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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-11-22 · 47 (22.11.1912) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
47 (22.11.1912)
Date
1912-11-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Dr. Blochs Wochenschrift Seite 793 Nr. 47 Aktion gewinnen. Sie müssen kennen lernen, dass das Judentum nicht veraltet ist und daß die moderne Weltanschauung ihre besten Faktoren dem Judentum entnommen hat. (Grosser Beifall.) Wir wissen alle, dass die deutsche Judenschaft auf dem Aussterbeetat steht. Leider ist bei uns die Taufe auch kein seltenes Ereignis, ja auch unsere Judenschaft steht den Täuflingen ziemlich gleichgültig gegenüber. Jndifferentismüs herrscht überall. Die Jugend muss Interesse für das Judentum gewinnen, es müssen Mittel da sein, sie auch ausserhalb der Religionsschule zu interessieren. Wenn wir das Bewusstsein hegen, und sie Respekt für ihre Vorfahren und das Judentum bekommen, dann wird die Solidarität in der jüngeren Generation wieder erwachen. Wenn Sie mir Ihre Stimme geben, fy werde ich gewiss das Beste in dieser Hinsicht tun. (Lang anhaltender Beifall und Händeklatschen.) Hermann Plaschkes unterzieht in ausführlicher Rede die Tätigkeit des Vorstandes einer scharfen Krnik. Vor ungefähr 15 Jahren habe der jüdische Volksverein ein Kultusprogramm vorgelegt, das allgemeine Zustimmung gefunden, und trotzdem sei von demselben noch ein grosser Teil nicht durchgeführt worden. Das Tätigkeitsgebiet und die Befugnisse der Bezirkskommissionen seien noch immer nicht erweitert worden. Redner bringt die Rabbinerfrage in der Leopoldstadl zur Sprache und wendet sich, gegen den Standpunkt, dass diese Stelle durch eine Kapazität von auswärts besetzt werden müsse. Durch eine solche Auffassung werden dis Wiener Rabbiner unnützerweise zurückgesetzt. Auch die seit Jahren in Aussicht genommene Statutenänderung ist bis heute nicht in denk Masse durchgeführt worden, als notwendig. Wohl wurde der § 68 des Statutes geändert. Die Aenderung besagt jedoch nichts anderes, als dass die Stiftungs- und Widmungsbeträge nur denjenigen Zwecken zugewendet werden dürfen, für welche sie gewidmet wurden. Im weiteren Verlaufe seiner Rede lenkt Herr Plaschkes die Aufmerksamkeit des Vorstandes darauf, dass gegen ein Mitglied des Beth Din in zwei öffentlichen Versammlungen schwerwiegende Anwürfe erhoben wurden, welche dann auch in die antisemitische Presse Eingang gefunden Haben. Es wäre nun Sache des Präsidiums gewesen, diese Anwürfe auf ihre Wahrheit zu untersuchen und, falls sie unbegründet befunden wurden, den angegriffenen Rabbiner gegen seine Verleumder in Schutz zu nehmen und die antisemitische Presse zu berichtigen; erweisen sich jedoch die Beschuldigungen als wahr, gegen den Rabbiner in unnachsichtlicher Weise vorzugehen. Zum Schlüsse erhebt der Redner dagegen Beschwerde, dass bei dem Baue des neuen Tempels Am Volkert, dessen ObMann der Kultusvorsteher Schramek ist, eine der Tischlerarbeiten an einen Richtjuden vergeben worden feien. Er wisse wohl, dass zwischen demErsteher der Arbeiten und dem nächstbilligen jüdischen Bewerber ein grosser Preisunterschied besteht, doch sei er der Meinung, dass genau so, wie «es!wohl ausgeschlossen fein dürfte^ dass.