Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 47 (22.11.1912)
- Date
- 1912-11-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr 47 Dr^ Blochs Wochenschrift Lette 7SS Unter II sind arme Familien zu rangieren, welche in normalen Zeiten ihr kärgliches, mit manchen Entbehrunaen verknüpftes Dasein fristen können, die jedoch nicht genügende Mittel zur Bestreitung der. Winterbekleidung für ihre Kinder haben. Unter ITT sind jene Familien einzure'hen, die ihr bescheidenes Auskommen haben und denen durch Bekleidung der Kinder eine wesentliche Erleichterung, aber keine unbedingt notwendige Wohltat erwiesen wird. Unter die Kategorie IV gehört jenes unwürdige Material, welches die edelsten Regungen des menschlichen Herzens speziell bei den ziel- und planlos, ohne jede gegenseitige Verständigung arbeitenden Vereinen für sich ausnützt, die erbeuteten eventuell m e b r s e i t i g erbalt"nen Kleidungsstücke und Unterstützungen verkauft, versetzt und verschlempt und zu den gefährlichsten Schädlingen der bürgerlichen Gesellschaft gehört, weil es die klare Quelle der Wohltätigkeit verunreinigt und vergiftet und das wahrhaft bedürftige, verschämt arme.Kind schonungslos beraubt. Jeder Verein also, der nicht mitschuldig werden will an dem großen Unrecht, daß tausendfach im Leben begangen wird durch Bevorzugung des unverschämten Professionsbettlers vor dem bescheidenen wirklichen Armen, muß sich dieser Koalition wahrhafter Menschenfreunde, wie sie die Zentralstelle anstrebt, anschließen, welche mit dem Rüstzeuge einer logischen, einheitlichen, großzügigen Strategie den mächtigen Feind: „Not und Elend" mit modernen wirksamen Waffen bekämpfen will. Darum rufen wir alle wohlgesinnten, gleichartigen Vereine zu gemeinsamer Arbeit auf, welche zunächst in der Mitteilung der Bekleidungslisten und sodann in der Einsendung einer großen Zahl einwandfreier Recherchen (wozu in der Bekleidungsfrage ein ganzes Jahr Zeit ist) zu bestehen hat. Wenn unser Appell zum Anschlüsse an dieses unter dem Präsidium des verehrten Herrn Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. Gustav K o h n unverdrossen arbeitende Kartell der Wohltätigkeit sowohl bei den Humanitären Vereinen, als. "nch bei den zahlreichen jüdischen Wohltätern ein williges Ohr finden wird, dann ist der Tag nicht mehr ferne, wo es in unserem herrlichen Wien kein einziges Kind mehr geben wird, welches friert odet hungert, welches vergeblich um Genesung oder Erholung fleht, dann wird die hochherzige, von den edelsten Intentionen beseelte Parole unseres allgeliebten Kaisern: „Alles für das Kind", die schönsten Früchte reifen unter der segensreichen Devise: „Viribus unilis — mit vereinten Kräften!" S. Lemberger Beamter der isr. Kultusgemeinde. Zu den Wahlen in dir SchMdergeno^enschaft. Appell an die jüdischenGenossenschaflsmitg l i e d e r! Am 25. November finden die Wahlen für den Vorstand der Genossenschaft der Kleidermacher in Wien statt. Wir haben an dieser Stelle wiederholt auf die Wichtigkeit hinge-wiesen, daß in der Leitung dieser bedeutendsten Genossenschaft Wiens die Juden eine ihrer Mitgliederzahl und ihrer finanziellen und intellektuellen Bedeutung für das Gewerbe entsprechende Vertretung erlangen. Von den in den Wahlkampf ziehenden Parteien hat die Steinschauer-Partei den Anforderungen der jüdischen Mitglieder Rechnung getragen, indem' sie vier jüdische Genossenschaftsmitglieder auf ihre Kandidatenliste stellte und sich verpflichtete, für dieselben genau so, wie für die . übrigen Kandidaten zu stimmen und Stimmen zu werben. Es ist daher Pflicht auch jedes jüdischen Genossenschaftsmitgliedes, bestimmtest an der Wahl teilzunehmen undseine Stimme für die Steinschauerliste abzugeben, in welcher auch die nachfolgenden jüdischen Kandidaten nominiert erscheinen: Rudolf Goldslein, II , Taborstraße 54 Ernst Blau, I., Fleischmarkt 6 Adolf Weiler, I , Franz Äosefskai 41 Ernst Kohn, II., Taborstraße 11 Wien. (Agudath Israel.) Sonntag den 3. November d. I. fand im II. Bezirke im Lokale des „Machfike