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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-11-15 · 46 (15.11.1912) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
46 (15.11.1912)
Date
1912-11-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 46 Dr. Blochs Wochenschrift Sette 779 seien, wurde wiederholt als Märchen nachgewiesen. Ein krasses Beispiel hfefür ist die Haltung der Zarin. Vor kurzem wurde in Rußland ein Verband der russischen Frauen ins Leben gerufen, zu dem Zwecke, die wirtschaftliche Lage der russischen Bevölkerung zu verbessern. Die Patronanz über diesen Verein hat die Zarin von Rußland übernommen, welche auch ihre Zustimmung zu den Statuten gab, in welchen ein Punkt lautet: Mitglieder dieses Verbandes können alle weiblichen Untertanen des Zars von Rußland sein, mit Ausnahme der jüdischen Frauen und Mädchen. Während nun die Zarin sich öffentlich als Lady Patroneß der antisemitischen Hetze deklariert, häufen sich andererseits die Beweise dafür, daß die russische Bevölkerung mit der antisemitischen Politik des Hofes unzufrieden >ist und unter ihren Folgen schwer leidet. Verdrängung der jüdischen Exporteure aus LK'bau. Aus Liebau wird gemeldet: Der Gouverneur erteilte den jüdischen Exporteuren, welche am großen Liebauer Handelsquai etabliert sind, den strengen Auftrag, den Winterhafen unverzüglich zu räumen. Ueberdies verbot der Gouverneur, an Juden im Hafen Landungs- und Geschäftsplätze zu vermieten. Das Börsenkomitee, welches sofort nach Bekanntwerden dieser Verordnung zusammenberufen wurde, beschloß gegen den Gouverneur wegen Mißbrauch der Amtsgewalt an kompetenter Stelle die illage zu erheben. Es wurde hiebei ausdrücklich hervorgehoben, daß die Entwicklung des Liebauer Hafens zum großen Teile der Opferwilligkeit und der Rührigkeit der jüdischen Kaufleute zu danken sei und daß die Durchführung der Verordnung des Gouverneurs die Vernichtung wichtiger Interessen der Hafenstadt zur Folge haben müßte. Auszeichnung des Oderrabbiners von Livorno. Wie aus Rom gemeldet wird, hat der König von Italien motu proprio dem Oberrabbiner von Livorno, Dr. Colombo, zum Kavalier des italienischen Kronenordens ernannt. Dr. Colombo, der zu den gelehrtesten Rabbinern Italiens zählt, genießt nicht nur unter den Juden, sondern auch unter den nichtjüdischen Gelehrten berechtigtes Ansehen und erhielt aus Anlaß seiner Auszeichnung aus allen Gesellschaftskreisen zahlreiche Glückwünsche. Die italienischen Blätter verzeichnen diese Auszeichnung, die kaum noch einem Rabbiner zuteil wurde, mit besonderer Genugtuung. Vom Leichenbegängnis dc'c Baronetz Gustav de Rothschild Ueber das Leichenbegängnis der Baroneß Gustav de Rothschild wird uns noch aus Paris geschrieben: Die Trauerzeremonien wurden im Sterbehause strenge nach jüdischem Ritus vollzogen. An dem Leichenbegängnisse haben außer den Mitgliedern der Familien Rothschild unter anderen ihr Enkel Sir Philipp Sassoon, Mitglied des englischen Unterhauses, der spanische Botschafter Senor Perez Caballero, der schwedische Gesandte, der französische Finanzminister Klotz, Prinz Murat, die Mitglieder der französischen Akademie Claretie, Paul Hervieur und Francis Charmes und viele andere teilgenommen. Line jüdische Gemeinde im belgischen Kongo. Wie uns aus London berichtet wird, fand in Elisabethville dieser Tage die erste Generalversammlung der Mitglieder der Judengemeinde von Katagargr (Belgisch-Kongo) statt. Zum Präsidenten wurde Herr Moritz Ruda gewählt. Die Gemeinde, welche gegenwärtig 75 Mitglieder zählt, hat zwei Plätze erworben, auf welchen demnächst eine Synagoge, beziehungsweise ein eigener jüdischer Friedhof errichtet werden soll. Konkurrenz für einen Synagoge'nbau in Tunis. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde von Tunis hat eine Konkurrenz für die Baupläne einer neuen großen Synagoge ausgeschrieben. Der neue Tempel soll ein Prachtwerk moderner Tewpelbaukunst werden und wird aus dem Stiftungskapitale errichtet, welches der vor zwei Jahren verstorbene Finanzier und Philanthrop Osiris in Paris für djesen Zweck testamentarisch ver--' macht hat. Der Tempel wird sich auf einem der schönsten Plätze von Tunis, auf dem Garibaldiplatze, erheben und eine Sehenswürdigkeit der Stadt werden, würdig der großen Judengemeindc, welche ein Drittel der Bevölkerung von Tunis ausmacht. Von den „Rothschilds des Orients". Das Mitglied der weltberühmten indischen Firma E. D. Sassoon u. Co., Mr. R. A. Nathan, traf dieser Tage, auf einer geschäftlichen Tour begriffen, in Newyork ein, woselbst er die wirtschaftlichen und Finanzverhältnisse des Landes zu studieren beabsichtigt. Aus diesem Anlasse beschäftigt sich die Newyorker „Times" in einem längeren Artikel mit dem großen Einflüsse der Firma Sassoon. dem wir die folgenden, weniger bekannten Daten entnehmen: Die Sassoon's werden in der Finanzwelt dir Rothschilds des Orients genannt. Ihre Zentrale befindet sich in Bombay, obgleich einige Mitglieder der Familie in England leben, von denen besonders zwei die persönliche Freundschaft des verstorbenen Königs Eduard genossen. Der Chef des Hauses in Indien ist Sir Jakob Elias Sassoon, Sir Edward Sassoon hat die Tochter des Barons Gustav Rothschild zur Frau. Die Sassoons sind schon seit zwei Iahrhun, derten als Bankiers bekannt und hatten ihren Hauptsitz bis zu Beginn des vorigen Jahrhunderts in Bagdad. Sir Jakob Sassoon spendete vor einigen Jahren zwei Millionen Dollar für eine Mittelschule in Bombay. Die Macht der Sassoon im ganzen Orient war zeitweise größer als die eines Monarchen. Selbst zu Zeiten, als das Reisen in jenen Ländern noch im höchsten Grade unsicher war. genügte es. eine Empfehlung mit dem Siegel der Sassoons zu besitzen, um sicher und unangefochten von Marokko brs an die chinesische Westküste zu reisen. Und selbst in den Engpässen von Afghanistan im Innern von China, wo der weiße Europäer stets so sehr gehaßt war, oder in den Wildnissen Arabiens hat ein Paß, von. den Sassoons ausgestellt, genügt, um einem den Salvus elmcknMns zu sichern. Es ist interessant, daß während der 200 Jahre des Bestandes des Geschäftshauses der Sassoons ihr Vermögen niemals konfisziert oder sonst bedroht wurde. Sie sinanzieren fast den gesamten Handel der Eingeborenen in Asien und Nordafrika, und das Meiste der Gelder, die sie ausleihen, wird bloß auf persönliche Sekulitäten gegeben, und wird in der Regel mit Waren zurückgezahlt. Trotz dieser primitiven Handelsform haben die Sassoon bisher nur äußerst geringe Verluste zu verzeichnen. Ehrung des Andentsns von Na,ta»i Herz Jmber. Aus Newyork wird berichtet: Der Vorstand der galizifchen und Bulowmaer Juden in Amerika hat gleich nach dem Tode des bekannten hebräischen Schriftstellers Raftali Herz Jmber. des Verfassers des zionistischen Liedes „Hatikwah". den Beschluß gefaßt, sein Andenken durch die Errichtung eines würdigen Grabmales zu ehren. Jmber. der aus Galizien stammte, hatte sich um die galizische Kolonie in Newyork bedeutende Verdienste erworben. Vor einigen Tagen fand nun die feierliche Enthüllung des künstlerisch ausgeführten Grabdenkmales statt, an welcher nicht nur die dem Verbände angehörenden Vereine, sondern auch Delegierte zahlreicher jüdischer Organisationen in Newyork teilgenommen haben.

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