Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 46 (15.11.1912)
- Date
- 1912-11-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4« Dr. Vkochs Wochenschrift Seite 777 Strabo zu seiner Zeit keine Spur mehr vorhanden war, divergieren die Ansichten der alten Scholiasten. Manche verlegen es in die Gegend um Abydus, andere hingegen an die südliche Küste von Troas, das damals auch über Lydien herrschte. Jedenfalls ist die Existenz desselben auch durch seine Erwähnung auf ägyptischen Denkmälern als Dardana historisch erwiesen. Aruch (s. v. oba) hat hiefür die Lesart rrntj, d. h. Lydia, nach der Hauptstadt Sardes, was schließlich dem Sinne nach mit der vorherigen Deutung fast identisch ist, aber der Leseart in Gen. X. 4, mehr Rechnung trägt, nur sind die Lydier erst später in dieses Gebiet von Nordwesten eingewandert. Nach diesen Feststellungen und der etwas abseits liegenden Disgression wollen wir zum eigentlichen Hauptthema der Beweisführung über den Kontakt der alten Hebräer mit den Griechen zurückkehren. (Fortsetzung folgt.) - » Korrespondenzen. Vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Anläßlich der bevorstehenden Wahl von Vorstand s- Mitgliedern und Vertrauensmännern finden die nachstehend angeführten Mahler-Uer Sammlungen statt, zu welchen die P. T. wahlberechtigten Mitglieder der Kultusgemeinde Wien eingeladen wurden: Samstag, den 16. November 1612, 7 Uhr abends, im Beethoven-Saale, I., Strauchgasse 4; Mittwoch, den 26. November 1612, 7 Uhr abends, im Saale des Hotel Guth, II., Stefaniestcaße 14. Der Eintritt in die Versammlungen ist nur Wahlberechtigten gegen Vorweisung der Wahllegitimation gestattet. Die Hochzeit im! Hause. Rothschild. Das herrliche Palais in der Theresianumgasse, unter dessen erlesenen Kunstschätzen ein Einsamer und Trauriger, aber nicht Verbitterter, der in Testamenten mit unerhörter Freigebigkeit einen Millionenstrom über kranke Menschen ergoß, so lange gewandelt, ist festlich geschmückt, um der jungen Herrin zu harren. Freude, Glück, Gesundheit soll in das schöne Iunggesellenheim einz.iehen, und die Wünsche aller, die mit dem Hause Rothschild in nähere oder fernere Berührung gekommen, geleiten das junge Paar statt der beiden Mütter, die beide an diesem Tage fehlen, beide so jung dahingehen mußten. Nicht im ersten Iünglingsübermut, mit reifem Männerverstand hat der Bräutigam die Braut gewählt, welche berufen ist, uns am Hofe und in der Gesellschaft, die sich in Oesterreich noch ängstlich vor uns abschließt, allein zu vertreten. Da ist es nicht gleichgültig, welcher Dame dieses Amt zufällt, und unvergessen ist, mit welcher Anmut, vornehmen Bescheidenheit und umfassenden Bildung Baronin Bettina alle Herzen zu erobern wuchte. Ist doch im Gedenkbuche^ eines katholischen Kirchenfürsten. des hochbegabten damaligen Nuntius am Wiener Hofe, zu lesen, daß er sich vor der langweiligen Oede seines Palais Am Hof nur in einen Wiener Salon flüchten konnte, worauf eine lange Schilderung der Herrin, aber erst am Schlüsse ihr Name folgt: Baronin Rothschild. Daß Baronin Rothschild alle diese Eigenschaften mit denen der aufopferndsten Familienmutter zu vereinigen wußte, war bekannt, weniger, daß sie, die gelehrteste astronomische und hoch-mathematische Studien trieb, in einer Weise mit den kleinsten Details ihrer Wirtschaft vertraut war, daß, hätte ich sie nicht selbst in einem Arbeitsaufzug in ihrer Wäschekammer gesehen, ich dies nie geglaubt hätte. Die jetzige Baronin