Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 47 (22.11.1912)
- Date
- 1912-11-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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tzseile 790 >Jlt. 47 Dr. Blochs Wochenschrifl heraufbeschworen. Europa zuckt und zittert jetzt in Fieberschauern anläßlich der politischen Umwälzung bei der Katastrophe auf dem Balkan. In den Wirbel der Ereignisse können plötzlich auch vernichtende Kanonen unserer Monarchie hineindröhnen. Das ist keine Zeit, in welcher man die Gefühle der Bürger für einen innern Zwist aufrüttelt und herbeiruft. Der Streit in der Kultusgemeinde würde sich gewiß kläglich abheben von dem gewaltigen Hintergrund der Weltgeschichte, welche heute den Spruch des delphischen Orakels an den medischen König als Motto hat: „Wenn du über den Halys gehst, wirst du ein großes Reich zerstören." In der allgemeinen Erre? gung aber können wir den Wahlen in die Kultusgemeinde Erhebung, Größe und Bedeutung geben, wenn sie im Zeichen der Einigkeit stehen. Alles schart sich jetzt zusammen, festigt sich, schließt sich aneinander für die bevorstehenden Kämpfe. Das Judentum hat diese Festigung besonders nötig durch die Vielheit seiner Feinde. Niemand kann wissen, wann wir im Inland oder Ausland alle unsere Macht, unsere Instanzen und Organisationen für ein Vorgehen notwendig haben. Mag die zweitgrößte Iudengemeinde der Welt eine solche Instanz bedeuten, wuchtig durch ihre Eintracht, ohne Feindseligkeit im Rücken, ohne selbstgeschaffene Hindernisse. Es ist aber auch nötig, ihr Bedeutung zu geben durch das große Interesse der Wählerschaft. Eehedaherjeder Stimmberechtigte am Sonntag ohne Bedenken und ohne Verdrossenheit zur Urne und demonstriere durch seinen Stimmzettel für den neuen, dauernden Frieden, für die Größe und Eintracht unserer altehrwürdigen Gemeinde. Wir empfehlen die Einigkeitskandidaten: a) Für die sechsjährige Mandatsdauer.' (weißer Stimmzettel) Kmanuet Soffmann. Hausbesitzer, XVIII., Karl Ludwigstraße 27 Ar. Gustav Kohn, Hof- und Gerichtsadvokat, IX., Hahngasse 25 Ar. AosefWoklast. k. k. Universitäts-Professor, I., Annagasse 1 Adokf Schrämest, k. u. k. Hoflieferant, Kohlenhändler, II., Rovaragasse 21 Leopold Simon, k. k. Kommerzialrat, Metallwarenfabrikant, I., Freisingergasse 1 Ar. Mammittan Steiner. Privatier, IX.. Eünthergasse 2 Ar. Alfred Stern, em. Hof- und Gerichtsadvokat, II., Untere Donaustraße 27 Ingenieur poliert Stricker, Oberkommissär der k. k. Staatsbahnen, III., Bechardgasse 24. b) Für die zweijährige Mandatsdauer: (blauer Stimmzettel) Ar. Jakob Kyrlich, Hof- und Eerichtsadvolat, L, Neuthorgasse 15. MichlerVersarnrnlurrg der israelitischen Knltusgemeinde vom Samstag den 16 November 1912. Im großen Beethovensaal, I., Strauchgasse 4, fand Samstag den 16. November die diesjährige vom Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde einberufene Wählerversammlung statt, die unter dem Vorsitz des Präsi-s denten Dr. Alfred Stern, trotz mancher stürmischen Unterbrechungen, einen würdigen Verlauf nahm. Am Vorstandslisch sah man als Vorsitzenden Herrn Dr. Alfred Stern, den Vizepräsidenten Landesschul-i rat Dr. Gustav Kohn. ersten Sekretär kais. Rat Dr. Theodor Lieben und Sekretär Dr. Emil Adler. Der Vorsitzende begrüßt die Versammlung mit nachstehenden Worten: Ich habe die Ehre, die heutige Wählerversammlung in Angelegenheit der bevorstehenden Wahlen in die Kultusgemeinde zu eröffnen und Sie, meine hochgeehrten Herren, namens des Vorstandes auf das Herzlichste zu begrüßen. Der Bericht des Vorstandes über die beiden letzten Verwaltungsjahre ist in Ihren Händen, und ich halte es nicht für angezeigt, denselben zu verlesen, zumal ich denke, daß Sie alle diesen Bericht über die Tätigt keit des Vorstandes zur Kenntnis genommen haben werden. Wenn ich aber aus diesem Tätigkeitsbericht doch einiges hervorheben soll, so ist es besonders das Moments daß wir in diesen zwei Jahren, seitdem wir uns das letztemal zusammengefunden haben, eine Anzahl hochansehnlicher und schätzenswerter Mitglieder dieser unserer) Gemeinde durch den Tod verloren haben. (Die Versammlung erhebt sich von den Sitzen.) Wie Sie alle woU wissen, ist Herr David Ritter von Gutmann, dessen Name mit so vielen unserer Gemeinde- und Wohltätig-- keitsanstalten, sowie auch mit unserer Gemeinde selbst unvergänglich verknüpft ist, dahingeschieden. Aber ganz besonders hat er sich — wie Ihnen wohl zur Kenntnis gekommen ist, - auch noch durch eine Spende, welche er wenige Wochen vor seinem Tode zur Gründung eines jüdischen Kinderspirales gemacht hat, ein dauerndes Andenken in unserer Mitte erworben. Ein weiteres treues Mitglied hat der Vorstand in der Person des Herrn Mar Frank verloren, der einer der ausgezeichnetsten Referenten für unser Budget war, das bekanntlich nicht gar so leicht abzufassen ist. In Freiherrn Albert von Rothschild hat unsere Gemeinde einen Gönner verloren, der noch kurze Zeit vor seinem Hinscheiden — und ich darf wohl sagen über meine Initiative - durch eine große hochherzige Schenkung eine Vergrößerung unseres Spitales ermöglicht hat. Dieses nächst dem Spital befindliche Haus wurde dann adaptiert und für Spitalszwecke eingerichtet. Einen schmerzlichen Verlust hat die Gemeinde ferner durch das Ableben des Herrn Bernhard Pollak von Parnegg erlitten, der allerdings nur kurze Zeit dem Vorstände und dem Vertreter-Kollegium angehört hat. Weiters möchte ich noch erwähnen des Architekten Jakob Modern, der — wie Sie alle wohl wissen — wenn auch nicht im Gemeinde-Vorstände, doch als Vorstandsmitglied des Bethausvereines für den VIII. Bezirk sich für unsere Gemeinde namhafte Verdienste er», worben hat. Speziell als Mitglied des Baukomitees der Knltusgemeinde hat er sich um diese besonders verdient gemacht, da er wirklich mit ganzem Herzen und seinem ganzen Können für die Interessen unserer Ge,- meinde gearbeitet hat. Noch möchte ich erwähnen, daß vor kurzem eine sehr verdienstvolle Frau aus dem Leben geschieden ist, Frau Regine L a n d e i s, die sich in außerordentlich werktätiger Weise der armen, verlassenen, jüdischen Kinder angenommen hat.