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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-11-29 · 48 (29.11.1912) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
48 (29.11.1912)
Date
1912-11-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 814 Dr. Vkochs Wochenschrift Nr. 48 Vom Zokrmsrkt des Lebens. Magalhars Lima übckc das Angola Projekt. Der hervorragende portugiesische Politiker Magalhaes Lima, der dieser Tage in Budapest weilte und dort eine Anzahl aufsehenerregender Vorlesungen hielt, empfing den Redakteur der ungarisch-jüdischen Wochenschrift „Egyenlösvg", der Lima über den Stand des Angolaprojektes beftagt. Der hervorragende Politiker- Portugals äußerte sich hierüber wie folgt: Zangwill legte seinerzeit im Namen der ItoisLen seinen Plan, in Angola eine große jüdische Siedelung zu schaffen, vor. Meiner Meinung nach war dieser Plan einerseits geeignet, die verfolgten und bedrückten Judenmassen aus Rußland einem menschenwürdigen Leben zuzufuhren und andererseits Angola dem Aufblühen blühen näher zu bringen, indem das heute brach und unkultiviert darniederliegende Territorium mit den Mitteln der Zivilisation nutzbar gemacht wird. Es ist selbstverständlich, daß unsere Regierung das lebensfähige Projekt mit der größten Sympathie aufnahm. Sowohl die Regierung und das Parlament, als auch die öffentliche Meinung hat die Frage mit klarem Blicke erfaßt. In Portugal gibt es keinen Antisemitismus, und jeder hat es mit der größten Freude zur Kenntnis genommen, daß die Zahl unserer Staatsbürger durch das zweifellos wertvolle jüdische Element erhöht werden soll. Gegenwärtig liegen die diesbezüglichen Pläne abermals vor dem Parlamente, das allein zur Behandlung derselben kompetent ist. Bekanntlich hat der Itoistenkongreß im Juni 1912 in Wien unsere ersten -Bedingungen abgelehnt und weitergehende Begünstigungen gefordert. Von anderer Seite sind auch Privatunternehmer mit eigenen Kolonisationsanträgen auf den Plan getreten, lleber alle diese Pläne wird das in kürzester Zeit zusammentretende Parlament sehr bald schlüssig werden. Ich mache gar kein Hehl daraus, daß ich meinerseits mich eher für das Projekt der Jto entschließen würde, weil dasselbe, wenn es auch nicht so vorteilhaft, aber jedenfalls reeller ist, als das erwähnte Privatprojekch das großen Nutzen verspricht, aber ich fürchte nur veisspricht. Was die Autonomie betrifft, so ist darüber wohl bisher noch nicht gesprochen worden, doch kann ich versichern, daß die angesiedelten Juden vollständig gleichberechtigte Bürger der portugiesischen Republik sein werden. (Der Redakteur des ..Egyenlösög" macht hiezu die Bemerkung, daß entgegen dieser Bemerkung Limas schon in dem vom portugiesischen Parlament am 15. Juni 1912 angenommenen Gesetzentwürfe von einer Verwaltungsautonomie die Rede ist und daß Zangwill ohne die Zusicherung einer solchen minimalen Autonomie in die Verhandlungen nicht eingetreten wäre.) Im weiteren Verlauf der Unterredung sagte Lima: Lächerlich ist die Unterschiebung, daß wir alle diese Pläne zur Sicherstellung Angolas in Angriff nehmen wollen. Es muß heute schon jedermann klar sein, daß unsere Republik sich ihrer Aufgaben aus der ganzen Linie stets bewußt war und auch jetzt von ihren bisher befolgten Prinzipien nicht abweichen werde. Im Endergebnisse kann also Portugal stolz darauf sein, daß führende jüdische Kreise Europas sich an Portugal als an ein Land gewendet haben, in welchem sie die Bedingungen für den liberalen Fortschritt, der gerade für die Juden zu allen Zeiten das belebende Element war, gesichert sehen. Wir lehnen jede Gemeinschaft mit der furchtbaren Finsternis der Jnguisition und verflossenen Jahrhunderte ab, und gerade dieser Umstand ist ein Grund mehr dafür) den Vorschlag der Juden mit Sympathie aufzunehmen. Auf dem riesigen Gebiete Angolas würden die Kolonisten, denen die Regierung die Möglichkeit bieten würde, die Ursachen der Ungesundheit des Klimas an manchen Stellen zu beheben, sicherlich