Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 47 (22.11.1912)
- Date
- 1912-11-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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SMtr 795 Nr. 47 Dr. Mschs Gesellschaften und Privaten durch Sammlungen rastlos zu vergrößern bemüht sind, gehen schnell auf die Neige. Es werden große Sumtnen notwendig werden, um für so viele der Aermsten der Armen Matratzen und Decken. Kleider und Nahrung. Wohnstatt und Arznei. Holz und Kohlen herbeizuschaffen. Und noch ist das Elend nicht auf dem Gipfel. Der Krieg dauert fort, die Iudenschaft Adrianopels und Salonikis, unter deren Toren gekämpft wird, können jedem Tag vom gleichen Schicksale getroffen werden, wie die kleineren Gemeinden. Alltäglich fallen Tausende von Ottomanen, und uwer diesen fallenden Kämpfern sind gewißlich auch viele, viele der Unsrigen. Wenn der Friede geschlossen lein wird, werden alle diese gefallenen Brüder nicht wiederkehren, und ebenso viel armen jüdischen Familien werden ihre Stäben und Ernährer fehlen. Dann werden wir neue Tausende brotloser Seelen zu den bereits vorhandenen zu zählen und zu retten haben. Wir zittern vor der Katastrophe. die sich dann in ihrem ganzen Umfange vor uns auftun wird, und vor der Ungeheuerlichkeit der Aufgabe, die unser wartet. Es ist dem türkischen Judentums unmöglich, diese Aufgabe aus eigener Kraft allein zu erfüllen. Das Judentum der ganzen Welt wird sie übernehmen müssen. Einstmals, nach dem unglücklichen türkisch-russischen Kriege, war es Baron Hirsch, der die ruinieü'ien jüdischen Gemeinden rettete, indem er Millionen zu ihrer Verfügung stellte. Dieser hochherzige Beistand wird uns heute fehlen: sein nobles Herz schlägt nicht mehr unter uns. So muß denn das Alljudentum heute verrichten, was dieser, unsterbliche Wohltäter dereinst allein tat. Darum, jüdische Brüder, wenden wir uns an Euch>, pochen wir an Eure getreuen Herzen. Eilt uns zu Hilfe, schnell und entschlossen, helft so schnell und so kraftvoll als Ihr könnt! Es gilt einem ganzen erheblichen Bruchteil unseres Volkes! Der Grvßrabbiner der Türkei H. Nahoum Der Präsident des Landes Comites Ter Vertreter des Hilfsvereins der Alliance Jsraelite Universelle der Deutschen Inden I. Fernande; Dr. D. F. Markus, Oberrabbiner der Aschkenasim. Der Präsident der Großloge des Orient I. O. B. B. I. Niägo. Gäben sind zu richten an das: Großrabbinat der Türkei, Perä, Konstantinopel. Abram Pe'osow in der Schlacht bei Kumanowo. Schilderung eines Mitkämpfers. Nach der Schlacht bei Kumanowo wurde in unseren Reihen eine Episode erzählt, die auch in Zeitungen als authentisch berichtet wird. Während des Angriffs fiel der Fahnenträger des 7. Regiments und dadurch entstand in seiner Nähe einen Moment lang eine Stockung. Da er-« griff ein Belgrader Reservist, ein Spaniole namens Abram Pelosow, zufällig der Angestellte einer Wiener Firma, die Fahne und rief: ,.t?ap eä. Lratseüo!" (Vvr> wärts, Brüder!), worauf sich seine Kameraden wieder nach vorwärts in Bewegung setzten. Die Sache wurde deshalb vielfach besprochen, weil man den Pelosow bisher für einen ängstlichen und schwächlichen Menschen gehalten hatte. Wie die „Pravda" erzählt, erhielt der Mann nach der Schlacht vom Kronprinzen ein Geschenk, und bei dieser Gelegenheit gab er auf Befragen seiner militärischen Heldentat eine sehr rationalistische, fast möchte man sagen kaufmännische Deutung. Er sagte nämlich, er habe gesehen, daß es bis an den Feind nur noch zwei«' hundert Schritte wären, und wenn man da rasch vorwärts Wochenschrift stürme, hätte Man ents-^i»den mehr Au«ssckit, am Leben zu bleiben, als b»im Rückma über achthundert oder tausend Schritte auf freiem F-lde. Ich möchte aber glauben, daß er das nicht so bedacht hat. sondern man wird, wie ich es selbst empfunden habe, in solchen schrecklichen Situationen eben ein ganz anderer Mensch, und der rnhfaite, friedliebendste Mann wird da von den wilden