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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-12-06 · 49 (6.12.1912) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
49 (6.12.1912)
Date
1912-12-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 49 Dr. Bloch» Wochenschrift Seite 939 Politik nnd Kiebe. Es wäre doch gut von den Juden, wenn sie die in früheren Zeiten gehaltenen Reden der antisemitischen Führer sammeln und als Buch herausgeben würden; allerdings 'mühten sie aus Eigenem eine sinnige Ergänzung hinzufügen. Zu den Beschuldigungen, welche gegen die Juden erhoben wurden, könnte man jetzt massenhaft Beispiele aus dem Leben der antisemitischen Redner, Helden und Würdenträger anführen. Wir haben schon bei Hunderten von Gelegenheiten bewiesen, daß die Feinde der Juden ihre eigenen Schlechtigkeiten, Vergehen und Verbrechen uns in die Schuhe schieben wollten. Der bekannte Ruf „Haltet den Dieb!" ist Motto der christlichsozialen Politik, die mit Angriffen gegen die Juden die Angriffe vereiteln möchte, welche man gegen sie selbst richten müßte. Es ist weiter nichts Verwunderliches dabei. Die antisemitische Bewegung ist von Leuten ins Leben gerufen worden, welche aus der Hefe der Gesellschaft und der Menschlichen Instinkte heraus sich mit allen Mitteln die Bahn nach oben brechen wollten und bei denen natürlich von der Tribüne der Politik bis in den Gerichtssaal nur ein einziger Schritt ist. Seitdem sich die gegenwärtige Herrschaft in Wien etabliert hat, gab es unerhört viele Prozesse, bei welchen öffentliche Würdenträger im Mittelpunkt gestanden sind. Dazu kommt aber noch, daß manche Wahrheit, die der ganzen Bevölkerung bekannt ist, juristisch nicht bewiesen werden kann, aber trotzdem unleugbar besteht. Da hat es zum Beispiel die Affäre des Zillingdorfer Bergwerks gegeben, bei welcher niemand etwas weiß außer den Spatzen auf dem Dache und 75.000 Kr. von einem offenen Geheimnis verschlungen worden sind. Aber kaum ist diese eine Sache halbwegs erledigt, als wir schon wieder christlichsozialen Machthabern und ihrem Anhänge im Gerichtssaal begegnen und uns eigene Gedanken darüber machen können. Ein christlichsozialer Postbeamter — Iuden werden bekanntlich im Staatsdienst nur in verschwindender Anzahl angestellt — wird wegen Wechselschwindeleien angeklagt und verantwortet sich dahin, daß er'durch die Protektionen hochgestellter Persönlichkeiten den Schaden hätte leicht gutmachen können. Die hochgestellten Personen marschieren im Gerichtssaal auf und zeigen ihren Einfluß durch den Nachweis eigenartiger Verbindungen. Beide sind Frauen und müssen zugeben, daß sie von dem Angeklagten Geld erhalten haben und dafür gute Dienste leisteten. Die eine ist wiederholt bei Weiskirchner erschienen und wurde von diesem Donnerer gegen die jüdische Korruption mit merkwürdiger Freundlichkeit empfangen. Der Postbeamte aber hat sich leider so schwerer Dienstvergehen schuldig gemacht, daß man für ihn nichts ausrichten kann. Die andere der hochgestellten Persönlichkeiten kann ihren Einfluß gar noch dokumentarisch bestätigen. Sie hat dem Angeklagten Liebesbriefe des Bürgermeisters gezeigt. Wie können denn solche Liebesbriefe überhaupt nur entstanden sein? Der Bürgermeister gehört doch der deutschnationalen Richtung im Gemeinderate an, also einer Gruppe, welche das germanische Ideal der reinen Keuschheit und des ehrbaren Familiensinnes so unentwegt hochhält. Wie eimen sich auf diese Grundsätze solche verfängliche Briefchen, wie sie sonst laut der antisemitischen Presse nur Juden zuzutrauen wären? Der ganze Fall will aber nicht aus seinem' Zusammenhang gerissen werden, er ist ein typischer Sittenprozeß aus der Gegenwart des antisemitischen Wien. Die freisinnigen Parteien haben ihr politisches Terrain unter dem Ansturm der Lüge verloren, daß ihre