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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-11-22 · 47 (22.11.1912) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
47 (22.11.1912)
Date
1912-11-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 798 Dr Blochs WocheMrfft M. *1 — Arbeiter. Wenn Sie mir wieder Ihre Stimme geben wollen, so wird es mir eine besondere Ehre und ein großes Vergnügen sein, auch weiterhin für unsere Gemeinde zu arbeiten. (Lebhafter Beifall.) Vizepräsident Dr. Gustav Kohn (mit anhaltendem Beifall begrüßt): Meine sehr verehrten Herren! Ich danke Ihnen vor allem für den freundlichen Empfang und glaube, mich ganz kurz fassen zu dürfen. Ich diene der Gemeinde seit dem 1. Jänner 1885, d. i. seit 27 Jahren. Wenn man in dieser Zeit nicht nur schon ein Programm entwickelt, sondern auch zur Ausführung gebracht hätte, so wäre das eine sehr böse Sache. Ich, selbst bin auch kein Jüngling mehr und dürfte mich in den letzten Jahren meines Lebens nicht mehr ändern. Wenn Ihnen die Tätigkeit, die ich bisher entwickelt habe, genehm ist und wenn Sie diese meine Arbeit als mein Programm anzusehen belieben, stelle ich mich auch für die weitere Zukunft gerne zur Verfügung. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Kultusvorsteher Prof. Dr. Josef P-Aak (Lebh. begrüßt): Sehr geehrte Herren! Wenn ich. auch nicht auf eine so lange Tätigkeit im Vorstande zurückblicken kann, wie meine geehrten Herren Vorredner, so kann ich doch, ohne zu fürchten, der Un-i bescheidenheit geziehen zu werden, behaupten, daß ich in den 6 Jahren meiner Wirksamkeit im Vorstände, darunter 4 Jahre im Vertreterkollegium, mit zu den fleißigsten und arbeitsfreudigsten Mitgliedern gehöre. Meine Hauptagenden waren selbstverständlich die Wohltätigkeitsanstalten der Gemeinde, in erster Linie unser Spital, das in den letzten Jahren eine ungeahnte Blüte erreicht hat, die wir unserem ausgezeichneten Direktor und den ebenso wissenschaftlich, als auch als Menschen hochgeachteten Primarärzten zu verdanken haben. (Lebh. Beif.) Es war ein glücklicher Tag, an dem' mein Referat über die Besetzung des nach hem Tode unseres unvergeßlichen Hofrat Oser freigewordenen Direktorpostens und der, Primarärzte der internen Abteilungen im Vorstande zur Annahme gelangte. Dabei ist es unseren gemeinschaftlichen Bemühungen gelungen, trotz der ungeheuren Preissteigerung aller Nahrungsmittel, ohne Beeinträchtigung der Patienten, ohne Erhöhung des bisher von der Getmeinde geleisteten Zuschusses auszukommen. In der letzten Zeit mit den Vorarbeiten für das in der Brigittenau neuzuerrichtende Kinderspital beschäftigt, hoffe ich, daß ohne Neubelastung der Gemeinde eine Institution geschaffen wird, die den Aermsten der Armen zum Heil und Segen, uns zuM Ruhme gereichen wird. Bei Beratung von Kultusfragen habe ich immer für die Be< willigung gerechter Forderurgen gestimmt. So will ich es auch weiter halten, wenn Sie mir die Ehre geben, mich wieder zu wählen. (Langanhaltender Beifall.) Kultusvorsteher Adolf Schrämet (Sympathisch begrüßt): Sehr geehrte Herren! Für Ihre freundliche Begrüßung, die Sie mir durch Ihren Applaus zuteil werden ließen, statte ich Ihnen meinen besten Dank ab. Als ich vor 6 Jahren die Ehre hatte, vor der geehrten Versammlung zu erscheinen, habe ich das Wort gegeben, wenig zu reden und mehr zu arbeiten. Ich glaube, letzteres in jeder Art und Weise eingelöst' zu haben. Ich war in der ersten Kommission, welche über alle jüdischen Angelegenheiten