Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 46 (15.11.1912)
- Date
- 1912-11-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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- Homer 2× ep/1025156
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Seitr 776 Dr. Blochs Wochenlchrfft Rr. 46 famosen Duett der Mittelpunkte nur noch eine zweite Ungeheuerlichkeit bei, die wirkliche religiös gerichteten Menschen nicht passieren kann. Denn nur der Irreligiöse darf das Ineinander von Kultur und Religion auseinanderspalten, weil nur er nicht sieht und ja am Ende auch nicht zu sehen braucht, daß er selbst nur ein Geschobener der großen Welt- und Volksströmungen, selbst nur ein Soldat in einem der Kulturregimenter Gottes, ohne es zu wissen, selbst religiös orientiert ist. . . . Oder glaubt Ihr etwa wirklich, daß in diesen sentimentalen Fragen und dunklen Antworten eurer Stimmungen etwas wie Verwandtschaft mit dem monumentalen Religionsinstinkte des jüdischen Volkes liegt? Fast wäre es euch zuzumuten, daß Ihr es glaubt. Denn Ihr habt ja keine Ahnung, daß zwischen den äußersten Enden eurer Stimmungsfühlfäden und der Seele des Volkes eine Weltenweite liegt, die nicht zusammenschrumvfen kann, weil Ihr keine Flügel habt, um sie abzukürzen, und keine Zeit, um sie durch Geduld zu besiegen, vielmehr es vorzieht, sie bloß in eurer Phantasie zu streichen. Glaubt Ihr wirklich, daß Religion in Retorten destilliert und nicht vielmehr in Ewigkeit und Leben in göttlicher Macht erwächst? Glaubt Ihr wirklich, daß Ihr nur ein winziges Fruchtteilchen vom Baume jüdischer Erkenntnis, und noch dazu aus zehnter Hand euch gereicht und bis zur Unkenntlichkeit für euern Amateurgeschmack appretiert, — zu naschen braucht, um schon mit volksentsprossener, volksanziehender, volksaufbauender, volksdurchdringender Weisheit gefüllt zu sein? Fühlt Ihr denn so gar nicht, daß es euch, so es euch um das ewige Heil und die ewige Größe Israels wirklich ernst ist, besser geziemt, zum Volke zu kommen, seine Jahrtausende zu durchforschen, seine Schauer mitzuerleben. Vielleicht daß Ihr dann begnadet werdet, von den Letzten der Lehre die Ersten der Tat zu werden. Und vielleicht auch dann nicht. . . . Das ist überhaupt der Fehler der jüdischen Intelligenzuationalisten, daß sie mit einem trockenen Bekenntnis, mit ein paar wohlgesetzten Programmformeln ihre Pflicht gegen das jüdische Volk und gegen sich selbst erfüllt glauben. Man fühlt, daß hier ein organischer Fehler vorliegt, ein lächelndes, naives Nichtbegreifenkönnen, was sie so Großes denn noch nachzutragen hätten und nicht schon zum größten Teile nachgetragen haben. Ist nun dieser Gegensatz zwischen offenbarem, schreiendem Mangel an Berufung und verhaltenem, aber sehr energischem Sichberufenglauben unerfreulich genug, so wirken sie dort, wo das religiöse Problem, die ewige Aufgabe des Judentums in Rede steht, geradezu aufreizend und niederschmetternd zugleich. Wieder hat sich die junge, aber so verhängnisvolle, nationalistische Tradition des Sichleichtmachcns, der Fassadengenügsamkeit stärker erwiesen als aller gute Wille. Wieder das alte, naive Lächeln der Ahnungslosen. . . . Ja, wir haben gesündigt, wir sündigen noch und wir werden sündigen . . . Die Keteiliguug der Jude« am Serische« Welthandel im Altertnm. (Fortsetzung.) Versuchen wir noch kurzgefaßt die in der Stelle Genesis X, 4, gegebene Völkertasel zu beleuchten, um die hier vorkommenden geographischen Namen in ihrer Bedeutung festzuftellen, da die Bibel ihrer vielfach wegen ihrer Handelsbeziehungen erwähnt. Diese Stelle lautet: jy* -321 Um dieselbe zu erfassen, wollen wir vorausschicken, daß nach den Angaben alter Autoren, wie Herodot, Strabo u. a. ein Teil der Bevölkerung Nordgriechenlands und des griechischen Thrazien im Altertume, nämlich in vortrojanischer Zeit nach den Gefilden des Nordens und Westens Kleinasieus auswanderte, um sich dort uiederzulassen. (Her. VII, 185, 73,75,91, III, 90 rc., Strabo XII, 8, Plin. V, 51 rc.) Die Thora befaßt sich bei Aufzählung der ältesten Niederlassungen Nordgriechenlands nur mit den erwähnten in Kleinasieu, die den alten Hebräern am bekanntesten waren. Nämlich: I' Aeolis, der nordwestliche Winkel Kleinasiens, iu welchem im hohen Altertume ein Teil Mysiens, Troas und Phrygiens mitinbegriffen war (Plin. V, 32 rc), Jerusch. Meg. I, Io und übereinstimmend hiemit Midrasch und Thargum wiedergeben es mit &<■>#, der Samaritaner mit hievon nur in der äußeren Form abweichend, inhaltlich aber synonym übersetzt das aram. Thargum zu Ezechiel 27, 7 dieses Wort mit was eben auch Nordkleinasien bedeutet. Ezechiel erwähnt in der letzten Stelle die Prachtgewänder aus Purpur, die von hier kamen. Diese Kleider aus Phrygieu und Umgebung waren im Altertume berühmt (Plin. VIII, 74), wie überhaupt die Kunstarbeit der Phrygischen Webestühle (opus Plirygium). 