Machthaber skrupellose Korruption betreiben und sich dunkler Verbrechen schuldig machen. Wenn aber ein Postbeamter Protektion sucht oder ein Agent etwas an die Kommune zu verkaufen hat, so weiß er sofort, was zu tun ist und wo sich die Personen befinden, welche bei christlichsozialen Machthabern freien Zutritt besitzen und welche Briefe haben, denen man eine gewisse Bedeutung zusprechen darf. Uebrigens hat der Abgeordnete Schuhmeier vom Parlament seine Auslieferung verlangt, um ebenfalls über diesen Punkt einiges Licht zu verbreiten. Wir werden also voraussichtlich bald fortgesetzt hören, wodurch sich die gegenwärtige christlichsoziale Verwaltung so wohltätig von der früheren liberalen unterscheidet. Welche Gewalten jetzt am Werke sind, um die christlichsoziale Herrschaft in ihrer Reinheit zu erhalten. Daß man nach wie vor im antisemitischen Jargon nur von geilen Juden sprechen darf zum Unterschied von sittlich reinen, streng antisemitischen Organen. Im Ausland draußen soll es einige märchenhafte Städte und Länder geben, in welchen man von den ersten Würdenträgern verlangt, daß sie ein einwandfreies Leben führen und keinem anderen Einfluß zugänglich sind als den Gesetzen. Bei uns im christlichsozialen Wien sind wir nun allerdings in diesem Punkt nicht verwöhnt und verlangen keinen Befähigungsnachweis in der Politik von denen, welche den Befähigungsnachweis auf allen Gebieten zu ihrer Parole gemacht haben. Aber gewisse Grenzen müssen doch wohl eingehalten werden, und die Liebe sollte an Stellen mit so hoher Verantwortung ihre Allgewalt nicht so schrankenlos zeigen dürfen. Gin Indmfieren in der christlichen Kunst. (Betrachtungen bei einem Rundgang in der Ausstellung des Oesterreich sichen Museums.) In einem Augenblicke, wo die Iuden Gefahr laufen, ihre sichersten Zufluchtsstätten in der Welt des Islams zu verlieren und es der ungewissen Zukunft Vorbehalten bleibt, ob das Judentum unter griechischer Herrschaft sich derselben Duldung erfreuen wird, kann eine sonderbare Erscheinung nur wohltuend berühren, die sich jedem unbefangenen Beobachter der vom Eucharistischen Kongreß veranstalteten Ausstellung für christliche Kunst aufdrängen muß. Man mag vom ästhetischen Standpunkt über die merkwürdige Ehe der Moderne mit der katholischen Kirche urteilen, wie man will — ich für meinen Teil bin veraltet genug, zu wünschen, daß die jüdische Kultkunst diese Ehe so spät wie möglich schließe, bis die Moderne schon ein abgeklärtes Alter erreicht hat — eines aber hat diese dreiste Vermischung von kirchlich-religiöser und naturalistischer Kunst bewirkt: Seit den Tagen Rembrandts hat sich wieder einmal die religiöse Kunst des Christentums gründlich daran erinnert, daß der Stifter und die Verbreiter des Christentums Juden waren, daß die welterschütternden Vorgänge der neuen Glaubensbildung auf jüdischem Boden vor sich gegangen sind. Freilich mußte der Naturalismus in einen noch gröberen Fehler verfallen. als die geniale Kunst Rembrandts. Während dieser uns offenbar porträtgetreu in seinen historischen Bildern aus dem Alten und Neuen Testament das ganze Amsterdamer Ghetto seiner Zeit mit seinem mehr oder minder sympathischen und phantastischen Zügen vor Augen führt, ging die moderne religiöse Kunst, hauptsächlich von dem zur Malerei vornehmlich prädestinierten genialen polnischen Stamm gepflegt, noch zwei Schritte weiter, erstens malte es nicht nur religiöse Historien, sondern direkt Kultbilder in judaisierendem Sinne, zweitens nahm es aber seine jüdischen Modelle daher, wo sie ihm zunächst lagen, d. h. von der Straße der polnischen Städte, dabei wie Nr. 2 (Hochaltar von Ebelsberg) zeigt, nicht einmal der Pelzmütze und des Kaftans vergessend. Daß die palästinensischen Juden der Römerherrschaft, diese Acker-

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