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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-11-29 · 48 (29.11.1912) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
48 (29.11.1912)
Date
1912-11-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 48 Dr. Bkochs Wochenschrift Seite 819 Hier halten sich vor Ankunft des Konduktes die Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n und Hofrat Dr. Rappaport mit den Vorstandsmitgliedern, Präsident Salo Cohn der Chewra-Kadischa, Dr. Felix K a tz a u und Dr. Arthur K u r a n d a, dann Rabbiner Dr. Feuchtwang, Vorsteher Alex. Kübl und Frau vom Krankenvereine und andere eingefunden. Nach dem ergreifenden Rezitieren der Gebete durch Kantor Kaufmann nahmen Hofrat Dr. Rappaport namens der Armenanstatt und kaff. Rat Dr. Lieben für den Verein für Krankenpflege und Unterstützung handlungsangehöriger Israeliten mit tränenerstickten Stimmen Abschied und bald rollten die letzten Liebesbeweise, dumpfe Erdschollen, auf den Sara, der die lleberrefte eines Mannes von seltenen Charaktereigenschaften barg. Der ticftrauernden Witwe und den Söhnen kamen auf mündlichem und schriftlichem Wege nach Hunderten zu zählende Kondolenzen zu. darunter befinden sich solche von Statthalter a. D. Grafen Erich Kielm a n s e g g, FML. von K o n c z, Polizeipräsidenten Ritter von Brzesowskh, dänischen Generalkonsul Adolf von Wiesenburg, Oberlandesgerichtsrat Dr. Spitz köpf, ehemaligen Abgeordneten Konstantin N o s k e, Direktor W. K u x, kais. Rat Sax v. Sachsenhall, Neuber und Toffler, den Prokuristen der Länderbank kais. Rat Viktor P o l l a k, Paul Fuchs und Hugo B r e i t n e r, den Gemeinderäten H e ro l d, Dr. Hein und Dr. Mittler, Vorstandsmitglied Dr. Maximilian Steiner, Verein „Frauenhort". Direktor Eugen Singer—Lemberg, Baron Max Lützendorff, kais. Rat L on Langer, Frau Clara Straus, Oberkantor Simon Singer und Frau in Kattowitz, Hofrat Heinrich Karplus. Prof. Dr. Alo's Pick, Prof. Dr. Paul Karplus, den Professoren Tschiaßny, L i n d l und Heinrich P o l l a k, den Rabbinern Doktor G r u n w a t d. Dr. A b e l e s und Dr. R o s e n m a n n, Bethausvoisteher Dr. Elias Münz, den Direktoren Hecht, Heller und F i s ch e r u. v. a. m. 75. Geburtstag D'r. Markus Landaus. Der bekannte Literarhistoriker, der Wiener Schriftsteller Dr. Markus Landau, beging in voller körperlicher und geistiger Frische seinen 75. Geburtstag. Der Gelehrte hat sich in erster Linie um die Kunde des älteren italienischen Schrifttums und jenes des XVIII. und XIX. Jahrhunderts grohe Verdienste erworben. Wien. Der Verein zur Hebung der Gewerbe veranstaltet Sonntag, den 1. Dezember 1912, um 7 Uhr abends, im großen Saale des österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines, I., Eschenbachgasse 9, eine Plenar-Versammlung mit folgender Tagesordnung: 1. Referat des Gemeinderates und k. k Hofmagenfabrikanlen, Herrn Ludwig Löhner: „Wiener Verkehrsverhältnisse"; 2. Aus Anlaß des 61. Regierungsjabres Sr. Majestät unseres Kaisers: „Szenen und Bilder aus dem Leben unseres Kaisers", mit 50 Skioptikonbildern, vorgeführt und besprochen von unserem Vorstandsmitgliede, Schriftstiller Herrn Jacques Jäger. „ Wien. Der Wiener Jubiläums-Frauen-Verein zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Frauen (II., Fischergasse 1) veranstaltet Sonntag den 1. Dezember 1912, 4 Uhr nachmittags, im Festsaale der Börse für landwirtschaftliche P odukte, II., Taborstraße 10, aus Anlaß der Beteilung und Bekleidung armer alter Frauen eine Feier mit nachstehendem Programm: 1. Präludium. Harmonium: Herr Prof. Storch. 