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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-11-22 · 47 (22.11.1912) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
47 (22.11.1912)
Date
1912-11-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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®Htr798 Dr. Bwchs Wvchenfch M Nr. 47 ff-ütiqnnq der neue» Einrichtung der Speisehallen des Vereines. Dankschreiben des Herrn Jnses Sistig kür die Gratulation des Vorstandes ju seinem 70. Geburtstage. Nammens des Vertreter-Kollegiums -werden die folgenden Berichte dem Plenum zur Genehmigung in Vorlage gebracht: Konform den vom Tempelverein Brigittenau dem Kultusvorstande vorgebrachten Wünschen wurde ab 1. November 1912 Herr Dr. Moritz Rosenfeld damit betraut, im' Brigittenauer Vereinstemvel an jenen Sabbat- und Festtagen, an welchen Herr Rabbiner Dr. Armin Abeles im' Bethause des Vereines ,Beth Hach-/ netheth" im' HI. Bezirke fungiert, jene rabbinischen Funktionen, welche nicht staatlich amtlichen Charakter tragen, zu versehen. Der Genannte wu^de überdies verpflichtet. von Zeit m Zeit populärwissenschaftliche Vor? träge auf seinem' Fachgebiete im XX. Veärk abzuhalten und an der obersten Abteilung der Vibelschule des! XX. Bezirkes zu unterrichten. An jenen Sabbat- und Festtagen, an welchen Herr Rabbiner Dr. Armin Abeles im Brigittenauer Vsreinstempel fungiert, wird er im Bechause Landstraße von Dr. M. Rosenfeld vertreten und es hat sich der Vorstand d«s Bethausvereines ..Beth Hachnetheth" mit diesen Maßnahmen einverstanden erklärt. Die vom Brigittenauer Tempelverein unter Beistellung einer Subvention von Kr. 3000 seitens der Kul^usoemeinde auch im abgelaufenen Schuljahre geführte Bibel- und Leseschule iß mit Beginn des Schuljahres 1912/13 von der Kul^usgem'einde übernommen worden. Im Hause O^hmargasse 46 hat die Kultusgemeinde geeignete Lokalitäten gemietet und adaptiert, so daß nun zwei Lehrsäle und die erforderlichen Rebenraume für die Zwecke der Bibel- und Leseschule zur Verfügung stehen. Mit Rücksicht auf die in diesem« Bezirke vorherrschenden Verhältnisse wird von der Einhebung iedes Einschreibe- oder Unterrichtsgeldes abgesehen. Die Schule weiß 460 Schüler auf. welche in 14 Gruppen mit je 2 Wochenstunden den Unterricht erhalten. 12 G^uvven sind von Volks- und Vürgerschülern. 1 von Mittelschülern der unteren Klassen. 1 von Mittelschülern der obersten Klassen, Handelsschülern und Handels Akademikern besucht. Nach Anhörung der Lehrer-Konferenz und konform dem Anträge der Unterrichtskommission hatte der Kultusvorstand bereits im Jahre 1897 den Beschluß gefaßt, in den 2. Klassen der Volksschulen, in welchen nach dem Gesetz der israelitische Religionsunterricht im Ausmaße von nur einer Wochenstllnde zu erteilen ist. eine zweite fakultative Wochenstunde einzuführen, die sveziell dem' Hebräisch-Les^n gewidmet sein soll. Aus mannigfachen Gründen mußte di»se Neueinführung etavvenweise erfolaen und wurde für das Schuljahr 1907/08 an 12 Schulen mit dem Versuche begonnen, der von da ab alljährlich auf weitere Schulstationen erstreckt warben ist. Im Schuljahre 1911712 wurde die fakultative Stunde bereits an 52 Schulen erteilt, und mit Beginn des Schuljahres 1912/13 konnte sie in sämtlichen Volksschulen des Minner Schulbezirkes eing^kührt werden. Die Berichte der Inso-ktoren für den israelitiich-n Religionsunterricht verzeichnen die vorzüglichen Erfolge, welche hinsichtlich des Hebräisch-Lesens durch die Einführung dieser Lesestunde erzielt werden und aus den dem Kultusvorstande vorliegenden statistischen Daten ist ersichtlich, daß 9^ % aller Schüler und Schülerinnen der 2 Volksschulklasie an dem' fakultativen Unterrichte teilnehmen. Seitens des k k. n.