2. tpntnn ist, wie bereits wiederholt hier nachgewiesen, der nordöstliche Teil Kleinasiens, am Schwarzen Meere, im hohen Altertume gewiß einen Teil Paphlagoniens mitumfassend. 3. cna ist der bei Homer (Od. XI, 521) erwähnte makedonisch-thrazische Volksstamm der K^teio: in Mysieu und Jerus. Neg. I, Io, erklärt dies mit .ton, Abb^itis, wie Mittelmysien im Altertum, auch hieß, wo auch die von Homer (II. XIII, 6) gedachten "Aßioi (Bythinien mitinbegriffen) zu suchen sein dürften. Die Septuaginta gibt das Originalwort Ktxatwv wieder. Midrasch und Targum setzen hiefür erklärend Nord-Kleinasien und Targum zu Ezech. 27, 6 erklärt es mit x'Sibx, Jlios, (d. h. Troas) mit Digamma gelesen rdios und im Aramäischen, wie vor zwei Konsonanten üblich, mit x-prostheticum versehen. Die Grenzen dieser Landstriche ließen sich im Altertume überhaupt nicht genau fixieren (Strabo XII, 14). Da diese Einwohner von Makedonien nach Kleinasien hinübergekommeu sind (Her. ibid., Strabo XII, 8) und diesen Gegenden ihren Namen gegeben haben, (Plin. V, 51), ist es begreiflich, daß Dan. 11, 30, und I. Macc. 1, 1, 8, 5, die Makedonier Chittim nennen. — Num. 24, 24, wie auch Jes. 23, 1 sprechen von einem Einfälle nordischer Völkerschaften über diese hier er wähnte Gegend (Mysien, Bithynien, Paphlagonien s. w. u.) Ezechiel 27, 6, spricht von den luxuriösen Ausstattungen der Schiffe, indem er hervorhebt D'na ”kö □•mp» na sw wy *jtsnp. „Die Schiffsruder oder Breiter waren aus den schlanken Aesten des Buxbauw.es (s. w. u.), einer Pflanze, der n'itwx (wie die südliche Küste des Schwarzen Meeres genannt wurde s. w. u. von den Küsten Chittims."^) Erklärend fügen wir hinzu, daß das Holz des Buxbaumes im Altertume zu kunstvollen Arbeiten diente (Plin. XII, 28, Verg. Georg. II, 449) und gedeihte der beste und meiste Buchs in Bithynien an der Küste um Cytorus (Strabo XII, 3, Plin. ibid.), der fast eine Weltberühmtheit erlangte (Birg. Georg. II, 437 u. A.). Dieser Baum trägt im Hebräischen von dieser seiner Provenienz her den Namen dieses Landstriches iiwxn, welches die rabb. Literatur (Ber. Nabe 15 rc.) mit prepa mj^ivov, Bnxbauw, richtig erklärt. — 'X bedeutet nicht nur Insel, sondern auch Halbinsel, Küstenland und wird bei Chittim stets der Plural gebraucht, weil eben sowohl die fragliche kleinasiatische als auch die gegenüberliegende europäisch-thrazische Küste von derselben Bevölkerung bewohnt wurde. (Strabo XII, 4, u. A.) Die von Josephus, Alt. IX, 14, 2, aus Meander zitierte Stelle, eine Revolte der Citheaner gegen die Oberhoheit der Phönizier betr'ffend, kann hier in die Beweiswürdigung nicht einbezogen werden, da unklar ist, ob damit überhaupt das biblische Chittim gemeint sei. Josephus (Contra Ap. I, 18) führt übrigens auch eine Mitteilung desselben Autors über eine wohl aus etwas älterer Zeit herrührende Begebenheit an, wonach die Pbönizier gegen die durch Tributverweigerung sich auflehnenden Titanen (Tittjve?) eine Expedition ausrüsteten. Dies dürfte wohl Anlaß geben, diesen Ort eher im Norden zu suchen. 4. carn. Diese Lesart ist nicht sicher und lesen I, Paral. I. 7, die Septuaginta und der Samaritaner d':tp., was Jerus. Meg. ibid. u. A. mit min (AapSaviy) von Homer zu wiederholten Malen im Zusammenhänge mit Jlios erwähnt) wiedergibt. Ueber die Lage Dardanias, wovon nach b) Momsen (Geschichte des römischen Münzwesens, Berlin 1860) der daselbst p. 3 auch die Ansicht teilt, daß allen Spuren und Sagen zufolge die erste Münzprägung von Kleinasien ausvegangen sein dürfte, führt p. 7 eine von Nordkieinafien aufgefundene Münze, ältester Prägung mit der Aufschrift KITt an und nimmt dies für Cystkus. Möglich rührt diese Münze auch von den alten Ktjtecoi des Homer und von dem ll'nv der Bibel her?