Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 48 (29.11.1912)
- Date
- 1912-11-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 818 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 48 Grund dessen die Herausgabe von Monographien der einzelnen jüdischen Gemeinden in Italien in Angriff genommen werden soll. Ein Versprechen Wilsons. Einige Tage vor der jüngst stattgehabten Präsidentenvorwahl in Amerika richtete der Präsident der Philadelphiaer Iudengemcinde, Dr. Lyrus Adler, sowohl im eigenen als auch im Namen Jacob H. Schiffs und Cyrus L. Sulzberger eine briefliche Anfrage an Wilson, ob er nicht geneigt wäre, die gegen seine Einwanderungspolitik im allgemeinen und über die Juden im besonderen im Umlaufe befindlichen Gerüchte eine unzweideutige Erklärung abzugeben. In einen! Antwortschreiben Wilsons erklärte dieser nun folgendes: Ich stimme mit Ihnen in Bezug auf die Einwanderungspolitik der Vereinigten Staaten vollständig überein. Ich bin mit Ihnen der Meinung, daß dieses Land jedem Manne und jeder Frau von gesunder Moral, gesunden Sinnen und gesundem Körper, der mit der guten Absicht, seine bezw. ihre Kraft unserem öffentlichen Leben zu widmen in dieses Land kommt, hiezu die unbeschränkte Möglichkeit geboten werden müsse. Und ich habe die Absicht, so weit es von mir abhängt, jeden Versuch, dieses Prinzip durch Einschränkungen in der Praxis zu durchbrechen, mit aller Energie zurückzuweisen. Ich bitte Sie, auch die Versicherung hinzunehmen, daß ich niemals meine Zustimmung zu irgend einem Vertrage mit einem fremden Staate geben werde, durch welchen auch nur der geringste Unterschied zwischen den amerikanischen Bürgern auf Grund ihrer Konfession beabsichtigt werden sollte. Die Juden Amerikas bringen nun Wilson nach dessen Siege dieses sein Versprechen in Erinnerung und machen ihn darauf aufmerksam, daß sie darüber wachen werden, daß der künftige Präsident sein Versprechen auch wirklich einhalte. VermLscbtes. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis Wien, IT/1, Taborstraße 69. Donnerstag den 28. November d. I.. nm 7 Uhr abends findet im Vereinslokale des Israelitischen Humanitätsvereines „B’nai B’rith“ IX., Universitätsstraße 4, die XIII. ordentliche Generalversammlung statt. Kinderbekleidung des Vereines „Frauenhort". Trotz der Ungunst der wirtschaftlichen Krise und der Schwierigkeiten, welche die Kinderkrankheiten der Zentralisierung mit sich brachten, ist es dem rührigen Vorstand, die Damen Regine Kopstein. Olga von D o c t o r und Rechne Bettelheim an der Spitze, wieder gelungen, sämtliche Kinder des IX. Bezirkes, die sich gemeldet hatten und 21 Kinder des ärmsten Bezirkes, der Brigittenau, und zwar Volks-, Bürger¬ und Mittelschüler und Lehrlinge, Knaben und Mädchen, mit vollkommener Winterkleidung und Winterwäsche zu versehen. Die Gaben, welche durch Materialspenden von Industriellen und Listen junger Mädchen besonders hübsch ausfielen, wurden, wie alljährlich, im Saal des Handwerkervereines am 19. November zum Andenken an die verstorbene Kaiserin Elisabeth verteilt. Wien. Zwecks Zusammenfassung der zahlreichen Misrachi- Anhänger in Wien gründete sich dieser Tage hier eine Ortsgruppe. Beitrittserklärungen sind zu richten an: Misrachi, Wien, H., Zirkusgasse 20, III./20. Wien. (Akademischer Verein „Jüdische Kultur".) Seminarprogramm dieser Woche. Montag: Bb. Dr. Chaskel H ellman n, Literaturgeschichtliches Seminar. Mittwoch: Bb. Chaskel Komornik eanä. inx., Kulturarbeit und Politik. Anfang halb 8 Uhr. Gäste willkommen. Wien. Sonntag, den 8. Dezember 1912, um 4 Uhr nachmittags findet im israelitischen Waisenhause, XIX., Ruthgasse 21, eine Chanuka-Feier statt. Wien. Samstag den 7. Dezember 1912,- 5 Uhr nachmittags, findet im Betsaale der Versorgungsanstalt, IX., Seegasse 9, ein Chanuka-Festgottesdienst statt. Jüdische Toynbeehalle. XX., Othmargasse 46. Freitag den 29. November: „Blbelvortrag", Lehrer Leopold Wein. — Samstag den 30. November: „Konzert-Arrangement", Frau Raja Barber Waldberg. — Sonntag den 1. Dezember: „Gibt es in Guropa Arie,?", Dr. Adolf Kapralik. — Montag den 2. Dezember: „Deutscher Literatur-Zyklus", (Fortsetzung). — Dienstag den 3. Dezember: „U-ber Lord Dhron", Dr. I. Krug. — Mittwoch den 4. Dezember: „Chanuka-Feier", Festrede: Prof. Dr. Mor. Rosenfeld. — Donnerstag den 6. Dezember: „Was verdankt das Recht dem Judentum?", Dr. Th. Jänner. — Freitag den 6. Dezember: „Bibelvortrag". Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten wolle man an den Obmann Herrn Dr. I. Samuely, Wien, I., Fischerstiegs 6, gelangen lassen. „Beth Haam" (Jüdisches Bolksheiw) XVII., Hormayrgasse 7 a. Samstag den 30. d. M., halb 6 Uhr abends, Vortrag des Herrn Dozenten Dr. Eduard Deutsch über: „Wesen, Bedeutung und Abwehr der Geschlechtskrankheiten" (nur für Männer). Die Einschreibungen für die unentgeltlichen Kurse aus Französisch, Stenographie und Maschinschreiben werden jeden Samstag abends im Vereinslokale enigcgengenommen. Anmeldungen von Vorträgen oder Mitwirkungen bei Konzerten sind gef. an Dr. M. Förster, XVI., Thaliastraße 22, zu richten. Wien. (Todesfall) Am 24. November fand hier das Leichenbegängnis des im 76. Lebensjahre verstorbenen Herrn Jacob Knopf statt. Der Verblichene genoß in seinem Bekanntenkreise ob seiner strengen Rechtschaffenheit und jüdischen Gelehrsamkeit großes Ansehen und wurde ihm durch die gediegene und ollen zu Herzen gehende Rede Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Bauer ein ehrenvoller Nachruf zuteil. Ehre seinem Angedenken! Wien. (Todesfall.) Im Alter von 80 Jahren ist am 24. d. M. der Vizepräsident des Vereines für Krankenpflege und Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten und Vorstandsmitglied der Armenanstalt der israelitischen Kultusgemeinde Herr Josef Jelinek nach längerem schweren Leiden gestorben. Der Verblichene, der durch länger als ein halbes Jahrhundert mit seiner Gattin Julie geborenen Stiasny in glücklichster Ehe lebte, hat sich durch seine vielseitige humanitäre Tätigkeit in allen Kreisen einen hochgeachteten Namen gemacht. Das Leichenbegängnis fand am 26. d. M., mittags, statt und gestaltete sich durch die außerordentliche Teilnahme aller G-scllschaftskreise zu einer imposanten Traue, feier. Im Trauerhause fanden sich lange vor der für den Beginn der Zeremonie bestimmten Stunde die Trauergäste ein, unter denen zu bemerken waren: P äsident Dr. Alf ed Stern mit den Vizepräsidenten Dr. Gustav K o b n und Hofrat Rapvaport und vielen Vorstandsmitgliedern, die Beibausvorsteher Theodor K o h n, Karl Le m berge r, Dr. Herm. L ö w y. Dr. Markus Spitzer und S. A. W a s s e r v o g e l. die Vorstand'Mitglieder der Armenanstalt Wilh. P a p p e n h e i m, Adolf Schrame k, M. A. Pollak und Jul. Wolf, die Vorsteher ber Chewra-Kadischa, die Herren- M. B r e i t n e r, Sam. Goldmann, Leop. Otto, S. Simon und S. Steiner, von Krank liverein die Vorstandsmitglieder Jak. K a r p e l e s, Kommerzienrat Adolf W e l l i s ch, kais. Rat Philipp Fuchs und kais. Rat Julius Stern, ferner bemerkte man die Herren Hoßäte Prof. Dr. A. Politzer und Dr. Jul. Schlag, die Obeikuitoren M o r g e nst e r n, Bauer und Scho r.r, die ersten Kantoren Jurberger und Schiller, Prof. T s ch i a tz n y, Religionsschnlinsp kcor Prof. K a n i tz, Rabbiner Dr. Bloch, Dr. I. S. B l o ch, Hofmusiker Paul Fischer. Prokurist Carl Z i l z e r, Generaldirektor Ludwig Horch, kais. Räte Wilh. S t i a ß n y und Ferd. G o I dst e i n, Frau Dr. G ü d e m a n n, Frau Baurat S t i a ß n y. Dr. Siegm. S t i a ß n y, kais. Rat Josef Winker, Bibliolhckar Dr. B. Münz, Herr und Frau Huw K a d i s ch, kais. Rat Dr. Theodor Lieben an der Sp tze des Beamtenkörpers der israelitischen Kultusgemeinde, Dr. M. H o r o v i tz u. v. a. m. Oberrabbiner Dr. Güdemann hielt a n Sarge einen überaus eindrucksvollen, vom Herzen gedrungenen und demgemäß zu Herzen gehenden Nachruf. Die Ausführungen wurden oftmals vom lauten Schluckzen der Trauergemeinde unterbrochen, welche nach dem stimmungsvollen Vortrage der rituellen Trauerpsalmen durch ersten Kantor Kaufmann dem Sarge zu dem seitens des Präsidiums der Kultusgemeinde beigestellten Prachtleichenwagen das Geleite gab, der sich zum Zentralfriedhofe in Bewegung setzte.