2. Begrüßungsansprache durch die Präsidentin Frau Hermine Gerber. 3. Prolog, vefaßt von Herrn Dr. Alexander Singer, gesprochen von Frau Stefanie Schnitzer. 4. Fstrebe, gesprochen von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. D> Feuchtwang. 5. Gesangsvorträge, Frau Professor A'chauer, Frau Dr. Löwy. 6. Gesangsvort'äge, Oberkantor Don Fuchs. 7. Adaa'o aus der schottischen Sinfonie von Mendelssohn. V oline: Her- Antscherl, Lehrer an der Musikschule Storch. Klavier: Fräulein Helene Kohn. Harmonium: Herr Prof. Storch. Sodann findet die Bekleidung der alten Frauen unter Ausschluß der Oeffentlichkert statt. Wien. Freitag-Abend-Vortrag im Bet-ha-Midrasch „Talmud- Thora", II., Malzkaffe 16, Beainn 7 Uhr 30 Minuten. — Am 29. November : Herr Rabbiner L. Goldstein: „Eine Geschichte aus dem Mittelalter". Wien. Der Verein „T o m e ch E w j o n i m" zur Ausspeisung und Unterstützung armer jüdischer Zugereister, veranstaltet am 8. Dezember im Festsaale des österr. Ingenieur- und Architekten-Vereines, I., Eichenbachgasse 9, eine Wohltätff.keitsakademie, zu welcher bereits hervorragende Kunstkiäfte, unter anderem Herr Karl Ujvari, Herr Carlo Böhm, Fräulein Margit Schwarz, Herr Dr. Otto Kapperl und Herr Obeikantor S. Weiß rc. ihr Erscheinen bestimmlest zugesagt haben. Karten zu 2 und 3 Kronen sind beim Vereinskassier Herrn Geza Braun, II., Herminengasse. 14 zu haben. N. II. Zu Oberrabbiner Josef Weisses 100. Geburtstag. In der „Talmud-Thora"-Synagoge im II. Wiener Bezirke veranstaltete die Vereinsleitung des Beth-Hamidraich „Talmud-Thora" am verflossenen Sonntag, wenige Tage vor dem auf den 19. Kislew d. I. fallenden 100. Geburtstage des verewigten Oberrabbiners Josef W e i s s e, eine Gedenkfeier für den letzteren, die als eine besonders erhebende und ehrenvolle bezeichnet werden darf. Professor Moritz Antscherl hielt die Gedenkrede, die die große Zuhörerschaft über eine Stunde fesselte. Als einziger Sohn des frommen Elternpaares Isaak Samuel und Mirjam Weisse wurde unser Josef am 19. K'slew, d. i. am 23. November 1812 zu Plumenau bei Proßnitz in Mähren geboren. Unter des Hochgel» hrten Vaters und bedeutender Rabbiner-Leitung war der noch nicht 20jährige Joief schon ein Meister in talmudicis et in hebraicis. Er ging nach Prag, machte daselbst noch öffentlich pädagogische und akademische Studien und wurde bald zur Mitarbeiterschaft an der großen Landau'ichen Bibelausgabe eingeladen. Der junge Weisse ging sofort ans Werk und erwarb sich durch seinen „Biui" über die 2 Bücher der Chronik — eine bedeutende bahnbrechende Arbeit — seine Uebersttznng der „Könige" und den Kommcniar über den „Salomonischen Tempelbau" —beides gedruckt 18dt> — aber auch durch seinen klassischen hebräischen Stil in Poesie und Prosa schon in jungen Jahren einen klangvollen Namen. Von 1837 bis 1841 leitete er dann, vrn Prag heimgekehrt, die hebräisch-deutsche Gemeindeschule in Proßnitz — diese Zeit bildet eine Glanzepoche dieser Schule — heiratete 1^41 in Prerau Fräulein Charlotte Donat, die feingebildete einzige Tochter aus einer guten Familie, und leitete neben dem Geschäfte seines Schwiegervaters auch eine „I e s ch i w a" in seinem Hause. 