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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-11-22 · 47 (22.11.1912) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
47 (22.11.1912)
Date
1912-11-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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iit. 4? Dr. Biochs Wochenschrift Ld.r>?S1 Schließlich soll eines verdienten, ehemaligen Mitgliedes des Vorstandes, des Herrn Hofrai.es t t. Hafenvau- Direktors Tauss i g, nicht vergeben werden, der infolge seiner Krankheit , schon vor Jahren aus dem Vorstände ge-' schieden ist. Ich hätte eigentliche noch dieses Aeselionlaus in mehreren Punklien zu ergänzen, denn wir haben leider noch eine weitere Reihe teurer Gemeindemitglredrr verv loren und Sie, meine hochverehrten Herren, haben durch Erheben von den Sitzen schon bekundet, daß wir Ihnen allen in diesem ein treues Andenken bewahren werden. Ich befinde mich heute hier in einer eigentümlichen Lage, denn ,es ist meine Aufgabe, als Präsident der Kultusgemeinde dieser vom Vorstand einbo-» rufenen Versammlung zu präsidieren, andererseits habe ich mich Ihnen heule auch in meiner Eigenschaft als Kandidat für den Vorstand vorzustellen. Es ist dies ein sonderbarer Fall, daß ich gleichzeitig präsidieren und kandidieren muß, aber ich werde mich dieser Doppel-lAufgabe so gut oder auch so schlecht, als es geht, zu entledigen trachten. Vielleicht ist es auch ein sonderbarer oder wenigstens seltener Fall, daß ein Mann, wie ich, noch im 82. Lebensjahre als Kandidat für eine öffentliche Korporation vor einer Wählerverf. sammlung erscheint. Aber ich glaube, beziehungsweise ich halte mich verpflichtet, die Tage oder Jahre, welche mir noch von Gott beschieden sind, und so lange mein Körper es erlaubt, so lange mein Herz für meine Glaubensbrüder so warm schlägt und meine geistigen Fähigkeilen mehr oder weniger beisammen sind, dem Dienste meiner Glaubensgenossen zu widmen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Seit 24 Jahren gehöre ich dem Vorstande unserer Gemeinde an, und als ich vor 24 Jahren in einer Versammlung ungefähr um dieselbe Zeit, vor die Wähler unserer Gemeinde hintrat, da sagte ich: „Es ist eine sehr schöne Sache, daß wir uns dem Kultus, dem Religionsunterrichte und der Pflege unserer rituellen Einriichtungen hingeben, aber unter den gegebenen Verhältnissen habe der Kultusvorstand doch noch eine weitere Pflicht, er habe sich nicht an die Grenzen der ihm durch das Gesetz festgelegten Kompetenzen zu halten: es sei niemand da, der für uns Juden eintrete, der Vorstand mutz daher die ihm durch das Gesetz vorgeschriebenen Befugnisse überschreiten und mutz für unsere Glaubensbrüder und für unsere Gemeinden überall dort das Wort führen, wo es eben von anderer Seite geführt werden sollte, aber nicht geführt wird. Das war damals zur Zeit des hereinbrechenden oder schon hereingebrochenen Antisemitismus, und diese meine Anschauung hat tatsächlich auch im Vorstand Anklang gesunden: denn unmittelbar, nach-, dem ich in den Vorstand eingetreten war, habe ich eine große Denkschrift vorgelegt, über alles das, was wir Juden an Verfolgungen, an Präterierungen, an Gesetz-, Widrigkeiten zu leiden hatten. Diese Denkschrift liegt heute noch im Archiv der Kultusgemeinde, sie ist da-j Mals tatsächlich dem betreffenden Minister überreicht wor«- den, und ganz wirkungslos war die Sache doch nicht. Und wenn Ihnen,' meine hochverehrten Herren, in dem jetzigen Wahlaufruf wieder als Pflicht des Vorstandes angegeben wird, datz er für unsere verfolgten, gequälten» und präterierten Glaubensbrüder eintrete, so vermisse ich in diesem Aufrufe nur ein Wort, datz es nämlich darin heißen sollte „wie bisher" oder „wie seit jeher". Denn das alles hat der Gemeindevorstand seit 20 Jahren