-ö. Landesschulrates ist der zur versuchsweisen Einführung an 6 Anstalten bestimmte Reformlehrplan für die 2 obersten Klaffen der Mittelschulen genehmigt worden, so daß nunmehr die Durchs führung des Reformversuches an den folgenden Anstalten eingeleitet wurde: k. k. Marimilian-Gymnasium, IX, Wasagaffe 10, k. k. Staatsrealschule, I , Schottenbastei 7, k. k. Staatsrealschule, IX, Glosergaffe 25, k. k. Staatsrealschule. II, Josef Galla affe 2, k. k. Staats-Gymnasium, II. Soph'eibrückengässe 2^, k. k. Staatsrealschule, III. Radetkystraße 2. Für die Schüler der Reformklaffen wurde im Schulgebäude IX.. Seegasse 16, ein Lesezimmer eingerichtet, in welchem die von den Religionslehrern im Verlauf der Vorträge angegebenen und auch sonst geeignet erscheinen? den Bücher und Zeitschriften zur freien Benützung auf-', liegen. Daselbst finden im Beisein der Religionslehrer Diskuffionsabende statt, welche jeweilig durch ein Schülerreferat eingeleitet werden. Für das Lesezimmer ist eine Selbstverwaltung der Schüler nach dem Muster, wie sie an der k. k. 2. Staatsrealschule im' II. Wiener Gemeindebezirk für den oblik gaten Unterricht besteht, eingerichtet. Die Schüler legen für diese fakultative Einrichtung lebhaftes Interesse an den Tag. so daß ein günstiger Erfolg des Reformversuches erwartet werden kann. Das Plenuvr beschließt, die vorstehenden Berichte, sowie die sich aus denselben ergebenden Maßnahmen und finanziellen Erfordernisse zu genehmigen. Nachtragssubventionen für das Jahr 1912 werden bewilligt: Dem'Bethausvereine ..Schomer Israel", dem Tempelvermn für den X. Bezirk und dem' Tempelverein für den XIX. Bezirk. Es wird weiters eine Reihe von Persynalangelegenheiten erledigt. Zur Zentralisierung der Kinderbekleidungs- Vereine Die von der Zentralstelle für das jüdische Armenwesen inaugurierte und von Herrn Heinrich Mendl mit allen Kräften geförderte Aktion zur Zentralisierung der jüdischen und interkonfessionellen Kinderbekleidungs-Vereine hat, mit Hilfe der gegen Ende des Schuljahres 1911—12 zur Ausgabe gelangten Fragebögen, folgende statische Tatsachen ergeben: Von den 17.500 bie Volks- und Bürgerschulen besuchenden jüdischen Kinder haben sich im ganzen 2500 Kinder als bekleidungsbedürftig gemeldet. Rechnet man hierzu eine Anzahl verschämter Armer, so wie diejenigen Kinder, welche bei Verteilung der Fragebögen durch die Herren Religionslehrer sich bereits in .Ferienkolonien befanden, so kann man die Zahl dieser armen Kinder mit rund 3000 annehmen. Es wäre nun ein leichtes, alle diese Kinder mit den nötigen Schuhen und Winterkleidern zu versehen, wenn sich von den ca. 220 in Wien existierenden Vekl-iduna°-Bereinen*) ein nennenswerter Teil zu gemeinsamer einheitlicher Tätigkeit ohne die geringste Einbuße an der eigenen Autonomie vereinigen würde. Denn schon die derzeit in der Zentralstelle koalierten 14 Vereine sind in der Lage, beiläufig 1200 Kinder zu bekleiden und so den ersten Kristallisationspunkt zur Gründung des zukünftigen Kinderbekleidungsverbandes behufs Verbesserung, Modernisierung und Vereinheitlichung dieses Zweiges der Kinderfürsorge zu bilde?. Aller? dings zeigen diese Zahlen, daß dem weitaus größten Teile der vorhandenen interkonfessionellen Bekleidungsvereine eigentlich nun ein minimaler Wirkungskreis verbleibt, soweit es jüdische Kinder betrifft. Und nun zurück zur Verbandsfrage. Das aus der Mitte der koalierten Vereine gewählte permanente Komitee (Obmann Herr Pros. H. Steif) bat Recherche-Bögen herausgegeben, welche selbst gänzlich ungeübten Personen die Möglichkeit bieten, ein klares Bild über die Würdigkeit und Dürftigkeit der Gesuchswerber zu geben. Um nun diese Recherchen, die Grundbedingung jedex geordneten Armenpflege,. nach .einheitlichen Gesichtspunkten , auszuge» stallen und die Spreu vom Weizen zu trennen, sei es uns gestattet, folgende vier Kategorien von An suchenden aüfzustellen: Zu Kategorie 1 rechnen wir alle jene Familien, welche durch die Ungunst der Verhältnisse, durch langwierige. Krankheit, durch Verlust des Ernährers, durch Arbeitslosigkeit, in wirklichem offenkundigen Elend, in Rot und tiefer Entbehrung dahinleben und denen in jeder Beziehung (nicht nur in puncto Bekleidung) beizustehen Pflicht jedes wahren - Menschenfreundes ist. , ' *) Wie sich aus dem von Herrn Amtsleiter Rudolf Kraus mit großer Sachkenntnis zusämmengestellten Bereinskataster ergibt.

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