Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 46 (15.11.1912)
- Date
- 1912-11-15
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Sette 766 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 46 nachdem er einleitend die allmähliche Entwicklung- und Anerkennung der vergleichenden Religionsgeschichte als besonderer, selbständiger Wissenschaft geschildert hat. — Die „Erinnerungen an Wilhelm Goldbaum“ (von Dr. M. Epstein, Brünn) betreffen Goldbaums Werk „Literarische Physiognomien“, dessen Vorzüge rühmend anerkannt werden. — Aus dem in Vorbereitung begriffenen Werke Roald Amundsen’s über seine Entdeckung des Südpols gelangt hier der Abschnitt: „Auf der Eisplatte“ zum Vorabdruck. — Hans Land’s Boman „Alfred von Ingelheims Lebensdrama“ wird weiter fortgesetzt. — Die Rundschauen erscheinen wieder in besonderer Reichhaltigkeit und Abwechselung; zu der üblichen Sozialpolitischen (von Senatspräsidenten Dr. Flügge), Theologisch-kirchlichen (von Theodor Kappstein), Literarischen, über Gerhard Hauptmann (von Friedrich Stein-Berlin) und Wirtschaftlichen Rundschau (von Horatio) gesellen sich eine Militärische (von Oberst!, a. D. le Juge), Ethische (von Albert Bach), Gesellschaftliche (von Dr. J. von Bülow) und Theater-Rundschau (von Otto Neumann-Hofer). f Briefkasten. Hans B. (Das verjudete Balkanproblem.) Das „Deutsche Volksblatt" löst das ganze Balkanproblem:, der „Jud" ist an allem schuld! Das Blatt hat sich dazu den Fürsten Dolgorukow verschrieben, der dem vergnügt aushorchenden Schriftleiter zunächst mitteilte, daß die jüdischen Finanzkreise den Krieg herausbeschworen hätten, indem sie den Balkanstaaten das nötige Geld gaben. Warum taten sie das? Auch das weiß Dolgorukow. Nämlich: damit in der Folge auch Rußland in einen Krieg verwickelt werde, eine Niederlage erleide, so daß die innere Revolution dann freie Hand hätte. Der „Volksblatt"-Fürst weiß aber n2ch viel mehr, er weiß, warum die Türken geschlagen wurden, w^'ß, wie der Balkan verteilt werden wird (Albanien und 'Macedonien will er den Türken nicht wegnehmen, auch wird er dem König Ferdinand den Einmarsch in Konstantinopel energisch verbieten), weiß überhaupt die Vorgänge der Zukunft genau vorauszusagen. Vor allem 'wird sich Rußland keinen Krieg aushalsen lassen, darüber ist sich Dolgorukow samt seinem Freunde Sasonow einig. Man wird den Juden doch nicht den Gefallen tun! Im weiteren Verlaufe aber zeigt sich der moskowitische Aristokrat merkwürdigerweise als Prognostiker republikanischer Morgenröten. Bulgarien und Serbien, sagt er, können den Etat der königlichen Familien nicht länger mehr bestreiten, und so werden sie sich in Republiken umwandeln. Was ist's aber mit Montenegro? Gerade dies kleine Ländchen wird doch einen König vertragen? Die Geschichte wird noch toller; der Fürst schreibt der Pforte diktatorisch vor, daß sie in dieses autonome Makedonien und Albanien christliche Gouverneure entsende. Nun also! Was will das „Deutsche Volksblatt"? Warum schmäht es die verdienstvollen jüdischen Finanzkreise, ohne die doch dieser Kreuzzug des Christentums angeblich nie zustande gekommen wäre? Das jüdische Kapital benimmt sich doch höchst edel, wenn es die Straßen nach Stambul, wo das Kreuz auf die Hagia Sophia gepflanzt werden soll, mit klingendem Golde pflastert. Wieso geht das gegen Rußland? Und wie ist das mit den Revolutionen, die in Bulgarien heilsam, aber in Rußland selbst Teufelswerk sind? Und warum brachen die Juden nur in russischer Revolution? Warum nicht auch in bulgarischer? Dort geben sie vielmehr Geld her, stützen die Dynastie und brüten Unheil, hassen das Christentum und unterstützen den Kreuzzug, sind in ihrer verbrecherischen Habgier und Umstürzlersucht an allem schuld, auch an den christlichen Gouverneuren, was aber doch eigentlich ein Verdienst sein dürste. Jedenfalls ist das Blatt zufrieden, es hat seinen ausschmetternden Hepp- Hepp-Ruf und hat den Ruhm, einen echten russischen Fürsten eingesangen zu haben. Dr. D. London. Die Notiz im „Israelit" haben wir nicht gesehen. Ein Mitteilung des Inhaltes wäre uns willkommen. Kattusgemeiude Jamnitz. Ob „Austritt" oder „Uebertritt" ist für uns gleichgilttg. K. Die Mitteilung, daß Leopold Hilsner in der Strafanstalt Stein sich hat taufen lasten, ist unwahr. F. Das ist richtig. Im Jahre 1170 gab es in Saloniki einen jüdischen Bürgermeister. _ Notiz. Eine unentgeltliche Lustreise durch das gesamte Mittelländische und Adr'atische