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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-11-29 · 48 (29.11.1912) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
48 (29.11.1912)
Date
1912-11-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 48 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 817 v. Kolosväry den Autor des Gäbelschen Systems, den Budapester Kommunallehrer Julius G äb e l, der sein jüdisches Denken und Bestreben damit bekundet, daß er süt 19 Jahren ein jüdisch-konfessionelles Blatt, die „Ungarische Wochenschrift", redigiert, zu einem Vortrage nach Lemberg berufen, damit die Offiziere, die den Unterricht in den militärischen Mannschaftsschulen leiten, auch das praktische Vorgehen dieser Unterrichtsart kennen sollen. Der Vortrag fand am 19. d. M. im Militärwissenschaftlichen und Kasinoverein Lembergs statt. Es erschienen unter Leitung des Feldzeugmeisters und kommandierenden Genrals, Korpskommandanten v. Kolosvä:y die ganze Generalität Lembergs, die Offiziere aller Waffengattungen, der Statthalter Dr. v. B o b r z i n s k y, der Landesschulrat mit den Herren: Landesschulprästdent Hofrat Mizislaus Ritter v. Z a l e s k y, Landesschulinsvektoren Johann M a t i j o w. Anton K a w e ck i, Alfred I a h n e r und Kasimir B r u ch m a l s k y, ferner die Herren vom Magistrat der Stadt Lemberg. Der Vortrag dauerte etwa 3ji Stunden, welchen Lehrer Gäbe! mit einer psychologischen Begründung des Unterrichtssystems einleitete. Zum praktischen Teil des Vortrages erschienen ca. 200 Analphabeten, die aus den Kasernen Lembergs hinkommandiert worden sind.^ Oberst R e i m a n n und der Platzkommandant wählten von diesen Leuten 6 solche Absolut-Analphabeten heraus, die noch nie einen Buchstaben kannten Der Erfolg war verblüffend. Die Männer erlernten binnen Stunde die erste Wandlesetafel genau lesen und schreiben. Es war erstaunlich, daß einer der Analphabeten, der noch nie im Leben einen Buchstaben schrieb, den schwierigsten Buchstaben des lateinischen Alaphabets, das große »A« mit vollständiger Genauigkeit niederschreiben konnte. Die anwesenden hohen Würdenträger sagten dem vornehm gebildeten Pädagogen in überaus warmen Worten ihren Dank und ihre Anerkennung für seine überraschende Leistung. Es wurde beschlossen, dieses System in polnischer und rutbenischer Sprache zu edieren, damit das polnische und ruth mische Volk in diesen Unterrichtsbehelfen bei ihrem elementarsten Unterrichte der Kleinen in der Schule und der erwachsenen Analphabeten eine feste Grundlage haben solle. Die Juden in Saloniki uirtc'r deutschein Schutz. Wie der „Neuen Freien Presse" aus Berlin milgeteilt wird, bestätigt es sich, daß die deutsche jüdische Gemeinde in Saloniki sich um Schutz an die deutsche Regierung gewandt hat. Die deutsche Regierung hat auf ihr Gesuch zustimmend geantwortet. Die deutsche Regierung übernimmt nicht nur den Schutz der deutschen Juden, sondern auch aller derjenigen Juden in Saloniki, die türkische Staatsangehörige sind. Wenn also ein Mitglied der jüdischen Gemeinden in Saloniki, auf die der Schutz der deutschen Regierung fällt, Grund zur Beschwerde zu haben glaubt, so kann es sich an den deutschen Konsul wenden, der dann den Fall untersuchen und nach Möglichkeit Abhilfe schaffen wird. Die Renaissance' Mesopotamiens. Nach den Plänen Sir W. Willcocks, die er der türkischen Regierung vorgelegt hat, soll das Gebiet des alten Babylon durch Regulierung des Euphrat und Bewässerungsanlagen wieder in ein fruchtbares Ackerland verwandelt werden. Mit der Ausführung dieser Arbeiten wurde bereits begonnen. In der Hauptsache bestehen die Anlagen in einem Entlastungskanal bei Ramadi und einem Staudamm in Hindiearm des Euphrat. Das Entlastungsgerinne soll bei Hochwasser jene 1000 Kubikmeter in der Sekunde abführen, und in den 15,000 Hektar großen Habbanisee leiten, die der Euphrat ohne Schaden anzurichten nicht mehr fassen kann. Aus diesem See. der schon heute durch den Azaziekanal mit dem Euphrat verbunden ist, soll das Wasser mittels eines zweiten Kanals in die 10,000 Hektar große Senke des Abbu-Dibbis- Sees