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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-11-15 · 46 (15.11.1912) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
46 (15.11.1912)
Date
1912-11-15
Page
– (sequence 17)
Language
German
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- Nr. 46 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 785 furter Mundart ist, dah aber diese Sprechweise keineswegs einen jüdischdeutschen Dialekt wiedergibt. Auch aus diesem Grunde blieb nichts anderes übrig, als diese Erzählungen aus dem Hipponar buchstäblich wiederzugeben. Auf dem Marktschiffe, welches täglich von Frankfurt nach Mainz fährt, befand sich auch ein armer Jude. Seine ganze Barschaft waren 12 kr., viel zu wenig, um das Schiffsgeld zu bezahlen. Vergebens bemühte er sich, durch Erzählung von Schnurren, Anerbieten zum Taschenspielen etc. der Reisegesellschaft einiges Geld zu entlocken. Die Schiffspatronin mahnte ihn, als man dem Bestimmungsorte näher kam. etwas derb, und machte dadurch das Mitleid einiger Milfahrenden rege. Der Jude schlug vor, er wolle ein Räthsel aufgeben, und wer es nicht zu lösen vermöchte, solle 12 Kr. bezahlen. Folgendes war das Räthsel: Wenn man einen Hering nimmt und ihn der Länge nach in zwei Hälften zerreiht, wie kann es zugehen, dah der Hering in beiden Hälften noch ganz ist? — „Ich weih es nicht," sagte der erste der Rathenden, und zahlte 12 kr. Die übrigen vermochten dos Räthse' ebenso wenig zu lösen, und hinterlegten gleichfalls ihren Tribut. Zuletzt kam die Reihe auch an den Juden. „Ru, ich weih es ach net", sagte her Hebräer, „hier ist auch mein 3 Bätzner." - Versteht sich, dah ihm der Lohn seines Witzes wurde?') Viel reizender und mit seinem urwüchsigen und zugleich liebenswürdigen Humor erzählt Johann Peter Hebel im Jahrgang 1810 seines Schatzkästleins des Rheinländischen Hausfreundes diesen einträglichen Rätselhandel. Da fährt freilich der Jude von Basel nach Schalampi, entsprechend der Gegend, in der und für die Hebel insbesondere seinen Hausfreund herausgäb, grade so, wie der Frankfurter Hipponar ihn von Frankfurt nach Mainz fahren läht. Dann aber ist das Rätsel an eine Reihe von 11 anderen Fragen angeknüpft, die scheinbar unlösbar sind, und die von den anderen Reisegefährten dem Juden aufgegeben und von diesem sämtlich 'witzig gelöst werden. Sein Schluhrätsel, das keiner zu lösen vermag, lautet: „Wie kann man zwei Forellen in drei Pfannen backen, also dah in jeder Pfanne eine Forelle liege?" Das brachte abermal keiner heraus, und einer nach dem anderen gab dem Hebräer seinen Zwölfer. Als man ihn endlich nötigte, die Lösung seines so interessanten Rätsels seinerseits zum besten zu geben, und man ihm versichert hat, dah man ihm nichts übel nehmen werde, wenn er damit herausrücke, griff er in die Tasche, nahm einen von seinen gewonnenen Zwölfern heraus, legte ihn auf das Tischlein, so im Schiffe war und sagte: „Dah ich's auch nicht weih. Hier ist mein Zwölfer!"^) Doktor Blume zu Hannover war schwächlich und stürmte durch vieles Trinken zu sehr auf seine Gesundheit ein, dah er schon im dreihigsten Jahre starb. „Schad' für den braven Herrn," war die Bemerkung eines Juden, „es war ein zartes Blümchen^ aber es hat sich zu nah gehalten."77) Ein Jude, der von Mainz nach Frankfurt fahren wollte und sehr eilig war, bat den Postmeister um zwei Pferde. „Nehmt doch viere," sagte dieser, „so kommt ihr in der halben Zeit hin." „Lassen Sie lieber acht anspannen, Herr Postmeister," sagte der Jude, so brauche ich gar nicht fortzufahren."7') Eine geistvolle Jüdin ging einst im Tiergarten mit einer Dame, welche dem lutherischen Glauben zugetan war, spazieren. Ein Bettler flehte sie an, um der Wun- ") Hipponax Seite 188—189. " Johann Peter Hebel Das Schatzkästlein des Rheinländischen Hausfreundes mit lehrreichen Nachrichten und lustigen Erzählungen Hrsg. v. Karl Voll.) München und Leipzig (1912). Seite 158. . ") Hipponax, Seite 186. ") Ebenda, Seite 187. den Christi willen, ihm ein Almosen zu reichen. Die Christin suchte in ihren Taschen. - „Nicht