Meer kann jeder machen, der nach Nord- oder Südamerika fahren will. Die Schiffe der Aüstro-Americana fahren von Triest über Dalmatien, Griechenland, Sizilien, Algerien, Nordafrika und Spanin. Man hält in jedem Hafen so lange, daß man sich Land und Leute besehen kann, und fährt dann nach 6 bis 8 Sunden weiter. Das ruhige Meer hilft einem, sich an die Seereise rasch zu gewöhnen. Seekrankheiten sind fast ausgeschlossen und da auf dieser südlichen Linie weder Eisberge Vorkommen, noch gefährliche Stürme entstehen, ist die Fahrt nach Amerika über Triest besonders zu empfehlen. Gustav Spitz’sche Heiratsausstattungs-Stiftung für arme jüdische Mädchen. Anzahl der Plätze: Einer im Betrage von K 220.—. Bewerbungsberechtigt sind: Arme jüdische Mädchen, welche sich im Brautstande befinden. Bevorzugt sind: Würdige arme jüdische Bräute, welche mit dem Stifter, dem am 19. November 1907 in Wien verstorbenen Herrn Siegmund Spitz, oder mit dessen Gattin, Frau Johanna geb. Königsgarten, verwandt sind. Als Verwandte sind anzusehen: a) die eheliche Deszendenz des Stifters und seiner Gattin, b) jene Bewerberinnen, welche mit dem Stifter, bezw. dessen Gattin .in der Seitenlinie nicht ü.ber den sechsten Grad hinaus verwandt sind. Verleihungstag: 19. Februar 1913. Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, Brautstandszeugnis, Sittenzeugnis, gegebenenfalls Nachweis der Verwandtschaft mit dem Stifter, bezw. dessen Gattin. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 30. November 1912. Einreichstelle: I„ Seitenstettengasse 4, II. Stock (Einreichungsprotokoll). Bewerberinnen, welche sich vor dem Veiieihungstage verehelichen, werden des Anspruches an die Stiftung verlustig. Moriz Perles Wohltätigkeits-Widmung Anzahl der Plätze: Unbestimmt. Zu verleihender Betrag: Zusammen K 250.—. Bewerbungsberechtigt sind: Verarmte jüdische Familien, welche durch das plötzliche Ableben des Ernährers, sei es durch Schlaganfall, Gewalttat, Krieg oder Unglücksfall (Selbstmord ausgeschlossen), aus geordneten Verhältnissen in drückende Not gestürzt wurden. Es bildet hiebei keinen Unterschied, ob der verstorbene Ernährer das Haupt oder nur ein Mitglied der Familie war. Bevorzugt sind: Bewerber, welche in direkter Linie von dem Widmungserricliter oder dessen Gattin, Frau Agnes, geb. Schiller, abstammen oder der Seitenverwandtschaft des Widmungserrichters oder dessen Gattin bis zum 5. Grade angehören. Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, eventl. Verwandtschaftsnachweis, Nachweis über das plötzliche Ableben des Ernährers. ' Letzter Tag der Einreichungsfrist: 30. November 1912. Einreichstelle: I., Seitenstettengasse 4, II. Stock (Einreichungsprotokoll). Leopold Wolt’sche Stiftung für Arme und Kleingewerbetreibende. Anzahl der Plätze: a) Für Anne: sechs im Betrage von je Iv 380.—; b) für Kleingewerbetreibende: sechs im Betrage von je K 380.—. Bewerbungsberechtigt sind: a) Verschämte in Wien wohnhafte Arme jüdischer Konfession, und zwar Familienväter oder Witwen; b) in Wien wohnhafte arme Kleingewerbetreibende jüdischer Konfession. Bevorzugt vor allen anderen Bewerbern sind: Arme Pensonen israel. Konfession, welche nachweisen, daß sie mit dem am 4. Februar 1906 verstorbenen Stifter, Herrn Leopold Wolf, oder mit dessen am 22. Dezember 1911 verstorbener Gattin, Frau Sophie, geb. Bunzl, verwandt sind; auch wenn sie nicht in Wien wohnhaft sind. — Als Verwandte sind anzusehen solche Bewerber, welche in ehelicher Deszendenz von den Großeltern des Stifters oder seiner Gattin abstammen und mit dem Stifter bezw. dessen Gattin in einem nicht entfernteren als dem sechsten Grade der Seitenlinie verwandt sind. Verleihungstag: 4. Februar 1913. Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, eventl. Totenschein, bezw. Gewerbeschein und gegebenenfalls Verwandtschaftsnachweis. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 30. November 1912. Einreichstelle: I., Seitenstettengasse 4, II. Stock (Einreichungsprotokoll). Oberrabbiner Fanny Güdemann-Stiftung für Kranke weiblichen Geschlechtes* Anzahl der Plätze: Einer oder zwei im' Betrage von zusammen K 75.—. Bewerbungsberecbtigt sind: Arme israel. Kranke weiblichen Geschlechtes. Verleihungstag: 14. Jänner 1913 (6. Schebat). Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, Krank* lieitszeugnis. . Letzter Tag der Einreichungsfrist: 30. November 1912. Einreichstelle:!., Seitenstettengasse 4, II. Stock (Einreichungsprotokoll). .