prosperiecen. Cs ist ja wahr, Angola) das zweimal so groß ist als die österreichisch-ungarische Monarchie, weist da und dort auch ungesunde Eebietftächen auf, aber die Regierung würde an diesen Stellen die Trockenlegung der sumpfigen Gebiete vornehmen und für eine Kanalisierung sorgen, und dann versichere ich Sie, wird auch diese Gegend genau so gesund sein, wie der Süden Europas. -Zum Schlüsse gab Lima seiner Freude über die Ausbreitung der Jto-Bewegung in Ungarn, sowie darüber Ausdruck, daß das Angolaproiekt mit geringen Ausnahmen unter den Juden sympathische Aufnahme gefunden hat. Ein klerikafts Blatt übe'r das Judentum. Aufsehen erregt in Italien ein jüngst in dem Bologneser klerikalen Organe „L'Avenire d'Jtalia" (Die Zukunft Italiens) erschienener Artikel über den Dank, den die gesamte Welt dem Judentums schuldet. Den An- ' laß hiezu bot eine Ankündigung einer Serie von Vorträgen, über ,,Die Lehren der biblischen Geschichte", welche im Oratorium des Klosters der Philippinen-Mönche in Bologna abgehalten werden. Nachdemnoch die nicht uninteressante Mitteilung gemacht wird, daß diese Vorträge durch Lichtbilder erläutert werden sollen, fügt das Blatt hinzu: ,,Keinem denkenden Menschen wird die Wichtigkeit der Geschichte des alten Israel, mit welcher sich die Vorlesungen beschäftigen werden, entgangen sein.. " Dieses kleine gelehrige Volk hat auf den Gang der Geschichte der Menschheit einen viel größeren und dauernden Einfluß ausgeübt, als die Griechen und Römer. Dieses Volk wurde für uns in viel mehr Belangen ein Musterbild, dem wir nachstrebten, als die Römer und di? Griechen. Unsere ganze Art zu denken und zu fühlen, unsere tägliche Handlungsweise klingen in bedeutenderem Maße an die Denkungsart und Handlungsweise des israelitischen Volkes, als an die römische und griechische Art an. Die ganze moderne Zivilisation nicht, minder als die christliche Zivilisation sind gerade in ihren schönsten Aeußerungen voll von jüdischem Geiste und jüdischer Tendenz." Eine Proselyten-Gemeinde „Neu-Jsrael". (Samara.) Ein eigenartiger Prozeß spielte sich dieser Tage vor den Schranken des Kreisaerichtes zu Samara in Rußland ab. 32 Bauern saßen auf der Anklagebank, denen in der Anklageschrift zur Last geleat wird, daß sie der religiösen Sekte N u- Jsrael als Mitglieder angeboren. Wie aus den Ak>en bervo^gebt. ist diese Sekte vor 10 Jahren durch Bauern aus dem Gouvernement Wa^onelch. die vor den ewiaen Schikanen der Beamten aus ihren Dö-fern a> flüchtet sind, oegriindet worden. Mit Hilfe der Bauernbank erwarben sich die Flüchtlinge ein größeres Ackerla"d und gründeten sich eine Kolonie, ans der sie unter eigene'- Verwaltung in treuer-Gemeinschaft und unter Beobachtuna des Sabbatb und vieler anderen alttestomentarischen Gebote lebten. Nach dem neuen Erlaß der Glaubensfreiheit im Jabre 1906 wurde die Sekte auch amtlich legalisiert und aelanate dadurch zu einer Blüte und zu einem Aufschwünge, den die Geistlichkeit nickt mehr übersihen konnte. Diese unternahm einen erbitterten Kamps qeoen die neue Gesellschaft und batte auch bald die Administration für ihre VerfoloungSpläne gewonnen. Man unterschob de,, friedsamen Bauern revolutionäre Absichten und beschuldigte sie der Verbreitnna von Lehren, die eine Gefahr für die religiöse Moral und Sittlichkeit enthalten. Endlich gelang es der Synode, mit H'lke der Regierung die Gesellschaft aufzu'ösen. Die B uern k-hrten sich aber wenig an diesen Ukas und versammelten sich noch wie vor zu ihren religiösen Uebunaen. Die Führer der Gesellschaft wurden zu schweren Strafen verurteilt. Wie man hört, sind die Leute entschlossen, Haus und Hof zu verlassen und gemeinschaftlich nach Amerika auszuwandern. Die landwirtschaftlichen Gesetze der Bibel. Im „Landwirtschaftlichen Zentralblatte für Ostfciesland" schreibt Kramer, Großwalde: „Wenn es in der Schrift heißt: „In den ersten drei Jahren sollen die jungen Bäume beschnitten werden, im vierten Jahre darf

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