Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 47 (22.11.1912)
- Date
- 1912-11-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Sette 797 Dr. Bkochs Wochenschrift Man sieht, ich strebe darnach, mit unserem geschätzten Glossator einig zu gehen. Dafür wird er wohl die Einsicht haben, ein Stückchen Weges mit mir zu gehen. Ich meine nämlich, es ist jedenfalls sicher (was ich übrigens auch schon im Zentralwahlkomitee an.aedeutet habe), daß die Zionisten, di? es doch mit ih^en Programmen und ihren Kultusproblemen, die sie noch vor kurzem anläßlich der bevorstehenden Wahlen feierlich verkündet und eindringlich propagiert haben, ebenso ernst nehmen wie ihre Gegner mit ihren abweichenden Ansichten, sich eifrig und werktätig bemühen dürften, ihren Ideen innerhalb de- Vorstandkollegiums Geltung zu verschaffen. Es kann also nicht fehlen, daß die Sinne und.Meinungen dort im engeren .Raume hart aufeinander stoßen und daß ein Wett- und Widerstreit der gegensätzlichen Prinzipien entstehen wird. Aber immerhin, das verschlägt nichts. Das soll und mag sein,' werden viele denken. Darin kann man ja nichts Ungesundes, nichts Unfruchtbares erblicken, wenngleich auch dies (angesichts des früheren Widerstrebens) möglicherweise weniger den Sieg der besseren Erkenntnis, als die Tröstung der besagten Resignation zu kennzeichnen scheint. Das dermalige Kompromiß bezweckt mithin. und das MUß wohl genau distinguiert werden, lediglich die Sicherung des Wahlfriedens (bald hätte' ich ..Gottesfrieden" geschrieben, was aber gewiß eine niedliche Uebertreibung wäre). Der „Kampf der Wagen und Gesänge" vor d?r Wahl und am Wahltage wird vermieden : nicht vermieden und nicht ausgeschaltet wird der Widerstreit der Anschauungen und der Kultuspolitik der auf diese Weise aus dem Kreise der großen Öffentlichkeit in das kleine Milieu der Seitenslettengasse übertragen und möglicherweise auch dort in dem bilderber' hangenen. behaglichen Saale ausgefochten werden wird. Vielleicht ist dies, wie gesagt, nicht gar so unwillkommen. Aber eine, möglicherweise unbeabsichtigte. Anspielung hat mich verdrossen. Es wird — bei Besprechung des dermaligen Standes der Dinge - in den Glossen von Ein- und Unterordnung, von sanften Lämmern, die zu allem „Ja und Amen" sagen, gesprochen, ja es ist. wenn auch Mit einem' Seitenblicke und Seilenhiebe auf die Zionisten, sogar das Wort eines Statistenregimes gefallen, was bei rascher Lektüre an das Gleichnis erinnern könnte, das einstmals mit Barrierestöcken paradierte. Das jedoch ist ein Irrtum. Ich kann, ohne aus der Schule zu schwätzen, sagen, daß es wenige Ve-- ratungen und Sitzungen gibt, in denen nicht sachliche und fachliche Gegensätze aneinander prallen, eindringliche Wechselreden ausgetauscht und offizielle Anregungen bekämpft und zu Falle gebracht werden. Freilich, das kommt nicht vor, daß Fäuste auf den Tisch geschlagen. Türen dröhnend zugehaut oder persönliche Attacken geritten werden. Auch eine Opposition aus Justament, eine faktiöse Opposition gibt es dermalen nicht, eine Opposition, die sich an bloßen Widersprüchen ergötzt, ohne sachlich zu wirken und einzugreifen. Dazu ist die jüdische Sache und' die Sacke unserer Gemeinde jedem einzelnen Mitglieds des Kollegiums viel zu teuer und so wird es auch fernerhin bleiben. Das aber ist jedenfalls der Grund, weshalb früheren zionistischen Vertretern und sonstigen Revräsentanten der Vorhalt der Zahmheit gemacht wurde, sobald ihre Widerspänstigkeit die Luft der Seitenstettengasse eingesogen hatte. Die Glossen haben auch die Verhältnisse Galiziens und das Verhalten der zionistischen Abgeordneten