doch," rief die Jüdin, „die Wunden muh ich bezahlen. Sie werden sich ja wohl aus der Anekdote von Christus erinnern, wer fit geschlagen haben fall?"17) Auf der Friedrichsstrahe zu Kassel stand der Obrist H. auf einem Balkon und rief dem vorbeigehenden Juden Feidel. mit welchem er in Verwandtschaftsverhältnissen war, zu: „Welch' ein Unterschied ist zwischen einem Juden und einem Esel?" „Der Balkon, Ihro Erzellenz» nur der Balkon," replizierte der Freund?") Schliehlich enthält Hipponar auch zwei kleine Iudenanekdoten, die bereits die Schlüpfrigkeit andeuten, die neuerdings dazu dient, angeblichen Iudenwitzen inehr Verbreitung zu verschaffen: „Die Heurath gleicht einem Rechnungserempel," sagte ein Jude bei der Vermählung des 61jährigen Professors N. mit der 18jährigen Mademoiselle F. „61 in 18 kann ich nicht: ich muh mir Eins leihen." Ein artiges Iudenmädchen stieg einer Leiter hinauf. „Habe Sie acht, Jungfer," warnte ein Vorübergehender. „sie könnte einen Mihfall bekommen." „Wie könnte ich -einen Mihfall kriegen." sagte das Mädchen, „ich habe ja noch keinen Einfall gehabt."^) Literal«». 35. Jahresbericht <ler Landes-Rabbinerschnle in Budapest. Für das Schuljahr 1911 1912. Vorangeht: Die jüdische Eheschließung und der jüdische Scheidebrief. Eine historische l'ntersuchung. Zweiter Teil. Mit, zwei Faksi-! den von .Professor Dr. Ludwig Blau. Budapest, 1912. „Nord und Süd" (Herausgeber und Chefredakteur: Professor Dr. Ludwig Stein, Berlin IV., Lützowufer ä a. - - Verlag: Schlesische Buchdruckerei, Kunst- und Verlags- Anstalt von S. S c h o t t 1 a e n d e r, Aktiengesellschaft, Breslau. Preis pro Quartal 6 Mark). —- Xovemberheft. X. Freiherrn von Stetten’s ..Der kriegerische Balkan" über die Motive für das Vorgehen der Balkanstaaten. Das Verhältnis zwischen Italien und Oesterreich-l'ngarn betrachtet Dr. Chr. D. Pflaum unter dem Titel: ,,Die neue Lebenskraft des Dreibundes." Er findet, daß kein Grund vorliege, um nicht an eine künftige Lebereinstimmung der Gesichtspunkte beziehentlich eines Ausgleichs der Interessen beider Länder zu glauben, sowie an die Erzielung eines Einvernehmens beider mit Rußland. Dagegen stehen England und Frankreich im Gegensatz zum Dreibund; aber auch hier gehen die Interessen Oesterreich-l'ngarns und Italiens parallel, so daß es nahe liege, das Bündnis auch auf die Seestreitkräfte der drei Staaten auszudehnen, wodurch es ein geschlossenes Ganzes von gewaltiger Kraft würde. Leber die ,,Tätigkeit der italienischen Marine im libyschen Kriege" gibt Legationsrat von Flöekher einen Leberblick. — Der Aufsatz Scheffer’s: „Marokkana" kommentiert anknüpfehd an französische und englische Veröffentlichungen und von neuen, eigenartigen Gesichtspunkten aus dem gesamten Verlauf der marokkanischen Angelegenheit, bei der Deutschland zum ersten Male eine rein kommerzielle Weltpolitik getrieben habe. Die große militärische Bedeutung der „deutschen Kaisermanöver“ zeichnet Major a. D. Georg Postei. - Was heutzutage unter dem Begriff des Weltfriedens zu verstehen sei, wird von Dr. jur. et phil. Maxim. Fleischmanu in einem Artikel „Weltlage und Weltfrieden" erörtert. Die Abschaffung des Krieges ist nur ein kleiner Teil der Weltfriedens-Idee, die eine gemeinsame Förderung aller wirklichen kulturellen Bestrebungen und Segnungen seitens aller Völker, unbehindert durch politische und andere Schranken, darstellt. Vom 7. bis 12. Oktober d. Js. tagte in Rom der 8. Soziologenkongreß. Die Rede, mit der der italienische Lnterrichtsminister Prof. Dr. Luigi Credaro den Kongreß eröffnete und die „das Wesen der Soziologie" behandelt, wird im Xovemberheft von „Nord und Süd“ veröffentlicht, während Dr. Chr. D. Pflaum über den Kongreß selbst berichtet. - Eingehender betrachtet Prof. Ignaz Goldziher die Ergebnisse einer anderen wissenschaftlichen Versammlung, des vom 9. bis 13. September d. Js. in Leiden abgehaltenen „IV. Internationalen Kongresses für Religionsgesehichte", 17) ®benba, Seite 187—188. 18) Ebenda, Seite 192. '») Hipp an ax, Seite 185.

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