Rothschild kommt aus einem Lande, wo die Probleme des Lebens tiefer, ernster und größer genommen werden, als in unserem Capua der Geister: wurde es doch nirgends anders, als beim Eucharistischen Kongreß vom päpstlichen Legaten gesagt, daß der wahre Geist der Religion und Nächstenliebe nirgends so Wurzel geschlagen hat, als in den angelsächsischen Ländern hüben und drüben des Ozeans. Nirgends aber mehr, müssen wir hinzusetzen, als in den jüdischen Kreisen dieser Länder, wo in Rivalität mit den jungen Damen der Aristokratie die Damen der jüdischen Haute finance nicht durch Spenden nur. sondern durch frommen Sinn und werktätige Betätigung in der Armen- und Krankenpflege um die Palme der Menschenfreundlichkeit ringen, getreu dem Geiste des Alten Testaments und des Talmuds. Wie oft und wie vergebens habe ich an dieser Stelle unseren jungen Damen das Muster dieser englischen gepredigt, ohne noch zu ahnen, daß uns vom Westen die erste jüdische Dame des Reiches kommen wird. Wir sahen Miß Clarisse Sebag Montefiore an unseren letzten Feiertagen den ganzen Tag in tief versunkener Andacht in unserem Tempel zubringen, wir hören, daß ihr allererster Besuch mit ihrem Bräutigam dem ehrwürdigen Oberrabbiner Dr. Güdemann galt, wir sahen die blendende, jugendliche Schönheit und ein leises Hoffen Weg in uns auf, daß von dieser jugendlich anmutigen Erscheinung, deren Züge doch englische Energie und festen Willen verraten, manches Gute und Schöne für die Wiener jüdische Frauenwelt ausgehen werde. Miß Sebag trägt auch den Namen ihrer Urgroßtante Judith Montefiore. der leider kinderlos gestorbenen Gattin von Moses Montefiore. eine der edelsten Frauen, welche die Geschichte kennt. Aber nicht von ihrer Aufopferung für ihren Gatten, den sie mit größter Lebensgefahr auf seinen Reifen begleitete, nicht von ihrer einzigen Wohltätigkeit soll hier als allzu bekannt gesprochen werden. Am schönsten schien mir in ihrem Leben der Zug. wie sie, in deren Elternhaus die ersten Männer Englands verkehrten, als Backfischchen den berühmten Admiral Sidney Smith, am Boden sitzend, mit aufgelöstem Haar und Asche bestreut, empfing. Auf seine entsetzte Frage erfuhr er. das vornehme junge Fräulein begehe so den Jahrestag der Zerstörung von Jerusalem nach der uralten Sitte ihres Volkes. Tiefgerührt. küßte der Admiral dem halben Kinde die Hand mit den Worten: ..Darüber sind fast zwei Jahrtausende vergangen, ich habe mein Vaterland vor dem großen Napoleon gerettet, welches schöne, junge Mädchen wird aber meiner nach meinem Tode gedenken?" Möge dieser Zug stolz-demütiger Hervorkehrung der Größe des jüdischen Volkes sich auch fluf die junge Dame vererbt haben, und wir sind überzeugt, daß sie auf den Höhen des Lebens ebenso Vorurteile der Andersgläubigen gegen unser Volk und unseren Glauben.zerstören wird, wie die guten Geister des Hauses. Frau Gudula, Judith Montefiore. die feinsinnige Komponistin Helene Baronin Rothschild, die Gönnerin Heines und Grillparzers, und manche andere, deren Verdienste nicht in die große Oeffentlichkeit gedrungen. Und so möge die junge Frau viel Freude geben und empfangen, die endlich wieder Leben in beide Palais Rothschilds bringt. Denn auch ein Königspalast, in dem die still waltende Hand der Frau fehlt, ist öde und freudlos. und nur eine Frau, wie der große Landsmann der Braut. Ruskin, sagte, kann ein Heim beleben, sei es selbst die Höhle des Urmenschen, sei es das raffinierteste Lurushaus der Gegenwart. Wien. Clotilde Benedikt.