verhandelt, tätig, habe für die Tempelvereine stets bei Erteilung von Subventionen mein Möglichstes getan, indem ich von dem Grundsatz ausging, daß die Tempelvereine die Agenden, welche der Kullusgemeinde rufallen, wesentlich fördern. Wir haben ein würdiges Gotteshaus in der Leopoldstadt erbaut, dessen Vollendung ich in Bälde entgegensehe, unr dem Unfug des Betens in Spelunken und Gasthäusern ein Ende zu machen. (Lebhafter Beifall.) Ferner war ich Obmann des Baukomitees und habe ich durch Hereinziehung externer Mitglieder, einiger Aüchö, tekten und Baumeister das Komitee verstärkt und dadurch eine ordentliche Vergebung der Arbeiten der Kultusge^ meinde durchgeführt, und stets yiar derjenige, der das billigste Offert einbrachte, Ersteher. Ich habe auch das Referat über den Bedarf der Kohle für die Kultusgemeinde isnnegehabt, ich selbst habe mich von der Lieferung ausgeschlossen, hingegen für die Kultusgemeinde stets am günstigsten eingekauft. Auch bei der Armenanstalt, wo ich Vorstand bin, habe ich stets am Prinzip festgehalten, jedermann durch Freundlichkeit und Wohlwollen zu behandeln und wo nötig selbst einzugreifen. Wenn Sie mit meiner Tätigkeit in den 6 Jahren zufrieden waren, so ersuche'ich Sie.' mir am 24? November Ihre Stimme wieder zu geben, und verspreche ich Ihnen, meinen Verpflichtungen stets nachzukommen. (Lebhafter Beifall.) - Kultusvorsteher Kommerzialrat Simon (Beif. begrüßt): Meine sehr verehrten Anwesenden! Vor 6 Jahren wurde ich durch Ihr Vertrauen in den Vorstand entsendet und war bestrebt^ dieses Mandat nach bestem Wissen und Gewissen - auszuüben. Wenn sich' Ihre Meinung nicht geändert hat, bitte ich um Ihre Stimme und Wiederwahl in den Vorstand. (Lebhafter .Beifall.),, . .... Kultusvorsteher Dr. Maximilian Steiner (Mit lebhaftem Beifall begrüßt): Sehr verehrte Herren! In bezug auf die Vergangenheit kann ich mich leider nur neben die alten Herren stellen. Ich bin nämlich 25 Jahre im. Vorstand, also zwischen 24 und 27 Jahren so .ziemlich in der Mitte. Dagegen kann ich mich auf geschehene Taten nicht beziehen, sondern ich vertrete ein Zukunftsprogramm. Ich habe nämlich vor einiger Zeit in Erkenntnis der Mängel unseres Religionsunterrichtes ein Programm für die Reformierung desselben ausgearbeitet. Der Vorstand hat dies Programm akzeptiert und für die . Durchführung desselben zunächst 5 Probeschulen bestimmt. Dieser Probe möchte ich noch anwohnen, und dann wäre es an der Zeit, wenn ich jüngeren Leuten Platz machen würde. Meine Autorschaft befähigt mich nämlich, noch da und dort nachzuhelfen, und ich würde mich glücklich schätzen, wenn Sie mir dazu Gelegen-, heit geben würden. Unsere jungen Leute lernen sehr viel in der Schule, und nach dieser Richtung habe ich! dieses Programm verfaßt. Ich hoffe, daß es ganz zur Ausführung komMt, ebenso wie ich .hoffe, daß es sich so bewähren wird, daß es für weitere Schulen und für alle Mittelschulen ausgenommen wird. Unsere jungen Leute haben keinen Respekt vor dem Jüdischen in der Schule. Das jüdische Haus versagt gänzlich oder wenigstens zum großen Teil. Unsere Mütter in Israel sind nicht sehr jüdisch gesinnt, und die Lehrer hören sehr oft, daß sie "besser tun würden, Französisch rc. zu lehren. Wir müssen darauf sehen, daß den Schülern die jüdische Geschichte und Hebräisch in einer Weise gelehrt werde, daß sie ihnen die Religionsschule nicht verhaßt machen. Sie Müssen mit tätig sein und müssen selbst Interesse für die

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