördert und zwar 40 nach den Vereinigten Staaten, 44 nach Argentinien, 13 nach Canada, 2 nach England, 25 nach Frankreich, 12 nach verschiedenen anderen Ländern. In die Heimat zurückbefördert wurden 18 Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im November für 40 Personen zusammen 78 Tage Logis und volle Verpflegung gezahlt und an 98 Emigranten insgesamt 360 Speisemarken für die israelitische Volksküche ausgegeben. Vom Jänner bis Ende November wurden insgesamt von Wien aus 1122 russische und rumänische Emigranten nach überseeischen bezw. westeuropäischen Ländern weiterbefördert und 191 Rückwanderer repatriiert. Hilfsaktion für die jüdische Opfer des Krieges in den Balkanstaaten. Die Israelitische Allianz zu Wien hat int Vereine mit dem Verbände der israelitischen Humanitätsvereine „B'nai V'rith" eine Hilfsaktion für die infolge des Krieges in unsägliches Elend geratenen jüdischen Gemein-

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