weitergeleitet werden, wo es in der heißen Jahreszeit vollständig verdunsten kann. Bei Ramadi ist ein massives Schützenwehr mit 25 Kubikmeter Leistungsfähigkeit geplant. Zur Bewässerung des Geländes in der trockenen Jahreszeit soll eine Sammelanlage dienen, die neben einem 40 Jahre alten, gleichen Zwecken dienenden, aber bereits zerstörten Stauwehr errichtet werden wird. Für die Schiffahrt ist eine Schleuse von 50 Meter Länge und 8 Meter Lichtweite vorgesehen. Oberhalb des Wehres ist ein 30 Meter breiter Kanal projektiert, der dem Hillarm wieder Wasser zuführen soll. Nach Vollendung dieser Bauten, die einen Aufwand von 200 Millionen Mark erfordern, verspricht man sich durch die Wertsteigerung des Bodens und die Bebauung des ganzen außerordentlich fruchtbaren Alluvialgebietes eine Verzinsung von 30 Prozent des Anlagekapitals. Gegenüber diesen glänzenden Hoffnungen an der Wiederherstellung des Gebiets des alten babylonischen Reiches ist es interessant. auf die Prophezeiung Jesaias (13. 19—22) zu verweisen. Diese lautet: ..Also soll Babel, das schönste unter den Königreichen, die herrlichste Bracht der Chaldäer. umgekehrt werden von Gott wie Sodom und Gomorrha, daß man hinfort nicht mehr da wohne noch jemand da bleibe für und für, daß auch die Araber keine Hütten daselbst machen und die Hirten keine Hürden da aufschlagen. sondern Wüstentiere werden sich da lagern und ihre Häuser voll Eulen sein und Strauße werden da hüpfen, ^.und wilde Hunde in ihren Palästen heulen und Schakale in den lustigen Schlössern. Und ihre Zeit wird schier kommen und ihre Taae werden sich nicht säumen." Diese Provhezeiung wurde 150 Jahre vor der Besieaung Babvlons durch Cnrus gegeben. Bis jetzt hat sich das erfüllt, obwohl Alerander der Große einen starken Versuch zur Kultivierung des Gebietes gemacht hat. Der künftige Obe'rrabbiner von Tripolis. Die indische Gemeinde von Tripolis wandte sich an den Präsidenten des Verbandes der jüdischen Gemeinden in Italien. Commendatore Sereni, mit dem Ersuchen, ein«' geeignete Persönlichkeit aus Italien zum Oberrabbiner von Tripolis zu empfehlen. Nach eingehender Beratung mit den in Betracht kommenden Persönlichkeiten wurde dieser verantwortungsvolle Posten dem Oberrabbiner Dr. Dario Disegni angeboten. Dieser erklärte jedoch, sich nicht eher zur Annahme d-s Postens entschließen zu können, bis «>r die genauen Verhältnisse des Landes und stiner jüdischen Bewohner kennen gelernt hat. Mit Rücksicht darauf nun daß der Rektor der Rabbinerschule in Florenz. Professor Dr. Margitlies. den Entschluß gefaßt hat. in den nächsten Tagen eine Studienreise nach der neuen italienischen Provinz Lvbien zu unternehmen, wurde beschlossen, daß an dieser Studienreise auch der Kandidat für den Rabbinervosten Dr. Dario Diseani. und noch ein Mitglied des Verband $ der jüdischen Gemeinden in Italien teilnehmen De" Posten des Oberrabbiners von Trivolis soll erst na b Rückkehr dieser Studienkommission besetzt werden. Eine Frauenst'ktion im Nerdandr der jüdischen Gemrmdrn in Italien. Auch in Italien hat die Idee, die Frauen zu den Arbeiten im Intereffe der Synagoge und des jüdischen Gemeindelebens heranzuziehen, bereits Eingang gefunden. Auf der Tagesordnung der für den 26. d. M. nach Livorno einberufenen Sitzung des Kuratoriums des Verbandes der jüdischen Gemeinden in Italien steht unter anderem auch ein Antrag des Vorstandsmitgliedes Colombo auf Gründung von Damenkomitees in den einzelnen Gemeinden zum Zwecke ihrer intensiveren Anteilnahme an dem synagogalen Leben. Es soll zunächst ein Apvell an die jüdischen Frauen Italiens behufs Erweckung des jüdisch-religiösen Gefühls in den Familien erlaßen werden Von besonderem Interesse ist auch ein weiterer Punkt der Tagesordnung, der gleichfalls ein Referat des Cav. Colombo betrifft und sich auf die Schutzmaßnahmen bezieht. die zu Gunsten der Juden des Balkans mit Rücksicht auf die Siege der Balkanstaaten in der europäischen Türkei zu treffen wären. Von historisch wissenschaftlicher Bedeutung ist schließlich ein Referat desselben Vorstandsmitgliedes, auf

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