tatsächlich geübt, und er wird in diesem Sinne und in diesem Geiste auch weiter seine Tätigkeit fortsetzen. Und noch in anderer Richtung gestalten Sie mir, meine hochverehrten Herren, dem Aufrufe, den Sie ja wahrscheinliche aus den Zeitungen kennen werden, eine Ergänzung beizufügen. Es i|t ja selvstverstandlich, datz eine Wiener xuuusgemetnbe, wie schon der vtame sagr, in allererster Lmre dem Kultus sich zu widmen und alle bantu verbundenen religiösen und rituellen Emruy-, tungen zu scyanen und.zu pflegen hat. Das altes ist ja selbstverständlich, und — sollte man glauoen — üoerflüssrg, das altes einem Ausrufe an die lüoiscye Wählerschaft noch hinzuzulügen. Aber die Mißverständnisse, welche das bekannte Wort „Religion ist Privatsache" bei uns gefunden hat und bei dem Umstande, als di« Aufgabe des Kultusvorstandes nach einer anderen Richtung, die ich bereits früher erwähnt haoe, so außerordentlich betont wird, und gerade m der heurigen Zeit doch für notwendig gesunden wrrd, halte ich es auch für notwendig, datz in einem Aufrufe, in welchem Kandidaten für die Wahl in den kultusvorstand empfohlen werden, zu allererst nahegelegt werde, daran zu denren» datz für einen Kulmsvor,tan0 die Aufgabe gegeben tst und die Pflicht, die religiösen Einrichtungen M wahren und zu fördern. (Lebhafter Beifall.) Meine sehr verehrten Herren! Ich will Sie nicht länger ermüden, ich glaube vlelmehr, mit diesen Worbten bereits die Richtung angedeutet zu haben, welche ich in den 24 Jahren, seitdem ich im Kultusvorstand« zu wirken die Ehre habe, eingehalten und eigentlich in einem allerdings beschränkteren Kreise — möchte ich sagen — schon seit langen, langen Jahren vorher für unsere Gemeinde und die Iudenschaft im allgemeinen betätigt habe. Es ist der gerade Weg, den ich wandelte, das ist der Weg, den ich auch weiter wandeln werde und so lange mein Körper, mein Herz, und mein Kopf mir beistehen> so lange will und werde ich mein Bestes für das Wohl unserer Gemeinde und für das Wohl unserer Glaubensbrüder, für unser armes, gequältes und verfolgtes Volk beitragen, um so mehr, da mancherlei dafür spricht, datz gerade jetzt .ein entschiedenes und kräftiges Eintreten, vielleicht mehr als je, erforderlich sein wird. Hiermit, meine sehr verehrten Herren, schließe ich meine Kandidatenrede. (Großer Bestall und andauerndes Händeklatschen.) Ich werde jetzt her Reihe nach die Herren auf die Tribüne rufen, welche als Kandidaten sich vorstellen wollen, und dann werde ich den Herren, welche zu Anfragen das Wort wünschen oder sonstige Wünsche auf dem Herzen haben, das Wort erteilen. Bevor ich jedoch dem nächsten Redner, dem Vorstandsmitgliede Herrn Emanuel Hofsmann, das Wort erteile, möchte ich bekannt geben, datz — wie die geehrte Versammlung schon wissen wird — Herr Dr. Anselm Holpern erklärt hat, datz er nicht mehr für den Vorstand kandidiere. Ich selbst habe ihn, der ein sehr eifriges Mitglied des Vorstandes war, zu bewegen versucht, er möge seine Kandidatur aufrecht erhalten. Er lehnte jedoch aus verschiedenen Gründen ab. Wenngleich seine Tätigkeit im Vorstande nur zwei Jahre gedauert hat, sind wir ihm doch Dank für dieselbe schuldig. (Lebhafte Zustimmung.) Numirehc bitte ich Herrn Kollegen Hosfmmm, das Wort zu ergreifen. Kllttusoorsteher Gmanuel Hoffmann: Meine sehr geehrten Herren! Nach den Ausführungen unseres hochverehrten Präsidenten, neben dem ich mich feit ca. 20 Jahren dem Dienste der Kultusgemeinde widme, möchte ich darauf verweisen, datz ich vor der Einverleibung der Vororte in Währing 16 Jahre hindurch als Präsident der damaligen selbständigen Kultusgemeinde, soweit es in meinen Kräften lag, mein bestes Können in den Dienst unserer Gemeinde gestellt habe. Ich bin kein Redner, sondern ein

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