1845 folgte Wrisse einem ehrenvollen Rfe als Rabbiner nach Gaya in Mähren, wo er 11 Jahre das Rabbineramt musterhaft verwaltete. Von hier wurde er in die damals drittgrößte ungarisch-jüdische Gemeinde Waagueustadtl berufen, wo er 42 Jahre bis zu seinem am 8. Kislew, dem 2. Dezember 1897 erfo gten Tode besonders segensreich wirkte. Er war hier der Nachfolger des berühmten „Ohel David" und des hochgelehrten R. Eleasar Straß r. Die Vagujhelyer jüdische Real'chule, die heute schon über 50 Jahre besteht, ist eine Gründung R. Josef Weisses. Hervorgehoben sei noch das Wirken Weisses auf dem ungarisch-jüdischen Lande-- kongreffe in Budapest; seine geistvollen Reden und seine besondere Friedensliebe wie auch seine große Gelehrsamkeit erwarben ihm lauter Freunde und Bewunderer. Viele hebräische und deutsche Aufsätze in Prosa und Poesie hatten den klugen, hochgelehrten und frommen Rabbi;um Autor. Auf jüdisch-historischem, nicht minder auf halachischem Gebiete war Joscf Weisse die erste Autorität, an die Gelehrte der ganzen Welt ihre Fragen richteten. Seine Biographien des „Schach" und des „Jedaja Hapenim" sind erstklassige Arbeiten, wie überhaupt alles, was dieser geistvolle Gelehrte schrieb. Er wollte auch eine Geschichte ker mährischen Rabbiner schreiben, doch fehlte es ihm an Zeit, die Materialien, die er reichlich gesammelt hatte, zu verarbeiten. Und dabei begann Weisses Tatst kelt schon um 4 Uhr morgens und hörte lpät in der Nacht auf. Der Verewigte war nicht nur Führer und Leiter seiner Gemeinde und seiner zahlreichen Schüler, er war auch ihr Vater und ein Vater der Armen insbesondere. — Segen seinem Andenken! A. Berein zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder des 12., 13., 14. und 15. Bezirkes (Zur bevor st ehenden Generalversammlung.) Nickt ohne tiefschmerzliches Empfinden wird man den soeben hinausgegebenen 10. Rechenschaftsbericht des „Ausspeisungsvereines" zur Kenntnis nehmen. Dieses Kind zehnjährigen» zielbewnßten Schaffens, wie die an wohltätigen Institutionen gewiß nicht arme jüdische Gemeinde Wiens kein zweites aufzuweisen hat. Und wie viel Leid und Kummer wird da jahraus, jahrein gemildert und gelindert, wie viel Freude und Wohlbehagen unter den Aermsten der Armen, den armen Kindern verbreitet! Der zehnte Jahresbericht sollte in einem Hymnus der Freude ausklingen — zur Trauerkundqebung ist er geworden! Und wenn auch in dem tiefsten Leid die Hoff >ung auf ein weiteres Gedeihen dieser irrfflichen, segensreichen Schöpfung der westlichen Bezirke Wiens durchklingt—es war zuviel des Wehes, was da gekündigt und zur Kenntnis der Wiener Judenichaft gebracht worden ist. Und jeder Glaubensbruder, jede Glaubensschwester sollte den Jahresbericht lesen und — beherzigen. Jeder und jede sollte ihr Schärflein beitragen für diese Institutionen: Ausspeisungsverein, Kaffer Franz Josephs-Kinderhoit und Heimstätte für verlassene Kinder, die da in dem früheren Kommunalschulhause in der Herklotzgasse vereinigt sind. Kaum war der Sommer ins Land gezogen, trugen wir die treffliche, stets hilfsbereite Vorstandsschwester Charlotte D u s ch i n s k i zur ewigen Ruhe. Wcnige Wochen später den prächtigen, viel, viel zu früh uns allen entrissenen Gemeinderat Mox Frank, dessen Rat und Hilfe wir niemals uuffonst angerufen. Und nun der größte Schmerz, den der unerforschliche Ratschluß des Höchsten uns bereitet, Regine L a n d e i s! Man lese und studiere den Bericht, man nehme Kenntnis von den trockenen Z ffern der Kassagebahrung und man wird erst gewahr werden, was diese seltene Frau geleistet und errichtet hat. Und nun soll der Verein nicht mehr ihrer Führung unterstehen, nicht mehr ihrem stets richtigen „Bl'ck auf das Ganze" vertrauen dürfen. Was diese so jäh uns Entrissine geleistet, wird auch in Zukunft mit vereinten Kräften — Viribus unitis — geschehen, geschehen

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