-Juden bei einem Kirchenbau Arbeit finden, auch bei einem Synagogenbau der jüdische Handwerker auch dann berücksichtigt werden müsse, wenn er dem christlichen Kompetenten gegenüber teurer ist. An die Ausführungen des Herrn Plaschkes knüpft : sich eine längere Debatte. Kultusvorsteher Schramek weist nach, dass sämtliche Arbeiten, auch die meisten Tischlerarbeiten, an jüdische Handwerker vergeben wurden. Auch bei Vergebung der Sitzbänke habe er die jüdischen Tischler eingeladen, von dem angebotenen Preis einen Nachlass zu gewähren, und erst, als die Unterhandlungen gescheitert seien, haben jüdische Tischler selber empfohlen, diese Arbeiten dem nichtjüdischen Bewerber zuzuwenden. Bei Verwendung öffentlicher Gelder konnte er sich nicht berechtigt hallen. für eine Arbeit ca. 15.000 Kronen mehr auszugeben, als das billigste Offert ausmachte, zumal für die sichere und tadellose Ausführung der Arbeiten durch den Ersteher genügende Garantie geboten wurde. In demselben Sinne klärt der mit dem Baue der Synagoge betraute Architekt Reiser die Angelegenheit auf. Kultusvorsteher Vrod spricht für die jüdischen Handwerker. Advokat Dr. Guttmann bespricht gleichfalls die von Herrn Plaschkes berührte Rabbiner-Angelegenheit. Demgegenüber erklärt Präsident Dr. Alffed Stern, daß der Vorstand seinerzeit alle gegen die Rabbiner voygebrachten Beschuldigungen durch eine Untersuchungskommission habe genau prüfen lassen, doch habe sich selbst bei der rigorosesten Auffassung nichts Nachteiliges gegen den Angefeindeten ergeben. Man möge doch nicht immer mit denselben sich durch die Untersuchung als haltlos erwiesenen Anwürfen kommen. Vizepräsident Dr. Gustav K o h n betont gleichfalls, datz der Vorstand nicht auf blosse Ausstreuungen, vages Gerede hin seines Amtes walten könne. Dr. Plaschkes beschäftigt sich in seinen Ausführungen mit dem Religionsunterrichte, der bei der heutigen Methode nicht seinen Zweck erfülle, und regt mehrere Verbesserungen in der Gemeindebibliothek an. Besonders ist er der Meinung, dass unsere Bibliothek deshalb nicht den gewünschten Nutzen bringen könne, weil sie für die jüdische Bevölkerung der äußeren Bezirke zu entfernt gelegen ist. Aus diesem Grunde wären auch in den bevölkerten Bezirken Bibliotheken zu schaffen. In Vertretung des Vereins jüd. Portiere und Hausbesorger richtet Herr Blechner einen warmen Appell an die Versammelten, insbesondere an die Mitglieder der Bezirkskommissionen und Beihausvereine, den Verein in feinen wichtigen sozialen Bestrebungen zu unterstützen, jüdische Portiere und Hausbesorger unterzubringen. Alle jene 60 Personen, welche der Verein seit seinem zweijährigen Bestehen untergebracht hat, haben alle Vorurteile. welche bis dahin geherrscht haben mochten, glänzend zerstört. Redner nehme die Gelegenheit wahr, auch an dieser Stelle dem Herrn Präsidenten Dr. Alfred Stern den Dank des Vereines dafür auszusprechen, daß er die Ziele des Vereines seit dessen Entstehen aufs Merktätigste unterstützt und dadurch zu den erzielten Erfolgen das Wesentlichste beigetragen hat. In vorgerückter Stunde schloß hierauf der Vorsitzende die Versammlung mit einem Dan? an die erschienenen Wähler. vom Aabrmarkt des Lebens. Briefe aus Galizien. Schreiber dieser Zeilen möchte wieder einmal die Aufmerksamkeit eines weiteren jüdischen Kreises auf die Verhältnisse lenken, unter welchen die zahlreichen jüdischen Gemeinden in Galizien ihr Dasein fristen. Vor anderthalb Jahren ungefähr sind die Lebensbedingungen dieses bedeutenden Bruchteiles des ganzen jüdischen Volkes vorwiegend vom kulturellen und ökonomischen Standpunkt aus in der Wochenschrift leidenschaftslos und gegenständlich dargestellt worden. Das damals entworfene Bild hat so manches Unangenehme und Unerfreuliche bringen müssen. Die Lage hat sich hier seitdem nicht gebessert. Der leidenschaftliche Chauvinismus der polnischen, beruflichen Hetzpolitiker, der Import der überhitzten Köpfe und überreizten Gemüter aus Russischpolen und aus dem Posenschen haben an Macht und Zahl gewonnen. Es wäre sehr verlohnend, diesen fremden Entwicklungsquellen nachzugehen und den Einfluß dieser Ausländer auf den Entwicklungsgang der autochthonen galizifchen slavischen Einwohner zu messen. Besonders Lemberg mit seinem unerträglichen nationalistischen Hurrapatriotismus würde sich als Filiale voy

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