und des jüdischen Klubs herangezogen, um daraus gewisse Konsequenzen und Belehrungen für das Kompromiß abzuleiten. Ich kann und will hierauf an dieser Stelle nicht näher eingehen. Es mag sein, daß cs angebracht ist, für die national-polnische Zusammengehörigkeit die Werbetrommel zu rühren. Es mag sein, daß es ange-r bracht ist, die Juden auf eine eigene jüdische PolitU, die freilich nicht gerade eine zionistische sein muß, zu weisen. Ich allerdings verstehe unter jüdischer Politik das Bemühen, das gesamtstaatliche Interesse und die Anwartschaften unserer Glaubensgenossen und unserer Gemeinwesen zu einem gedeihlichen, volltönenden Gleichklang zu bringen. Aber mit der Solidarität in jüdischen Sachen kommen wir leider nicht weit. Sie zu predigen und zu preisen, ist ein gewiß löbliches Beginnen. Aber das ist dach gar zu naheliegend; dazu bedarf es nicht erst, die Manen eines gewiß hochverdienstlichen Vorkämpfers der jüdischen Sache zu zitieren. Seit Allinghausen und wahrscheinlich schon vor ihm wird an Einigkeit gemahnt: aber oft und oft wird dieser Ruf mißachtet: Weniger in der Abwehr gegen äußere Angriffe: da pflegt der Appell doch noch zuweilen zu fruchten. Nicht immer aber verfängt er bei der Auseinandersetzung innerer Gegensätze und Zwistigkeiten. Mein Gott! Es war vorhin von Länvmern die Rede. Von der paradiesisch lockenden Ver-, heißung, daß da Lamm und Wolf friedlich nebeneinander weiden werden, sind wir doch noch ein bißchen entfernt. Gegensätze und Zwistigkeiten wird es. allen Kompromissen zum Trotz, immer geben. Das ist eben das Leben, und das Leben ist, wenn auch nicht der „zerfleischende" Krieg, so doch der Kampf. Nur sollen und wollen wir Juden trachten, den Kampf, der zwischen uns ausgetragen wird, in urbanen, vornehmen Formen zu führen und sollen dafür sorgen, daß aus diesem Stahlbade Ideen und Taten emportauchen, die unserer Allgemeinheit und unserer Großgemeinde zum Wohle gereichen. Korrespondenzen. Aus der Plenarsitzung des Knltusvorftandc's amt 10. November 1912. unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Im Einlaufe befinden sich: Spendenliste für die Pl narsihnng am 10 November 1912. Bon der Aktiengesellschaft für chemische Industrie namens des Verwaltungsrates und der Direktion, der Beamtenschaft. sowie namens verschiedener befreundeter Gesellschaften, anläßlich des Ablebens ihres Zentraldirektors Herrn Richard Rotier, für verschiedene Wohltäligkeitsanstalten und -Vereine . . K 700. Von Herrn Julius Hellmann anläßlich der Verehelichung seines Sohnes zur Verteilung an verschiedene Vereme.. ., 600. Von Herrn Moriz Haßberg noe. eines „bekannten Wohltäters" für verschiedene Wohltätigkeitsoereine . . . „ 400. Von Herrn Moriz Edlen von Kuffuer .anläßlich der hohen - Feiertage für die istael. Armen der Bezirke XVI. und XVJ., . . „ 200— Von Herrn ftalmann Lipschitz für das israelitische Versorgung-haus.. 25.- Von Herrn R. Herzog für einen jüdischen armen kranken 10.— Von Herrn Administrator H. Hönich anläßlich der Genesung seines Enkels Richard für den Waisenverein „ 10.— Entnahme aus der .Spendenbüchse im Ottakringer Tempel: für Arme.. 7.52 Entnahme aus der Spendenbüchse im Beipavillon des allgemeinen Krankenhauses: für die Erhaltung des Betpaoiklons.. „ 4.45 Weiters befinden sich im Einlaufe: Dankschreiben der Kultusgemeinde Jglau für die Teilnahme des Vorstandes anläßlich des Hinscheidens ihres Rabbiners Sr. Ehrwürden Dr. I. I. Unger. Dankschreiben des Herrn Direktor Alois Weishut für die Gratulation des Vorstandes anläßlich der Vermählung seines Sohnes. Einladung der» jüdischen Vereines „Einheit" zur Be-