Hadath" eine zahlreich besuchte Versammlung unter Boi fitz Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Mayersohn statt, die einen äußerst würdigen und imposanten Verlauf nahm. Die Versammlung war größtenteils von östlichen, frommglaubigen Juden besucht. Außerdem nahmen an ihr auch jüdische Studenten in großer. Zahl teil. Dev Referent des Abends war der Obessaer Rabbiner Jeschuah D i s k i n, der derzeit in Palästina ansässig ist. Redner bob an der Hand von Z taten aus Bibel und Talmud hervor, daß das jüdische Volk trotz tausendjähriger Zerstreuung noch immer den Geist der am Berge Sinai erhaltenen Thora in fich wahrt und daß speziell bei den üblichen Juden dieser fromme Geist auch heute noch am intensivsten kultiviert wird. Die Erhaltung und Fortsetzung dieses Geistes bei den Nachkommen ist die Aufgabe der „Agudath Israel", die deshalb als Segen zu begrüßen ist. Der zweite Redner, der Talmudkenner Josef Schapatichnik, kommentiert in geistvoller Weise die Aufgaben der „Aguda". Kandidat phil. Saul Kohn, der hierauf das Wort nahm, bemerkte einleitend, daß der Stolz und die Waffe des Juden die Thora sei. Diese habe auch das Judentum bis heute erhalten. Der Zionismus habe wohl das jüdische Volk wach gerüttelt, doch soll auch der Fortbestand des Judentums für die Zukunft gesichert werden und dies ist allein nur dadurch möglich, wenn zu dem idealen Bestreben auch noch das Reale hinzugefügt wird, dadurch, daß die Jugend zur Frömmigkeit und Gottesverehrung erzogen werde. Redner schließt mit einer Aufforderung an die anwesenden jüdischen Studenten, dem „Agudath Israel" beizutreten. Herr R o s n e r ist der Ansicht, daß bis nun schon genug theoretifiert worden sei. Es sei au der Zeit, zur praktischen Arbeit zu schreiten und den Gedanken der relig ösen Erneuerung des Judentums in die Tat umzusetzen. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Mayersohn richtete noch zum Schluffe warme und herzergreifende Worte au die Versammlung, indem er in ebenso lichtvoller als überzeuaender Weise die Notwendigkeit der Gründung der „Agudath Israel" beleuchtete, worauf die Versammlung in gehobener Stimmung geschloffen wurde. — Beitrittserklärungen find an den Präsidenten der „Agudath Israel" Rabbiner Mayersohn. II.. Adamberg-^assi 8, 1. S'cck, zu richten. Czernowitz (Von der israel. Kultusgemeinde.) Ein Mitglied des Kultusrates der jüdischen Gemeinde in Czernvwitz, Herr Kultusrat Selig Wag-, schal, hat sich in einem Schreiben an den Präses der Gemeinde. Dr. Strauch er, mit der Aufforderung gewendet. daß der Kultusrat endlich einmal nach fünfmonatlicher Pause wieder zu einer Sitzung einberufen werde, weil doch das Statut der Kultusgemeinde die monatliche Abhaltung von Sitzungen vorschreibt und hochwichtige Angelegenheiten dringend einer Erledigung bedürfen. Das Schreiben lautet: An den verehrlichen Präses der israelitischen Kultusgemeinde hier. Da' bereits fünf Monate verstrichen sind, ohne daß Sie eine Sitzung des Kultusrates einberufen haben, erlaube ich mir im Interesse des Ansehens der Kultusgemeinde und des Kultusrates Sie auf diesem Wege an Ihre Pflicht zu erinnern, ehebaldigst eine Kullusratssitzung einzuberusen. Im folgenden bezeichne ich die Gegenstände der Tagesordnung für die einzuberusende Kultusratssitzung, deren Notwendigkeit sich Ihrer Einsicht nicht entziehen soll. Tagesordnung: 1. Krankenunterstützung und Ehrengabe an Rabbiner Weiß. 2. Die Einführung des „Jbries beibries"-Unterrichtes an unserer Schule. 3. Fertigstellung des Ritualbades. 4. Die Anstellung eines Rabbinatsaffessors. 5. Anstellung eines Unterkantors. 6. Bericht über die Waisenhausaffäre. 7. Bericht über die Oberrabbinerassäre. 8. Bericht über Einläufe. 3. Jnterpellationsbeantwortung. 10. Einbringung von Interpellationen. Ich stütze mich auf den.8 25 des Kultusgemeindestatutes, wonach die Sitzungen des Kultusrat.'s einmal/m'Monate stattzufinden haben, sowie daß der Präses auch so oft es notwendrg erschernt, Sitzungen einzuberufen berechtigt ist, und daß der jeweilige Leiter