Gefühlen, die die Masse ergreift, mit fortgerissen. Nicht nur wir. sondern auch andere Regimenter haben in der Schlacht bei Kumanowo s»hr viele Menschen verloren. B-sanders schwere Verluste erlitten auch das 18. und 13. Regiment. w«>lch teueres an der Entscheidung hervorragend miimirkte. Bloß die Zahl der Verwundeten, welche vom Moinent des 1lebersck>rei^e"s der Grenze bis zur Entscheidung von Kumanowo in Svitäler und Lazarette a-»bracht wurden, beträgt 5800. In den Kämpfen bei Kisstüemo und Pillen sind 3000 Mann verwundet Warden. Die Zahl der Taten kenne ich nicht. Von diesen Verwundeten wurden 1700 nach Uesküb gebracht. Armenarzt in Jernkalem. L ü b'e ck. 12. Novcmber. Auf Anregung der Deutsch-Holländischen/- V a lä st in a-Verwaltung bat sich dieser Tage ein Kamine» gebildet, das sich die Beschaffung der nötigen Mittel für die Anstellung eines Armenarztes in Jerusalem und im Anschluß bieran di-» Besserung der dortigen bygienischen Verhältnisse überhaupt zur Anfaabe hat. In einem vom Komitee erlassenen Aufruf heißt es u. a.: ..Es gibt vielleicht keine zweite Stadt, in der die rein«, hinaebunasvolle Menschenliebe so niete segensreich wirkende Deranstaltnnqen und Maßnahmen znr Milderung von Armut und Elend ins Leben gerufen hat. als Jerusalem. Es gibt aber auch wohl keine Stadt, in welcher durch den Zusammenfluß der Armen und Unglücklichen aus allen Ländern der Erde soviel Not und Elend an jeder Straßenecke uns entgeaenstarrt als in Jerusalem. Ungewöhnlich groß iß die Zahl der Aermßen unter den Armen, der Kranken und Siechen. Durch die schlechten Ernährunas- und Wohnimas^e'-bältuisse. durch" den Mangel an Araber und durch die unqünstiaen klimatischen Einflüsse iß die Zahl der Kranken eine ungewöhnlich große. Allerdinas lucht auch die große Zahl der Krankenhäuser. Spitäler und Greisenbeime dieses Elend nach Kräften zu Mildern. In den meisten dieser Institutionen finden K'-nnke in bestimmten Sprechstunden unentgeltlich ärztlichen Rat und Hilfe. Aber für die am meisten Bemitleidenswerten unter diesen Unglücklichen, für diejenigen, welche die Krankheit an ibr Schmerzenslaqer fesselt, weil sie nicht mehr die ärztlichen Sprechstunden ausluchen können, für diese Armen gibt es in Jerusalem mit seiner nahezu 50/>00 köpfigen, zum überwiegenden Teil notleidenden jüdischen Bevölkerung keine Kilfe. Es gibt in Jerusalem keinen Armenarzt, der dieienigen Kranken besucht, welche nicht mehr die Kraft haben, ihrerseits den Arü aufzusuchen. Die Aerrte an den verschiedenen Armenkliniken sind so überbürdet. daß sich ihre ärztliche Wirksamkeit auf ihren Kreis beschränken mutz. Die Inanspruchnahme sonstiger Aerzte ist entsprechend der allgemeinen Teuerung so koßsvieliq, datz die armen Kranken darauf verzichten müssen. Wieviel Menschenleben diese Kalamität schon gefordert hat und noch täglich fordert, ist auch nicht annähernd sestzustellen, ebensowenig wie die Zahl der Seelen, die dieser Jammer bereits den Fangarmen der Mission überantwortet hat. Diesem himmelschreienden Mißstand ist nur durch Aufstellung eines eigenen besoldeten Arztes mit Erfolg entgegenzutreten, der ausschließlich die Pflicht hat, die Kranken auszusuchen und ihnen ärztliche Hilfe zu bringen. Die Palästinaverwaltung der Pekidim und Amarkalim zu Amsterdam ist leider nicht in der Lage, die Gesamtkosten eines Armenarztes zu übernehmen. Sie ist aber gern bereit, einen wesentlichen jährlichen Beitrag dafür zu bewilligen, und es ist ihr auch bereits gelungen, mehrere angesehene Zionsfreunde für dieses bedeutsame Unternehmen zu interessieren, die zum Teil namhafte Jahresbeiträge dafür gezeichnet haben. Der bestehende Notstand spricht eine so beredte Sprache, datz es überflüssig, ja geradezu verletzend erschiene, wollten wir die Bitte um seine Abstellung Ihnen mit vielen Worten erst ans Herz legen. Wir bitten Sie daher so dringend und heimlich, wie wir es nur vermögen, dieses Unternehmen durch einen angemessenen