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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-11-29 · 48 (29.11.1912) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
48 (29.11.1912)
Date
1912-11-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 820 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 48 müssen, denn es ist eine Ebrenpfl'cht, diese berrliche Hinterlassensckaft weiter auszubauen und zu kräftigen. Wir baben der verstorbenen Präsidentin die eigene Tockter, Frau Emmy F i s ch l e r zur Nachfolgerin gegeben, weil wir die Ueb?rzeugung gewonnen, daß sie in würdiger Weise die Arbeit ihrer verstorbenen Mutter weiterführen wird. Und anstatt des seligen Herrn Max Frank wird der Sohn Herr Karl L a n d e i s unseren Verein im Kuratorium der „Heimstätte für verlassene Kinder" vertreten. Und wie wir so den Geschwistern das Erbe der Mutter überantwortet baben. so werden auch alle übrigen Vorstandsmitglieder weiterhin ihre Pflicht tun, diesen Stolz der westlichen Bezirke zu erhalten und zu weiterer Blüte zu bringen. Dabei ober rechnen wir auch weiterhin auf die tatkräftige Unterstützung oller Kreise der Wiener Judenschaft. Wir zählen unsere Mitglieder in allen Bezirken Wiens. Möge jedes Mitglied für unseren Verein Propaganda machen. Möge keine Gelegenheit — ob traurig oder freudig — vorübergehen, ohne der armen Kinder zu gedenken. Der vorerwähnte Kasiabericht weist den schönen Ueberschuß von K 5000.— auf, aber noch viel zu wenig für das. was wir erstreben. Die verstorbene Präsidentin wollte im Laufe des künftigen Jahres ein Erholungsheim in der Nähe Wiens für unsere Schützlinge ins Leben rufen, wo sie während der Sommermonate die Freuden und die Erholung eines Landaufenthaltes genießen sollten. Dieses Ziel zu erreichen wird unsere nächste Arbeit sein. Es wird und muß erreicht werden. Möge es an tatkräftiger Unterstützung nicht fehlen! Wien, Ende November 1912. Hermann Berliner. Wieu-Jloridsdorf. Im hohen Alter von 77 Jahren ist Freitaa das Oberhaupt der ä'testen jüdischen Familie, die sich in Floridsdorf niederließ — Herr Leopold Wimmer — gestorben. Der Verewigte war ob seines Charakters und seiner im Verein mit semer Gattin, mit der er in über SOjähriger Ehe verbunden war, ausgeübten Wohltätigkeit in ganz Floridsdorf eine gerne gesehene, und bei Juden und Christen gut gelittene Persönlichkeit. Wie er mit dem Bezirke und der Bevölkerung in Floridsdorf verwachsen war, kam bei dem aui Samstag um 3 Uhr nachmittags stattgefundenen Leichenbegängnis in der schlichtesten Weise, so wie er gelebt hat, zum beredten Ausdruck. Fast alles, was zu Floridsdorf gekört, nahm daran teil; ein unendlicher Zug, dlssen Beoirm fchon die Bahnübersetzung erreicht hatte, als das Ende noch beim Rathause war. Zahlreiche Gruppen standen auf der Straße und grüßten noch einmal den alten Wimmer. Die geräumige Friedhoishalle erwies sich zu klein, nm alle, die dem alten Wimmer die letzte Ehre erweisen kamen, zu fasien! Austritte ans dam Judeatum Vom 17. November bis inkl. 23. November 1912. Aschner Bernhard Dr., Arzt, geb. 27. Jänner 1833, Wien, VII., Breitegasse 3. Briess Therese geb. Schreiber, geb. 23. Jänner 1874, Krasna, III., Dapontegasse 11. Deutsch Arthur, Goldsehmiedezeicbner, geb. 5. Juli 1878, Brünn, I., Himmelpfortgasse 12. Ehrlich Samuel, Schriftsetzer, geb. 28. Oktober 1865, Rosenberg, XIV., Benedikt Schellingergasse 34. fianz Josef, Realschüler, geb. 1. Juli 1898, Budapest, XIX., Peter Jordangasse 72. Gold s Berta, Kunststickerin, geb. 22. Juli 1890, Tymcienice, XX., Othmargasse 14. Hasenberg Franz, Ingenieur, geb. 7. Jänner 1885, Drenitz, Böhmen, IV., Goldeggasse 14. Pollak Albine geb. Pallak, Kunsthändlersgattin, geb. 18. Jänner 1886, Wien, IX., Nußdorferstraße 16. Robitschek Stefanie, geb. 16. August 1906, Wien, IV., Brucknerstraße 8. Robitsek Marianne Henriette geb. von Mauthner, geb. 4. Juli 1886 in Brauhof, Ortsgemeinde Grundlsee, IV., Brucknerstraße 8. Robitsek Stefan, geb. 26. September 1876, Wien, IV., Brucknerstraße 8. Wagner Marcus. Buchbinder, geb. 