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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-11-15 · 46 (15.11.1912) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
46 (15.11.1912)
Date
1912-11-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 778 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 46 Die Besetznug des Prager Oberrabbinats. Dr. Heinrich Brody designiert. Wie man mitteill, hat die von der Prager Kultusgemeindepräsentanz eingesetzte Kommission, bestehend aus den Herren Präsident Dr. Rosenbacher, den Vizepräsidenten Dr. Bendiener und kais. Rat Haurowitz, sowie den Herren Dr. Markus Fischer und kais. Rat Robert Fuchs, einhellig beschlossen, der Repräsentanz als Kandidaten für den vakanten Posten des Prager Oberrabbiners primo et 1111 co loco den gegenwärtigen Oberrabbinerstellvertreter, Direktor der Talmud-Thora- Schule, Herrn Dr. Heinrich Brody, in Vorschlag zu bringen. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, datz die Repräsentanz diesen Vorschlag genehmigen wird. Es stellt der Intelligenz und der Einsicht der Prager Repräsentanzmitglieder das ehrenvollste Zeugnis aus, datz sie nicht - den mopheta in patria gering achtend — in die Ferne schweifen, sondern datz sie, heimisches Verdienst nach Gebühr würdigend, den für die verantwortungsvolle und ehrenvolle Stelle des geistlichen Hauptes der böhmischen Judenschaft geradezu prädestinierten Prager Gelehrten erwählten. Das nemo propheta in patria hat nirgends so viel Schaden gestiftet, als gerade in jüdischen Gemeinden, wo beinahe immer auswärtiger Unzulänglichkeit einheimische Tüchtigkeit weichen muhte, weil „es nicht weit her ist." Natürlich hat es auch bei uns in Prag nicht an „wohlmeinenden Anregungen" gefehlt, zunächst einen Konkurs auszuschreiben, eine ..große Kapazität" zu gewinnen. Allein die leitenden Führer der Gemeinde sagten sich mit Recht, auch Dr. H. Brody, wenn er auch bereits in Prag weilt, ist eine Kapazität. Ueberdies sind ja die theologischen Kapazitäten, die eventuell in Betracht kämen, nicht unbekannt. keine sind darunter, die ein Anrecht haben, Herrn Dr. V. vorgezogen zu werden. Die Prager Gemeinde legt aber auch Gewicht darauf, einen Mann zu wählen, der einen wissenschaftlichen Namen von Klang besitzt, und Dr. B. hat eine große Anzahl zum Teil sehr umfangreicher, wissenschaftlicher Arbeiten veröffentlicht, außerdem sehr viele Beiträge in Zeitschriften und Sammelwerken. Der Vorstand hat darum darauf verzichtet, Konkurse auszuschreiben und Probekandidaten einzuladen, und man kann schon heute sagen, datz dieser Beschlutz bei der Gesamtgemeinde Prag und bei den Juden Böhmens uneingeschränkte Billigung findet. Line kurze Erwiderung. Nicht auf jeden Satz des geehrten Herrn Vorstehers in Nr. 45 will ich erwidern, weil jeder Leser die Haltlosigkeit einiger seiner Behauptungen von selbst herausfühlte. Ich muh wohl nicht erst beweisen, dah der Begriff eecleria miiiians in der jüdischen Religionsgenossenschaft ein ganz deplazierter ist, da den Rabbinern kein einziges äußeres Machtmittel zu Gebote steht und von ihnen auch nicht begehrt wird. Darum ist es mir auch unbegreiflich, wie ich Generalissimus eines nicht vorhandenen e -.clesi i militans hätte werden können. Ich will in dieser Erwiderung nur mit Befriedigung zur Kenntnis nehmen, dah man nicht mehr daran denkt, die Rabbiner von der zu schaffenden Organisation der Juden in Oesterreich auszuschlfehen und dah ihnen aktives und passives Wahlrecht gewährt werden soll. Darum hat es sich gehandelt. Und dah sie erst durch einen Protest beim Ministerium diesen Erfolg erzielen konnten, ist nicht die Schuld der Rabbiner, sondern jener, die ihnen dieses Recht versagten, weil eine recht lebhafte Phantasie eine zu bekämpfende ecclesia militans im Judentum als vorhanden annahm. Der geehrte Herr Vorsteher möge bedenken, welches Urteil unsere Nachkominen über die Rabbiner unserer Zeit gefällt hätten, wenn sie ruhig eine solche Behandlung ertragen und sich ohne Widerstand in die Rolle von bezahlten Bediensteten hätten drängen lassen, anstatt, wie der geehrte Herr Vorsteher treffend und vortrefflich sagt, „im Gefüge der Gesamtheit ihr ganzes Wissen und Können in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen", also innerhalb und nicht autzerhalb der zu schaffenden, auch von den Rabbinern heih ersehnten Organisation. Gerade, weil diese Organisation alle Richtungen vereinigen soll, bestehen die Rabbiner darauf, dah ihre Vertreter von ihnen gewählt werden mühten, damit auch alle Richtungen im Judentum (der jüdischen Lehre zum Unterschied von Iudenheit, der Gesamtheit der Bekenner) in der Organisation vereinigt seien. Dies wird man doch eher gesunde Vernunft als Verfolgungswahn nennen dürfen. S a a z. P r o f. D r. S. S t e r n. Belgrad. Auf Einladung der Uesküber Iudenschaft fuhren der Belgrader Rabbiner Alkalei und der Vorstand der Belgrader Iudengemeinde nach Uesküb, wo ein Dankgottesdienst für den Sieg der serbischen Truppen abgehalten wurde. Rabbiner Alkalei hielt die Festrede, in der er die Uesküber Juden aufforderte, ihrer Beschäftigung nachzugehen und der serbischen Rcg'erung für den Schutz, den sie ihnen zuteil werden lasse, zu danken. Serbien werde dann gewiß für die Sicherheit der Zivilbevölkerung Sorge tragen. Wie Rußland den Patriotismus belohnt. Kaum hatte sich in Rußland die Kunde verbreitet, datzder Zarewitsch in Lebensgefahr schwebe, da waren die Juden allerorten die ersten, welche sich in den Synagogen versammelten, um für die Genesung des Kronprinzen Gebete zu verrichten. Zur selben Zeit erschien ein Erlaß der Kigwer Polizei, durch welchen den jüdischen Soldaten aus dem russisch-japanischen Kriege verboten wird, sich mit Handel und Gewerbe zu beschäftigen und gleichzeitig die Konfiskation ihrer Waren angeordnet wird. Diese polizeiliche Verfügung gründet sich auf eine, kreisgerichtliche Entscheidung, welche erklärt, daß die jüdischen Soldaten, die den russisch-japanischen Krieg milmachten, wohl ein Wohnrecht außerhalb des jüdischen Ansiedlungsgebietes aber nicht das Recht besitzen, sich daselbst mit Handel und Gewerbe zu beschäftigen. Das Gericht hat sich auf Seite der Polizei gestellt, und so ist aus den seinerzeitigen sogenannten Privilegien für die jüdischen Helden des russisch-japanischen Krieges ein bloßes Recht zum Wohnen, aber nicht ein Recht zum Leben außerhalb des Ansiedlungsgebietes geworden. So belohnt Rußland den Patriotismus und die Selbstaufopferung seiner Juden. Der Maler Batst bleibt in Pükersburg. Der jüdische Maler Bakst, von dessen polizeilicher Ausweisung aus Petersburg wir berichtet haben, bleibt doch in Petersburg. Der Ausweisungsbefehl wurde zurückgezogen, da sich für ihn, wie die ^,Rjetsch" zu melden weih, kein Geringerer verwendet hatte, als der Minister des Aeußeren, Sasonow, der daraus hinwies, daß diese Ausweisung in Frankreich einen unangenehmen Eindruck Hervorrufen würde. Interessant ist, daß jetzt erst bekannt wird, daß Bakst, bevor er nach Paris ging, viele Jahre hindurch in Petersburg gewohnt hatte, . seine Arbeiten in russischen Kunstausstellungen ausstellte, eine Kunstschule in Petersburg gründete und einen so guten Ruf genoß, daß ihn der Großfürst Wladimir Alerandrowitsch zum Hauslehrer feiner Kinder ernannte. Bezeichnend ist es auch, daß die russischen Blätter den Erfolg der Intervention Sasonows als einen Fortschritt hinstellen. Nicht so leicht war die Sache mit einem anderen berühmten jüdischen Künstler, dem Bildhauer Levitan, der im Jahre 1892 zur Zeit der großen Judenverfolgungen gleichfalls aus Petersburg ausgewiesen wurde. Levitan, mit dem sich die russische offizielle Kunstgeschichte noch bis heute gerne rühmt, wurde dazumal plötzlich aufgefordert, Petersburg zu verlassen. Auch damals hatten sich die größten Persönlichkeiten des Landes, sogar Fürsten, für die Zurückziehung des Ausweisungsbefehles eingesetzt, die erst nach 5 Monate langem Petitionieren und Intervenieren auch tatsächlich erzielt wurde. Demgegenüber ist allerdings der rasche Erfolg der Intervention Sasonows zugunsten Bakst als ein Fortschritt zu bezeichnen. Die Zarin als Paironch des Antistmistismus. Die Behauptung, datz der Judenhaß in Rutzland im Volke wurzle und datz die hohen und höchsten Kreise nur die ausübenden Organe des Volkswillen^

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