27. November 1885, Ungarisih- Brod, XX., Wallensteinstraße 30. Wagner Marie geb Seigelt, geb. 26. September 1889, Wien, XX., Wallensteinstraße SO. Weise Elsa, geb. 15. September 1883, Wien, VI., Getreidemarkt 13. Windmüller Hermann, geb. 12. April 1884, Berlin, VII., Neustiftgasse 66. Wlach Eugen, Privat-Beamter, geb. 23. September 1879, Wien, VI. Gumpendorferstraße 18. Jamuitz Unser ehrwürdiger Rabbiner Dr. K. Nürnberger wurde Freitag am 22. d. M. an der Universität Wien zum Doktor der Philosophie promoviert. Promotio sub auspiciis Imperatoris. Aus Czernowitz wird uns geschrieben: Der Kaiser hat mit Allerhöchster Entschließung vom 25. Oktober d. I. gestattet, daß der Kandidat der Philosophie, Supplent, am dritten Staatsgymnasium in Czernowitz, Hermann Sternberg, der sämtliche Prüfungen während seines ganzen Studienganges mit Auszeichnung bestanden hat, sub auspiciis Imperatoris zum Doktor der Philosophie an der Universität in Czernowitz promoviert werde. Es ist dies die höchste Auszeichnung, die einem Studierenden in Oesterreich zuteil werden kann. Berlin. Der Tod Siegmund Bergels bedeutet für die deutsche Judenheit einen schweren Verlust. Im Hilfsverein der Deutschen Juden, im Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, in der Jüdischen Arbeiterkolonie in Weißensee, der Alten Synagoge, überall betätigte er sich infolge seines regen jüdischen Interesses, seines Gemeinsinnes und seines warmen Herzens mit Tatkraft. Feuilleton. (Nachdruck verboten.) Was sich das jüdische Ualk erzählt. Historisches Allerlei vom jüdischen Volkshumor. Von kön'gl. Bibliothekar Dr. Heinrich Loewe. IV. Strelitz in Mecklenburg hatte voreinst eine große jüdische Gemeinde. Aber diese stand auf einem außerordentlich niedrigen Niveau der Bildung, bis am Anfänge des neunzehnten Jahrhunderts ein junger jüdischer Gelehrter aus Schlesien hier eine jüdische Freischule ins Leben rief, an der die hervorragendsten jüdischen Pädagogen und Gelehrten, u. a. auch ein Josef Zedner, wirkten. Nun gingen aus Strelitz gebildete Generationen hervor, die freilich ganz im Gegensatz zur Absicht des Mannes, der hier die Grundlage der Kulturbewsgung gelegt hatte, es nicht verstanden, die neu erworbene Bildung mit dem ererbten Judentum organisch zu verbinden. Naturgemäß grassierte die Taufe unter diesen Generationen ganz schrecklich, und oft wurde aus einem atheistischen Juden ein ebenso ungläubiger Christ. Selbstverständlich aber kam es auch vor, daß aus einem atheistischen Juden plötzlich ein ganz frommer und orthodoxer Christ wurde, wie so etwas häufig von den äußeren Lebensumständen abhängt. Einer dieser .einer jüdischen Familie entstammenden Christen ist der Gymnasialprofessor Lasson, der an der Berliner Universität als Privatdozent Logik dozierte. Er würzte dauernd die trockene Materie durch Wortwitze, wie sie als besonders jüdisch gelten, ohne sich des jüdü schen Tonfalles dabei enthalten zu können. Er war bei einem Teile der Studenten, die sein Kolleg besuchten, deswegen ebenso bekannt, wie bei dem anderen berüchtigt. Lasson hieß erst nach seiner Taufe so. Vorher war sein Name Lazarussohn, der auf Wunsch seines ministeriellen Schwiegervaters gelegentlich der Taufe in Lasson gekürzt wurde. Bei einem Kolleg, das der bekannte Völkerpsycholog Prof. Hajim Steinthal über Religionsphilosophie abhielt, berief sich ein Hörer darauf, was Lasson in seiner Vorlesung über Logik gesagt habe. ..Bleiben Sie Mir weg mit dem Logiker Lasson," unterbrach ihn Steinthal, „zur Logik gehört Konsequenz. Lasson aber ist inkonsequent. Sich selbst läßt er taufen, seinen Namen aber gleichzeitig beschneiden!" Ein Geschlecht früher, als Lazarussohn-Lasfon in Strelitz aufwuchs, waren dort zwei jüdische Gemeindevorsteher gemeinsam im Amt. von denen der eine Hahn, der andere Chajjim hieß. Ob sie sehr im Jüdischen bewandert waren, läßt sich heute nicht mehr feststellen. Soviel aber ist sicher, daß in Abwesenheit des Rabbiners in rituellen Fragen, die über das gewöhnliche Maß hinausgingen.

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